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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 12. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 12.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 98 — werden dürfe. Selbst der grüßte Verbrecher, z. B. der Selbst» mürber, von dem e» heißt lös fpOSTO pt, wird doch auf dem jüd. Friedhofe beerdigt, denn eine Ausschließung von demselben kennt da« Judenthum nicht. Gesetzt also der lächer» liche Vergleich de« CT3S mit dem SSTI wäre stichhaltig (Vergl. dagegen Kolbo, der die Liebe«werke gegen Heiden nicht nur um de« Frieden« willen gebietet, soiidern .weil die Frommen unter den Heiden Antheil am zukünftigen Leben haben"). so würde darau« doch nur hervorgehe». daß man ihn nicht neben einen p'Ut krine«weg« aber, daß man ihn überhaupt nicht auf dem Friedhofe begraben darf. Distrikt-rabbiner Dr. 3. Flaschner. Stritt», den 10. März 1884. (Dr.-Sorr.) Herr vr. Des sau er in Meiniaen hat mit seinem Artikel in dir 10 der .Israelitischen Wochenschrift": .Ein Mahnwort an dir Großen in Israel" das Richtige getroffen und verdient dafür vielen Dank. Wird dadurch aber auch etwa« erzielt? Ich glaube e« — leider — nicht, denn bifjcni^fit, für die er bestimmt ist, lesen ihn ja nicht. Es ist ja leider dir traurige und gar nicht sortz»lrugne»de Thatsache, daß Jüdische Blätter von den .Großen in Israel" ivenig oder gar nicht gelesen tverven. Dafür haben diese Herren keinen Sinn und kein Interesse, ebeiisowciiig für die Synagoge. Sie wissen nicht« von Rausch Haschonoh und nicht« vom Jom-Kippur mehr und fühlen sich gekränkt, wenn sic an ihre Religion (?) erinnert werden. Um wie viele« besser würde e» um da«Iudrnthum bestellt sein, wenn unsere Reiche» und Großen sich mehr dafür intcressire» würden! Nur die Thal kan» un« helfen, alle Predigten unsrrer Rabbiner nützen dabei nichts. Dir Verbreitung unserer jüdischen Blätter wäre für dieselben und auch für die Herren Eantorcn gerade in jenen -reisen eine lohnende und dankbare Aufgabe, vielleicht würde sich durch die Lektüre derselben doch so Mancher zum Besuch de« Gotteslsause« angeregt fühlen und das iväre immerhin schon etivaS. Das iväre auch eine „That", die wir erwünschen und ersehnen. Gott gebe es. — Stellt». (Or.-Corr.) Als vor mehreren Jahren Hierselbst die Synagoge neu geballt wurde, da wurde auch eine HcizungSanlage mit in Erwägung gezogen, sie kam jedoch nicht zur Ausführung. Da« Fehle» einer solche» macht sich im Winter recht fühlbar, eS ist vor -ölte in der Synagoge kaum au«» zuhalten und ist r« nur zu bewundern, daß Prediger und Cantor nicht krank dabei iverde». Im vergangenen Jahre schon befaßten sich Vorstand und Repräsentanten damit, es wurde auch eine Commission zu diesem Ziveckc kingesetzt. die Pläne ausarbeiten sollte. Jetzt ist wieder alle« still davon und doch drängt diese Angelegenheit zu einer Erledigung. Wie störend e« wirkt, hatten wir am gestrigen Purim-Abend so recht lyelegenheit zu beobachte». Der Gottesdienst währte ca. 2 Stunden, die Wenigsten fühlten sich aber im Stande, dem» elben bi« zum Ende brizuwohnrn. Vor und während des Vortrags der Megilla gingen die Meisten fort, da die Kälte unerträglich war. Das Klappen mit den Füße» war fortwährend z» hören. Jeder suchte sich eben so gut c« ging vor kalten Füße» zu schützen. Hier muß entschieden Abhilfe gcchafft werden und wenn sich unser Vorstand zu keinem Hcijungssystem entscheide» kann, dann mögen wenigstknS in den vier Ecken große Oefen gesetzt werden. Es werden genug >roßr Räume derartig geheizt und der Versuch kann nicht« chaden und ist auch nicht theuer. W. fbrlf«afnt, 10. März. (Or.-Corr.) Zur Er- Haltung und Förderung de« Gemeinsinn« für wohlthätigc Zwecke feierte auch in diesem Jahre an dem hierzu bestimmten Tage, 7. Adar, die hiesige Chewra Gammas Chusodim ihr Stiftungsfest in dem hierfür ganz besonder« au«gechmückten Saale de« Restaurant» .Zur Hoffnung". Nach dem Abendgebete und nach einem von dem Synagvgenchor herrlich gesungenen Choral bestieg der Rabbiner Dr. Gelbhau« die Kanzel, schilderte in beredten Worten unfern großen Lehrer Mose« — dessen Todestag ja einmal einen Markstein <ir dir Feier de« Tage« bilden solle — al» den hervorragendsten und grüßten Stifter und Lehrer aller Wohl- und Mldthätigkeit in Israel, gedachte auch al» Freund und Verehrer in würdigster Weise de« vor wenigen Wochen au« dem Leben geschiedenen Oberrabbiner« Hirsch B. Fasset in Groß-Kanizsa, und schloß mit der Aufforderung und Mahnung an die zahlreichen Anwesenden, in Ausübung der Menschenliebe und Wohlthätigkeit wie bisher fortzufahren, in Roth und Bedrängniß helfend und tröstend einzugreifen, Herzensgute und Wohlwollen zu pflegen, um darnach de» göttlichen Lohne« und de« Segen« theilhaftig zu werden. Hierauf folgte vom Cho? ein Lobgesang und al« Beschluß der erhebenden Feier ein solennes Fe>tmahl, welches die Theilnehmrr bei ernsten und heiteren Toasten bi« spät in die Nacht zusammenhiclt. Dem um den Verein sehr verdienten Rabbiner vr. Leimdörfer, jetzt Prediger in Hamburg, wurde in schwungvolle» Worten rin ganz brionderc« Hoch gebracht. Eine Gcldsammlung bei den Gästen für die Erbauung eine« hiesigen städtische» Krankenhauses ergab ein ansehnliches Resultat. Zu» dem ^auuöserschen. «Or.-Corr.) In Hannover ist in letzter Woche der Canzlei-Rath Arhbeil (Protestant) gestorben, in dessen Hand nicht nur die oberste Leitung und Verwaltung der Meier Michel David'schen Freischule (Insprctor: vr. Kayserligi lag. sonder», der auch selbstverständlich mehrere gut dotirte Klausner- (Stiftsrabbi) -Stellen zu vergeben hatte. Die Erben resp. Nachkommen der Stifter der qu. von ca. 15, — 20 jüdische» Knaben besuchten Freischule, dir größtrntheil« in ihrem ganzrn Unterhalt von der Schule erhalten Werdens, bezw. der qu. KlauSiierstcllen sind nämlich sämmtlich zum Christenthum übergegangcn, das qu. BesetzungSrecht bezw. die Verwaltung der Schule ist aber testamentarisch der Familie verblieben. Der Verstorbene war ein Mann von tadellosester Rechtschaffenheit unv größter Biederkeit, dessen Leitung der Schule zum Segen gereichte. Betreff der Klauancrstellen, so nahm er bei Besetzung derselben — wenn wir recht unterrichtet sind — stet« Fühlung init dem sel. Rabbiner vr. Meyer, während er dabei im Allgemeinen von dem gewiß ancrkennungswcrthen Grundsatz ausging, die Stellen mit jungen jüdischen «belehrten zu besetzen. die auf streng religiösem Bode» standen, da die«, wie er sagte, im Geiste der Männer zu geschehen habe, die diese LiebeSwerke in'S Leben gerufen. Auf wen die Leitung nunmehr übergegangen, ist Einsender dieses nicht bekannt. — Daß auch in einem gleichen Fall dieselben Rechte aus gleichen Gründe» in christlichen Händen liegen, mag schließlich auch noch envähnr sein. Auch hier ist die Leitung derart, daß sic allen einstigen Nachfolgern als Muster ausgestellt werden kann. M«»«yei« (Or.-Corr.) Der hiesige Verein zur Erziehung anner Waisen und Kinder Dürftiger israelitischer Confessio» kann mit Befriedigung ans seine 25 jährige edle Wirksamkeit zurückblicke». Beschränkt sich doch der Verein nicht allein auf die Linderung der Noth Hilfsbedürftiger, sondern es ist vor allem sei» Bestreben, die Ursache dieser Noth »ach Kräften zu beseitigen. Der erste Jahresbericht zeigt schon 235 Mitglieder und ein Vermögen von 2143 Gulden und 20 Kreuzer, wodurch 3 Ganz- und 5 Halbpflrglinge in Obhut genommen werden konnten; nach dem un« vorliegenden 25. Jahresbericht befanden sich 24 Ganz- und 14 Halbpfleglinge in Obhut de» Verein«, von drnen 7 in hiesigen Geschäften als Lehrlinge untergebracht, und ein Mädchen zur Ausbildung al» Kiiidrrgärtnerin dem rühmlichst bekannten Mädchenstist in rankfurt a. M. zur weiteren Fürsorge übergeben worden. aS Vermögen des Verein« beträgt 171,505 Mk. 12 Pf. Die Einnahmen und drSgl. die Ausgaben beziffern sich auf 21,087 Mk. und 3 Pf. Möge der Verein ferner blühen und gkdeil)rn und sein edle« Ziel durch immer mehr Mitglieder thackräftig unterstützt werden. Ar«»tfur1 «. M. ES liegt uns der 7. Bericht pro 1883 über da» hiesige „Mädchenstist" vor. Zum bessern Verständniß für dir Leser diese« Blatte« thcilen wir, wie im vorigen Jahre mit, daß sich unter dem Namen: „Mädchenstist" im März 1870 hier ein Verein gebildet hat, der den Zweck

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