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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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101 GötheS und ging sodann, des groben Gelehrten Leben», nente kurz hervorhebend, auf eine Würdigung, der Thätig. und der einzelnen Werte desselben ausführlich ein. — uchlin. zu Pforzheim geboren, war der erste Gelehrte, der am lioguarum perifcaa, .dreier Sprachen kundig ', genannt Irtx; er nämlich hatte zuerst wieder da» Studium der- Ibräischrn Sprache wieder hervorgezogr» und dieselbe tichlvrechtigt »eben da» classische Griechisch und Latein gevt. Er suchte klar zu mache», dag die Kenntniß der bräischen Sprache nicht nur für die Bildung de« Wfifle«." litH'rn auch für die Erkennlniß der GlaubenSwahrheiten I Kirche erforderlich ist. Eingehend wurde» hi.rauf die impf«, die Rruchlin für den Talmud und das hebräische Ichristthuin überhaupt geführt hat. geschildert. Die An- Igen, die der getaufte Jude Pfefferkorn in Köln, angeregt fn den Dominicanern, im Perei» mit Joh. v. Hochstraaten gen die Juden erhoben hatte und die Vorschläge, welclie zur Abstellung der angeblichen Ucbclstände gemacht l»attc die Jude» sollten in die Kirchen getrieben, ihre Thätigkeil |lltc streng controlin und alle ihre Bücher sollten verbrannt rden — diese Vorschläge hatte» veranlagt, dag Kaiser isaximilian sich wirklich hatte bewegen lassen, rin Edict zur tcrbrrnnnna aller hebräische» Bücher ausgchcn zu lassen, mir mit Mühe erreichte inan, das, vor Ausführung des kdiclrs erst »och ein Gutachten gelehrter Männer, darunter seuchlinS. eingrholt werden sollte. Reuchlin allein war e» uii, der den Talinud und die Bibel, die Gebetbücher und liuunasschriftcn der Juden in Schutz nahm und nur niflc Bücher des Verbrennen» ivenh erklärte. Dieses ilutachtc». das in Pfefferkorns Hände gefallen und denselben u maßlosen Ausfälle» gegen Reuchlin veranlagt hatte, wurde lun Veianlassung zu einem littcrarischr» Kampfe und eine»', ^roceg gegen seinen Verfasser, der allerdings in Speyer und »flirr in Vom, wo damals der renaissancesreundlichr Papst Iw X »rsidirte. zu Repchlins Gunsten ciitschieden wurde, lö-'l al»cr mit einer Verurtheilung deffelben endete. Zu», kchluß betont der Redner, daß Reuchlin mit llnrrdjt zu den liesormatoren gerechnet werde; er sei als gläubiger Katholik ^chorbe», hal>e aber für alle Zeit den Ruhm, stet» dir Wahr» eit wie einen Gott verehrt zu habe». Der Vortrag, der tc» Kennern der Grätz'schrn Geschichte nicht viel Neues bot, fmelte die Zuhörer A»» Aflde« Der .Bad. Landesbolcbrachte solgcndcn Artikel aus dem Bad. Oberlande unterm 2«. Februar. .Die fisberigc Verwaltung der israelitischen KultuSgemeindcn gicbt u vielen Streitigkeiten und Unannehmlichkeiten Veranlassung, sa keine Kontrolc über die Einnahmen und Ausgaben weder son Seiten des Oberrath» der Israeliten noch von den Bezirksämtern stattfindct. Daher kommt es zuweilen vor. dag 'ramme Stiftungen und Vercinsgclder zur Unterstützung von bedürftige». zu laufenden Ausgaben verwendet tverdcn und Zinsen aus Legaten gar nicht mehr bezahlt iverden, ivodurch >rmc Israeliten manchmal die politischen Gemeinden anpumpen nüffeu. was dieselben am allrrunliebsten thun. In vielen kultusgemeinden werden weder Voranschlag noch Gemeindecchnung aufgelegt, und Einzelne schalten und walten wir sie vollen. Im Grvßherzogthuin Hesse» stehe» sämmtlichr iSarlitffchen Kultusgemeinden in finanzieller Beziehung unter Üufficht des KreisamteS, welches die Rechnungen der KultuS- »emeinden kontrolirt. und zeitweilig durch Kontrolcurc rrvi- >>ren läßt. was bei uns ebenfalls am Platze wäre." Bon unterrichteter Seite (au«Karlsruhe) wird hierauf folgende» mitgetheilt: „Eine ständige Kontrole über den Haushalt der israelitischen Geineinden wird von dem Ärvßh. Uberroth der J-raeliten wie auch von den Ärobh. Bezirksämtern aus dem Grunde nicht geübt, weil diese Behörden nezu nach der bestehenden Gesetzgebung nicht zuständig sind. Ra» wollte auf diesem Gebiete der Grmeindeautonomie nöglichst freien Spielraum gewähren. Innerhalb der Geaeindeu selbst ist jedoch «ne Prüfung der finanziellen Ge. ahrung der Synagogenräthr sehr wohl ermöglicht, da dir Umlageregister (Voranschläge- und Gemeinderechnungrn der Gutheißung der SchatzungSbehörde bedürfen und letztere außer-' dem zur Einsichtnahme der Gemeindeinitglieder öffentlich aufzulrgen sind. Komint der Synagogrnrath der letzteren Verpflichtung nicht nach oder finden begründete Beanstandungen gegen den Voranschlag, brzw. gegen orssen Vollzug keine Berücksichtigung. so wird in der Regel eine einfache Bcschiverdr beim Bezirksamt oder durch Vermittelung der Bezirkssynagogr beim Oberrath genügen, um Wandel zu schaffe». NöthigrnsallS kann auch die Entscheidung der VcrwaltunSgrrichtr herbeigeführt werden. Solche Beschwerden, bezw. gerichtliche Klage» sind jedoch unsere» Wissens sehr selten. — Was die den Synagogcnräthen übertragene Verwaltung kirchlicher Stiftungen betrifft, so steht dieselbe unter strenger Aufsicht der Großh. Bezirksämter und de« Großh Bcrwaltungshofs (der Grohh. Oberrath hat damit nicht« zu thun), welche gegen jede dem StiftungSzweck nicht entsprechende Perivendung von Stiftung», rrträgnissen, fall« solche zur Anzeige gelangt, nachdrücklich rinschreiren werden. Eventuell steht auch hier der vcnvaltungsgerichtliche Weg offen." Aus Mikrttemöer-, 18. März. (Or.-Eorr.) Der StaatSanzeigcr von Württemberg veröffentlicht einen Bericht des K. Justizministeriums vom 19. Februar d. I., betreffend den Stand der gerichtlichen Anstalten vrv 188.1. Württemberg zäh!» ca. 2 Millionen Einwohner, darunter Evangelische, Katholiken und ca. 11009 Juden. Nach dem Bericht war der Stand pro 1882: HlOEvang., 770 Kathol., 14 Israel, neu eingcliefert . . . 2171 „ 1112 „ 14 „ zurückgeliefert ... 138 „ 51 „ I übernommen.... 45 „ 25 — „ zusammen 1684Eva»g. 1995 Kathol., 29 Israel. Abgang 2471 „ 1123 „ 22 „ Verbleibt.1193Evang. 846 Kathol., 7 „ -0.9'/.. -1.1'/.. -0.5'/.. folglich -117-0.09'/,. +66-0,01«/,, -7-0.5'/... gewiß ein sehr günstige« Verhältniß für die Israeliten gegen, über de» anderen Konfessionell. Frankreich. In den letzten Tage» haben viele Zeitungen es erörtert, wir schlecht und unrecht es sei, ein ganzes Volk dadurch zu beleidigen, daß nian seinen Namen zur Bezeichnung einer niedern, oder gemeinen Handlung mißbraucht. Den Anlaß dazu haben Beschwerden von Grieche» gegeben, die e» unangenehm empfanden, daß unter Grec ein gewerbsmäßiger Falschspieler verstanden wird. Arch. i«r. weilt im Anschluß daran »ach, daß dieser Mißbrauch nicht vereinzelt, sondern weit um sich gegriffen hat: betrunken wie ein Pole, Skandal um Nicht» ist eine qusrollo d’alleinand — „umsonst arbeiten" l-eißt pour le roi da Prasse. Wird gegen diesen AbusuS vorgcgangrn, dann steht zu hoffen, daß auch Juil“ der Bedeutung „Wucherer" entkleidet werden dürste. Freilich die radikale Intoleranz, der radicale Fanatismus ist ja ein Geschwisterpaar de» Nihilismus, und somit viel schlimmer als jede andere Unduldsamkeit. Da» empfinden zur Zeit alle ReligionSgesellschaften in Frankreich. Da die Regierung die Polizei und die Justizbehörden Andere« zu thun haben, al» den Beschimpfungen der Bibel entgegenzutreten, haben, wie da» „Cri da peaple“ meldet, zwei Bürger, ein Protestant und ein Jude die Bepublique dämooratique et sooiale (da« Blatt des Drputirtcn Talandirr) bei der Staatsanwaltschaft ivegen Schmähung der Bibel angezeigt und Bestrafung erzielt. Den Ausländern dürste es kurios Vorkommen. daß »vahrend im Bereiche de» Pariser Eonsistorium« die Gemeinde- Vorsteher au» allgemeiner Wahl hervorgehen, aber im Bezirk Bordeaux das.Eonsistorim dieselben ernennt, ohne die Gemeind«! zu fragen. vr. Bloch ist zum Professor für griech. und röm. Alterthümer an der Paoult^ des lettres in Lyon ernannt worden.

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