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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 109 — ihrer College» und ihre« Umgänge» wegen sich nicht rn Juden mehr rechnen, sie könnten ja darunter leiden, ding» giebt e» auch noch Ausnahmen, doch sie sind i. Hier muh bald eine Besserung eintreten, sonst verdaS Iudenthum seine kräftigsten Stützen. Möge Jeder srsten Willen zeigen. eS gut zu machen und seinen ftin« die Liede zum Iudenthum einzuprägen, dann ist der Schritt auch zur Besserung gethan. Mo« Mtel«» 27. März. (Or.-Corr.) Ob die Beiiuug Stöcker» sich l>estätigt, dag im iSrael. (Gemeinde- „onde zu Neustettin Männer sitzen oder gesessen haben. X eine entehrende Eriminalstrafe hat'en erleide» mästen, md't sestgrstelll worden. «Man vergleiche dagegen die cesp. .Au» Pommer»- in dieser Nr. Red.) Rach unseren Erungcn ist die Lache nicht unmöglich, denn wir kennen e Vorkommnisse auch an andrren Orten. Die Regie- > kann solck>e Wahle» nicht imincr umstoßrn oder deren atigung verweigern, weil, wem nicht von Rechtswege» Ehrenrechte aberkannt worden sind, da» active und pas- Wahlrrcht sür solche anrüchige und bestraste Personen > verloren geht. Wir kennen sogar Fälle, in denen rin lest gegen solche Wahlen zurückgewiesen werden muhte, auch Fälle von Eommunal-Wahlen uns bekannt sind, lenen criminell bestrafte christliche Personen gcrvählt und kannt wurde». E» sind die« traurige, jedoch vereinzelte Heinungen. die hier, wie dort, bei Juden und Christen ommr». Juden sollten jedoch bei der Wahl ihrer Per r doppelt vorsichtig sein; in den Gemeinde-Vorstand nen solche Personen auch »ach dem ReligivnSgrsetzr l Ehristliche Kirchenvvrstände sind eher gesichert vor ich Mißwahlen, weil an der Spitze derselben der Weift« sieht, der zur Bildung eine» einheitlichen und würdigen lcginms seine» Einfluß geltend macht. Der jüdische Vor» d aber ist in gewissem Sinne die Aufsichtsbehörde de» 't'incr«; dieser steht außerhalb de» Porttandes und muh lalb der Wahl desselben fern bleibe». Darin muß manches fielt werden: wir sehen, ein Fehler zieht den andern »ach Auch kommt r» vielfach vor. daß BorstandSwahlen lnigen. weil manche Wkineinvcmiiglieder aus religiöser ichgultigkeit dem Wahlkampsr fern bleiben und so die ikilslose Menge Herrin der Situation wird. Der relic JndifferrntiSmu» veranlaßt die Leute zu der nnvorigen und falschen Erklärung: „Wir wollen mit Juden Iudenthum nicht» zu thu» traben und weder rvählen > gewählt werden: Sache und Personen haben kein Jnte- ' mehr sür un».- Man sieht, daß wir alle, nicht blo« t>elreffende ei»zel»e Wemrinde, sondern das ganze Judenn unter falschen Borstandswahlen, unter der Wahl falscher unwürdiger Vertreter unsrer heiligen Sache zu leiden Dies sind die Folgen des religiösen JndifferentiSmuS, Theilnahmslosigkeit an allen Interessen der Gemeinden, r durch unsere "Fehler inüsten wir auch gebessert werden, >o mehr, wenn Feinde uns darob verhöhne». H. A», HApreutze». (Or.-Eorr.) Am 7. Adar feierte ka.disoha. n*Jl zu Osterode ihr 25jährigrs iehen. In der Behausung de» Vorstände» Heqmann »man», der vor 25 Jahren Mitbegründer war und schon >al» zum Vorstände gehölte, fand am Abend ein Festessen alle Mitglieder statt. Herr Rabbiner Or. Bomberger Königsberg, der sich in der fkiahe aus einer Schulinlionsreise befand, wurde vom Vorstande zu dieser Feier leladen und erschien auch. Als alle Gäste sich versammelt ich, hielt unser Religionslehrer und Prediger Herr Stur- >n eine wohldurchdachtr und zu Herzen gehende Rede c Jirm. 31,10, schilderte die Tätigkeit de» Vereins, der >ng« nur aus einigen Mitgliedern bestand und sich jetzt >er größerer Theilnahme und erhöhten Ansehen« in der neind« erfreut, der eine schöne Seser Thora erworben, Halle auf dem Friedhose gebaut, einen neuen Leichenn> angeschafft, rc. rc., eine musterhafte Ordnung bei Leicheningnisten eingeführt, vielen amen Kranken Aerzte und Medikamente vorhält und allen die letzten Liebesdienste erweist; er schloß mit einem Gebete sür da» Seelenheil der verstorbenen Mitglieder, die er namentlich aufsührte. Bei Tische begrüßte Herr Vorsteher Keinglaß den lieben Gast Herrn vr. Bamberger und dieser hielt nun in gewohnter Weise eine sehr animirende Tischrede. Auch andere Reden folgten, di» man sich erst lange nach Mitternacht trennte, im Bewußtsein einen selten schönen Tag verlebt zu haben. Am andern Tage fand die Revision der ReligionSschule durch Herrn Or. B.. im Aufträge drS ostpr. Gemeinde-VerbandS. statt, die eigentlich mehr eine öffentliche Prüfung zu nennen ist. da außer dem Vorstände und drr Schulcommission auch ein großer Thcil drr Gemeinde, Herren und Damen, derselben beiwohnte. Die Leistungen der Schüler und Schülerinnen in Hebräisch, Rrligivnalehre, Bibel und nachbibt. Geschichte waren derartig, daß der Revisor in einem schönen Schlußworte Lehrer und Schüler belobte und die hiesige Rctigionsschule als eine Musteranstalt für die ganze Provinz hinstellte. E» muß auch konstatirt werden, baß die hiesige Religionsschule von allen schulpflichtigen Kindern mit einer Pnnltlichkeit und Regelmäßigkeit betucht wird, wie es bei allen öffentlichen Schulanstaltr» der Fall ist und hören wir auch Äsd. keine Klagen über Hintansetzung des jüd. Unterrichtes seiten« der Elter». Auch am verflossene» Sabbath. dem Geburtstage Sr. Maj. des Kaisers, hatten wir eine Feierlichkeit. Das Gemrindemitglird Herr S. Iakobq hatte eine prachtvolle Sefrr-Thora, ein seltenes Exemplar, sür eine» ziemlich hohe» Preis erworben und dasselbe Tag» zuvor nach der Synagoge gebracht. In der Predigt sprach Herr Sturman» über die von unserer Religion gebotene Ehre gegen die Landesobrigkcit und gegen die Thora und schloß mit einem Gebete sür den Spender und seine Ehegattin. Abends gab Herr Jakoby in feinem Hause den Gemeindemitglicdern ein schönes Fest, bei welchem wiederum ernste und heitere Reden abwechsclten. In einer Zeit, in welcher da» Iudenthum leider so arg darniederliegt. verdiene» solche religiöse Acte, brsonderS aus riner kleinen Gemeinde, registriert und hervorgehobcn zu werden und müssen mir gestehen, daß c» das Verdienst unscrrs verehrte» Herr» Religionslehrers, daß die hiesige Gemeinde in de» lS Jahren seiner Wirksamkeit aus einer unbedeutenden, durch Streitigkeiten zersallenen, eine ansehnliche, wohlthätige und musterhast sich führende geworden ist. Au» Aelkpreußen berichten die Zettungen. daß in Skurcz der Kaufmann Heimann Boß jr. und dessen Vater i ein Greis von 7-1 Jahren, verhaftet und an da» Aintsgericht! in Pr. Stargardt abgcliefert ivordcn seien. Bald nach der 1 Ermordung des Ehbula hatte nämlich Jemand behauptet. Letzteren in der Nähe de» Hause» des.Herrn Boß gesehen zu haben. In Folge dessen wurden dort Haussuchungen vorgenommrn. E» wurde altes Packleinen mit Bluffpurcn vorgefundc»; diese rührten aber von Fleischvcrpackungen her; auch im Stalle waren Bluffpuren, doch da B. nicht lange zuvor ein Rind hatte schlachten lasse», so war dies erklärlich. Jüngst hatte nun die Tochter des alten Boß ein Kleid einer Schneiderin zrini Aendern gegeben und diese will in demselben blutige Flecken gefunden haben und machte davon Anzeige. In Folge dessen erfolgte die Verhaftung der beiden Boß. Nun steht aber fest, daß oaS Mädchen zur Zeit der Mordthat gar nicht in Skurcz war. Sie hat zu Hause die Wirthschaft geführt und häusig mit Fleisch zu thun gehabt. Ferner hat sic in Kulm ihre erkrankte Schwester während eine» Wochenbetts in diesem Kleide bedient, was dir dortige Hebeainmc bezeugen kann. Man begreift die Aufregung am hiesigen Orte. Die beiden Boß erfreuten sich stet» de» besten Rufe«. K««t«rß, 28. März, „lieber den Talmud, dessen Geist und Ethikhielt gestern Abend Herr Or. Leimdörfrr im Loaensaale vor einer zahlreichen Zuhörerschaft einen sehr interessanten Vortrag. Der Talmud, so begann der Redner» sei ungleich de» GeisteSwerken der Hellenen und Römer, die

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