Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 87 — Werk», 9. März Bei Wiederbesetzung der seit dem lbgange de» Herrn Dr. Lewy erledigten Stelle eine» Talmudhier» an der .Hochschule für die Wissenschaft de« Juden- ,ums" ist die Wahl auf Herrn Joäl Müller in Wien csallen. Kannooer, 7. Mürz. Da» Referat in Nr. 10 Ihre» eschätzten Blatte» über meinen in Hamburg gehaltenen Borufl .der ProselytickmuS bei den Juden" hat auf dasselbe auch von Prof. Grätz im diesjährigen Programm behandelte :haiw" hingewiesen. Der geehrte Herr Referent tvar hierzu ,» so mehr berechtigt, al» ich selbft diesen Hinweis auf die ir.'fdjc Schrift in meinem Bortrage hervorgehoben. Um les jedoch in's rechte Licht zu stellen, gestatten Sie wohl, n-hrter Herr Redakteur, den Abdruck eines der einleitenden iätze zu meinem Bortragr. Ich sagte: .Zeitgemäß also wenigstens wäre da» Thema (über den , ja es ist so zeitgemäß. daß in eigcnthümlichem Zu- »»mrntrrffcn etwa 4 Wochen später, nachdem ich bereit» um Thema hier angezcigt lDrcrmbrr v. I.) eine recht beäilenswerthc Schrift über den Profrl. von Prof. Grätz rrhienen ist. eine Schrift, die freilich auf eng beschränkten! icl’ictc sich beivegt und mit meiner heutige» Darstellung >ne iveiteren Berührungspunkte hat.' De» letzter,! Punkt wird übrigens Jeder, der die >rätzsche Schrift kennt, au» dem Referate selbst ersehen alvn. vr. Prager, Seminar-Dirrktor. KksaK. Drastisch schildert Herr H. Leon im ,Un. isr.' l* Unwesen der jüdischen Bettler in unserem Landc. .Wie »• Zigeuner ziehe» 3 Geschlechter (Großvater. Pater und lohn» zählende Familien in eigenem Wagen uml>er und mndschatzen besonders die Tvrfjuden. NichtSthun ist ihre hschästigung, Frechheit ihr Handwerkszeug!' — Dagegen iltt nur: das Arbeit»l)au»! Ar»««. Die diesjährige Gencralversammlung der De- -irtcn für die Bersammlung de» Mährisch-Jüdischen LandeSaüasonds findet am 24 d. M. hier statt. Die Tage»- dnung ist die übliche. Kuri«. Endlich hat am 15. Februar die Einweihung t neuen Synagoge stattgcsunde». Welch' Schwergcburt is gewesen, wie viel Geld dabei vergeudet ivordrn ist, haben ir de» Oefirrn berichtet. Da» Gebäude ist im maurische» N,lr errichtet, 4 wie MinarctS ausseliende kienclirte Thürme. Ihii ihm ein eigenthümliche» Aussehen. 700 Männersitze nd auf der Galerie 400 Damensitze sind darin. Po«. In dem Weinberge eine» Hrrrn Rondanino hat an bisher unbekannte Katakomben entdeckt, welche bis in e Zeit de» Kaiser» Pespasian znrückreicheu und vollständig dischc sein sollen, -wenigstens fehlen die Symbole des usilichen Eultus ganz. Sic sollen l>essrr gebaut und geu,mger sein, als dir christlichen. Hoffentlich erhalten wir >ld eine sorgfältige und lieglaubte 'Beschreibung. Amsterba« Die russ. Juden hier haben als Gemeinde l) consiituirt mit der Devise .Nidche Jißro«'l Jechanea". >st eine solche Zersplitterung (»errchtigt und in Holland ilhig'?)?rtrr»larf, 2. März. Bei einem Rückblick auf die üherc Laufbahn und Thätigkeit de« Botschafters Fürsten rlow wird neuerdings unter -luderem auch eine Denkhrift erwähnt, in welcher der Fürst im-lnftragc des verarbeiten Kaisers seine Ansichten über die Lösung der idensrage in Rußland abgab. Irren wir nicht, so gc- Ml) die» gleich nach der ersten skandalösen Judenhetze, rlow schrieb: UnS scheint c», daß die Judenfrage sich in «'lick einfacher Weise folgendermaßen entscheiden ließe: Den Juden sind alle Rechte betreffend Stand und Person lugcsiehen, deren sich sämmtlichc Untrrthanen de« Reiches reuen. 2) Ausländischen Juden ist e« zu gestatten, »ach ißland zu kommen und sich daselbst gleich allen Ausländern l,»halten. 3) Sowohl ausländischen wie russischen Juden das Recht zuzugestchen^ überall im Reiche Handel»» und mkierhäuser zu eröffnen. Durch die letztere Maßregel, so betont der Fürst zum Schluß, würde Kapital nach Rußland geführt uod dir Industrie belebt werden; unternehmungslustige Juden würden in Rußland rin weitrS Feld der Thätigkeit finden und Rnßland hierdurch nur grivinncn. Ale». Hier hat sich ein Berein gebildet, welcher den jüd. Handiverks» Lehrlingen die Leidenszeit der Lehrjahre dadurch mildern will, daß er die Contracre abschließt und die Aufsicht führt, daß sie ordentlich genährt, behandelt und im Handwerk grübt iverden. Herr Israel Brodsky hat für diesen Zweck einen Jahrc»beitrag von 3000 Rubel gezeichnet. Diese» Beispiel hat Andere angeeifert, sodaß solche 25 Kinder den Meistern zugewiese» worden sind, d>e Herren Rabbiner Josua Zuckermann und Dt. Mandelstamm. der berühmie Arzt, sind die Borsteher des guten, frommen Werke». Für diese Lehrlinge ist eine Fortbildungsschule für Russisch und Hebräisch gestiftet worden. Der Berein zahlt das Lchrgelo und giebt die Kleidung für feine Schützlinge. Aira. Die Professoren habe» in unserer Zeit gute Witterung, wenn in höheren Regionen der Wind weht. Je mehr der Graf Drenteln in den Sumpf de» AiitisemilismuS einsinkt, desto mehr beeilen sich die Streber, e« ihm nachzuthun. Der Professor Ergardk hat den Antrag im Senate der hiesigen Universität gestellt — und der Antrag ist angenommen worden — daß die Zahl der jüd. Studenten der Medizin 10 •/, der Gesammtheit nicht übersteigen dürfe. Aua Hbelfa erzählen englische Blätter eine romantische Geschichte, wie Einer der jüd. Emigranten seine junge Frau im Schutze eine» Bcnvandte» gelassen, daß die>rr seine Briefe und für die Frau geschickte Spargroschen des Mannes unterschlagen und nachdem viel Geld gekommen war. den Tod der Frau gemeldet, auch die Frau bewogen, nachdem er ihr den Tod de» Manne» glaubhaft gemacht, einen Anderen zu heiratl)en. Plötzlich kommt der Mann au» Amerika, um am Grabe seiner Frau zu trauern. Große» Tableau! Der böse Berivandte wird eingesperrt! — Rur schade, (richtiger: Gott sei Dank!» die Geschichte ist — erlogen! Arrnsakem In diesem Jahre haben wir sehr früh und viel Schnee gehabt. Die Kälte vermehrt natürlich das Elend der Armen und läßt die Holzpreife noch mehr steigen. — Wie cs beißt, hat der Sultan seine Genehmigung zum Bau de» Kanals durch unser Land gegeben. In England soll nunmehr eine Gesellschaft sich bilden, welche für 1000 Millionen Mark Actien auSgcbcn soll. Andere uicincn, daß all das Gerede bleibt und nur einen Zwang auf Lesscps auszuüben bestimmt ist. Aonflantinopek. Die Zollbeamten habe» jüngst eine Kiste mit Beschlag belegt, welche nach Marseille bestinimt war. In ihr lag ein alte» Koranmanuscripl. welches, ein Wundcriverk der Kaligraphie, au» dem 14. Jahrhundert stammt. Es war im Besitze eines Juden. Zuerst joll eS dem Sultan Mahmud I. gehört haben, von ihm in die große Bibliothek gegeben worden sein — das bekunden die Inschriften auf dem Titelblatte — und seit 200 Jahren ist c» in den Händen einer Kaufmaiinssamilic in Salvnichi, welche jedoch ihren Bcsitztitcl nicht Nachweisen kann. Das giebt, da dir Pforte die Handschrift als Staatseigenthum reklamirt, einen interessanten Proceß. IfUxic«. Für die ganze Republik ist ein einheitliches Eolouisationsgesetz erlassen worden. Die bestehenden EolonisationSeontractc sind demgemäß abgcäudert worden. Unter diesen befindet sich auch der de» Herrn Daniel Lcvy, welcher eine Gesellschaft mit eiuem Eapitale von 4 Millionen Piaster zu bilden sich verpflichtet hat. DieS ist die Gesellschaft, welche den verfolgten Juden sich im vorigen Jahrr ange» boten hat. Au« Algier erhalten wir folgende statistische Notizen: Bei Europäern kamen 12735 Todesfälle auf 14018 Geburten. bei den Israeliten 136S auf 2053 Geburten. Auf die naturalisirten Juden 347 Ehen (54 weniger al« im vorigen Jahre) davon 4 zwischen Juden und Ehristinnen und 5 zwischen Ehristen und Jüdinnen.