Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 13.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 100 — — 1fr deducirt also daraus. daß hier das Wörtchen 07 nicht mit sondern: ebenso — wie bedeuten soll. Dem- „och würde es nun heißen: .Man soll die Todtcn «nder«gläubigcr (nicht: .die .tobten Andersgläubigen*. wie sich vr. H. auSdrückt, .der Tobte ist weder gläubig, noch ungläubig) ebenso .wie die tobten Israeliten begraben*. Diese Interpretation ist me-neS Ermessen« unrichtig; .das Wörtchen 07. wenn wir demselben keine erzwungene Bedeutnng aufdrängen wollen, bedeutet durchweg mit. Wenn aber hier „ebenso — wir" — grmcint sein sollte, so würde sich der Talmud der Partikel OVO oder 100 bedient haben. — Der Talmud ist stets präcis in seinen Ausdrücken, und gebraucht nur solche, die klar und verständlich den Gedanken wiedcrgcben — er besitzt darin eine bewundernswürdige Meisterschaft. — Besonders hervorzuheben wäre, daß. wenn in dem betr. «atze das Wörtchen 07 in der Bedeutung .ebenso — wie" genommen werden sollte, dann die zioeitc Hälfte des Lahes Sktv* TIO 07 ganz überflüssig wäre, da die erste Hälfte D'107 TC poip ohne «eiten, Nachsatz genügt hatte, den Sinn, so wie ihn Herr vr. H. ausgefaßt, klar wiederzugeben. — Im Talmud sowohl als im Mai» monides giebt'S kein überflüssiges WoN. — da ist kein Won ohne Bedeutung. — Herr» vr. H. dürste es nicht entgangen sein, daß diese drei Lätze vom Speise» — Pflegen — und Beerdigung Andersgläubiger im Maimonide« eine andere Fassung habe» als im Talmud — daß während in diesem, in jedem Latze das C7 also dreimal gebraucht wird, in Jenem nur ein Mal und zwar in dem Latze: A1VN007 orrne TiapSl vorkümmt. Er dürfte sich sagen, daß die» nicht etwa zufällig, sondern mit Wohlbedacht geschehen sei. Maimonide« wollte eben einem etwaigen Mißverställdniß entgegentreten. als könnte darunter gemeint sein, daß auch Arme und Kranke Andersgläubiger m i t denen der Israeliten durchausan einem und demselben Orte zu sammin gespeist und gepflegt ivcrden sollten, daher hat er in den betreffenden beide» Sätzen da» D7 wohlweislich weggelasien und dasselbe nur beibehaltcn in dem Latze der von der Beerdigung der Leichen der Heiden mit denen der Juden handelt. <Siehe Hilch. Melachim P IO.) Da» sollte nun drutllch sagen, daß die Beerdigung von Todtra Andersgläubiger, wenn cs die Umstände erheischen sollte», gemeinschaftlich auf einen, und demselben Friedhöfe erfolgen dürfe. B.i. Ktettt», den 20. März. «Or.-Eorr.» Der hiesige .Israel. Wohlthätigkeits« und Beerdigungs-Verein" vrrscndet soeben seinen Jahre»«Bericht für da» abgelaufenc Jahr und ersehen wir au» demselben, daß sich das BrreinSvermögrn wieder vermindert hat. Leider ist dieses nun schon seit einigen Jahren der Fall; die Ansprüche, die an den Brrein grstcklt werden, werden von Jahr zu Jahr größer, ohne daß die Einnahmen im gleichen Maaßr steigen. Der Brrein selbst ist einer der segensreichsten hiesiger Stabt, er sorgt, wie schon sein Name besagt, für die Beerdigungen aller Hieselbst verstorbenm Israeliten und leistet «ranken und Nothleidenden Unterstützungrn. So manche Thränc ist dadurch schon getrocknet: so mancher Familienvater zu einer neuen Thätigkeit Sckommen, auch viele Hungrige sind gespeist worden. Wenn der Sinter einkehrt, dann wird Holz und Torf den Unbemittelten gesandt und jetzt zu Peffach erhalten dieselben Mazzo«. damit sie diese Feiertage in alter, ehrwürdiger Sitte begehen können. Der Verein selbst hatte im vergangenen Jahre an Einnähme Mk. 5046.03 zu verzeichnen, denen Ausgaben von Mk. 5373.91 gegenüberstanden. Da« BereinSvermügrn hat also um Mk. 327,88 abgcnommrn und beträgt nunmehr nur noch Ml. 5140.80. Möchten sich doch für diesen echt jüdischen Verein noch recht viele Mitglieder finden, damit derselbe seine Ziele immer mehr und mehr erreichen kann.*) Die Mitglieder- ») Hin scheint — so mit man ahne Eint,lick in die Staturen urtheiien tium — der gehler vielleicht darin zu liegen, dag der Verein zu viele ««hlkhätigteitSzwecke mit elnander verbind««, von de en sag jeder zahl beträgt augenblicklich ca. 260; eS sind in unserer Gemeinde jedoch noch Biele, die noch nicht Mitglied de« Verein« sind und an diese ergeht dir Bitte, da» kleine pecuniärr Opfer nicht zu scheuen und dem Vereine beizutreten. <4. W. Aut«, 12. März. (Or.-Corr.) Der Artikel „Zur heutigen Krise im Judenrhum* von Herrn vr. Salz berger in Nr. 8 und 9 diese« gesch. Bl. ist sehr Bielen ganz au« der Seele geschrieben, es seien mir zu demselben folgende Ergänzungen gestattet. Mein Beruf hat mir fett einer Reihe von Jahren viel fach Gelegenheit geboten, mit allen Schichten der Bevölkerung hauptsächlich Andersgläubiger, in nähere» Verkehr zu kommen durch deren Aeußerungcn ich zu der Erkcnntniß gekommen bin. daß, wie vr. Lalzberger im gen. Artikel richtig sagt, gerade durch unser ewiges Zurnckhalten und Schweigen au> alle Anklagen des Antisemitismus dieser immer tiefere Wurzel saßt, und wenn e« nicht zu noch gröbere» Ausschreitungen wie sic bisher dagewesen, gekommen, so haben wir diese« nu, dem 4<erhaltrn der Jude» zuzuschrribcn, die sich von den, Verkehr init Christen jetzt rlienso zurückziehen, wie sie frühe, Gelegenheit gesucht gaben, denselben zu pflegen Dadurch aber wird uns auch der Weg zu öffentlichen Aemtern and Würden versperr«. so daß wir schließlich. w.nn nicht bald Aenderung rintritt, aus den alten Standpunkt wie zur Zeit Mühlcr», gelangen werde» Diesein lrebelstande abzuhelsen, vermag »iciner Ansicht »ach. weder der Rabbiner in seiner Gemeinde. noch die weiteste Verbreitung der jüdischen Zeitungr», da diese nur den Federkrieg der Eoncurrrnzblättrr und (Gegner herausfordern tvürden. ohne den eigentlichen Zweck, in alle Schichten der Bevölkerung einzudringen, verfolgt zu haben. Am besten könnte der deutsch-isr. Gemcindebund als „iwr tretende Körperschaft des ganzen deutschen JudenthumS* ir dieser Hinsicht wirken, wenn er mit Hilfe von Flugblättern die in Stadt und Land vcrtlseilt. unter Behörden und Be völkerung aller Partheien und Confessio,,cn Einigung suchen, »achiveist. wie ungerecht die Beschuldigungen der Juden sind Falls die vorhandenen Mittel zur Verbreitung dieser Schriften nicht auSreichcn, dürfte die Allianoe Israelit« gerne Beiträge hierzu geben, da deren Tendenz ja auch nur die Förde rung de» Judenthums ist und wir seit Jahren ihr unsere Bei träge geben.*) Sollten auch diese Mittel durch die Zähigkeit, mit der wir unsere Sache verfolge», erschöpft sein, so wird e» zunächst Sache aller Gemeinden sein, bestimmte Beiträge zu liefern, die in der Rubrik ..Unterstützungen" in de» einzustellenden Etat» ausgenommen, so daß dir Regierungen bei Grnctimigung derselben, dieselben nicht zu streichen hätten. Im letzten Fglle könnte ja auch die Privatwohlthätigkeit der Glaubensgenossen in Anspruch genommen werden.**) Mit der Bekämpfung des Antisemitismus müßte gleichzeitig in denselben Schriften auch für das Recht der Juden plaidirt werden, die als deutsche Bürger gleiche» Recht mit allen Confcssionen zu beanspruche» habe», weil sie ihre» Verpflichtungen dem Staate gegenüber ebenso Nachkommen als jene. A«u»t«rß, 18. März. Den siebenten Vortrag au» dem Gebiete der Wiffenschaft des Judenthums hielt Herr Professor Geiger aus Berlin über ..Reuchli»". Der Redner, begann seinen Vortrag mit dem Urtheilc über Rcuchlin. welche« ein Unbekannter in der 1624 erschienenen „Comödie au» Pari«" gefällt hat und der ihn als den Mann hinstelll. der zuerst der Flamme der Wahrheit Luft geschafft hat; er gedachte dann der gleichlautenden Aussprüche de« CraSmu« einen besonderen Verein erfordert: l. Beerdigung».Verein, 2. U ranken pflege»Berri«. ». Unterslilpuug» Verein, 4. Holzversoraung« . Verein. Sollen alle die Zwecke zusammengelegt werden, dann mügie der Beitra» ein sehr hoher sein. Dagegen spricht aber die Sahrnebmung. da» mancher ea vorziebt. Mitglied medrrrer Vereine mi, kleineren Veitrüge« zu sein, al« an einen Verein eine« boden Beitrag zu zahlen. lVcd.i *> ES ist nicht rathsam, die meist sür humanitäre Zwecke de stimmten Mittel der Alliance hierzu in Anspruch zu nehmen. —) Da» ist g^chehen. Der Herr Einsender schein, nicht zu wissen, daß zu diese» Zwecke dos sogen. Deremder- Somit» in Berlin qtfHrt.