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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 17. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 17.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 194 mit deutscher Gesittung in bescheidener Lebenslage war LaSker". Auch sei Laster'« ganze Bildung eine specifisch deutschphilosophische gewesen. Mit überwiegend weicher, gemüthvoll ernster Seelenslimmung wurde er von Schiller, von der deutschen Littrralur und Phtlosophie aufs Tiefst? erfaßt. Er erzählt selbst, daß er schon als Knabe in der deutschen Herrschaft der Hohenzollern in Posen da« Glück de« Lande« gesehen habe. Er war in Berlin dann viele Jahre der treueste Freukid in dem Hause Twesien. wo Schleiermacher'sche« Ehristenthum und freie Forschung herrschten. E« wird mir von kompetenter Seite versichert, er habe sich viel mit der Eomte'schen Philosophie abgegeben, und seine philosophischen GeschichtSronstruc» none» erinnern jedenfalls an Eomte. Im Ganzen aber habe ich au« feinen Schriften, Reden und Gesprächen mehr den Eindruck eine« philosophischen Autodidakten und Eklektiker« gehabt, der mit einer nicht gewöhnlichen Kraft abstrakten Denken» an alle Probleme herantrat, aber niemal« zufrieden war. ktiva» zu kennen, zu glauben, zu fordern, wenn er e« nicht in die oft weit hergeholten und breit ausgesponnenen systematischen Gedankenlinien ringereiht hatte, die ihn beherrschten. E« war ein Man» der Prineipien, der mit unwandelbarer Folgerichtigkeit von seinen Idealen au« in syllogistischen Schlußsätzen sich weiterbewegte". In dem zusammenfassenden Schlußwort seine« Aufsätze« sagt Schmoller u. A.. nachdem er von den Eonflicten de« Fürsten Bi«marck und La«ker» gesprochen: „Sie konnten sich nie ganz verstehen. Da» Paterland aber kann dankbar sein, sie Bride besessen, sie wenigsten« zrittoeise zusammenwirken gesehen zu haben. Getviß kann La«ker'« Wirken mit dem de« großen Kanzler» an praktischer Bedeutung gar nicht verglichen werden. Aber wenn die Nachwelt einst dem größten D.ulsch»,. l!>. Jahchuudcrt« sein elferne« Denkmal errichtet, so wird doch unten an einem Relief auch ein Platz für La«ker und Schulze neben anderen hervorragenden Parteiführern der Zeit übrig bleiben; die Nachwelt würde nicht verstrhkn, wenn sie da fehlten." (Der Schluß erinnert ganz an den Leitartikel, „Und doch LaSkcr und Bismark" Nr. lä dieser '.Wochenschrift". Red.) MagseÜUrg. Die von so vielen Seiten jetzt forcirte UolonisationPalästina« ist offenbar ein neue« Au«hängeschild, unter dem die Spendensammlungen für Palästina wieder besser in Gang gebracht werden sollen: wenn dirLolonisten wirklich arbeiten, so verdienen sie allerdings unsere Unterstützung mehr, als dir arbeitsfähigen Faulenzer, dir au« der Ehaluka sich füttern lassen, für welche der „Israelit" vor Prßach wieder dir große Trommel rührte und im Verein mit den „Würzburgern" und „Amsterdamern" Aufrufe über Aufrufe in den orthodoxen Blättern de» In- und Auslände« ergehen ließ. — Auf die Gefahren der MissionSbestrebungrn auf dem heiligen Boden der Rrligionsoffenbarung haben wir in uns. Bl. zu öfteren Malen dingewiesen, durch die Einwanderung der vielen brodlosen russischen und rumänischen Glaubensgenossen ist diese GiffahrnatürliHnochgewacksen.AbermitbloßenGeldsammlungen ist dem Uebel nicht abgeholfen, können wir denn mit den reichen Geldmitteln der engl. Mission, hinter der begüterte glaubenseifrige Lord« stehen, wetteifern'? Wollen wir überhaupt Religion mit Geld erwerben? Wem von jenen Ueberläufern der |üb. Glaube für MissioaSgrld feil ist, an dem ist nicht» verloren, wozu Geld sammeln, um solche Menschen wieder zurückzukaufen? Etwa damit sie sich dann nochmal« an die Mission verkaufen können? Nur für die Wenigen, die von bittnster Roth getrieben, au» Unverstand, den glatten Worten der Missionäre Gehör geschenkt und in'» Garn gegangen und die gern in aufrichtiger Reue zurückkehren möchten, aber au« Mangel an den nöchigstrn Mitteln die« nicht können, wäre Unterstützung nvthla. Aber dazu bedarf e« keiner Eammelbüchsen- Sv elerei i 1» Reichsfechtschulr (f. vor. Rr. „Berlin"); hierfür bestellt bereit« eine Trntralstelle, wie jeder au« den von Herrn Raboiner Dr. Salvendi veröffentlichten und unserem Blatte beigelegten „Spenden-Listm" ersehen kann. Wozu diese Etoblirung einer neuen Sammelstelle? Herr Dr. Sal. vendi unterzieht sich der unsäglichen Müh«. Spenden alle Vereine und Bedürfnisse in Palästina zu sammeln, unterhält die nvthigen Eorrrspondenzen mit den geeignetste» Männern in Palästina, er legt von der Verwendung der Gelder jetzt auch öffentlich Rechenschaft, wozu also die Krä zersplittern. Will der neue Berliner Verein ,E«ra' dieser Organisation einfügen und die Beträge der bestehende, Hauptsammelstelle zuführen, dann sei er willkommen; zu einer neuen Abzweigung aber können wir unsere Hand nicht bieten. Wen da« Herz antreibt, für Palästina irgend etwa« zu spenden, der sende e« zu Händen de« Herrn De. Salvendi, Bezirk» Rabbiner« in Dürkheim a. d. H. Vttftfot, 16. April. Die „Schlrs. BolkSztg." brach» folgende sensationelle Eorrespondenz: „Königshü Ne 14. April. (Mord?) Am Eharfreitage um 10 Uhr früh ist der hiesige Polizeiinspektor in Begleitung eine« Ser geauten auf Grund der Anzeige eines Ehristett »ach da Behausung eine« jüdische» Bürger« gerufen worden, um daselbst eine Haussuchung vorzunehmen. Da« Resulim derselben war. daß auf dem Boden eine rechte Hand unt ein linker Fuß, welche einem Kinde im Alter von 16 bi» 14 Jahren angehören dürsten, vorgrfunden wurden. Da» Nähere wird wohl die einzulritende Untersuchen ergeben. Bisher schwebt über der ganzen Sache noch Dunkel." Für diese sehr mysteriös klingende Nachricht wird der „Kvnigshütter Zeitung" eine sehr harmlose Erklärung gegeben. Da« Blatt schreibt: „In den Verdacht eint) rituellen Mordes ist am Freitag rin hiesiger Ttudiosu» der Mediein dadurch geratl>en, daß bei srimem Umzug» irgend ein Arbeit«maun in einem nicht verschlossenen Kasla, mehrere Menschenknochen fand und hiervon sofort da Polizei Anzeige machte. Aus diese Drnunciation hin ver fügte sich der Herr Polizei-Jnspecior mit einem Wachtmrisia und noch einem Polizrisergeaiiten an Ott und Stelle »nt richtig, man fand, o Grausen, ein — Fuß- und Armskele» — Da der HauSwitth, auf dessen Bodenraum man dich Meiischeutheilc fand, gerade in der Synagoge sich befand, so saßtru die drei Herren vor der Synagoge Posto unt watttten, bi« der Gottesdienst zu Ende war. den Hau«wirü ab, den sie nun ans der Straße verhörten. Hierbei stellte « sich nun lserau», daß der betreffende Slndiosn» die Knvcha von der königlichen Anatomie z» Berlin nl« Erinnung unt zu Studienzwkcken mitgrbrachl hat" Also für diese« war e« mit einem ritncUen Morde wieder einmal Nicht«' Araukfnri a. M., im April. (Or.-Corr.) Der vemi „Aebawa" zur Unterstützung hilfebedürftiger israelitische Lehrer, Lehrrrwittwe» und -Waisen in Drntschland versende seinen 19. Jahresbericht Statt jeder tveiteren Anpreisunj diese», seine Segnungen über alle Gaue» unsere« Vaterland« erstreckenden Verein« taffen wir hier da» Vorwott zum Be richte folgen, da« sämmtlichen Lesern diese« Blatte« gewi von Interesse sein wird: „Da» Ergebniß unsere« Wirken» und Streben» während de« verfloffenen Jahre« können m mit Recht al« ein befriedigende« bezeichnen. Allen recht mäßigen und gegründtte» Ansprüchen haben wir zu genüga un» bemüht, und zur Linderung augenblicklicher Roid namentlich in Erkrankungsfällen. haben die au« dem At servefond gewährten Unterstützungen hi »gereicht. Infolge einer im vorigjähngen Rcchenschast»berichte et gangenen Aufforderung traten sechzehn neue activr Mitglied« dem Vereine bei. Leider haben wir jedoch den Verlust va fünf Mitglieder zu beklagen, die un« durch den Tod ent rissen wurden. Ein Mitglied ist freiwillig auSgeschiedea Die Zahl unserer aktiven Mitglieder beträgt demn«^ heute 239. Gleichwohl bleibt e« zu bedauern, daß nicht mehr »d namentlich jüngere israelitische Lehrer unserem Vereine ' treten, der ihnen und ihrer Familie im vorgerückte« und in allen Fällen der Roth Schutz und Hilfe zu biete bereit ist.

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