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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 18.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 182 — Leb«n»versicherung»gesellschaft „Sictotta* in Berlin geschlossen, der den jüdischen Eultusbeamten sehr viele Vergünstigungen gewährt.^) Der Gemeindebund bezahl» '/, der Prämie, '/, die betreffende Gemeinde, so daß der zu versichernde Beamte ebenfall» nur '/, zu zahlen hat. Im Jahre 1883 sind 84 Gesuche von jüd. Eultusbeamten (Rabbinern, Eantoren, Lehrern u. a.) eingegangen (39 von Bundesgcmeinden und 45 von Nichtbundesmitgliedern) und sind auf genannter Grundlage Lebensversicherungen in einer Höhe von ca. 100,000 M abgeschlossen worden. Die jüdischen Eultusbeamten scheinen jedoch den groben Bortheil, der ihnen durch diese» Abkommen gewährt wird, noch nicht genug einzusehen, sonst würden sie einen viel ergiebigeren Gebrauch hirrvon machen. Mit Dank wird der Eifer, die Thätigkeit und da» Entgegenkommen de« anwesenden Hauptvertreter« der .Victoria- (Herrn Le»zyn»ky) anerkannt, derselbe erklärt auch auf einc Anfrage de» Herrn Levy bezüglich derjenigen Eultusbeamten. welche ihre» Gesundheitszustände» wegen bei den LrbenSversicherungSgesellschaften keine Aufnahme finden könnten, dab für solch, Ausnahmrfälle sich eine Zeitversicherung empfehle, wobei der lYesundheitSzustand nicht ausschlaggebend sei. Auch zu solchen Zeitversicherungen gewähre der Gemeindebund Subventionen. Nachdem noch von einer Seite (Dr. Rahmer) darauf hingewiesen wurde, daß der Gemeindebund mit den verschiedenen Lehrerunterstützung«. vereinen Fühlung behalten möge, und der Referent bestätigend hervorhob, dab auch diese au» der BundeSkassr subventionirt würden, nahm die Versammlung mit Befriedigung davon Lenntnib und man ging zu Punkt 6 und 7 der TageSord nung (Normallrhrplan und Schulinspektion) über. Die Debatten hierüber — über welche wir in der nächsten Nummer in besonderem Artikel referiren wollen — wähnen bi« 12'/, Uhr. woraus der Vorsitzende eine kurze Pause von Stunde eintreten lieb. Nach der Panse kommt Punkt 8 der Tagesordnung: (Antrag auf Bermehrung der lokalen Pereine für die Pflege des Handwerks, der Landwirthschaft und der technischen Gewerbe untel den Juden) zur Debatte. E» waren zwei Referenten für diesen Antrag zugegen: Herr Professor H. Br eh» lau und Herr Maurermeister Adler. Ersterer erklärt sich bereit das Referat vorzutragen. Er beginnt mit einem Rückblick auf die Thätigkeit des Berliner jüd. Handwerkervercin». dessen Vorsitzender Referent ist. Er schildert die Aufgaben, die Arbeit und den Segen, den dieser Verein gestiftn und beklagt, dab in der Provinz weniger Propaganda bez. dieser brennenden Tages- und Lebensfrage gemacht werde. Er mvtivirt den Antrag und bittet mit eindringlichrn Worten dahin zu wirken, überall, auch in kleinen Gemeinde» der-! artige Vereine zu gründen und zu unterstützen, denn nur dadurch, dah man die südliche Jugend zu tüchtigen Hand-! Weckern heranbildet, kann man den Beschuldigungen der i Antisemiten entgegentreten. dab die Jude» nur für den ] Handel aber nicht für das Handwerk sich eignen. Der Berliner jüd. Handwerkerverein wolle gerne überall, wo es verlangt wird, mir guten Rathschlägni zur Hand geben. Der Eoneferent Herr Adler ergänzt da» Referat in statistischer Beziehung und unterstützt de» Antrag ebenfalls. Herr vr. Braun, Vorsteher der Auerbach'schen Waisen- Anstalten, hebt hervor, dab diese AnstaltDseit ihrem Bestehen circa 200 Zöglinge entlassen, die tüchtige Handwerker gewordcn. rrr vr. Ludwig Stein, der lange in Holland in Amsterdam gelebt, berichtet über seine doN gewonnenen Erfahrungen: in Holland werden sämmtliche Handwerke von Juden ausgeübt, die meisten Handivrrkcr, besonder« di« jüd. Schuhmacher, fristen jedoch ein kümmerliche« Dasein. Darum wäre eine Art Statistik über den Erfolg der Handwerk»bestnbu»grn über den Zustand der jüdischen Handwerker lRedner^nennt da« eine »intellektuelle* Statistik) nöthig. •) vir haben dieselben ln Nr. 8 »er vochenschrtsl vor. Jahrg speziell ausgesllhrt. Herr Rechtsanwalt Emil Lehmann -Dre«den wünscht, daß «an Prämien für Lehrlinge stiften möge, die ihre ganze dreijährige Lehrzeit absolvieren; er giebr zugleich einen lieber blick über die Thätigkeit de» Mendelssohn-Verein» „ Sachsen, der im ähnlichen Sinne wirkte. Herr Prediger Lion Wolfs, Drputirtrr für Emde» spricht von seinen Erfahrungen, die er in dieser Frage in seiner Heimathgemeinde gemacht und warnt vor zu weitgehen demHandwerker-FanatiSmu», der mehr Opfer fordern könne wie di^ ganze Antisemlten-Bewegung. Er verweist auf einen speciellen Fall, der in seiner Hermath sich ereignet, wo der Erfolg in gar keinem Verhältnib zu den groben Opfern ge. standen. ES wären damals viele Ikräfte. Geldmittel und noch mehr Zeit unnütz verschwendet worden. Wenn auch sämmlliche Juden Handwerker werden, so würde die Antisemiten- Frage dennoch nicht au« der Welt geschafft sein. Der Gegner würde dann andere Schwächen aufsuchen. Man muffe de, diesen Bestrebungen dir Individualität der Lehrlinge besonder» in« Auge fassen. Herr Professor Brehlau ist durch diese Darstellung überrascht. Er begreift nicht, wie sich gerade in OstfrieSland rin so ungünstige» Verhältnib in dieser Hinsicht ergeben konnte; in Berlin gäbe e» eine grobe Zahl tüchtiger jüd Meister. Herr vr. Uroner-Erfurt bestätigt die Darlegung de» Herrn W.; dir Hunderte, welche in seiner Gegend vvi 20 Jahren ausgebitdet wurde», seien dem Handwerk »ich, treu geblieben. Rach seiner Ansicht liege aber der SchiiHpunli nicht in der Frag^ wo man jüd. Lehrlinge, sondern wo man jüd. Meister finde, bei denen dir Jugend rin Hand werk crlerneri könne, ohne dir Sabbatb- und Speisegesetze z« übertreten; und seine AmtSgenofse», die mekstc» Rabbiner. könnten dir Heranwachsende Jugend nicht dazu mahnen, ein Hand werk zu erlernen, wenn sie voran-sätzlich al» Lehrlinge und Gesellen die heiligsten Gesetze zu übcnreten gezwungen sind l Der Vorsitzende bedauert sehr, dab die rrligiöse Seite in diel Diskussion gebracht wordcn sei; e» handle sich hier lediglichl darum, ob man dahin wirken wolle, dah man da- Handwcrll unter den Juden verbreiten wolle, dir religiöse Frage komiml hier gar nicht in Betracht, der D.-J. G.-B hat damit nicht»! zu thun. da» sei Sache der Unterhandlung der Eltern, bril Vormunde», rrsp. dr» Rabbiners mit dem brtr. Meister. I Herr Professor Lazaru» kommt nochmals auf d«I Rede des Herrn Prediger Wolff zurück und wünscht dnl Gründe, sowie die speciellen Verhältnisse der Provinz land über die angeregten Punkte zu kennen. Wenn abnl so schlieht der Redner, au» iümmtlichrn Handwerkern, di» 3—5 Jahre gelernt haben, auch «aufleule, ja selbst Gelehr«!?geworden, so habe ihnen allen die Lehrzeit »ich«« geschadccl ir hätten dann wenigstens arbeiten gelernt und das wanl auch schon ein Bortheil. — Herr Wolff erklärt. er wollil obwohl er bereit» 20 Jahre von seiner ostfriesischen HeimoiW fern sei. suchen, da» nöthige Material zu sammeln und stimmiW schliehlich trotz alle- und alledem dem Ausschuhantragr zoW der, nachdem auch noch der jüngere Hildesheimer vom Vor-I sitzenden bezüglich der Laddath- und Speisegesetzfrage nW seinem Gewissen beruhigt worden, e i n st i m m i g angenommc-W wird. lSchlug fOflM ■ Gerichte nttb Correlpo»drrr?err. I Deutschland. I Magdelnrß Da« neueste Bülleti» der All. J«r. brinM zwei der besondere» Mittheilung und Verbreitung wertW Aruberuiiaen de« E.-L.'»: 1. Eine Warnung brzügliM Kolonisation Palästna'«: .Seit einigen Jahren ist c»M groheAnzahl russischer und rumänischer Israeliten nach PaläsmiW auAgewandert, um daselbst Lolonien zu gründen. E» haben s>W sogar in einigen Städten Rumänien» Eomitä« gebildet, uW diese Auswanderung zu fördern. Die rumänischen Lomil^W welche ni ch t in der Lage waren, die Eolonisten, die sie u »M

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