Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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geschulter Thor: DTK HO 71, worauf Herr Be^irkSrabbiner Bloch dit Kanzel bestieg und die lange, doch nie langweilig werdende. Festrede hielt. Ihr Berichterstatter ist Laie und würde r« nicht wagen, die ihm gewordenen Eindrücke al« Urtheile hinzustelleu. Aber alle« Volk war einstimmig de« begeisterten Lobe« voll, und auch die Herren Rabbiner — doch sicher Fachkundige — waren entzückt. Der Redner childerte, tote eine Mutter einen Lohn für die Welt erzieht, ic weist, er wird fern von ihr leben, er wird sich ihr en». remden, aber seine Liebe wird ihr bleiben. Jarotschin wär ür LaSkrr nicht allein die zufällige Stätte der Geburt. Vielmehr sind dart die -eime gehegt worden, ivelche La»ker'« Bedeutung begründet habe». Man habe Lasker's Erziehung eine einseitige genannt. Eben in dieser Einseitigkeit wurzelt seine Grüstc. ES übersteigt meine -rast c« nachzumalen. wie der Redner dem Studium und dem Einwirken de« Talmud«, drin Leben in» Eltcrnhause LaSker'« die gristschärfende und charakterbildendc -rast zutheilte und erwies — wie er au« dem Talmudjünger den für da« Ideale begeisterten und doch stet« dem Leben zugcwandken. den himmelstrebendrn und doch für dir Handwerker ivirkrnden Staatsmann herlritetr. Tact' voll wie« er darauf hi», dast am Abend der 7. Adar beginnt, der un« alle an Mose« mahnt und dast der Vergleich gestattet sei. dast e« von Mose« hcistt. sein Wahlspruch sei gewesen: »Das Recht durchbohre den Berg." wahrend auch Laskcr vielleicht erwar zu weit den Rechtsidealen Raum hat verschaffen wollen. Während der Vielbetrauertc Anerkennung überall gefundcn. habe Jarotschin ihm seine Liebe vewahrt, wie er seiner Heimatstadt stets treue Zuneigung erhalten hat! Vater nimm in auf in Deiner Gnade — Unserer Besten Einer ist hienieden Er gewesen! So ungefähr schlost der begeisterte und begeisternde Redner.*) Während diese« Vortrages ist die Gedenktafel enthüllt worden! Dem Gebete für die Seelenruhe de« Dahingeschiedenen folgte ein erhebendes deutsches Lied; mir dem Alenu-Gcbete und -addisch schlost die Feier, deren Weihe in alle» Theilnehmcrn noch nachzittert. Da« war keine künstlich gemachte Begeisterung — das war bewundernde, dauernde Liebe, in der würdigsten Weise zum Ausdruck gebracht! Wie der ehrwürdige Redner mittheilt, hat die Gemeinde bestimmt, dast für Lasker während seine« Trauerjahre« -addisch gesagt und für civige Zeiten sein Jabresgedächtnist in der Synagoge begangen werden soll. p*“Q£ "CI Möge Lasker« Gedenken seiner Hcimathgcmeinde stet» zum Segen sein! Au» Kise«ach. <Or.-Eorr.) Der Antisemitismus, der wie ein wilder Sturm über die Läiider Europa'« dahingebraust ist und auch in anderen Erdtheilen noch einige Windwellrn in Bewegung gesetzt hat. hat zwar nianche» lebensfrischcn Baum geknickt, manche Blüthe vernichtet und viele Hoffnungen zerstört, aber er hat auch bald erfahren müssen, wa« sich bei jedem Sturm zeigt: solchni gewaltsamen Ausbrüchen ist nur eine enge Zettgrrnze gesetzt, und sie können nur Zerbrechliche» zerbrechen; für dir Ewigkeit Gegründete« widersteht ihrer Macht. »Uralte Berge" und »ewige Hügel" spotten ihrem Anpralle. Der Antisrntitismu« konnte und kann zwar einzelne Juden schädige» und viele Juden kränken; aber dem Iudenthume vermag er nicht« anzuhaden. Diese» bleibt unerschüttert in seiner ewigen BcstandcSkrast. Jede« feindliche Anstürmen hat ihm immer noch Stärkuna und Befestigung gebracht. Aber da» hat sich bei dem antisemitischen Sturme gezeigt, dast er unreiner, giftgetränkter Luftmischung seinen Ursprung verdankt; denn er hat in seinem Laufe Giftstoffe zurückgelassen, die im Stillen noch nachwirken, und seine ungesunden Miasmen haben sich über --egenden verbreitet, die austerbalb der Wmtwah,, lagen. Da» zeigt sich eben jetzt auch hier, wo bisher rin friedliches Zusammenleben der verschiedenen Eonfessionen in ungestörter Weise stattaefunden hat. In einigen hiesigen Vereinen, welchen auch jüdische Mitglicher ») Dl» Red« wird aus «osten de« «emetnde, »le idt soeben höre, gedruckt werden. (LorreSp.) anaehörrn. ha» man bei Gelegenheit der diesjährige« Maskenbälle. in Gegenwart der israelitischen Mitglieder und vieler durchZahlung von Eintrittsgeld al« Gästeanwesrnden Israeliten. Vorstellungen ausgeführt und Borträge gehalten, welche Verspottung und Verhöhnung der Juden zum Gegenstand hatten, und zum Schluffe auch noch ein Spottlied auf Juden kolportirt, ia sogar, mit unerhörter Frechheit und Ungezogenhrit. selbst bei den anwesenden Israeliten kolportirt. Wenn e» den actirende» Herren darum zu thun ivar. Mangel an Anstandsgefühl. Bildung und guter Sitte zu bekunde», so must man ihnen zugestehe». dast sie diese« Ziel vollständig erreicht haben Hoffentlich iverdcn die israelitischen Mitglieder dieser Vereine sich so charaktervoll zeigen, au« denselben au»- zuscheiden. Nur durch charaktervolle« Thun zwingt »tan auch dem Gegner Achtung ab; da« Gegentheil hat nur wohlverdiente Verachtung zur Folge. — Hier ist (4 nun endlich mit dein Synagogrnbau Ernst geworden. Nachdem die Geuirutde ihn l>eschlossen hatte, wurde ein geeigneter Bauplatz rrwvrl>en. und werde» die Erdarbeiten schon auSgrführt. Das Gebäude soll ganz im Style der Meininger Synagoge errichtet iverde». ObOrgel oder nicht, ist noch unentschieden. Arn«te»tß«k t. d. 27. Febr. zOr.-Eorr.) Am 14. v. M. beging die hiesige, 75 Familie» zählende isracl. Gemeinde in eben so einfacher als würdiger Weise die Feier der Grundsteinlegung der neu zu erbauenden Synagoge, an Stelle der alten, seit einem Jahrhundert bestehenden. E» lsatlen sich auster den Vorstände» und Gliedern der Gemeinde, die Behörden de« -önigl. Bezirkamtes, der Stadtrath mit Bürgermeister und Adjunkten, sämmtlichc Geistlichen. Schullehrer und -irchenvoritcher, Baubeamtc und sonstige Gäste eingefuuden. Rach Ankunft de« Zuges am festlich beflaggten Bauplatze sang die israel. Schuljugend unter Jnstrumentalbegleitung einen entsprechenden Ehoral, worauf der Synagogen- Borsteher. Herr Marx -ausmann, in einer warmen und kernigen Ansprache, dir so zahlreich erschienene, vom Geiste des Frieden« und der confrssioncllen Eintracht getragene Versammlung, begrüstte und einen Rückblick auf die Geschichte derEnh'tchung und dieRothwendigkcit des Synagogenbau'« warf. Rrligionslchrer und Borbetrr Singer verlas hierauf die auf eine Pergamcntrollc geschriebene Urkunde, welche zum ewigen Gcdächtnist in den Grundstein eingelegt ivcrden sollte. Nun ergriff im Auftrag de« durch Unwohlsein« am Erscheinen verhinderten Herrn BezirksrabbincrS l>r. Salven di, Herr Rabbiner Dr. Fehler aus Mannheim. da» Wort. Unter paffender Anwendung der betr. Stellen au« dem Wochenabschnitte „.**? TOSn nöT* N21V" »Dir Erde sei ein Altar, den du mir iveihen sollst!" beantwortete er die Frage, warum Israel Gotteshäuser baue. Die von echter Humanitär durchwehte, nach Form und Inhalt trefflich gehaltene Ansprache, verfehlte ihre» Eindruck« nicht. Nachdem »och für -önig und Vaterland, sowie für alle Anivesenden der Segen des Himmel« erfleht worden, wurde die Urkunde in den Grundstein eingelegt. Hierauf hielt der -gl. Brzirksamrmann Freiherr Löffelholz von Lolberg ctitc zu Herzen gehende Ansprache, worin derselbe hervorhob. wie in unserer Stadt in dem letzten Jahre überhaupt viel auf dein Gebiete der öffentlichen Bauthätigkeit für -irche und Schule geschehen, und nun auch die israel. Mitbürger den Plan zur Errichtung eine» Gebäude» in» Auge fastten, da» den gotte-dienstliche» Zwecken würdiger als das bisherige entsprechen sollte. Er rühmte die Eintracht und Opferwilligkeit der Gemeinde und wünschte dem schönen Vorhaben Glück und Gedeihe». — Mit sinnigem Spruche überreichte dann Frl. Singer auf einer mit Blumen geschmückte Platte dem Herrn Bezirksamtmann den mit blau» meisten Bändern gezierten Hammer nebst -elle zum ersten feierlichen Schlag, an den sich dann programmgemäst die übrigen Hammerschlägr, seiten« der einzelnen Gäste anreihten, theilweise von paffenden Glückwünschen begleitet. Rach diesem Akte wurde unter Posaunenschall von allen Anwesenden