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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 98 — beherrschte, zeigt sich in der Feststellung der Berathung«- gegenstände, welche der .allgemeinen Versammlung der Rabbiner Deutschland»" unterbreitet werden soll. Man war bedacht, einen gemeinsamen'Boden zu gewinnen, auf welchem sich die verschiedene Richtungen zusammenschließen und die gesonderten Parteien zum Gegen de» Judenthum« zusammenfinden kännten. Geht doch da» Gefühl de« Schmerze«, da« >n gemeinsame» ist, durch die Reihen J«rael«, und verwundet doch sein Stachel hlst«n und drüben in gleicher Weise die an dem geheiligten Erbe der Bätrr. an der beglückenden Größe ihre» Glauben« in Treue Hangenden! Auf allen Seiten wollte man der Mitarbeit an der Abwehr jede« Hindernis, au» dem Wege räumen und mit allen geeint, die dem Glauben I«rael« bekennrn. will man an die ehrenvoll«, der Rabbiner würdige Arbeit gehen und dem Gegner verirauen»voll da« Wort zurufen, da« ehedem ein Großer in I«rael seinem Gegner entgegenschleuderte! »Du kommst zu mir mit Waffen der Gewalt i ich aber komme zu Dir im -kamen de« Ewigen Zebaoth, de» Gotte» der Reihen Israel«, die Du geschändtt hast". iSamuel l 17,461 Bon diesem Gesicht«punkt au» hat man sich geeinigt, der .Rabbinervrrsammlung' folgende drei Berathung«gege»stände zu unterbreiten: 1. Oeffentliche Erklärung die interconfesstonetle Stellung t*» Judenthum« betreffend; 2. Miitel zur Hebung de» religiöse» Sinne« und zur Förderung de» Religionsunterricht»; :i. Bildung eine» Verbände« der Rabbiner Deutschland». I» erster Reihe glaubte man. die Rabbiner in den Lande«, und Provinzial-Haupfftädten höre» zu müffen. weil diese am wahrscheinlichsten über die Geneigtheit ihrer Eollegen zum Beitritt zur .Rabbinerversammlung" Aufschluß geben, b«. ziehungSweiF bei denselben da« Interesse dafür anregcn könnten. Der Erfolg war. wie voranszuschrn. ein befriedigender. Mit begefftertem Danke für die empfangene Anregung drückte eine große Anzahl der befragten Rabbiner ihre Zustimmung zu dem geplanten Werke au» und sprach die Hoffnung au», daß die Eollegen. längst von gleichem Empfinden Angesicht« der herrschenden Roth beseelt, mit Freuden sich zur Theilnahmc an der .Rabbinerversammlung" geneigt zeigen werden. — Demzufolge« werden, wie wir erfahren, die Herren, welch« in stattlicher Anzahl verbunden, da» Unternehmen bi« zu diesem Punkte geführt und sicher gestellt haben, sich mit einer direkten Einladung an die Eollegen zum Beitritt zu der .allgemeinen Versammlung der Rabbiner Deutschlands in Berlin" wenden, die im Laufe diese« Sommer« — der Termin ist noch nicht festgesttllt — stattfinden wird. Möchte Niemand, der dazu berufen ist, sich von dem Werk fernhalten, da« zur Ehre de» Judrnthum« geschaffen wird. Möge da« Werk gelingen und von Gott gesegnet sein? Dritte» Mahuwort a« «»sere Srotze»! Unser dritte- Mahnwort bezieht sich auf den Hauptheerd der Krankheiten und Gebrechen de« heuttgen Juden» thum«. auf da« Grundübel, da« nicht in der Synagoge, nicht in der Schule, sondern im Hause zu suchen ist. Synagoge und Schule ziehen ihre edelsten Säfte au» der häuSlichm Religiosität. Wir haben im Vorhergehenden schon nachdrücklühst betont, wie sehr besonder« die Religion»schule ihre kräftigsten Lebensnerven im religiösen Familienleben hat. tt# irrt daher, wer die Schäden derselben zu beseitigen hofft. ohne daß er zugleich ans Hau« und Familie bessernd einzuwirken bestrebt ist. Viele wohlgesinnte Männer in J«rael »enden jetzt ihre volle Sympathie der gedeihlichen Entwicklung der ReligionSschnle zu. in ihren Häusern aber ist jede Spur von jüdischem Wesen ängstlich verwischt; so lange jedoch Schule und Hau» getrennt behandelt und nicht al« eng insammengrhörige Glieder ein und desselben Rumpfe« angesehen werden, ist jeder Heilversuch erfolglos. Ein rabbinifche» Gletchniß erzählt von einem Sohne mit zwei Köpfen, der bezüglich der väterlichen Hinterlassenschaft al« zwei Personen gelten wollte. Darob entstand unter den Brüdern ein heftiger Streit, der von keinem Richter geschlichtet werden konnte. Der Fall erregte Aufsehen, die Lösung war so schwierig, daß sie der Weisheit Salomo'« anheimgrgeben ward. Der »weiköpfige Kläger erschien nun vor dem König, dieser ließ siedende« Woffer bringen und besprengte dam» den einen der zwei Köpfe, da zuckte auch der andere aus. .Wie? verspürt e» auch der andere, wenn der eine Kopf Schmerzen empfindet?" fragte der König. .Gewiß," ant wortete jener, .wa» dem einen widerfährt, Freud oder Leid. Wohl- oder Mißbehagen, da« fühlt auch der andere." .Wenn dem so ist. lautete die Entscheidung, .dann bist Du blo» eine Person!" — Religion»schule und da» israelitische Hau» sind so zwei Köpfe eine» und desselben Körper». Den rtnen pflegen und den andern vernachlässige», den einen liebkosen und den andern verwahrlosen, ist widersinnig Keine Schule ohne Hau«! Freilich könnte Mancher ebenso gut umgekehrt belmuptr». Kein Hau« oline Schute Gute Religion»schule», tönnie man uii« entgegrnhalten, würden auch aus die Religiosität de» Hause« eine» heilsame» Einfluß au»zuüben nicht verfehlen und so befänden wir un« wieder in dem lähmenden und irreführenden oiroulu, vitioiu» Die Religion«schulr schiebt alle Schuld an dem Mißerfolg auf die Eltern, die Eltern aus die Schule. Eine arge Selbsttäuschung! Der Schwerpunkt der religiösen Erziehung liegt unstreitig im Elternhause. Die besten Religion« schülrr erlahmen in ihrem Eifer und die beim Religionsunterricht gewonnene Begeisterung für die Lehre» und Ideen unsere» Glauben» muß de: ihnen erkalten. »nt» sie daheim schon frühzeitig von de» Jndifferenti-mn» Blässe angekränkelt werden, der beste Wiste de» besten Lehrer« muß erschlaffen, wen» er wahrnimmt, seine Mühe und Arbeit sei eitle« Haschen nach Wind, die bestorganisirte Religio,isschule kann ohne Mitwirkung de» Hauses, ohne Ermunterung der Kinder seitens der Eltern nimmer Ersprießliches leiste». E» ist leider eine nicht wegzuläugnende Thaffache. daß zu den Atheisten und destruktiven Elementen, welch« neben den Stöcker. Jstoczy und Eonsorten an der Verrohung und Ver- Milderung unsere« tyeschlecht« mit arbeiten, auch da« Judenthum rin. wenn auch geringe«.Eo»tingent stellt. Und muß nicht eben diese« Judenthum die Ausbrüche solcher Verwilderung zu allererst empfinden? Sind nicht die Juden immer die ersten Opfer politischer, religiöser und socialer Rothstände? Sind sie nicht auch jetzt die Sündcnböcke, die Prügelknaben für dir allge gemeine Unzufriedenheit und Mißstimmung unserer Zeit? Wenn wir aber selbst au der Zerstörung de« religiös moralischen Fundamente» der Welt Mitarbeiten, selbst das Beil schmieden helfen, da» zuerst unfern Stamm bedroht, wo bleibt da die ehrenvolle biblische Bezeichnung Israel«, al« .eine« verständigen und weisen Volk«?" Einrrißr» hat seine §eit, bauen hat seine Zeit; jäten wie pflanzen eine rechte eit J«raeliten! E« ist jetzt die rechte Zeit zu pflanzen und zu bauen! E« ist nicht meine Absicht, hier eine Strafpredigt zu halten, die ja nicht gern gehört wird, aber wie denkt Ihr euch allen Ernste« eine Religion ohne Andacht im Hause, ohne Andacht in dcr Synagoge, ohne Fest- und Feiertage, ohne Ideale und Hoffnungen. Wa« fehlt nicht unser» Kindern von den heilsamen Anregungen. Grundsätzen. Leitsterne« und Ankern, dir un« in unserer Jugendzeit auf den Lebensweg mitgegedn.

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