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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 17. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 17.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Hatz, -Verleumdung. Fanatismus und VerfolgungSsucht sich befinden. Red.) A«, Württemberg. (Or.-Corr.) Durch die Berufung de» Herrn BezirkSrabbinerS vr. Sil der sie in nach Wiesbaden wird mit dem 1. Juni die RabbinalSstelle in Mühringe» vacant »vcrden. Bei der Besetzung diese» RabbinatSsitzr», der. im Schwaizivald gelegen, eine größere Zahl von Filialen, darunter die Universitätsstadt Tübingen, umfaßt, drängt sich unS rin Gedanke auf. dessen Derwirklichung für die.J»rarliten deS ganzen Landes von größter Tragweite sein dürfte. Bekanntlich rxistirt in Württemberg durch da» Gesetz v. 31. Jan. 1834 eine staatliche RabdinatSprüfung, die, der bei uu» herrschenden Gleichberechtigung entsprechend den christl. theol. ExaminibuS ganz conform ist. Unsere Rabbinen waren seither gcnöthigt, ihre theologische Bildung auüivärt» sich anzurignen, ein Umstand, der wohl die meiste» einhrimischcn jüd. Studirendrn davon abgrhalten haben dürfte, sich der jüd. Theologie zu widme». Durch die Verlegung des RabbinatSsitzr» von Mühringe» nach Tübingen und durch Berufung einer geeignete» Persönlichkeit auf denselben, der die Brrrchtignng zuzugcstehen wäre, in talwndroi« et rabdillioi» zu lehren, wäre diesem Ucbelstandc leicht abzuhelfr». Wir glauben, daß e» bei unserer toleranten Regierung, die in rühmlicher und dankenswrrther Weise die Interessen aller ihrer Unterthancn verfolgt, nur einer Anregung bedarf, um obigen Gedanke» zur Verwirklichung zu bringen und den Israeliten de» Lande» dir Möglichkeit zu verschaffen, den allgemeine», gctviß berechtigten Wunsch »ach cintieimischcn Rabbinen befriedigt zu sehen. Daß auch Ausländer eine derartige Einrichtung linützen würden, um ihren rabbi»isch-tl»eol. Studien mit Erfolg und ohne überniäßige Verlängerung ihrer Studienzeit obzuliegen. ist kaum zweifelhaft (Letzteres ist schwerlich anzunehmen, dazu giebt r» doch in Deutschland gut organisirtc Rabbiiierseminarien. Red.) Z«» Avürttemtzerg, l3 April. (Or.-Eorr.) Der Verband der württ. jüdischen Gemeinden bchuf» Unterstützung armer durchreisender Armen mit dem Vorort Hcilbronn Iku sich in Folge de» Austritt» von 17 Perbandsgemeindrn »ach mchrjährigem Bestände Aufgelöst. J»> Jahre 1883 hat derselbe noch 2272 Personen Unterstützung gewährt. Die Einnahme» betrugen 14,100 Mk., und die Ausgaben 13,(194 Mk.. die rrstircndcn 472 Mk. wurde» unter die cinzeliic» Gemeinden »ach Maßgabe ihrer BcitragSquote vcrtlieilr. ^d voo«m Nestle erlaube ich mir. da ich de»fr,den bisher nie als Antisemit kennen lernte, mitzuthrilrn, daß derselbe in dem Streite Delitzsch contra Rohling in der .Deutschen Reichspost". dir aus dem Tisza-Eßlaer Procrß für ihre antisemitische Tendenzen Kapital zu schlagen suchte, gegen die Rohling'schc Beschuldigung auftrat.*) und >>a Nestle in Württemberg als Autorität auf dem Gebiete der semitischen Sprachen gilt (er ist, »vir Sie wissen, Verfasser einer syrischen Grammatik), so hat seine Polemik für Delitzsch in dem Leserkreis dieser konservativen Zeitung in Württemberg und dem protestantischen Bayern sehr wohlthätig gewirkt, trotzdem ein anderer rvang.Geistlicher. Richard Weitbrecht in Mühringe», die Rohling'sche Ansicht zu verfechten suchte. Ich kenne Herr» vr. Nestle seit 6 Jahren, und würde von einem weiteren schroffen Auftreten gegen denselben qi'to 'am «jea abrathe»,**) damit derselbe nicht i» da» Lager der Antisemiten gebracht wird; die von demselben gebrauchten Ausdrücke will ich dadurch keineswegs entschuldigen. 8. A3rOrrrtid).Unaartt. W. Wie«, 18. April. (Or.-Eorr.) Die pia desideria, die den „Großen in Israel" ans Herz gelegt wurden, •) Ist da» ein besondere« Verdienst, wenn man im Uampse der Wahrheit gegen die Lüge sich für die erste,« entscheidei? "> In «isienschastlichen Dingen geht un» flQK vor CITtP und die Furcht. e« könnte Jemand, der bereit« — trotz der syrischen «rammatik — antisemitisch angevancht ist, ganz in'« semi»tsch« Lager übergehen. kann un« nicht von derPfucht entbinden, für die verletzte lihre semitischer Männer der Wisienschasl cinzutrrten. Herrn vr. Krone,'« (Brandenburg) .offene Antwort" t« Ltrtrbl. 14 >var eine verdienstlich« Thal. (Red.) sind gewiß vollkommen berechtigt und begründet: aber geehrte Autor selbst täuscht sich nicht und giebt sich nicht Hoffnung hin. daß sie in Erfüllung grh»n werden. ShW wie vor werden wir dir „Großen in Israel" blo« öS Neujahrs- und BersöhnungStage. oder auch nur am letztens im Gotteshause sehen u. s. w. WuS mich betriff», will ehrlich gestehen, daß mir dir Masse de» Volke» höher |i.(S als die Großen und diese Masse »vird, möchte ich s,iq,^^ systematisch aus dem Gotteshause hinausgrdrängt. 20—30 Jahren galt es geivisscrmaßen als Schimpf, man Jemanden eine» Siddur-Lamde» nannte, heute ji-ftuH ivill e» schon viel sagen, wenn man Bescheid im Siddur ivcfl und da bei uns eben so »vrnig »vir bei anderen Eonfcssic»,<W jetzt ein großer Eifer und eine starke Begeisterung für dW Religion vorhanden sind, so ist e» selbstverständlich, daß d,cW Unkennlniß de» Inhalte» der Liturgie nicht dazu beigetrag,W hat, die Zahl der Besucher des Gotteshauses oder d<W Betenden überhaupt zu vermehren. Dazu kommt aber ein anderer Moment. Es ist ziveifrllos, daß unsere AnschauungcW auf religiösem Gebiete andrrs sind, als sic früher »varen. m-W dürfte cs unter gebildeten Jliden heute nur »vcnigc geben. kW die Wiederherstellung de» blutigen OpscrdicnfteS Herbeirvünsch-W möchten. Wie soll also z. B. das Gcl>et n2C N12N, iullfl man den Inhalt kennt, zur Andacht stimmen'? Schließt« möchte ich »och der Länge des Gottesdienstes Erivähnuu. thun. An Sabbatl»en und Festtagen, ivenn Predigt ist, baiu-r der Gottesdienst beiläufig drei Stunde» (am NcujahrstaK sogar fünf Stunden) — kan» man so lange andächtig sein' und seien »vir aufrichtig, »vir viele Leute l»abe» Zeit, so beim Gottesdienst zu sei»'? Meiner unmaßgeblichen Mein«« nach müßte da etiva» und zivar recht bald geschehen, deur leider werden die Verhältnisse immer ärger. (Was den letzter,-: fertigten Ucbelftand — Länge des Gottesdienstes — anlangi o ist derselbe durch W'glassung der Pijutim, der .stillen' Schmoll« essre, Beschränkung des Ehorgesangs und manche» geschnürkelten Singsang» der Cantorrn zu beseitigen: für Kenniniß de» Inhalts der Litnrgie muß die Schuir Sorge tragen. Red.) Krakau, 10. April. Die hier erscheinende .Rrsormn' bringt einen umfangreichen Bc-richt des Wrrschaurr Gouvc, ncurs, General Gu rlo, »ach Petersburg lxzüglich der er forderlichen Mittel zur Reform der geistige» Ausbildung resp. der vollständigeu Russisizi ru ng der jüdische» Bevölkerung in Kongreß-Polen. In dem Bcriän wird zunächst der stete Kamps zrvisrlien den Orthodore« und den Fortschritts-Jude» geschildert »ad die sonschrittliche Partei als jene in dem Judcnthum Russisch-Polen» und Galizien» dargrslellt. die nach der Vermischung mit de« Polen behufs gü n zl i cher P v l o n i si r u » g sä m m t lichcr Juden strebt und desl)alb dem russische» Elemente feindlicli sei. Der Bericht sagt: ..Die jüdische Fortschrittspartei in zwischen zivei Feuern; e»t>vedrr muß sic offen sich für die Regierung erklären und die Umgestaltung der polnisch,« Juden in treue Uutrrthancn anstrebcn oder der nationale« polnischen Partei huldigen, im Sinne der polnischen Ideale wirken und den sprichwörtlichen Typu» eine» „Polen mosaischer Religion" repräsentirrn; leider ist letzteres der Fall" Der Bericht schildert die Haltung der aufgeklärten Juden i« Aufstande von 1803 und sagt. so lange die polnische Intelligenz dem russischen Staatssystem feindlich gesinnt sei. so lange die jüdische Fortschrittspartei sich mit der polnische« Intelligenz zu verschmelzen strebe, müffe die russische Regierung >m eigenen Jntcrcffe die orthodoxen und die konservativen Juden im Kampfe mit den aufgeklärten schützen, um die PolonisirungSbestrebungea der letzteren lahmzulrgen. England. <Lo«tzs«. (Ein Seitenstück Dünner'scher Intoleranz.), Jewisd World" veröffentlicht zwei beklagenSwerthe Entscheidungen bei Londoner RabbinateS, »velchc — »venn sie autentisch sind — mit Fug und Recht als Zeugnisse religiöser Intoleranz an-

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