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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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110 — in da» Bewußtsein der gebildeten Welt eingedrungen, noch immer eine unbekannte Welt, deren Studium nur wenige jüdische Forscher in stiller Zelle sich widmen. Immer aber zur Zeit der wieder erwachten Intoleranz und de» lebendig gewordenen Fanatismus sei e» gerade der Talmud gewesen, den Böswilligkeit und Unwissenheit zu einem Mittel der Verunglimpfung deS JudenthumS verdrehen. Umsomehr sei eS für die Angegriffenen nothwendig, sich deS Wesens und der Bedeutung dieses großen Geisteswerkes der-Vorfahren bewußt zu werden. Der Name Talmud bedeute .Lehrinhalt-, und er enthalte alles, was einst die weisen Väter nach der Erschöpfung der 24 Bücher deS jüdischen Kanon in den Schulen gelehrt, so zwar, daß er gewissermaßen ein umfassendes und ziemlich genaues Protokoll eines sieben Jahrhunderte umfassenden Geistrslcl>enS bilde. Etwa im Jahre 500 darf das Werk als abgeschlossen gelten. In demselben seien alle Beziehungen menschlicher GeistrSthätigkeit umschlossen, ohne daß indessen dabei ein bestimmtes System festgehalten sei. Der Vortragende ging sodann, der großen Schwierigkeiten gedenkend, die einer Uebertragung des Talmud im Wege stehen, auf den Inhalt desselben ein, der überall zivri feste Pole zeige, die Idee und die Humanität. Das sei der Geist des Talmud; was aber dessen Ethik betreffe, so seien eS gerade christliche Gelehrte gewesen, welche die Unwahrheiten der Angriffe gegen denselben gezeigt hätte», wie z. B. Professor Delitzsch dem Rohling'schen .Talmudjudrn" gegenüber. Zum Belege aber von der unanfechtbaren Reinheit dieser Ethik gab dann der Redner eine mit großem Beifall aufgenommrne Blüthcnlese aus allen Abschnitten deS Talmud, mit der Versicherung schließend, daß alle Angriffe niemals zum Ausgeber, des großen Werkes, sondern nur zu dem entschlossenen Willen führen können, sich dasselbe fester anzueignen. Tie interessanten Ausführungen wurden vom Auditorium mit lautem und reichem Beifall ausgenommen. LZesterreieb-Unftar». Itrü««, 24. März. I» der heute unter dem Vorsitze deS Herry Julius Ritter v. Gomperz abgchaltencn Telegirtcn-Vcrsammlung waren 44 Gemeinden vertrete». Wir entnehmen dem Rechenschaftsberichte pro 1883, daß an 51 Gemeinden Schulsubventionr» per 12,900 fl., an 43 Unterstützungen per 10,560 fl., an Personal - Unterstützungen 11,605 fl., an Beiträgen für Bildung«- und Humanitäts- Anstalten 2425 fl., an Stipendien 500 fl. verausgabt wurden. Nach Verlesung des RevtsionS-BeiichteS wird der Rechenschafts- Bericht des Euratoriums nach dessen Antrag genehmigt, wonach 2500 fl. des GebahrungSüberschuffc» zum Fonds - Capital hinzugeschlagen, und der Rest per 2365 fl. 74 fl. auf daS FondSerträgnißconto des Jahre« 1884 übertragen wird. Auf Antrag de« Enratoriums wurden von den uneinbringlichen Acttv- Posten deS Fonds - Vermögen« 7 Posten, zusammen 3266 fl. 73'/, kr. al>geschrirbcn. — dem Gesuche de« hiesigen Kaiser Joses-Tcnkmal-VercinS um einen Beitrag konnte die Vcrfamnilung zu ihrem lebhaftesten Bedauern keine Folge geben, da für eine solche Bewilligung in den Fonds-Statuten absolut kein Anhaltcpunft zu ftnden ist. Die Gemeinden haben übrigens ihren Sympathien für diesen Zweck bereits Ausdruck gegeben, indem sämmtliche mit Gründungs-Beiträgen dem Vereine bcigctreten sind. Aus eben diesem Grunde konnte auch dem Unterstützungs-Vereine für Staat«- <Gewerbeschulen fein Beitrag bewilligt werden. — Nach Genehmigung de« Präliminars und Wahl der Revisoren für 1884 und einem TankeSvotum für den Vorsitzenden wird die General - Versammlung geschlossen, worauf Letzterer den Delegirten die Mittheilung macht, daß die Vorarbeiten für den Gesetz - Entwurf, betreffend die äußeren Rechtsverhältnisse der Juden - Gemeinden, im Cultus - Ministerium abgeschlossen seien und daß derselbe demnächst zur verfassungsmäßigen Behandlung vor den ReichSrath kommen dürste. _ Kraukreich. Im Senate hat da» Municipalgesetz i Berbefferungen in Bezug auf die Suite erlangt. Zuerst der nunmehr den Stadtgemeinden die WohnungSenif gungen an alle Religionsdimer. — um den deutsche, schmackvollen Ausdruck zu brauchen — obligatorisch macht, keine Amtswohnung gegeben wird. Auf Antrag des (i Geistlichen) Herrn von PressensS wurde mit 1 Li, Majorität (die beiden Senatoren jüdischer Herkunft stim dagegen) bestimmt, daß auch für die Venvaltung der ti deren Beamte vom Staat besoldet sind, die Gemeinden schüsie zu geben haben, sobald die Einnahmen ungenu sind. Daß im Artikel 164 (wo von Entziehung der Cult gewidmeten Gebäude die Rede ist) das Judenthum vcrgessm worden ist, wurde von allen Seiten zugeitanden der Fehler wieder gut gemacht. Die Reparaturtosten Gebäude aber trägt fortan nicht die Civilsondern gern! weise die Kirchengemrinde. Z?«rir. Am 8. März verstarb in V«d de Qräce Alter von 58 Jahren der Artillcrieoberst Abraham An Samuel. Er stammte aus Saarloui«, hatte in St. ausgebildet in Afrika gekämpft, in der Krimm am Schlachtfelde die Ehrenlegion erworben. Viele Jahre tu zum Generalstab gehört und wurde — auch wegen >< Kenntniß des Deutschen — vor nicht langer Zeit in Blättern alü einer von denen genannt, ivelchen im Falle c Krieges eine hervorragende Position zugrdacht sei Am März wurde er zur Ruhe bestattet. Die Oberrabiner In und Z. Kahn hielten Leichenreden. S. war auch Dm der „militärischen Revue de« Auslände»" im Generali! Die Ernennung zum Chef de« Generalstabes in Algier in er wegen Krankheit zurückweisen Seine Studien hatte er Radbinerseminar in Metz begonnen. In dem famosen Libell, da« unter dem! »Die Berliner Gesellschaftzum Anschüre» de« Preußen!,> in die Welt geschleudert worden ist. wird auch der Berl Juden gedacht, der Männer tadelnd, tveil Einige die I heit haben, reich zu sei», der Frauen lobend, tvegen;i soliden Prinzipien. Palästina. Während „Hazcphira" wacker die Sache de« so sch»» verleumdeten Direktors der Ackerbauschule, Herrn Hir führt, öffnet der sonst so umsichtig geleitete „Hameliz" immer seine Spalten den unsubsianziirtrn Angriffen Herrn Brill und seines Oined al Gabbo, eines sich „Agroii! titulirrnden Herrn Meierowitsch. Herr Hirsch schwärmt n für die Colonisation der russischen Juden in Palästina darum hat er die Colonistcn verleumdet, darum hat er Pascha gegen die Einwanderer a:>sgereizt, darum hat er wirft, daß sie nicht Häuser bauen dürfen, darum ha! überhaupt und zur Unrechten Zeit ein Gesuch wegen Baue» in Etron eingcrcicht. Darum? Ja, nur dar. Der russische Agronom schüttet seine ganze Seele in Worten au«: „Wir wollen freie Arbeiter im heil Lande sein — wir sind aber Sklaven!" Ja. frei r Arbeit, denn jede Arbeit ist dem Lässigen Sklavendienst, r ist die Gesellschaft des messianischen Maulheldenthums. fc die Hagadastellcn im Kopfe herumspuken, die aus Palai, ein Schlaraffenland machen, aus dessen Boden süßer Kul und seidene Kleider (wie die Leute meinen) ganz und fr hervorgehen. Dagegen veröffentlicht .Hameliz" selbst sicher unverdächtiges Zeugniß des Herrn PineS, der als von Herni Hirsch beleidigt vorstellt. Gegen „Rischon Zion" sei Herr Hirsch übel gestimmt. (Nun, er wird ii vollen Gründe dazu haben.) Aber den 11, von Brill!w brachten Colonisien und dem Vereine Bilu habe er wacker thatkrästig zur Seite gestanden. Herr Hirsch hat der Col! in Ekron in Herrn Moyal einen tüchtigen Leiter gegö sodaß dort mit 15 Paar Stieren, 3 Pferden, 4 Maulthie 3 Eselinnen, 2 Kameelen und 2 Wagen gearbeitet «

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