Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 12.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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ft bleiben, da die russische Regierung seine Agitation in Dolen nicht dulden würde. Die Administtafiv-Behörden ft Polen haben von Petersburg aus Befehl erhalten, Herrn DiScker bei dem geringstm Versuch, zu agitiren, auSzu» ftcisen, event. festzunehmen. I Kr«»tf»r1 «. W. Bor einiger Zeit machte die Notiz ftc Runde durch viele Zeitungen, daß hirrselbst beim Ober» ftndcSgericht unter 42 Referendaren 37 Juden sein sollten. Natürlich war das Wasser auf die Mühle antisemitischer Blätter — da erscheint nun vom ObrrlandeSgerichtSpräsidcnten >„c Berichtigung, einmal, dah überhaupt nur 22 Referendare Int LberlandeSgericht seien und dann, daß unter diesen nur I der jüdischen Konfession angetiörtrn. I WlesAade«. Der hier zum Rabbiner gnvählte vr. Silberstrin, z. Z. Rabbiner i» Möhringen (Württemlergl wird nach dein Prssachfest sein neues Amt antreten. I chr««a» Der kürzlich in Hannover verstorbene Bankier Oppenheimer hat für die hiesigen Armen 300 Mk. Ksiamentarisch überivicscn und zwar »i der Weise, daß löO Mk. an lutherische und 150 Mk. an katholische Arme zur Periheilung gelangen. I Wie». Der Jahresbericht der Wiener öffentlichen »rarlitischcn Vereins-VplkS-Schule „Talmud-Thora" — U- Lcopoldstadt — für das Schuljahr 1883 thcilt mit, dag lufinanziellen Verhältnisse des Vereins sotvcit geregelt Worden sind, um zu einer Reorganisation der Schule schreiten tu können. Es soll in Folge dessen mit dein Schuljahr 1884/85 eine 5. Classe errichtet und damit die Ziele der piistalt höher gesteckt iverden. Zur weiteren Förderung der kchulr ist es aber auch dringend geboten, daß die noch nicht seigeirrtenen (^emeindeinitglirdcr ihren Beitritt zu dein hierein Icklärrn mögen. Die Einnahmen betragen im vorigen Jahre »8>>5Guldcn und 48Krcuzcr, die Ausgaben desgleichen; schlicht nit einem Saldo von 167 Gulden und 67 Kreuzer An essertcn besitzt der Berei» 10 385 Gulden. [?eft, 18. Februar 1884. Unter diesem Datum ver» bffeiiilicht Namen» der orthodoxen Rabbinervcrsammlung Herr Leopold Lipschiz, Rqbbiner von Szanto, eine Erklärung. Welche wir wenigsten» lächerlich finden. Es heiht darin, dah ne Forderung, die Grundzügr unseres Glaubens klar zu legen, me überflüssige sei. da dieselben seit Jahrtausende» bekannt!uid in der heiligen Schrift (!sic!) nicdergclegt seien. £>icr wird ruf „Licl>e Deinen dkächstrn u. s. w." rxemplifizilt. Al>er wer i)t dieser Nächste? Da» ist ja die Frage!!). Das jüdische Echristthum werde an so vielen Universitäten gelehrt — da keine Veränderung darin ringctretrn, sei auch keine keklarirung nöthig. Eine Rabbinetversammlung, um Verliesseuiigrnzu beichlirhen. sei unmöglich, weil dasJudcmhum nicht in li> ungarische», türkische» u. s. w. zcrsallr, sondern allgemein ci und die Lehre des JudcnthnmS nicht an die Zeit geknüpft, andern ewig sei! (Hamcliz.) ^emlerg. Seit einigen Jahren zeichnet sich der hiesige Äcrichtshof durch seltsame Urthcilc auS. welche vom Reich«. >ericht gewöhnlich aufgehoben werden. .Der Jude wird versrannt" lautet die Devise. So ist ein Jude de» 21. Februar vicdcr <zum 2. Male) de» MordeS schuldig befunden und zu >6 Jahren Kerker vcrurtheilt worden, obschon ein Zeuge bcündrt, er wisse kein Wort von alledem, was in feinem Kamen im Protokolle eingetragen worden ist. Ein Vcrhcidigrr hat die Protokollirung ve> letzender Redensarten geordert, die der Präsident gegen den Angeklagten und die llcrtheidiger gebraucht hat. — In Sachen des getauften Rädchens Philipp Hot der arme Vater Audienz beim Kaiser schabt. der ihm eine gründliche gerichtliche Untersuchung zu> ichene. Der Reichstagsabgeordnete Rabbiner De. Bloch hat, 'om Polenclub unterstützt, eine Interpellation an den Mi< lister Taafe in dieser Sache eingebracht. (Die Angelegenheit fi durch die inzwischen erfolgte Ankunft des Mädchen rlediat. Red.) Moktke». Der Bezirkspräsident Herr Dembowczki lat ein Buch rdirt, Aufsätze verschiedener Schriftsteller über den Bezirk, darunter auch einen über die Juden von I. Schi» kowSky. Dieser Herr ist Mühlenbesitzer und wüthet gegen seine jüdischen Loncurrenten. Der Inhalt ist der gewöhnliche Eisenmrngersche Abhub mit der Taschenspielervolte. Akum immer mit „Christ" zu übersetzen. E» ist Ehrenpflicht der gebildeten Juden hier, diese Lügen dem Herrn Präsidenten nachzuweisrn. Marsch««. Am 21. März feiert Herr SlonimSky, der Redakteur der „Hazephira" den 75. Geburtstag und das 50jährige Schriftstellerjubiläum. (Wir schlichen unS dem grohen Kreise derer an. welche dem tüchtigen Naturforscher, dem bedeutenden Hrbräistcn,' dem warmfühlenden Juden ihre ehrerbietigsten und hcrzlichst anerkennenden Glückwünsche darbringen. Red. d. W.) London. Baronin Rothschild. Wittive de» Baron Lionel Rothschild und Tochter des Baron« Carl Rothschild in Neapel, ist in der Nacht zum 13. d. Mts. im 65. Lebensjahrc in GunnerSbnry Lodge gestorben. Sie war eine sehr wohlthätigc, von echter Religiosität durchdrungene, und auch schriftstellerisch thätigc Frau, eine Zierde Israel». Ihr Andenken fei gesegnet. London Die Pennhsammlung der Schüler der Freischulc um ein Stipendium zum Andenken Sir Anthony von Rothschild zu begründen, hat 2000 Mark ergeben. Kmlierdam. Der portugiesische Gcneralconsul, Herr Georg Rvsenthal, hat vom Könige von Portugal den Barontitcl erhalten. Motlerda«. Schapira, der Verfertiger „alttestamen t l i ch r r Handschriften", hat sich dieser Tage hier erschossen. Zuerst trat er mit sogenannte» „sinaitischen Handschriften" aus, dann in Berlin und London mit gefälschte» Manuscripic» de» Deuteronomium. Er forderte vom British Museum 1 Million Pf. St., aber die Unechtheit wurde bald nachgetviesen. Seit Kurzein trieb er sich in Holland herum und wohnte in der letzten Zeit hier in Adler» Hotel. Da man ihn einige Tage nicht gesehen hatte, lieh ma» die Thür erbrcckien und fand seine blutüberströmte Leiche. Man fand bei ihm einige Visitenkarten, auf denen er sich als „Buchtfändler und Antiquar, Agent für das British Museum", ouSgab, und verschiedene sonstige Papiere, auS denen hcrvorgchl, dah sei» Geisteszustand in der letzten Zeit ein gestörter war. (Dah der Schwindler und Selbstmörder längst die Taufe empfangen, unterdrücke» die Tagesblättcr. Red.) Akeziandrie« Die durch den verewigten Baron Jacob Menasce begründete Frcischulc ist eröffnet worden und hat fast 200 Schüler. Diese Elementarschule lehn 3 Sprachen, Arabisch, Hebräisch und Französich (warum nicht auch Englisch, die Sprache der faktischen Herren des Landes'?). — Unter den Dolmetschern. welche da« englische ExpcditionScorp« nach Suakim begleitet haben, ist auch rin Jude, Herr Victor Richc», der schon 1882 in derselbe» Eigenschaft Dienste geleistet hat und dafür decorirt morde» ist. — Hier arbeiten viele russische und rumänische Jude» als Bauschreiner und ernähre» sich anständig. Sie haben leicht italienisch und arabisch gelernt, so dah sic sich leicht verständlich machen können. ^aküstina. Der famose Herr Brill hat im „Hamcliz" nun all seine Galle gegen dir Alliance auSgespritzl. Am schlimmsten kamen Herr Erlanger und der Direktor der Ackerbauschule, Herr Hirsch, fort. Der Erslerc ist ihm der moderne Sanballat, der Andere wird falscher Berichte, Unterschlagung. kurz all dessen beschuldigt, was Gott und Menschen verbieten. Die Leiter der Alliance sind — gelind gesagt — Schwachküpfe, die sich dupircn lassen und der Grandrabbin Zadoc Kahn, ei» Herr, der mit zwei Zungen redet. Welche persönlichen Hoffnungen und Wünsche haben durch ihr Nicht» ersülltmerdcn diesen Hah erzeugt? Wenn die Alliance dies der Welt erzählte, würde sie nicht allein den Verleumdern und Skandalsüchtigen den Mund stopfen, sondern auch ihren gröblich beleidigten Beamren die beste Ehrenerklärung geben.