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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 12. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 12.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 94 — verfolgt, herangewachsenrn und einer geeigneten hiesigen Häuslichkeit entbehrenden Mädchen den Schutz «ne» geordneten Hauswesen« zu gewähre« und womöglich die Mittel jzur weiteren FortÄlbung zu verschaffen. Erfreulich ist eS, daß Frau Philipp Speyer da« bisher unentgeltlich überlassene Hau« nebst dem vollständigen Inventar dein Verein al« Geschenk überwiesen hat. Die Anstalt pflegte im vergangenen Jahre 23 Pfleglinge, von dienen sich eine für da« Lrhrerinncn-Examen vorbereitet, eine andere besucht da» Seniinar der hiesigen Elisabethenschulc, eine ist Schülerin des Hoch'schen Eonsrrvatvrium«, eine enhcilt als geprüfte Handarbeitslehrerin Privatunterricht u. s. >v. Der Bericht zollt der geschätzten Hausmutter, Frl. Therese Meyerowicz. besondern Dank für ihre umsichtige Leitung. Leider fließen dein Vereine nicht io viele Mittel zu, wie e« wünschenswerth erscheint, denn die Ausgaben überstiege» in dein verg. Jahre die Einnahmen um 1871 Mark. Möge» die fiiianziellen Verhältniffe de« Verein« in diesem Jahre besser iverdei«, damit er seine edle Ausgabe voll und ganz zu erfüllen im Stande sei. Aiirlh. Wir haben in Nr. 23 der vorjährigen „Wochenschrifteine» ausführlichen Bericht über die hiesige Gabriel-Riester'sche Stipendien Stiftung gebracht und dabei unserm Bedauern Ausdruck gegeben, daß der allergrößte Theil bei jüdischen Gemeinden Bayerns den Namen Gabriel Rieffer und die seinem Andenken gewidmete Stisiung völlig ignvrirt Nach dem uns vorliegenden Berichte auf dir Zeit vom 22. April 82 bi« 20. April 1883 hat der Verwaltung-, rath noch traurigere Erfahrungen gemacht. Er schreibt: „Während in früheren Jahren eine Anzahl (Gemeinden der Stiftung Jahresbeiträge zugewendct haben, haben 1883 allein die isr. Gemeinden Augsburg und RegenSburg einen Jahresbeitrag gespendet. Diese Gleichgültigkeit, heißt c« dann weiter, gegen die im Namen RiefferS gestellte Bitte um Unterstützung armer, aber talcnwollrr jüd. Studirender ist für die gegenwärtigen jüd. Verhältnisse bezeichnend. - Zur Verrhciiung standen IS.'O Mark zur Verfügung. Von 26 Bewerbungen konnten 17 berücksichtigt werden. Auch wir schließen unfern Bericht mit einem energische» Appell an die Gemeinden Bayern«, daß sie künftighin für die spezifisch Bayerische Stiftung durch Zuwendung von Jahresbeiträgen sichre Tlieilnahme bcthätigen mögen. (Können denn die Herren Rabbiner nicht anregend auf die Gemeinden wirken'? Müssen denn alle Spenden „via Würzburgnach P a l ä st i» a wandern? Die Trommel für die„Chaluka-wirdvonMainzundWürzburgwiederstarkgerührt.) Aus dem Ackdifche« Höerkand. (Or.-Corr.) Von unserer Cenkralbcyördc kann ich Ihnen wieder etlvaS Neue« melden. Nachdem der Großh. Oberrath der Israeliten vor einigen Jahren einen Normal-Lehrplan für die Religions- Schulen veröffentlicht und dadurch einen einheitlichen Reli» gionS - Unterricht in allen Schulen Baden» angcstrcbt hat, sucht diese Behörde nunmehr auch eine stetige Verbindung mit den Synagogenräthe» de» Landes durch die Herausgabe eine» Verordnungsblattes — welches in einem Zritrauine von 4 — 5 Wochen jeweils erscheine» soll — lhrrzustellen. Da« Blatt will außer den für den gesammten Religionstheil ergehenden Verordnungen und Verfügungen auch solche spec. Entschließungen de» Großh. Ministeriums der Justiz, de« Kultus und Unterricht« des Großh. Oberrath« und de« Großh. VerwaltungSgerichtShofe« zur öffentlichen Kenntniß bringen, welch« für die isracl. Kirchenangelegenheiten von allgemeinem Werth« sind. In einem Anhänge, welcher unter alleiniger Verantwortlichkeit des Herrn Reg. Assessors vr. Mauer steht, wird zur Erörterung wichtiger Organisation«- und-ver» waltungSsragen Gelegenheit gegeben werde». Wir begrüßen diese Entschließung fteuvigst und hoffen, daß au« der nunmehr stetigen Verbindung der Eentral - Behörde mit den Verwaltungs-Organen der einzelnen Gemeinden Segensreiche« «sprieße für Synagoge und Schule. Gleichzeitig wünschen wir aber auch dem Kollegialmitgliede de« Großh. Oberrath«, dem Herrn vr. Mayer, der mit so regem Eifer sich der Interessen de« JudenthumS annimmt, den besten Erfolg. Oefterre1ch-U»gari». Au» wird geschrieben: Bei der hiesigen jüdische Einwohnenn Marie Ehrenstrin war da« aus Verbocz ge bärtige 17jährige Mädchen AncSa BalcSena bcblensiy Im Laufe der Zeit stellte sich dasselbe al« raffinirte trügerin heraus, dir zum Nachtheile ihrer Dirnstgeberin vn schicdene Betrügereien und Diebstähle beging, doch »vußtc s, durch Heuchlern und glrißnerische« Benehmen die gulmüthig, Frau immer zu besänftigen, so daß dieselbe keine Anzcig gegen sie machte, drohte ihr aber, die« unbedingt zu thu« wenn sic sie noch einmal bei einer Unthal ertappen soll» Dessenungeachtet begab sich die unverbesserliche AncSa vo, vier Wochen zu einer Freundin und Nachbarin ihrer Diem'ifrau um dort in deren Namen einen Geldbetrag;c leihen. Die Nachbarin, welche da» Mädchen kanntk und id: deshalb mißtraute, erklärte das Geld der Frau selbst über geben zu wolle», bei welcher Gelcgcnlieit sich der beabsichtig,! Betrug dcS Mädchens hcrausitellte. Frau Ehrenstcin ric das Mädchen ins Zimmer, um sie in Gegenwart der Nachbarin über diese neue Betrügerei zur Rede zu stellen, alle» Ancsa war verschwunden und konnte trotz alles eifrig., Suchen« nicht aufgefunde» iverden. Sofort verbreiteten sich die fabclhastcslc» Gerüchte üb« das Verschwinde» de« Mädchens. Die Einen wollte,, wisse», daß da« Mädchen von den Juden zu den l^vorstehendc» Ostern ausbeivahrt wurde; Andere hatten schon da« Wimmern der arme» Ancsa gehört, als sie vcrmuthlich von de» Juden abgcschlachtet wurde, wieder andere rvolltcn geseh.» haben, wie die Leiche de« verschivundenen Mädchen« gevicrtheilt und in Kiste» von Juden de« Nachts ivegspcdirt werden mar. Die Siluation fing an unheimlich zu werden un» das umsomehr, da selbst Leute, die sich mit Stolz zur Intelligenz zählen, behaupteten, man müsse dann doch die Jude» meiden, da sic erwiesenermaßen Ehristcnmädchen verschwinde» lasten. Zum Glücke wurde das Mädchen am 1. Mär; auf dem Dachboden ihrer Herrin tief im He» verborgen, wohl ungemein hcrabgckommen, über ga»; unverletzt aufgefunden. Unter großem Zusammrnlaus der Bevölkerung wurde sie zur Polizeibehörde geleitet; On«-Rabbiner Friedmann bc gab sich später zum Sladthaupkmann und bat in Anbetrachi der in Umlauf gesetzten Gerüchte die strengste Untersuchung zu pflegen, was der wackere Stadthauptmann auch that Doch ergaben die Untersuchungen kein anderes Resultat, al« daß da» Mädchen mit dem Moment, als die Nachbarin i» da« Haus ihrer Frau trat, aus Furcht, abgestraft und i« ihre Heimath abgeschoben zu werden, dasselbe verließ. S,r will sich einige Zeit in der Gegend herumgetrirben haben, sa aber nach acht Tagen wieder hierher zurückgekehrt, wo sir sich eines Abends in das Haus ihrer Herrin einschlich, am den Boden begab, von wo sie nur immer spät Nachts herabstieg. um sich beim Brunnen mit Waster zu laden und mit den Speiseüberresten, die sie im Hofraume aufgefunde« haben will, zu nähren. Diese« Manöver will sie — m scheint fast unglaublich — 19 Tage hindurch durchgesühn haben. Die Aerzte konstatircn, daß sie die Hungerkur keineswegs länger als etwa 10 Tage hätte milmache» können. Das Mädchen befindet sich jetzt beim besten Wohlbefindc» hier in SpitalSpflegc und konnte bi« nun nicht eruirt werden, ob ihr Verschwinden nicht etwa ein angelegter Plan ist welcher Mitwisser und Mithelfer hat. Vermischte «nd ntntfU Nachrichten. ZterN«. Die National-Zeitung schreibt: „Herr Hos< Prediger Stöcker, der seine antisemitischen Agitation»» auch auf Pole: auSdchnen wollte und für die nächsten Tage seine Ankunft in Lodz in Aussicht stellte, erhielt, wie die au« Polen regelmäßig gut unterrichteten „Nowosti" schreiben von der russischen Behörde einen Wink, lieber zu Hause

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