Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 15-16.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 118 — »Fremden blatt": .Mit Wehmuth sieht man einen der Münner au» dem üffemlichen Leben scheiden, der die hohen Tugenden der Urberzeugung-treue. der Ehrlichkeit. de» Streben» und der Vaterland»liebe in einer so langen politische» Laufbahn stet» unbefleckt zu erholten gewußt hat". .Vorstadtzeitung-: .Die Vertretung der inner« Stadt Wien verliert mit ihm ihre» letzten glänzenden Name». Die Sterne erlöschen allgemach und immer dunkler wird es am politische» Horizont unsere» Vaterlandes-. Kuranda war im Jahre 181 l in Prag geboren, woselbst er seine juristischen Studien machte. Frühzeitig »vandtc er sich der Publicistik zu. Da die Eensur damals in Oesterreich jede» freie Wort der Presse unzugänglich niachtc, übersiedrlte er »ach Leipzig und gründete daselbst die .Grei zbotrn-, die trotz de» schärfsten Verbots ballenweise »ach Oesterreich hinübergingen und daselbst gewaltiges Aufsehen machte». Bald aber wurde er genöthigt, auch Leipzig zu verlassen. Er tvanderte mit feinen .Grenzbote»- »ach Biüsscl aus. Ihm gebührt in enter Linie das Vcrdiensl. den L>l>cralismus in Oesterreich aus dem Schlummer geiveckt zu haben. Die Stadt Wir» cnsriidcic ihn im Jahre 1848 in das Franksuner Parlament. Ende desselben Jahres nahm er seinen bleibende» Wohnsitz i» Wien und gründete daselbst die .Ostdeutsche Post-, lange Zeit hindurch das vornehmste liberale Blatt Oesterreichs. Seit 1861 dem österreichischen Parlament als Vertreter der iuncrn Stadt Wien angrhürig, übernahm er sehr l>ald dir Führung der svgenouutrn .Perfassungsparteiu»d war zur Zeit des BürgerministeriumS dir kräsligsle Stütze desselben. Er hat — tute Lasker — me ein Staats» amt bekleidet, al>er er hat a» den günsligen Geschicken Oesterreichs mehr Anthri!, als Mancher, den die höchsten Titel und Otden schmücke». Auf die Lebrnsphasrn des Beretvigten lasse» sich die Worte des talmudischen Grabred,icrs anivenden: Prag Hai >bn gebaren. t6,1 .Tn Ki“lß "PS Tuwfdilanb ii„!«,urSteife gebrach,. rrTUTOT nSlJ TJ3CK pK Wien Hai an ihm verloren Kl'11 TBK!'*? »C *1K itin Kimzci,,, ivaiirha«, ,'eiiener Prachi. l.INNSN '*73 .T13K *3 Mir«, 6. April. Heute l»at unter sehr zahlreicher Theilnahmr dir Beerdigung Kuranda's siattgesunden. Unter den Leidtragende» befanden sich der HandrtSmiiiisler v. Frirdenthal, Schmerlinz. Glaser, der Bürgermeister, die Grneindrräthr. der Polizeipräsident, viele Abgeordnete, die Beamte» der Nordbah» und Schriftsteller und Gelehrte in großer Zahl. An dem mit Kränzen bedeckten Sarg bildeten Beamte der Nordbah» und der Gemeindeverwaltung, sowie der israelitiskl)rn (Gemeinde Spalier. Der Sarg wurde lintrr Absingen eines TrauerchoratrS nach dein Leichenwagen gebracht und, von einem großen Traurrzuge gefolgt, nach de», Eentrulfriedhofe überführt, in de» von, Zug passirten Straße» brannten die Gaslatrrnrn. An, Grabe hielten die Prediger Jellinrk und Gü de mann, sowie vr. Herbst Trauerreden. Nach der tiefrrschütterndrn Rede des vr. Herbst wurde der Sarg zu Grabe getragen. Hier sprach der Präsident der .Eonevrdia-, Ritter von Weile», tvelcher Ä'». hervorragende Verdienste als Nestor und Begründer der österreichischen Publizistik feierte. Nachdem noch der Vorstand der Kultusgemeinde, Herr Pollak, dem Verstorbene» für dessen Verdienste ui» die Wiener Jugendgemeinde gedankt. war die Leichenfeier zu Ende. Zahlreiche prächtige Kränze, darunter welche aus Deutschland, (einer Namen» der Berliner israelitischen Eu ltusgemeindr) wurden auf den Sarg niedergetegt. Da» ganze Brgräbniß. dessen Kosten die Wiener israelitische Gemeinde getragen hat, verlief überaus imposant.*) *) Kuranda war lXelchörall»« und La»dlag«abge»rdnri«r, Direktor der Nordbahn, Mittet bt* österreichischen Leopold Orden», Rlller der franzvslschen Ehrenlegion, Besitzer de« „»manischen Medschidje-Orden«, Ehrenbürger von Wien und Prösideni der t»raeltitsch«n gutlutgemeind«. Z«» MUß«»». In einer Versammlung von Orthodox Ungarn» wurde jüngsthin rin v«n vr. Hildeshria inspirirter und .Grenzen der ungarischen Solidaritätüd, schriebe»» Artikel der ,Jüd. Presse-, welcher die orthodoi Ungarns abkanzelt, weil die Letzteren einem Freund t Blattes geantwortet hatten, er möge sich in ungarische hältnisse nicht mischen, diese gingru Deutschland gar ims a» u. s. w, scharf kritisirt. Besonders scharf wurde Stelle de» besagten Artikels angegriffen, >vo gesagt wird, d. im Jahre 1868, als man i» Prrßburg beabsichtigt har vr. Hildesheimer in die Stelle zu Iwrufr», welche spai, der selige PhöbuS Fi sch mann rinnalim, der selige Preßbma Rabbiner eingrivilligt hatte, daß vr. Hildesheimer d,e Proi^ I gegenstände an der Jrschibah vortrage. Inzwischen sei a: i vr. H.. Gott sei Dank, »ach Deutschland znrückgekrhrt! habe das sogenannte vnhodoxr Seminar gegründet, wela< .dem Pestrr Seminar gegenüber einen Abzugskanal für i .diejenigen bildet, die. obgleich zu de» »vahrcn Gläubig | .gehörend, doch die Zeichen der Zeit verstehen und dir grei > .Lehre aus drin lehrreiche» Worte des Weibes Jalr | .(Chulin 109 b) in seine» Eonscquenzrii verfolge»-. Ä. , hob hetvor, daß die Verlfandlunge» mit vr. H. nicht , Iah« 1868. nicht lange vor der im Jahre 1869 erfolg, Rückkehr de» Letztere» nach Deutschland, sondern Anßi^ 186.1 statt fanden und im Sommer 1861, also volle srck Jahre vor der Rückkehr vr. H.'s »ach Deutschland, der sei, Phöbus Fischmann bereits in Prcßburg angeslrllt war.! Perlfandlungrn scheiterten vielmehr auch aus dem Gru», weil man vr. H. das Recht zu Lehrvorträgen nicht c, räumen wollte. Daraus bemeikie ei» ainvrsri'der Rabbln, daß ihm die citirte Stelle gerade sehr gut grsalle, ja durch! Beziehung auf die TalmudsteUe Ehutin 100 b sei ihm c: andere Stelle im Talmud Kcthuboth 17 a klar gewmd Dir Eonsequenz der Worte der Jaltlhi, welche aus erlao, Weise Fleisch mit Milch esse» wollte, war. daß ihr ihr Ga, R. Nachma» rin Stück Kuh-Enirr (aramäisch Srt3) reichen Ik Nun wild Kethuboth l 7a erzähl, bei drr Jnslallation de» R. Sa habe ma» grsungru: ^>N3 K^>. wa» geivölmlich übersetzt ioai- .Nicht Schnnnkc", die fragliche Stelle in dem Artikel vr. H führe ihn aber auf den Gcdernkcn. ma» habe gesungen: L brauche» keine Rabbine». ivelche dem Kuh-Euler gleiche», tw Milch halb Fleisch, und es sei dasselbe, was man »ach cm a»deren Uclwrlieserung gesungen hatte: fv'VN sv K7. X: Letztere soll nämlich nach einer vrriiommenrn Erklärung gl«, p-S.A l>edc»teii: .Wählet keine Halbe»-, mag dir Halblr tut Wissen oder i» der Kraft der Ueberzrugung bestehen, l^ der ungarischen Orthodoxie ist näinlich Herr vr. Hildes Helm, als .Halber" verschrie», eine Bezeichnung, mit der b Hildeshrimiauer bekanntlich die .Breslauerzu bezeichn! pflegen.) Numänien. Was heutzutage nicht Alles rin civilisirtrr RechtSsln genannt wird, das möge folgendes Prölxhen rumänischer W rechtigkeit künden. Dir Stadt Doriban, im Be;r Dorohoi, ist bei den Juden als Blutstadt verrufen. Hat i der Herr de» Orte» .Tschuma«-. weil die Juden sich wa gcrlr». ihm die widerrechtlich erhobenen indirekten Sleucr fortzuzahlen — bei den Gerichten fanden sie kein Gehör - 1880 dir Bauern gehetzt, daß sie über die Juden herficl« und plünderte» und prügelten nach Herzenslust. Ratürlnl da die» ungestraft blieb, schaltet der Mrnsch noch wild!, Besonders ist ein (Gegenstand seiner Verfolgung Herr Snna Hecht, der reich und angesehen ist, so daß er zum Rendania -de» städtischen Wohlthätigkeitsvrreiu» bestallt wurde. Diesa klagt er der Unterschlagung öffentlicher Gelder an — ab« die Zeugen waren trotz der Einschüchterungen so zahlrcn und so bestimmt in ihren Aussagen, daß der im Untergerich« schon Verurtheilte frrigesprochrn wurde. In Dorohoi. » Herr Hecht aus der Heimkehr in einem Gasthause verweil« erschien ein Polizeibeamtrr bei ihm, befahl ihm zu folg« und führte ihn, wir einen Verbrecher durch die Stadl in<