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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 17. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 17.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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127 — IrtKTi sind. Da- Lind, rin beschnittener Knabe, eine« jüd. Iter« und ei»er nichtjüd. Mutier, die jedoch die Religion Ire« Aalten bekennt, (da« ist sehr unklar!) war ge- Irben und da» Rabbinat verweigerte ihm die Beerdigung Is dem jüd. Friedhöfe, »veil die Mutter Richtjüdin ist, da« I»d folglich der Mutter nachgerechnet »vird! (Aber die lichnribung? Und die Humanität? Hat den» die verpchcrtr Schulchan-Aruch Orthodoxie die stimme der Menschbfeit ganz erstickt? O Moses, MoscS, »vaS haben diese Imfchen aus Deiner Lehre der Milde und Menschenliebe Jen rrrn) grniachl! Und da» geschieht von den Obcrrabbincn r r Länder, in denen die Jude» die volle Freiheit geniesten, Ingland und Holland. Red.) 1 ZiveitenS hat dasselbe Rabbinat entschieden, daß Taub- ^iimc nicht zum Mmjan gezählt »verden dürften. (Unsere rbodoxesten deutschen Rabbiner vollziehe» die Dränung lieber Taubstummen, die hcrangcbildct sind, ohne Weigern! \x haben »vir « — die englische Orthodoxie ist der deutsche» ch über — ist sie ja rin Mixtum compositum von putsch-polnischen Elementen! Red.) Rußland. ^eter»ß«rß. Am Alviid des schuschan Purim fand er eine musikalische Abendunterhaltung mit Tanz statt — ■roii Reinertrag (1*00 Rubel) für die Eolonifatio» Paläna's bestimmt »var. Etwa **00 Personen nahmen an dem ne tlieil. Die 5 Sänger und 3 Sängerinnen sind jüdische chüler de» hiesigen Conservatvriums — ein Mädchen, das chauspirlerin werde» soll. Rainen» Biuk, deklamirte ein edicht. Bei der Auswahl der Musikstücke wurden jüdische oniponiste» allein berücksichtigt, doch ignorirte man dabei e Taufe, »vie Ihm Rubinstrin. Zwei in « Russische überagenenr national-jüdische Lieder bezcichnrlen die Tendenz ei Feier, ^Sprich zu Israel, dag es ziehe", von Frug und Mit Jung und Alt »voUen wir gehen" von Jrhuda Leib )ordvn (rl>ensaUS von Herrn Frug in's Russische übertragen). >err Braun hatte diese beide» Lieder eomponirt. Au 200 >aare tanzten. Am Buffet verkausten Ehrendamen die :peisr» und Getränke. — Aus hohen, vom Kaiser bestätigten, Befehl ist die jüdische lrbeitS-(Gewerbe-) schule in Sitvmir geschlossen worden. Aus Taurogge» wird von einem rara avis hechtet. von rinn» jungen, pominer'schen Juden. der dorthin »en hebr. Wissen» haar, gekoninien ist, »m Talmud zu »idiren — und im l!halat mit Paieö r» in wenige» Jahren » hoher BoUkoinineiiheit gebracht hak. Der -'tjährigc »vill im nach Palästina »vandcrn — um dort zn lerne». > In Mvltiz zMohiletv» haben Jude» einer Getauften, lls sie von ihrer Trauung mit ihrem Manne heimzog. rchmüh und Schimpfreden zugrjchriren. Da» gab Anlag ii einer Judenl»etze. die nur durch de» tapsern Widerstand >cr Juden, deren Häuser man zu plündern anfing, im Keime rsiickt wurde. — Die „Sarin" schreibt: „Wir fordern die )!o>vo Wremja auf, unsrre Orte z» durckitvandern und zu elien, ob es 5 ruffifdje Gutsbesitzer gikbt, die Nicht jüdische ichter hätten. Auch der Bater der Auönahmcvcrordnungen. "e den Juden die Landwirthschaft untersagen, der Graf gnatiew, macht keine AnSnahmc, auch er hat »de», dir seine Güter bewirthschaften! (Vgl. unten „Kieiv".)?eter»>Urg. Zu Ehren de« Jubiläum» de» Herrn h 2. SlonimSky versammelten sich seine Berrhrer hier »» 21. März bei Herrn £>. Rabinowitzsch, »vo in Vorträgen md Reden beim Glase Wein de» Jubilar» gedacht ivurde. wurde eine Anekdote niitgetheilt, die wohl verdient, »veiter xrbrntrt zu werden. Ai» Slonimtky nach Wilna kam, um «« erstes mathematisches Werk drucken zu lassen, kehrte er > einer Schenke ein und liest sich ettvaS zu trinken geben. Wirth fragt ihn, woher? wozu? Und auf die Antwort» er ein mach. Werk drucke» lassen wolle, bittet er, eü *" zu zeigen — und fängt mit dem Berfasfer zu diSpu» ren an. Seitdem sind die beiden innig befreundet. Der Wirth war Herr Jakob Bant, bekannt unter dem Namen Jenkele Kowner! Mögen — fügt „Hameliz* dieser Anekdote hinzu — die Antisemiten unter ihren Schenkwirthen Einen suckln, der ein gelehrter Mathematiker ist! ^eterrvurg. Jubelnd verkündet die „Rowo Wremja*. dass ei» Jude nebst Weib und 5 Kindern sich habe taufen lassen. Der Arme l»at keine Unterstützung gcfundc». ist dann in dem von Archimandriten Jnoccnti geleiteten Asyle ausgenommen und — bekehrt worden. Wie grästlich »och hier zu Lande 'da» Volk ist. zeigt folgender schrecklicher au» Cherson gemeldeter Fall. Ein Mützenmacher cntlästt einen Gehilfen und verweigert ihm die Auszahlung von noch restircnden 8 Rubel Lohn. Um sich zu rächen lvckt der Unmensch ein 5jährige» Töchtcrchen seines Brodherrn und ein 2jährige» Ziehkind desselben an sich und — wirst sie in eine» Brunnen. Der Thäter ist im Gefängnisse. Verarmung, Brodlosigkeit für kleine Geschäftsleute, Handwerker und Arbeiter, Verrohung — Juden morde nnd Raubanfälle der Bauern — das sind die Folgen der Maigrsetze, mit »velchrn Jgiiatieiv seinen Rainen dem Fluche üt'erliefert l>at. In Aute» (Bezirk Horadno) hat'« eine groste Schlacht zwischen Frauen und Männern gegeben — wegen des Gotteshauses. Unter dem früheren Rabbi ist im Bethha»ridrasch der Ehassidim eine Abtheilung für Frauen eingerichtet worden und die Weiblei» haben 200 Rubel für ihre Sitze gezahlt. Da kommt rin neuer Rabbi, dem alle» Weibliche als der Sünde Pfuhl erscheint und — die Thür der Frauenschule wird verschlösse». Die frouimen Beterinnen pochen eines schönen Morgens vergeblich an. Aber es gicbt Rewlute unter ihnen — sie machen kurze» Procest und fangen an. die Thür einznschlagcn Die Männer eilen erglimmt in Tall>s und Tephiiin l-erzu u»d lmue» auf dir Frevlerinnen ei». Diese aber brauchen nebst der Zunge die Hände. Sie fassen die Bärte, sie packe» die Peies — und rin grimmiges Ringen entbrennt im kühlenden Schnee. Erst nach zivri stunden ward durch das Dazivischentreteii llnbethe ligter d:e Schlacht beendet, ohne dast der Streit geschlichtet worden ist. In Ale« sammelt ein Verein von Studenten und »lästig bemittelten Bürgern Wocheubeiträge, die zu Ehren Monirsiore's für Palästina verwendet iverden sollen. — Der Veiwa.ler de» Grafen Jgiiatieiv erklärt, dast die jüdischen Pächter noch au» der Zeit herfiainnien. in ivelcher die Güter nictit i» des Grafen Besitz waren. Er ninimt lieber für 1000 Rub. - 200, und lüstt keine» Juden den Kontrakt erncuern. Kzeultochau. Der 4. April hätte uns schrecklich werden können. Vor dem Hause eines in der Nähe der katholischen Kirche wohnenden jüd. Kaufmannes war ein leeres Zuckcrfast stehen geblieben, in welche» ein christl. Knabe hincinkrvch, um die Krünunchtn zu naschen. Ei» vorbeigehcndcr Jude stiest absichtslos oder muthwillig das Fast um, und dieses rollte die Straf,e entlang. Da e» mit Nägeln gespickt »var. »vurde der Junge mit einer Unzahl leichter Wuiiden bedeckt »nd schrie, als ob er am Spieste steckte. Die aus der Kirche strr inende Menge eilte herbei — nnd: Die Juden! Da» Passah naht — sic brauche» Ehristcnblut! Da» reizte da» Volt. Es fiel über das Geschäft des jüd. Kaufmann» her, prügelte den Commis und begann jeden Juden mit Steinen zu be- »verfrn. Die Juden schlossen die Geschäfte — Alle», Christen und Juden, eilte herbei — es sah sehr drohend auS — da grif die Polizei »och zur rcckstcn Zeit ein und stellte Ruhe her. Mkstsje« (Podolien). Hier hat ein 13jähriger Knabe ein.'in 5jährigen Mädchen einen Trauring angesteckt und laut die Trausormel gesprochen. Der darum befragte Rabbiner hat die Ansicht, dast daS Mädchen, nachdem sie das Alter erlangt l)aben wird, geschieden werden müsse. (War denn der Ring Eigenthum deS Bengels? — Eü kann doch nicht schwer fallen, die ganze Procedur als eine nichtübedeutendc Kinderei nachzutveisrn.) itzortsetznAg in der Beilage.

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