Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Ohren offen. Die letzte Eigenschaft ist besonder» wichtig, wenn er sonst für die Leser hier und au«wärt«. die noch ein Interesse für den C u l t u » bewohn haben. Bemerkrnswerthe» berichten will. Die regelmäßigen Besucher unserer beiden groben Synagogen haben jetzt eine Zritlang Gelegenheit, den Unterschied zwischen deutschen und a »«ländischen Eantoren zu hären; ich will nicht sage», zu beurthe.len, denn ur«heil«sähig über brauchbar und unbrauchbar in dieser Frage sind die Wenigsten, können e« unmöglich sein. E» giebt keine Gemeinde in der ganzen Diaspora, dir so heterogene Anforderungen an diese Beamten stellt, wir die Berliner. Die Besucher der alten Synagoge kennen nur rin Ideal — der verstorbene Lichtcnstein. Wer am beste» im Stande sein kann, diesen Ehasen zu copiren, der hat hier getvonnrnrs Spiel, um es in der neuen Synagogen wieder vollständig zu verliere». E« gilt hier nun eine» bekannte» Bergleich zu machen: H,r Lichte n sie in, dort Sulzrr! Ich will das Bild, da» sicher auch für »veilrre Kreise Interesse hat, näher beleuchten. — Derselbe Eantvr muss am Freitag Abend i» der großen Synagoge functionirrn und zwar nach der Anforderung: nur ganz moderner Gesang ohne jegliche Schnörkel, rnisache Deklamation und Bortrag der deutschen Gebete in besonders würdiger Weise. Am andern Morgen in der alten Synagoge, rrrrr — rin ander Bild! Er muß ü-er Nacht rin anderer Mensch gcivvrden sei». Er war Abend« Eantvr und ist Morgen« — Ehasen! Dort verlangt man mit einem Worte da« alte, gemüthliche Ehasvnu», echte polnische Rrcilat vc besonder» der Parforce-Stückemi«oboboraob und Tikkanto Sohabbo» u. s. w Doch c» ist noch rin anderer Kampf. der nicht allein hier, sondern in allen größeren Gemeinden zum Durchbruch kommt, der auch vor Jahre» in der Gemeinde Wien die Gemüther lange Zeit in Aufregung hielt: ich meine de» geistige» Kampt zwischen Deulschthum und Slaventhum; und täuscht mich nicht Allrh so wird hier letztere» siegen, ivährrnd in Wien rin Deutscher die Siegrspalmr errang. Nicht weil hier die Polen in größerer Zahl vorhanden sind — und wären sie e«, so sind sie ohne Einfluß — sonder» weil die polnischen El)asoniin den deutschen «über" sind, wir Fritz Reuter sage» würde. Biel lieber würde ich da» Grgcnihcil behaupte», aber ich kan» rS nicht beweisen. E» ist rine bekannte Thatsachr. daß bcinahc alle große» Eantoren in Deutschland und im Auslände russischer Herkunft sind. Ihre Befähigung zu diesem Amte ist ganz natürlich. Nicht allein, daß sie geborene Sänger sind, sie machen unter vielen Entbehrungen rin Studium durch, wir kein Deutscher. In Deutschland ist da« Institut der Meschorerim selbst dem Name» nach unbekannt; al» solcher lernt er zuerst — hungern und da man mit leerem Magen sehr gut singen lernt, so macht er dort eine gute Schule durch und wird meistens ein glänzender Ehasen. So beschämend ea auch für un» Deutsche ist, in diesem Kampfe werden wir niemals siege»! Freilich fehlt den Russen die richtige deutsche «uSsprache. und selbst nach zwanzigjährigem Aufenthalt in fremdem Lande eignet er sich die Sprache nicht an. Doch von einem Ehasen verlangt man nur Gesang, von eiiirm Prediger: schöne Aussprache. Hier ist da« ander». Warum der Berliner Borsland von den Eantoren den Bvrtrag der deutschen Gebete verlangt, ist nicht recht erfindlich, denn hier stolpern selbst die brillantesten Sänger. Dir hiesige» Rabbiner predigen »ichl a» allen Sabbathe» und sind dann zur gänzlichen Passivität vrrurthrilt und müffen oft zuhüren, wie ungeschickt die dentschrn Gebete vorgetragen werde» und selbst wen» sie predige», würden sie sicherlich gerne auch »och die paar kleinen tllebete recitire». Da ich »un einmal ei» Lange» und Breite» über die Eantoren gesprochen habe, so will ich auch gleich an dieser Stelle über dir Generalversammlung der Eantoren Deutschland» rrseriren, dir in der letzte« Woche hier tagte. — Bor 3 Jahre» habe» diese eine Hilfskasse gegründet, die nunmehr nach langjähriger Pause endgültig konstituirt wurde. — So sehr unschuldige und geduldige Menschen sind doch diese Ehasonim nicht! Sie habe« allerdings selbst vor 3 Jahren die Bestätigung der Regierung für ihre Statuten nachgesucht, aber al» diele ihnen ein unglückselige» Statut vorschlug, lvrlche» in der Hauptaufgabe Sterbe- und Begräbnißgelder bestimmte. — ein Dclegirter machte die witzig-boshafte Bemerkung: „welcher Parneß wird nicht gerne den Ehasen begraben?!" — da hat denn schließlich die ganze Versammlung. Delegirte au» allen norddeutsche» Provinzen, einstimmig da» Statut verworfen und sofort rine Commission geivählt, die auf Grund vieler Vorarbeiten ein neue» Statut entwarf, da» dann in einer Abrndsitzung angenommen wurde. Zum Ehrenpräsidenten wurde Herr Künigl. Musik- Director LewandowSki ernannt, zum I. Vorsitze »den Herr Lion Wolff, Prediger und Eantvr eines hiesigen Rcligionsverein«, Schriftführer wurde Herr Ncubauer- Eharlottrnburg. Nach den Statuten erhält die Wittwe sofort nach dem Tode ihre» Manne» von jedem Mitgliedc eine Mark von der Kasse ausgczahlt, außerdem jährliche Pensionen »ach Kräften der Kasse. (Die Statute» werden demnächst veröffentlicht.) Die Reilienfolge der in den nächsten Monatrii hier tagenden Bcrsaminlunge» ist übrigen« ganz richtig ringehalten: Zurrst der Chase» — er muß ja der erste beim Dienst sein, — dann kommt der Parneß und am Schlüsse der Rabbiner, der ja erst »ach dem „leinen" funktionirt. De» letzten Punkt der aufgcstclltcn Tagesordnung (Rabbiner- Verband) halte ich für den wichtigsten. Au» dem Verbände, der doch gewiß mit einer Hülsskassr für die Hinterbliebkiien verbunden wird, ergeben sich dann von selbst regelmäßige jährliche Versammlungen, auf denen die brennende» Tagrssragcn besprochen werde» können. Auf „neutralcm Boden". fern von allen religiösen Differenzpunkte», wird Segen erblühe» für die Beamten selbst, für die Gemeinde» und für ganz Israel! Gerichte und Correspoudenre«. Deutschland. Magdeburg De» Deutsch - Israel. - Gcmcindebund darf man in gewissem Sninr eine Alliance im Kleinen nennen, wir knüpfe» an ihn große Hoffnungen, wir glauben — selbst auf die Gefahr hi:«, für Optimisten zu gelten — daß er berufen sei, in da» Ehao» und die Misürc der deutsch-israelitischen (Yemeindeverhültnisse Ordnung. System und gesunde Organisation zu bringe» und nach Außen hi» die Gesammtjudrnhcit Deutschland« würdig und imponircnd zu repräscntiren. Viele Factorc» sind bereit» dazu vorhanden. Energie, Intelligenz, hingebende Liebe und opferfreudige» Versenken in alle Aufgaben, die er sich zum Vorwürfe genommen und die i» letzter Instanz auf dir materielle und moralische Hebung der deutsch-israelitischen Gemeinden und ihrer Äeinrlndcvrganc abziele». Glücklicher Weise ruht der Bund auf einer sehr breiten Basis. Glaubensgenossen von welcher religiösen Parieifärbung auch immer könne» sich hier die Bruderhand reichen, weil alle dogmatischen Streitfragen, ivelchc den Eultu» und Ritus be'treffen, principieU ausaeichlossen sind. Die sogen, orthodoxe» Parteiblättersuchrnfreilich, bisweilen in gehässigster Weise, den Gemrindebund zu diScreditirrn und seine Tendenzen zu verdächtigen, weil sie den Mitgliedern des Vorstandes, deren orthodoxe Gesinnung sie beniänqelii. nicht die objektive Getvisfi»Hastigkeit Zutrauen, unverfälscht dir Interessen de» positiven Judenthum» zu vertreten. Sie rxemplificiren auf die geringe Zahl der Gemeinden (rttva -00), dir z. Z. hinter dem Genirindebunde stehe»; allein die Namen der Bunde»- gemeittdk» zeigen schon zur Genüge, daß viele streng religiöse und yochorthvdoxe Gemeinden ohne Seruprl dem Gemeindeblinde beitreten und seine Bestrebungen al» einrn wahren Kiddusch haschem ivirksam fördern. Wir nennen hier mic »ach de» Mittheilungru vom Dreember 1883 Gemeinden, wi.