Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 17.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/5369809-5935099-5938153--5071-5377299- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I Obwohl sich dir Anzahl der Petenten am Schluffe de« ri sehr vergröbert hatte (64 gegen 49 im vorigen Jahre), orrn wir doch in der erfreulichen Lage, sämmtliche Geberücksichtigen zu könne», oh-e die Unterstützuna«quote ,zumindern. Dir Iahre»unterstützungen bttrngen M. 7888 n M, 7420 im Jahre 1882); außerdem verabreichten au» dem Reservesond in fünfzehn Fallen zusammen 896. Die zur Bertheilung gelangte Gesammlsumme g somit SW, 8764 (gegen M. 8020 im Jahre 1882). I Abzug der im Jahre 1884 zur Berechnung gelangen» M. 7868 beträgt da« Vereinsvermügen M. 117,606.04. I» der Reihe derjenigen, welche eine Jahrr«untrrstützung X». befinden sich zwanzig alleinstehende Lrhrrrwittwen, chn Witnven mit Hindern, achtzehn durch Alter. Krank, oder Erblindung dienstunfähig gewordene Lehrer. theil« flehend. theil« mit Familie, und endlich sieben un- »ge Waisen, Bei weitem der größte Theil dieser Unter- -» bezieht weder vom Staate noch von der Gemeinde Pension; dieselben wären sicherlich dem traurigsten >e prei-grgrben. wenn ihnen nicht die .Achawa" schützend seile stände. Allen hochherzigen Freunden unserer guten Sache, die durch ihre Liebesgabe» zu den menschenfreundlichen »gm ermuntenen. sagen wir herzlichsten Dank. Möge hrr Gunst auch ferner gewahrt bleiben. damit unser n in immer gedeihlicherem Einporblühen rin fortschreitend »reiche« Wirken entfalte!" Wir können nicht umhin, den Verein allen israelitischen ern und Rabbinen Deutschland« auf'« wärmste und tgrntlichste zum Beitritt und zur Unterstützung zu hlen. Anmeldungen sind a» den Vorsitzenden. Herrn lf Teblöe in Frankfurt a. M. (Baumiveg 3), hte». L. 0. Meutße» O-Schl.. 7. April, sOr.-Corr.) Ich e mir erlauben, die Aufinerksamkeit Ihrer Leser aus ide, für die jüdischen Gemeinden de» östliche» Deutsch. von Tag zu Tag brennender werdende Frage zu , Seit langer Zeit schon Ixziehen die Gemeinden >m Deutschland» einen sehr großen Theil ihre« Eultu»> ial« au« dm. Auslände, In letzter Zeit hatten namentlich und Litthaue» ein starke» Eontinent von Cantoren Schächtern gestellt. Abgesehen davon, daß e« nicht er gerade die besten Elemente ivarc». die z» uns her. »neu, daß man — wie e« hier und auch sonst vor» men — über ihr Vorleben selten volle Kcnntniß erlangen ferner, daß ihre mangell)aste Kruntniß der deutsche» che sie zu anderr» Funktionen al» denen de» Vorbe»«»« Schächten» untauglich machte, daß namentlich kleine» iiiden, die nur einen Bmniten halte» können, den »»«unterricht oft dadurch vernachlässigten, tritt heute ine anderr zwingende Rothwrndigkeit hervor, aus Bcschafrine« Ersätze» Bedacht zu nehme». Seit etwa Jahre», erschiverm die Regierungsbehörden die Anstellung von Inder» ungemein, indem sie ihnen die Naturalisation t versagen; nichtnaluralisitte Beamte dürfm aber rußen nicht angestrllt »verdr» Venn da« so foN geht, so wird in wenigen Jahren ein sehr fühlbarer Mangel a» Eulturbeamten eintreten. ■i ist somit dringende Pflicht der «Gemeinden, rechtzeitig asür zu sorgm, daß jungen Leuten Gelegmheit geboten »erden, sich zu tüchtigen Beamtm au«zubilde». Mit Au«, ahme de« Lehrerseminar« zu Berlin, welche» seiner reliiösen Richtung seiner ganzm Anlage nach ganz außer fitracht bleibm muß*), existitt in ganz Dmtschland östlich tt Elbe nicht rin einzige» Institut, welche« sich mit der strandildung von jüdischen Eantoren, Schächtern und -thrern txfaffen möchte, ähnlich, wie e» Seitm« der Anlaltm in Hannover. Würzburg. Löffel, Löln ic. geschieht. *) Da« Berliner Seminar bildet allerding» leine Schächter »». aber »tr kennen «ine «rohe Anzahl sehr tüchtiger Lehrer mit »nivrater Befähigung, die aut demselben hrrvorgegangen sind. (Red.) Wenn aber nicht in nicht zu langer Zeit eine vollständige Verwahrlosung rintreten soll, so müffrn die Gemeinden der Provinzen Schlesien. Posen. Ost- und Wefi-Preußen. Brandenburg schleunigst sich zur Gründung derarfiger Anstalten »usammrnthun. Damit jedoch nicht eine Versumpfung der Angelegenheit durch Übel angebrachte Sparsamkeit Seiten« einzelnrr Gemeinden einlrete. wie solche einen ähnlichen Versuch i» der Provinz Posen vor Kurzem zu Schanden gemacht hat, wird man gut daran thun, sich nicht auf freiwillige Zeichnungen der Gemeinden einzulassen, sondern vielleicht u» dilsrr Weise vorzugrhe», daß für jede zu gründende Anstalt da« l^eldersordrrniß sestgestellt und der Betrag auf die einzelnen Gemeinde» venheilt werde. Al» VertheilungSmaßstab könnte die Höl-e der von jeder Geineindr jährlich gezahlten Beamten» geholter angenomnien iverden. E» wird wohl jede vernünftige Gemeindeverwaltung einschen, daß c« sich hier um eine L«ben»frage handelt, daß hier Sparsamkeit sehr übel angebracht wäre. Im Lause der Zeit aber wird sich für dir Gemeinden auch ein materieller Nutzen dadurch ergeben, daß di! aus den gedachten Anstalten hrrangebildctc» Beamten durch ih er beffrrr Ausbildung nach verschiedenen Richtungen würden ver» twnbi t und da und dort ei» Beamter würde erspart werden köiinen, Daß e» den Anstalten nicht a» Zöglinge» mangeln wilrde, ist al» sicher anzunehmrn,**) Die Stelle» sind zumeist ganz auskömmlich dotiri und biete» jungen Leuten im Berholtniß zu den gegenwärtig schwierigen Erwerb«verhältniffrn gute Aussichten. Eine Hauptbkdiligliiig freilich wäre e», daß die Anstalten so organisirt werden, daß die Gemeinden auch da« volle Zatrauen zu de» au« de»selben hervvrgchenden Beamten Ix fc» können, daß sie die ihnen zu übertragenden Funktionen tr *u und gewissenhaft erfüllen werde», l8. Apr.l, (Ci.'üvvi,) Die hiesige Landrabbinerslcllr bringt die verbissenen Orthodoxen ungeheuer in Harnisch. Ei» durch seinen Fanatisnuie bekannter Nachbarrabbiner — ein Schüler Hildesheimers - hat r« mit einigen Parteigenossen »»» richtig fettig gebracht, ein Bittgesuch an die Kgl, Regierung dahier besonder« in den Landgemeinden in E rkulatio» zu festen und Unterschriften zu sammeln. Nicht« ist ja leichter, al« Massen»ntrrschriftenznsa»»nc»zubringcn, Wer von den Bielen hat sich wohl die Zeit genommen, da» ztvei Bogen langr Bittgesuch z» lesen? Mir ist r» gelungen, eine Abschrift von dem ersten Entwurf desselben zu bekommen, und ich halte r» für wichtig genug, darsclbe rrcl)t «niedrig au hängen," damit alle Welt da» Gcbahren dieser.Heißsporne kennen lerne, die vor kcinrm Ehillul haschein zurückschreckcn, wo e» gilt, kleine persönliche Borthrile für sich oder ihre Patte« zu erringe». E» werden darin alle sreisinnigcrcn jüdischen Elemrntc al» sog, Reforinjude» bei der Regierung al» besondere »Sette" «»geschwärzt, die Gemeinde Cassel al» fest allen jüdischen Leben« boar, da» Vorstrheramt und sogar auch der allverehtte Landrabbincr vr. Adler a!« alle» reli. giöscn Bettraucn« entbehrend hingrstellt; daß r« schließlich an Perlrumdungen der Berliner Hochschule und der Rabbinen an« dem Breslauer Seminar nicht fehlt, ist selbstverständlich. Man wünscht einen gcsetzc»trruen Landrabbincr au» der Hildeöhrimrr'schcn Schule 4 I» Cahn-Fulda, Abschaffung der Orgel u. s. w. E« wird damit wieder der Bcivci« geli.-fett, daß wir die größten Antisemiten in unserer eigenen Mitte haben. Gott behüte uns vor dieser Sötte! (Wir kr nnen da« umfangreiche famose Schriftstück in der heutigen Rr. nicht bringen, aber in der nächsten, da sollen die Gemeinden auf dem Lande einmal erfahren, wa» ihnen von so einnn .gesctzeStrruen" Landrabbincr bevorsteht, auf welcher Seite FnedenSlirbc, Humanität, Toleranz und auf welcher —) So ganz sicher ist da» «rsal>rung«nü>ßig allerdings nicht. Da« geeignetste Organ für dergleichen Neudearündungen scheint un» der D^I i«.<B. zu sein, ader dann müßten die Provinzen Schlesien, Posen, Preußen u. a. ein viel grüßere» Kontingent von B u u d e « gemeinden stillen, chehürt doch die «emeinde de« Einsender« obiger L»rrr«p. dem Aemetndebund« nicht einmal an. 2» ftrasi sich der Jndtfsrrentl«mu«! (Red.