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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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99 wurden? Ein israelitische» ftinb früherer Tage athmete überall, wo r« ging und stand, den erquickenden Haucb der Religiosität «in. Früh erwachte r» und bevor es noch den ersten Bissm Brodr« zu sich »ahm. dankte e» seinem Gott für den süßen Schlaf und den lächelnden Sonnen blick, der es zu einem neuen fröhlichen Tage erweckt hat. Mittag« gedachte e« in Dankbarkeit Dessen, der da speiset die ganze Welt in Güte und Barmherzigkeit. und der für jede Erralur dir passende Nahrung schuf, Abend« erhob e« wieder den Blick zum Hüter der Menschheit, der nicht schläft und nicht schlummert. War r» sodann nicht eine Lust zu schauen, wir freudig gestimmt so rin kindliche« Herz war, wenn rin religiöse« Fes» mit dem üblichen Lichterglanz anbrach und e« mit heiligen Schauern und süßen Einpsindungen erfüllte',' Und heule?! Womit ersetzen wir jene von sv Biele» abgethanr alt« Methode, jene betvährlen Mittel der Erziehung zu Gottesfurcht, Sittlichkeit und Pietät, zu Liebe und Rechlschafsrnheit? »Rur nicht »uiedrr die alten Methoden!" küniilr da Einer rasch einwerfen »Wir bchürsen eine» zeitgemäßen Gottesdienste«, müssen in der Muttersprache beten, unsere Andacht durch Ehorgesang und «nerständltche, ansprechend« Formen heben und in unser» Häusern keine Heuchelei sondern wahre Hrrzrn»srö»n»iakeit befördern." Grniach, gemach l Mau teschwiwttgt so gern da« (gewissen. ivenn auch nur durch eioe Selbiitäuschung Um die Fori» tfundelt »» sich hier gar nicht. Mir sind beide Arten der Gvtiverrhrung. die neue wir die alte, würdige Anbriung«svrinen de» höchsten Wesen«. Unsere Bäter haben hebräisch gebetet, unsere Mütter deutsch, wer »vill entscheiden ivessrn Gebet dein Himmel genchmrr erklang? Aber unserem (tzeschlechte sind großentheil» hebräische oder deutsche Gebete, Bar-Mitzwa oder Konfirmation, Trop wie Melodie Litanei wir (tzesang, Religion und Glaube, Alle« gleichgültig. Diese Gleichgültigkeit gegen da« Heiligste und Erhabenste erzeugt ei» zuchtlose« (»eschlrcht, da« dem Antisemitismu« in die Hände arbeitet «und ihm die Waffe liefert, un« mit einem Schein von Recht zu bekämpfe». (behorchet, Glaubensbrüder, ivenn auch nicht Eurem Gemüthe und Herzen, die vielfach gegen unsere Ideale und Hoffnungen erkaltet sind, io dock, der Roth. Unsere Lehrer meinte». ivenn auch Anfang« nicht im Romen Gotte«, so geschicht'» später in seinem Name», au« der Uedung erwächst dir Urberzrugung. Die Zeit gebietet Borsicht. Sicherung wenigsten« de« Fundament«. Ihr Groben, gehet daher i» euren Häusern mit gutem Beispiele voran, dir Pfeiler und- Stützen unserer- Religion, in tvelcher Form immer, in der neuen oder alte», wieder aufzurichtrn, dann werden die Schäden der Scbule und Synagoge leichter geheilt werden könne». Euer Verstand muß e« euch diktirrn, wenn auch da« kühle Herz sich noch sträubt. Wik oft hört ihr nicht sonst im Lebe» aus die Eingebungen de« Berstande« allein, wenn auch manchmal im Innern sich Sttmmen dagegen erheben. Wir wollen doch wahrlich nicht die Reihen unjerrr Gegner vermehren und un« Feinde im eigenen Lager grobziehen Ein Freund in Ungarn") hat mir jüngst au« der Seele gesprochen, er hat rin alte« Bild in mir wachgerufen und eine Lehndaran geknüpft, die auch in diesem Blatte verbreitet zu werden verdient. Er erinnerte an den »Schulklopsrr" in der Judengasse, der von Hau« zu Hause ging und mit dem Hammer auf die Thür klopfte, um die Glaubensgenossen in den Tempel zu rufen. Bon dem nahen Kirchthurm klang unterdessen oft der Helle Glockrnschall mächtig drein und übenvnte die schwachen Hammerschlägc, die ebensall« zur Andacht aufforderten. E« war von jeher so. unsere Gegner ziehen die große Glocke, wir aber müssen von Hau« zu Hau« gehen und anklopfen. Denn der Tag ist noch feni, *) Herr Professor Dr. Kaufmann in $tft in drr Im vor. Ariitet manmm Broschüre, auf die wir im nlichsten .LltteraturblaN" zurück «Men. fftrt.. wo die Glocken aller Gotteshäuser nur FriedenStöne läuten. Die alten J»raeliten, fügen wir hinzu, siiehen in den Schofar, wenn eine Befahr drohte; nun, die Gefahr ist vorhanden. aber die Mahnstimmen verhallen. — Meiningen. Landrabbiner(Dr. Dessauer. Kerichle ««d Correlpo«der»»e». Deutschland. MaßdeGurg. »Univer« israälitr" vrrhridigt dir französischen Juden mit Wärme gr^n den Borwurf der „Preußensreundschast" und giebt darin einem christlichen Sckfriststeller da« Wort. Bi« dahin ist d«-r Franzose i» seinen, vollen Rechte; und wohl Reiner ivriß r» sv gut, wir wir deutschen Juden, daß bei unser» Glaubensgenosse» jenseit« drr Bogrsrn der Franzose stärker ist al« der Jude — das, dir Abneigung B die Deutschen die Zuiitignng zu,» Glaubensgenossen »legt. Aber ivir deutschen Inden sind auch nicht »in ein Pünktchen »venigrr Deutsche, al« jene - Franzosen. Aller Antisemili«mu« der Welt, alle ivalsre und alle erdichtete Protection derselben, ist nicht stark genug, nm die Vaterland»- liebe au» uiiserrn Herzen zu treiben, ta auch nur, sie zu mildern! Wir Alle ehre» und liebe» und beivundern unser» Heldenkatser und der froinme Hvl-eiizvUer weis,, das, jede» gläubige Jude thni ei» treuer llntertlw» ist! Zu» Achsen». März ,0r. Eorr., Ta« Pro vinziaievinitä der AUianke.Z»ra«lite-llniverselle für Schlesien, dessen Borsttzc-ndc-r Hc-rr Prof. Dr, Graetz ist, beruft zu», 2!t. März die Delegirten der schlesischen Lvcal-Eomit«» nach Breslau, »um über eine wirksanirre Propaganda für die Interessen dc-r Alliance geineinsam zu berathen". Dir Zu sammenkunft wird im Saale de« Hotel« »zum blauen Hirsch" abgehalten und die lageaordnung uinsaßt folgende 4 Punkte l. den -t. t. Wer Begrüßung und geschäftlich«- Mittheilnngcn durch Vorsitzenden. Ansprache de« Hc-rr» Rabbiner« Dr. Ioäl. Mitthcilungen der Delegirten. Berathung der Mittel zur Durchführung einer umfang reichen Propaganda. Referent: H. Th. Oschinüky. Herz und Berständniß für die hohen und opfere« heischenden Aufgabru der Alliaiice t>at, wird dem Provinzial- Eomitö für seine zeitgemäße Anregung volle Anerkennung zollen. Eine nach einen, gesunde» Plane in'« Werk gesetzte Propaganda ivird nicht verfehlen in allen Theilen, Schlesien«, der Alliance recht viel« Mitglieder zuzuführe». — Eine Alliance im Kleinen darf man in gewissem Sinne drn „Deutsch Israelitische» ttzemeindcbnnd" nenne». Dab auch für diesen eine rührige Propaganda in den schlesische» Gemrinden sehr noch thut, zeigt da« jüngste Mitglieder-Berzcichniß de« Bun de«. Wir kommen hierauf in drr nächsten Nr. zurück. Merkt«, 18. März. (Or.-Eorr.) In der hier er scheinenden »Jüd Presse" hat vor Kurzem der Redakteur Herr Dr. Hildesheimer, den Borstand der jüdischen Gemeinde zu Leipzig, sowie die begutachtenden Rabbiner öffentlich zu beschimpfen sich nicht gescheut; — und zwar au« Anlaß eine», vom besagten Borstande erlassenen Bc-rordnung, wonach e« «estattet sein soll, die mit Juden verwandten Verstorbenen Indersgläubiger, wenn dir« geivünscht wird, auf dem jüdische» Friedhof zu beerdigen. — Herr Dr. H. macht dem Borstande und den begutachtenden Rabdinen« den Borwurf der Ignoranz. Eharakterlosigkeit u»v behauptet u. A.. daß letztere die bezügliche Stelle im Talmud und Maunonide« nicht verstanden, resp. falsch commentirt hätten. Herr Dr. Hildesheimer ist derAnsicht, daß hier da« Wörtchen vr in der bekannten, schon oft citirten TalmudstellesGittin 61) nicht durch da« deutsche „mit" Übersekt werden darf, denn sonst, meint er. könnte man zu dem falschen Schluß gelangen, daß auch die Armen und Kranken Andersgläubiger mit ven jüÜfchen.Armen und Kranken, durchaus an einem und demselben Orte zusammen gespeist und gepflegt werden sollen und da« kann doch der Talmund nicht gemeint haben

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