Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 17.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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128 — Gerichte ttttb Correspondeuxen. Deutfcklaud. Hterkk«, 18. April. (Or-Eorr.) Nachdem die Geschäfte vierte» Genirindclages erledigt waren, fand im Saale de« u'trl de Saxc ein Festessen statt, a» dein der größte Tl-eil er Herren Depulirten tlieilnahm. Wir erwähne» desselben »cht wegen de» vorzüglichen koscheren Menu'S. das der Traimr Herr I. C vh n geliefert, sondern ganz besonder» wegen der nelrii geistvollen Mieden, dir ivährrnd der Tafel gehalten »,rden. nnd lvegrn der gesanglichen Aufführungen, womit «e,r Mnsik^irrrtor Lcivandvwsktj n»d die Gebrüder David „d Josef Mrlamrd die Tischgesellschaft frcndigst überraschte». De» ersten Toast brachte Herr Dr. Kristeller auf :e. Majestät den Kaiser aus. er knüpfte a» da» Pasfa- >N an. das ein Frühling»- und Familienstst sei. schilderte n feinsinniger Weise die Poesie dies»'» »festes und das Sonst mb Jehl, und wies auf das erhabene Vorbild der Pflichtreue. den Vater de» Paterlandes, den aUverrhrten LandeSater hi». Pegriftert stimmtc dir U-rsainnilung in da» Hvch n, — Hieraus brachte Herr Advokat Emil Lehm an» rin HhI) ans den Bund in gebundener Rede aus: seinen Perse» rgen Spruche aus den Pirkr Abvt zu Grunde. — Herr )r. Ra hm er-Magdeburg toastete alsdann in längrrer lebe auf den geschäftsführendrn Ausschuß des Bunde«, er e«gte. dag das Passafest nicht blos zum Frühlings-, Frrieits und Familienfest eingesetzt worden, sondern vor Allem ls Gcmci »dcfcst. Das Passahlamm so laute die Festarschrift, sollte vor Eingang de» Festes dargebracht werde» .von er ganzrn Prrsammlnng der Gemeinde Israel»- ItsnV) "IC" ms *?np ^2 UTK — Damit hatte der (Gesetzgeber der >uge» Freiheit das Postament angewiesen, indem er die ldijche Gemeinde als Trägerin der Grundlehren der neue» leligion für alle Zeiten einsetzte: dieser hohe Beruf der Ok» Hiciubc liege auch in ihrem Name» ms, der hier bei Ein- »bang de« Prssachfestcs zum ersten Male in der Bibel vor- »>mmr; die (Gemeinde solle die pflichlbrivußle .Zeugin" des Mudeuthums und feiner Institutionen sein, und wo die Kräfte Der Einzelaemeinde nicht auSreichtrn. da wolle der „Ge- Deindrbund" helfend rinirrte», an dessen Spitze rin Dichter lud rin Denker iKrislellrr") und Lazarusl ständen, rin Ehcru- Dmpaar, ivelchi-S die Ltiftsstäitc des „Zeugnisses", den Crt Dr „Zusammenkunft", schützend umschwebten. Ihnen und Drei, treuen Mitarbeitern im Ausschuß galt das Hoch de» Medncrs, der mit den Worten de« Mischebcrach 0',?21SN ^?2 »loh. — -121 a-or ahv' rrzpn nrisKa T2K ttjc I Herr Professor Lazaru» dankte im Namen de« Au»- Musses. in grist- und sinnreicher Rede, die zugleich rin Dewrischc« KabiuctSstück war. Der D. - I. G. - B. gleiche luem Baume in der Frühlingszeit, reich an Blüthc». wenn Wich noch nicht an Früchten, denn sonst müßte die Bcthei- Dgung eine weit größere sein. Wenn eine Zeit der Anfein- U»'g über un» gekommen sei, so sei zu liehcrzigcn, daß wir Wcht ettva deshalb litten, weil wir Juden seien, sondern Weil wir nicht voll und ganz Juden seien, stolz auf unser Wudenthum. u. nicht auf der Höhe der jüdischen Ethik ständen; Wollten wir in Wahrheit ein Befreiungsfcst feiern, so müßten Wir an unserer Selbstbefrciung arbeiten und von manchem Wit dem wahren und echten Judruthum nicht im Einklang Wehenden un» befreien. Mil der sinnreichen Auslegung einiger Midraschim schloß der gefeierte Redner mit einem Hoch auf Mrrn Dr. Kristeiler, der Seele des Gemeindcbunde». Wirser enviderte mit einem Hoch auf die Dclegirteu und *) Daß der zwei!« Loigpciide de» D. I. v>. B. ein srinsühligrr kbersctxr allerer hrbr. Gedichle ist, >oar bisher nur den Eingeweihlercn lannl, — die .Wochrnschrisl" dal in snilieren Iakrailngrn manche Berte ln ieiner Hand gebrach« —; einen Hochgenuß bereileic derselbe den hhlcnosstn durch die poetische Gabe der drei lasellieder an» der pblchen der neuhebissischen Poesie. Um sie auch den Aichttheil pmern rugilnglich zu machen, bringen wir dieselben im .HamilltnblaN". G inner de« Bundes. Dr Bodek toastirte auf die Rabbiner und Lehrer, die treuen und gewiesenen Bundesgenossen des Bande«. Herr Rabbiner Dr. Krön er-Erfurt, begeistert auf die jüd. Familie; er fordert auf, den D.-J. G.-B. allfabbothlich in'» öffentliche Gebet einzuschließrn. Hcrr Dr. Ludwig Stein schließt die Reihe der Toaste mit einem Hoch auf di: jüdische Frau. Magdelurg. In dem neuesten Bande des „Jahrbuches für Gesetzgebung, Benoaltung und PolkSwirthschaft" veröffentlicht der Herausgeber desselben, Professor Gustan Schmoller. eine Studie über Schulze-Delitzsch und Laskrr. Herr Schmoller ist bekanntlich einer der Führer dir dr» staatSsvcialistischcn Bestrebungen nahestehenden Kathrdersorialisten; rr ist auch sonst ein begeisterter Verehrer ln» Fürste» Bismarck. Aber rr ist frei von dem Scrvilisinus. dir nicht nur auf Befehl bewundert, sich begeistert und sich „ überzeugt", sondern mit besonderem Behagen Diejenige» schmäht und begeifert, welche, im Leben oder noch im Tode, den Machtl-abcru unbrqncm sind. Sv sag» Professor Schmoller z>var frei heraus, wo nach feiner Auffassung die Grenze der Begabung und de» Könnens für die beiden Mänmr lag, d.'rrn Persönlichkeit und Wirken er schildert, aber er weiß auch diese« zu würdigen. Un» inlerrssirt am meisten, wa» er iibcr Lasier sagt: »lehr aber noch die folgenden allgemeinen Be.nerkungeu. die er daran knüpft: „Alle geniäßigten Elemente sollten einsehcn, daß eine starke und einseitige Betonung jüdischer und christlichcr Orthodoxie die häßlichen Seite» de« bestehenden Racekilinpsc« steigern muß. Ein friedliches und harmonisches Zusammenleben von Ehristeü und Juden ist jedoch mir denkbar auf dem Boden gemeinsamer sittlicher Uebcrzeugunge»; und diese werden durch gei»cins.imc Schule, gemeinsame Ätaatsrinrichtungeu. gemeinsame Geschichte re. ja theilwcise gegeben, im letzte» Grunde aber ruhen sic auf jenerKantisch- Löchlcirrniattfkrscllen Ethik, auf jenen philosophischen lieber« z.ugungcn, die in jedem mit der wirkliche» Gesittung de» l L Jahrhundert» erfüllten Ehriste» und Juden de» Grnudton seiner Uebrrzrugungcn abgebeu. Nur dieses höhere Dritte, via» auch den religiöse» Glauben aller Gebildeten erfüllt, was vor Allem die ganze Moral derselben l>chcrrscht. bildet den Boden der Versühnung. Allen Juden, die auf die>rm Boden stehen, stehe ich daher so shinpathisch gcgcnül>er, als irgend welchem Christen, nicht west e» ein Urrrcht der Gleichlercchtigung der Racen und der Religionen gäbe — was für wich ein Unsinn ist — sondern weil ich mich iu meinen letzten sittlichen Grundansclpuungcn mit ihnen eins weiß, weil sie für mich auf dem Boden derselben christlichen") Welrcnschauung stehen, ob sic nun getauft sind oder nicht. Um so mehr aber glaube ich auch da» Recht zu habe», die Theilc teS Judenlhum», welche von der deutschen Gesittung, von der l-eutschc» Moral des 19. Jahrhundert» »och nicht erfüllt sind, zu bekämpfen; ich denke dabei vor Allen an einen Theil unserer Börsrnleutc und Gründer und an die zahlreichen kleinen Pfandleiher, Geldvermittler und Wucherer. l>ie unseren Bauernstand rniniren. Sie sind so schädlich, weil sie mit dem entwickeltcrn EnvcrbStricb einer andcren Race «ine gewissenlose, dem Deutschen und Christen"*) fremde Moral verbinden. Sie werden aber aushören, schlimm zu wirken, wenn e» un» gelingt, sie auf den Boden unserer sittlichen Vorstellungen hcrüberzuziehcn, wie un« da» mir einem großen Thcile de» jüdische» Mittelstände» gelungen ist. der un» durch seine Begabung und seine Tugenden in den mittleren Stellungen unsere» EnverbSlebcnS. unsere» Bcamtenthum», unserer liberalen Berufsarten entschieden mehr nützet, als 'chadet. Von diesem Standpunkte au» kann Schmoller nicht rmhin, von LaSker zu sagen: „Der Thpu» eine» edlen Juden «I Die christliche Weltanschauung aber bau« sich historisch aui bei iltjiidischen aus. (Red.) »») .Gewissenlose Moral" ist ebenso „»jüdisch, wie u»christ lich unb un de ul sch. (dtedh