Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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i; * ■ — 86 — 5. 1000 Gulden an die Filiale Tarnopol zur Unterstützung von jungen Leuten, die Ackerbauer werden sollen; herzugcben. Dabei hat die Alliance und ganz Galizien nicht 300 Mitglieder, also ein« Einnahme von noch nicht VOO Gulden! Frankreich. $faris. In dem Gesetze über die „Stadtverfassung" stndet sich ein Artikel, der dem Stadtrathr die Berechtigung verleiht, kirchliche Gebäude ihrer Bestimmung zu entziehen. In der Drputirienkammer hat man eine Fassung gefunden, welchc katholische Kirchen, im Senate eine, welche reformirte sicherstellt. Trotzdem Herr Batbie darauf aufmerksam gemacht hat. ist eine solche Sicherung der Synagoge nicht erfolgt. ES wäre sehr zu wünschen, daß bei der crnruetcn Berathung man in der Kammer daran dachte, da sonst der Pariser Gemeinderath eines schönen Tages die Synagogen der rno de la Victorie und des Tournellea in Heumagazine umwandcln lasten könnte. H^uri». Der Musiker Lcou Waldteufel ist 52 Jahre alt gestorben. Er enstammte einer elsäßischen, ganz musikalischen Familie. Der Pater war Ehef des BallorchesterS der Tuilrricn. der Bruder ein tüchtiger Pianist. — Erst 29 Jahre alt. verstarb der Biolinlehrrr Herr JuleS Haguenaucr. — Der Historienmaler Benjamin U l m a n n. Bruder des vor Kurzem verstorbenen Herrn Philipp Ulmann, der als Präsident des Vereins „les loies sacrees “ oft genannt worden, ist in ziemlich jungen Jahren gestorben. Endlich fängt man auch hier es zu spüren an. wie verkehrt eS ist, jeden von Juden Entstammten dem Judenthume zuzuzählen. Da dankt rin Stadtrath Dreyfu« im Namen einer Bolksversammlung einem — Frauenzimmer (Leonie Nousade heißt dieser neue Abklatsch der Dames de )a halle) welche „den sogenannten Gott" in rüpelhafter Weise beschiinpst hat. Durch solche Verbindungen scheidet man einfach auS dem Judrnthum aus. Wischon oft gesagt. eS ist hohe Zeit, daß wir in unserem Hause den Scheuerbesen öfter in Bewegung setzen — und uns befreien von dem Abhub, der überall hingeyürt, und nicht unter die Leibgardiftrn des einen Gottes! — Dem StaatSrathc liegt zur Zeit die Beschwerde über die Abschaffung der koscher» Küche im Hospital zu Oran (welche natürlich nur für die jüd. Kranken berechnet war) vor! — In ftraitraont beantragte die Protest. Gemeinde, deren Kirchhof gefüllt war. die Anwendung des Gesetze» über die Laicisirung der Kirchhöfe. Darauf beschloß der Gemeinderath auch die Aushebung des AdschlnstcS für den jüd. Friedhof. Der Vorsierher vr. KinSbourg erhob Beschwerde dagegen beim Untrrpräfekte, daß unsere Friedhöfe nicht allein BeerdigungSstätten, sondern auch Eultstätten wären. Darauf hin bestätigte der Präfect den Gemeindrbeschluß, soweit er die Israeliten betraf, nicht. Großbritannien. London im Februar. (Or.-Eorr.) Die Antipathie so vieler in guten Verhältnissen hier wohnenden deutschen Juden gegen Alles, was auf Juden und Judrnthum Bezug hat. wurde kürzlich hier in einer Sitzung der Gemeindevertretung besprochen. ES ist traurig aber wahr, daß eine beträchtlich« Anzahl hiesiger deutscher Juden jahraus jahrein mit ihren Familien von den Synagogen fern bleiben und auch sonst in keiner Weise zu den Lasten der Gemeinde beitragen. Da» einzige, da« sie noch etwa mit ihren Glaubensgenossen zusammenhält, ist. daß die Meisten den Wunsch hegen, nach ihrem Tod« auf dem jüdischen Friedhöfe beerdigt zu werden. Welch« Ironie! Im Leben wollen sie von ihren Stamme«, genossen nicht« wissen, aber im Tode möchten sie vereint mit ihnen sein, um die Verstorbenen gleichsam auszusöhnen für da« moralische Unrecht, was sie ihnen im Leben angethan haben. Obschon wir in einem freien Lande leben und vor antisemitischen Verfolgungen un« nicht zu fürchten brauchen, so hat doch jeder Jude hier die moralische Pflicht, sich d«, Gesammtheit anzuschließen und mit allen ihm zu Gebot, stehenden Mitteln dahi» zu wirken, daß dir so heilsame, Institutionen der Gemeinde gedeihe» und zum Wohle ß Vieler aufrecht erhalttn werden können. Jüngst verschied hier Profrffor Ehenery. Ehcf-Redaktcur der hiesigen .Time»". Derselbe war ein auSgezeichnein Orientalist und. was noch viel mehr sagen will, schrieb c„ elastische» Hebräisch. Vor einigen Jahren veröffentlicht « nnants *1B0 von Eharisi. wozu er eine schöne, IN hebräischer Schrift abgefaßte Einleitung schrieb und warauch cm thätige» Mitglied der Society of Hebrew Literatur«. Seine intime Bekanntschaft mit Jud«"- und Judenthum hatte da» Gute zur Folge, daß er sie wacker vcrtheidigte, so oft sie ungerechter Weise von Leute» a la Stöcker angegriffen wurde». Die Leitartikel in der .Time»- während der jüngsten schmählichen Judenvrrfvlguiigen in Deutschland. Oesterreich»Ungar» und Rußland, die diesen Gegenstand berührten. waren von besonders sympathischer Natur für dir unglücklichen Brrfolgtr» und hal>c» sicherlich viel dazu beige, trage», daß die englische Nation ihr mächtiges Veto einlegte. Auf sehr befreundetem Fuße stand er mit dem sei. Reo. Mr. Green. Prediger der Erntral-Synagoge. Al» die ersten Berichte über die jüngsten russischen Greuelthaten hier bekannt wurden, machte letzterer den Professor darauf aufmerksam mit dem feinen Wortspiele 210 Nv 1072 "121. („Ein Won au» Ihrer Feder u. s. w.") Die wcrlhvollc Bibliothek de» fraglichen Rcv. Mr. Green, wurde lctztwillig dem Jnvisch College Übermacht. Dies war ein sehr praktischer Gedanke, und tvird hoffentlich recht vielen wißbegierige» Studenten zum hohen 'Nutzen gereichen. Die durch des Besagten Tod vacant gewordene Prcdigcrstelle iß noch immer nicht besetzt, obschon mehrere Eandidaten daselbst Probepredigtcn gehalten haben. Darüber darf man sich aber nicht wundern, wenn man bedenkt, was für ein großer Mangel hier an tüchtigen englischen Predigern herrscht. Unter den Eandidaten. die zur Probepredigt zugelassen wurden, ist auch einer, der bi» vor Kurzem daü Amt eine» Schachet und SchuldienerS versehen hat. Diese Thatsache mag hier wohl als Euriosum angesehen werden, zumal die Gemeinde in der Eentral-Synagoge eine der größten und einflußreichsten in der englischen Metropole ist. Vermischte und neurste ftadfridfi*». Menstelli», 10. März. Der Tragödie neuester Theil hat gestern hier begonnen. Der Telegraph hat die Kunde von der schrecklichen EmpfangSsccnc der Frcigefprochrncn am Sonnabend Abend Ihren Lisrr» schon gebracht. Dieselben wiederholten sich Sonntag, die Gendarmerie mußte mit blanker Waffe einfchreiten. Wer hätte je gedacht, daß dergleichen in Preußen Vorkommen könnte, das läßt ja Nyirrgyhaza und Tißa-ESzlar weit hinter sich. Aber hier in Hinterpommern ist eben Alle» möglich. Waren diese Scenen Ausbrüche der Wuth darüber, dag die fein eingcfädelte Jntrigue nicht gelang und die Gerechtigkeit gesiegt'? Ist c» Haß mit Fanatismus gepaart? Was dieser letztere vermag, das hat ja vr. Scllo m seiner meisterhaften BertheidigungSredc zu Könitz so überzeugend nachgrwicsen. Ob die vom „Deutschen MontagSbl." zuerst gebrachten Berichte übertrieben gewesen, und die offi ziösen Beschwichtigungsdepeschen das Richtige enthalten, wird die hoffentlich sofort eingeleitetc Untersuchung ergeben und die Beantwortung der auf Freitag angesetzten Jnterpellatton de« Abg. Zelle (unterstützt von 30 Mitgliedern der freisinnigen Partei) über die tumultuarischcn Vorgänge. Auch in der Nacht von Sonntag auf Montag wiederholten sich dieselben und erst am Montag Abend ist Militär eingerückt; der Regierungspräsident ist von EüSlin hier cingettoffen. ES sollen bereit« mehrere Verhaftungen vorgenommen worden sein.