Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 12.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 91 — I Am« Sch»lcha«-Ari»ch»rhe«a. I (Schluß') ■ Nicht um Reinerhaltung der Rasse, wir jüngst in diesem «glatte mit Bezug auf die Mischehe geltend gemacht worden. Idars e» un» hierbei zu thun sein. DaS Rassen moment. lal» rin eigentlich materialistische», darf hier gar nicht mit» Ir-den. Abgesehen davon, daß auch die Thatsächüchkeit solcher »Nassenreinheit in jüngster Zeit durch Männer wie Ränan Iniid Vtmböry stark erfchüttrrt worden, führt ihre Betonung lauch einen Zusatz von Dünkel und Abstoßung dephysisch Illnglcichartigen mit sich. Wenn aber in Hinblick aus da« Iletztere gerade hrrvvrgehoben wurde, e« sei dadurch bei« ge- Irignete Object für die Uebung der edlen Tugend der Duld- Isamleit gegeben, so ist an dir auch ohnedies sich tausendfältig Idarbietenden Abweichungen in den politischen, socialen und »religiösen Meinungen zu erinnern, welche fünvahr ein un- Inidliche« Feld für echte Toleranzübung gewähren. I Rein! Wir dürfen uns daruin nicht amalgainiren, weil Iwir noch Juden sein müssen, nicht der Rasse, sondern der I-ieligio» nach. Träger des am Sinai geoffrnbarten Gedankens, Idrr durch das herrschende »ichijüdische Dogma noch getrübt lerschaut. Gr läßt un« dies nur dieselbe Wahrheitsliebe sagen, Iwclche uns frei bekennen hirsi, daß an einige» Stellen der Schul- Ichan-Aruch. er mag Heide» oder Christen meinen, von einer irr- Ithümlichrn Voraussetzung ausgegangen ist. Wie hoch uns auch Idas Christrnthum über das Heidcnthum stehe, und wie dankbar wir lauch seine missionärr Thätigkeit für jüdische Ideen unter den iHeiden anerkennen — so lange an den Voraussetzungen sest- Igehaltcn wird, aus welchen die Trinität beruht, so lange Idas Christrnthum sich nicht durch eine feierliche, nicht bloß raliionalistisch auSlegendr Kundgebung von diesem Dogma loS Igcsagt hat, so lange hasict an ihm rin Mcrknial jenes lAckumbegriffs. um dessrntwiUe» wie unser Ritual als laußcre» Gehege unseres religiösen Gelbinkengehaltc« Hoch- Iba» en müssen. Gern räume» wir rin. daß da« Chrislrnthuin Ijene« heidenbcsicgenden Dogma'« vielleicht noch nicht entrathe» «an». Wenn wir in katholischen Ländern den Bauern vor Iden religiösen Bildnisse» aus Holz und stein sich niedcrivcrscn und mit Inbrunst sei» Äcl>ct zu ihnen richte» scl>en, so iväre e» Unrecht, die fortdauernde Unentbehrlichkeit einer Vermittelung zu verkenne», ivclche dem erwähnten Dogma »och immer obliege» niag. Wenn aber daraus folgt, daß da» Christenthum seine Sendung »och immer nicht erfüllt hat, so folgt daraus zugleich, dag das Judenthum auch seine Ausgabe noch nicht als erfüllt betrachten darf. Gerechte Anerkennung dieses Verhältnisses verbunden mit der unbedingten Anerkennung einer von keiner (£»t< Wickelung und keinerlei Erkenntniß abhängigen allgemeinen tHerechtigkeit»- und Licbespflicht — das müßte, wie ich denke, der bei einer Revision des Schulchan-Aruch frstzuhaltende Gesichtspunkt sein. Und wenn derselbe in derselben Achtung auch bei unseren nichtjüdischen Mitmenschen stände, so dürften wir hoffen, mit rascheren Schritten als bislier jener wahren Menschenverbrüderung entgegcnzugrhen, da die letzte Scheidewand wird falle» können und müssen vor der. Alle überwältigend, aufgegangenrn Wahrheit: .Der Ewige ist König über die ganze Erde, der Ewige ist einzig und sei» Name einzig." _ Gerichte und Correspouderyeu. Deutschland. Magdeburg. Wir haben unseren Lesern zwei recht erfreuliche Mittheilungen zu machen. Zunächst, daß der Ausschuß de» Drutsch-JSr.-Gemeindedundcs beschlossen hat, am 14. April c. in Berlin einen ordentliche« Genrelndetaa stattfinden zu lafien. Die Einladungen an dir Bundesgemeindcn, Delegirten und außer- *> In vor. Nr. S. 82b Z. 31 v. u. ist »seiner Sinder" zu lesen und *• 83» 3. 34 o. o. hinter: .Gegenbeispielen" der Punkt zu streichen. ordentlichen Mitgliedern sind bereits ergangen; die »Tagesordnung" wird nach 8 8 des Statuts 8 Tage vorher veröffentlicht werden: etwaige Anträge von Bundesgemeinden sind bis zum 31. d. Mts. schriftlich an oaS Bureau zu richten. Mögen die Gemeinden frühzei«: t an die Wahl ihrer Abgeordneten gehen. Man hat nach l..ngen Berathungen sich für Montag den 14. April, den zweiten christlichen Osterfriertag entschieden, i^eil die meist dem KaufmannSstande angehörenden Vorsteher yn ihm mit ihren geschäftlichen Interessen nicht in Conflict gcrathcn und auch schon den Borberathungen am Abend de« 13. beiwohnen können. Die HH. Rabbiner können ebenfalls an diesen Tagen ohneVersänmniß amtlicher Funktionen am el)esten von ih'-m Gemeinden abwesend sein. Für die durch da« Pessachfest bedingten erhöhten Ansprüche an daS Kaschen« werden einige streng rituell eingerichtete Restaurants in Berlin Sorge tragen. Das zweite hochwichtige Errigniß, da« wir zu melden haben, ist der aus mehreren Vvrberathungen hervorgcgangene Beschluß der Einberufung einer allgemeinen Berfammlung der Rabbiner Deutschlands nach Berlin. Es haben hervorragende Rabbiner der Landes- und Provinzialhauptstädte, verschiedene» rel. Richtungen angehörend, sich bereits znstimmcnd zu diesem Projecte geäußert und dürften, da die Pfingstfcrienwochc (3. — 5. In»,) hierzu in Aussicht genommen ist. die Einladungen demnächst erlassen werden. Wir betonen ausdrücklich, daß alle religiösen Diffcrenzpunkte von den Berathungcn ausgcschiossen sein solle». Auf die Tagesordnung sind folgende Gegenstände gestellt: 1. Oefsentliche Erkärung über die interconfessivnclle Stellung de« JudenthumS. 2. Mittel zur Hebung de« religiösen Sinne« und zur Förderung des Religionsunterrichts. 3. Bildung cincs Verbandes der Rabbiner Deutschlands. An dcrBerathung dieser Gegenstände können undsollen alle*)Rabbiner Deutschland« theilnchmen! ES gilt, nach Innen sowohl wie »ach Außen zu zeigen, daß, wo c« sich um die höchsten Interessen de« JudenthumS handelt, die religiösen Häupter und Führer in Israel einig und einmüthig dastehc»! SmC' 'U2V UTK "CK"1 «pKTim! Magdeburg Nicht» schmerzt un« im Kainpfe gegen den Antisemitismus so sehr, als ivcun derselbe auf thatsächlich bei uns vorhandene wunde Stellen Hinweisen kan». Wie oft haben wir'« betont, daß man bei der Wahl von Gemeinde- und VercinS-Voritchern ans Reinheit und Makellosigkeit de« Charakters in erster Reihe sehen solle — jetzt hat Stöcker'« Spürnase einen solchen wunden Fleck in der Neustcttiner Gemeinde hrrausgefunden und im Abgeordnetrnhausr echt pharisäisch triumphircnd ausgerufcn: .Sv etwas kann bei uns Christen nicht Vorkommen". Ob die Angabe, daß zwei der dortigen Vorsteher früher einmal mit dem Strafgesetzbuch in Conflict gerathen seien, ivahr ist. uiuß — da es bisher nur Herr Stöcker behauptet hat — abgewanct werden. Wir beinerken jedoch, daß die Wahl der Gemeindevorsteher jedesmal der Bestätigung der Regierung unterliegt, und daß diese dann nicht ganz frei von dem Vorwurse wäre, i» dieser Beziehung da« BestätigungSrechl nicht strenger gehandhabt zu haben. — Was de» andern Vvrwurs (des Wucher«) anlangt, so können wir auch nicht dringend genug cs wiederholen, daß jeder Jude, dem die Ehre de« aesammten JudenthumS am Herzen liegt, schon nm dieser Willcn von allem, was auch nur im Entferntesten an Wucherei streifen könnte, sich fern halten müßte. .Amalek — sagen unsere Weisen — gleicht der Schmeißfliege, die au« den wunden Stellen ihre Nahrung zieht," — sapienti aatl Araaaschweig, 15. März. (Or.-Cor.) Die Purimfreude wurde der hiesigen jüdischen Gemeinde in Trauer verwandelt: Am Dienstag Abend gegen 8 Uhr durchlief die Stadt die schmerzliche Kunde, daß unser allgemein hochverehrter LandeSrabbincr. der altchrwürdige Professor vr. Lev i •) Für cincn Diiücnsonds wird, wie wir hören, Sorge getragen.