Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 18.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 188 — Weise nach Palästina geschickt hatten, zu Wchützen. haben sich aufgelöst und Anderen überlassen. Wdiejenigen Colonirn zu sorgen, die jene gegründet hatten. M Dir neuen Kolonisten, welche nach Palästina gingen. Wgneten den ernstesten Schwierigkeiten. Man fa«n W rnfststden und rnmänifche« Israeliten nicht Muvor den trügerischen Hoffnungen warne«, Mche bei ihnen bezüglich der Oolontfatioa Mlästina's genährt werden. Augenbltchltch Mre ein jeder solcher Versuch 1« Voran» zn Murtbeile», und würde« die neuen Gründer Mgrausamen Enttäuschungen entgegengeben.' > Eine Aufforderung betr. Propaganda Wpie Alliance durch die Schulen: »Herr Dr. Kroner, in Brandenburg, schreibt da» C.-C.. hat der Alliance einen Mschlag gemacht, dessen Verwirklichung die bestrn Folge» für die Raiiee habe» dürste. E» mögen in einem Ausruf sämmtliche Uelilische Lehrer ausgefvrdert werden, ihren Schüler» das Hl der Alliance zu entwickeln, sowie die Dienste, welche I dem Judrnthum bereit» geleistet und noch leiste» kan». Re derartige Lehre würde dem Kerzen der Kinder da» R»e Princip der Solidarität, der Zusammengehörigkeit der Iden, welche» die Alliance am ausdruckvollste - symbolisirt. I tiefsten einprägen und derart künftige Anhänger für die- Re lieranbildr». Da» Central» Comits bittet die Local- Rmiiö'« ihm ihre Hülfe zu einer solchen Propaganda zu Ikii und ihm die Mafinahmcn, welche sic für die bestrn »d erfolgreichsten halten, angrbe» zu wollen.' I ZurArauuschwelß. (Or.-Corr.) Wa« ist Conservatirmu«? leie Frage beschäftigte mich schon lange Zeit und ich konnte »> keinen Begriff davon machen, bi« man e» mir bei meiner »Wesenheit in Hannover durch Beispiele erklärte. In Rnnvt'er wurde ain AuSgang dr« Sabbath«, wie r« in Hirn Gemeinden Deutschland« Brauch ist. der bekannte nalm mit der bekannten Melodie gesungen. Da die Synagoge in wegen ihrer besonderen Schönheit öfter von Christen lucht wird, so traf e« sich einmal, daß ei» Christ, der den »sang de» Psalm», welcher Wirrwarr durch einander ging. Ine. sich über die Disharmonie in einem jüdischen GotteSrnsic verwundernd aussprach. In Folge dessen wurde mit Iniimmung de» seligen Landrabbiner» Oe. Meyer von In berühmten Obercanior Herrn Berggrün in dr» Gesang Ihr Ordnung gebracht und bestimmt, den Psalm Per« um Ber» Iwcchsrlnd vorzutragrn. Diese Neuerung (?) empörte einen wchcviiservativcn (Lerrn Hirsch) sehr und er bemühte sich seit lirr Zeit, die alte Unordnung wieder hrrtustellen. Bor einiger In stellte er beim Rrpräsentantrncollegium den Antrag, eine «mmission von fünf Mitgliedeni mit dem Landrabbiner an fr Spitze zu tvählrn, um über diese da» Judrnthum gefindende Einrichtung zu verhandeln, in der Hoffnung, die püdischkrit* in der Gemeinde zu conservire». Dir Reräsenlantrn aber konnten sich nicht zu dieser Idee erheben, r erblickten nicht in dieser Einrichtung eine Gefahr für da« wdenihum und zogen e» vor. den Psalm lieber nach der tuen Ordnung zu singen, al» nach dem alte» Wirrwarr. Diese» war der erste Streich, doch der zweite folgt »gleich Die liebr. Grabschriften pflegte der selige Religionslehrrr lübfl, der über sechszig Jahre im Dienste der Gemeinde and. zu verfassen und er verfuhr dabei wie gewöhnlich, an >e Spitze der Schrift die bekannte Abbreviatur 3"G oder v"v » setzen. Nach dem Hinscheiden diese« Manne« wurde diese lrdeit einem Manne, der al« gediegener Hebräer bekannt ist. l>erirage». Dieser richtete sich nicht nach der alten Schablone. >ndern fing dir Aufschrift mit einem von ihm selbst gebildeten str» an, zu dem die obigen zwei Worte gar nicht pafite». ener hochconsrrvative Herr erblickte auch in dieser Neuerung ne (Gefahr für da» Judenthum und da er im Vorstande t* Wohlthätigkeit«verein« leider eine dominirende Stellung »nimmt. so befahl er dem Steinhauer jede»mal ohne Au«- ahnie da» bekannte v"v vorzusetzen, lediglich au» dem Grunde. nicht tbzuweichen von dem, wa» von jeher Gebrauch war. Wir lmtten die Gelegenheit, einige dieser Grabschriften, bei denen da» tO"B auf Anordnung de» strengen Herrn vorgesrtzt worder. nachttäglich zu sehen, wir konnten darin nur eine Verballhornung der hebräischen Sprache erblicken, aber — so conservirt man da» Iudenthum.') Betrachten wir nun diese Anschauung von der ernsten Seite, so finden wir sie sehr ttaurig. Wir fragen: Wo soll da» weiter hinführen, wenn jeder noch so unbedeutender und nur in einzelnen Gemeinden eingrführter Minhag, trotzdem jcdem Vernünftigen die Abänderung einleuchtend, ja sogar nolhwendig erscheint, dennoch au» falschen Principien auf keine Weise abgeändrrt werden darf? lLeifi denn der Eiferer nicht, dafi da« Absingen de» Psaln.« am Sabbathau«gang nur in einzelnen Gemeinden Deutschland« Gebrauch ist. während neun Zehntel der Juden da« gar nicht kennt? und dennoch soll die Gemeinde Hannover nicht berechtigt sein, bei demselben Verschönerungen vorz»' nehmt n? J>t dem Eiferer unbekannt, dafi unsere Weisen viel wichtigere Vorschriften al« da» Absingen eine« P,alm« au« Scheu vor Spott für aufgehoben erklärt hatten? O. anstatt unsere heilige Religion zu Ehren zu bringen, ihre erhab'iien Ideen und herrlichen Principien jedem denkenden Menschen hoch erscheinen zu lassen, setzen solche Eiferer sie in de l Augen der Welt herab, so dafi selbst religiös gesinnte Männer durch die fast ividersinnigen Anschauungen irre gesüh.t werden. M. A««ö«rg, 24. April. (Or.-Corr.) Am jüngsten Sonntag fand dir Einweihung der Israelitische» Töchterschule (der Gemeinde) statt. Diese Schule bildet die Vereinigung zweien bisher von verschiedenen Directionen geleiteten Mädchenschulen, von denen die eine fast lediglich aus den Mitteln der Gemeinde, die andere dagegen aus dem Ertrage ihr von verschiedenen Quelle» zugcflossenen Einnahmen erhalten worden war. Zunächst bildeten bei diesem Institute die Zinsen der seit dem Jahre 179«, dem Begründungsjahre, allmälig angesan.meltcn Capitalien, au« Geschenken und Legaten herrührend. den Hauptbetriebfond; aber auch jährliche Beiträge und Renten trugen wesentlich zur Erhaltung und Weiterentwicklung desselben bei; nicht minder' brachte da», wenn auch nur von einem Thril der Schülerinnen gezahlte kleine Schulgeld, sowie da« von allen gezahlte wöchentliche Büchergrld von 10 Pfennigen eine gröftere Einnahme, das Fehlende fchofi die Gemeinde alljährlich zn. Schon feit mehreren Jahren ivard in beiden Schulen, welche »aturgrmäfi miteinander rivalifirte», der Wunsch einer Verschmelzung rege und zwar zunächst, weil die Ansprüche, welche in neuerer Zeit an die Schule gestellt werden, weit gröfierr Mittel bedingen und auch die Gehälter stetig wuchsen. Die Ausführung diese« Plan« ward jedoch erst möglich und besch.offen, nachdem ein Mitglied de» Gemrindevorstandc«, Herr R, die Kosten de« Baue» eine» neuen, Raum für siebenhundert Kinder bietenden Schulgebäude« zu tragen sich bereit erklärt und der Staat de» Platz unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte. Den» r» war von Seiten der Direction der Mädchenschule von 1798 die Bedingung gestellt worden, dafi ihr Grundkapital von etwa M. 64.099 zu einem PensivnSsond de« Lchrpersvnal« von nun an dienen solle und die Legatsrenten »nd etwaige Beiträge und Gefciienke diesen Fond so lange vcrgröfiern sollten, bi« er die Höt»e von M. 100,090 erhalten haben würde. — *) Obige» Beispiel ist wirtlich charakteristisch: da» i>etstl nicht da» Judcnlbum, sondern die Ignoranz conserviren. Air wollten'« kaum glauten und zogen direkte tirkundignnaen in Hainnver rin und erhielten Abschriste» einiger dieser durch den ckiser de» Herrn Hirsch entstellten ötradsleinschrtlien: wir habe» keinen Raum, sie hier ab,»drucken, jeder de» Hebräischen Sündige wird über eine solche ungrammatische wort zusaminensiellung den Kops schliiteln. Wenn ein späterer tlteschicht»- schreixr «ine solche Inschrtsl zu entzisser» habe» sollte, wird er audrusen. »Weich' ein Am haare* hat dergleichen zu «lande gebracht I' Und doch httb> **■ TDn .TT? fK. Red.