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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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77 nfe weih eben nicht. daß der operirmde Arzt, welcher i, für einen Augenblick wehe tdut, seine Heilung zu de- ^ken sucht. Ich will da« Wissen der Lehrer mehren und Stellung derselben bessern. Davon ist nicht ausgeschloffen, manche Lehrer mit ihrem Wiffen und ihrer Stellung [trieben sind; die Masse aber klagt und hat zu klagen, tc Lehrer müffe» auihr>i dürftigen und prrcärrn Lage lau«. Ich bade stet« für auskömmliche« Gehalt und piiitive Anstellung der Lehrer gewirkt, manchen auch schon, gegen den Willen der Vorstände mit Hülse der Regierung, k-u verhotsen. Aber ich muthr den Gemeinden solche Opfer L zu, wenn die Lehrer ihre Stellung vollständig anszu- Illen vermöge». Dieser Umstand gerade ist rS. dessen Her- »rhcbung schmerzt, dag unsere Lehrer nicht immer mit den Vmttmfffit und den Fähigkeiten ausgerüstet sind, welche Mr grsorden iverden. Freilich um nicht solche Opfer ingen zu muffen, auf welche ein vollkommener Lehrer An» truch hat. begnügen sich viele Gemeinden mit unter- Ordneten Lehrern: aber es widmen sich darum auch vielfach ur solche Lehrer dem jüdischen Gemrindeamtc. welche aus Besserstellung weder Anspruch erheben, noch erheben können, decke diese Fehler aus. nicht um zu tadeln, sondern uin lxffern; ich wende mich darum auch nicht blo» an die lehrer, sondern auch an die Gemeinden. In unserer Zeit knügr» die Lehrer mit ihren Elrmrntarkenntnissc» in Wissenast und Religion nichr mehr, gerade weil der Lehrer den Rabbiner ersetzen soll und will. Zwar kann der Lehrer de» labbincr nie ganz überflüssig machen, aber wenn ich den ßchrer dem Rabbiner näher bringen will, so liegt hierin muß der Beweis, daß ich nicht in Feindschaft gegen die lehrer rede. Selbst wen» der Lehrer in der Schule genüg«, will und soll aber auch Religionslrhrer der Gemeinde »ui. und dazu gehört mehr, als dir meisten Lebrer vom eeminar mitbringr». Darum ivende ich mich an die Seminare, an die Gemeinde» und an die Lehrer. «erlaubigen wir uns und wirke» wir mit* statt gegeneinander; pir kommen dann vielleicht schneller zum Ziele. Dies de» ^eiren zur Aufklärung! Man versuchte auch in Betreff ineines Unheils über stiser Vrrhältniß zum Schulchan-Aruch mich eine» Widerpruchs zu zeihen, indem ich früher eine Modificirung der cayungrn de« Sch-A. empfohlen habe und jetzt eine solche [ls unzulässig erkläre. Ich habe nur gesagt, thiß der Sch.-A.. a» Buch, nicht gründert werden solle, weil dasselbe al» »rzer Auszug des Talmuds und nicht als Gesetzbuch gilt; ezügliche Satzungen des Sch.-A. aber können modificirt i>erdrn. So hat ja auch der hochorthodoxc R. Moses copher die Mezizah bei der Milah außer Anwendung gesetzt, h»e den Sch.-A. selbst zu ändern, ivelcher diese Satzung vdificirt Rur in diesem Sinne verstelsr ich eine Mvdificirung cs Sch.-A. heute wie vordem. Dies zur Erklärung! vr. Rothschild. Ktellt«, 26. Febr. (O.-E.) Der Vorstand de« von dein Rabb. Jr. Meisel s. A. in« Leben gerufenen »Israelitischen Waisenause« zu Stettin" versendet soeben den 30. Jahresbericht für das jrrwaltungsjahr 1883. Wir ersehen au« demselben, daß sich as Berrin«vermöqe» um Mk. 1489.12 vermehrt Hot und trägt daffelbe jetzt Mk. 109,227.37 außcr freier Wohnung nd den WiNhfchast«gerä«hen. Die Annahmen betrugen VL 9411.60 und zwar setzten sich dieselben au« folgenden toftfn zusammen: A. Laufende Beiträge Mk. 3386, B. Gechenke 1139.36, C. Zinsen von Hypotheken und Effecten V. 4886.24 und ferner D. Zum Grundsteuersond« Mk. 1190 vie Ausgaben betrugen Mk. 9112.48 für 7 «naben im "aisenhau», für 3 hiesigen Familien in Pension gegebene Mädchen und in einer Beihilfe zur Erziehung eine« auStvärtigen knaben«, deffen verfrorbener Vater einst Mitglied de« Waisenauft# war. Leider hat der hierein auch in diesem Jahre erschiedene seiner Mitglieder durch den Tod verloren und mnrn wir in erster Reihe die Ehrrnmutter Frau Amalie 'esser. Seit dem Jahre 1854 gehörte die «erblichene dem Vereine an und selbst al« ihre «ürperkräfte nachließen, verblieb ihre Theilnahme dem Institut. Ehre und Dank solchen Frauen, die in echt jüdischer Art und Weise sich einem solchen treuen Wirken hingeben, die da« Gemillua Chusodim al« ihre erste Aufgabe betrachten. Ihr Andenken wird unvergessen bleiben, r« sei gesegnet! Nächstdem ist auch da« Ableben der Waisenmutter Frau Rosenbaum zu beklagen, welche in den acht Jahren, die sie dem Institute Vorstand, sich in treuer und hingrbcndrr Pflichterfüllung die Liebe Aller erworben hat. Möge c« dem Waisenhaus vergönnt sein, fortdauernd gute Resultate zu erziele» und möge dje Gunst und das Wohlwollen, die dein Institut entgegengebracht wird, nicht erkalten. Au» Htzerschkefte«. (Or.-Eorr.) Seit meinem letzten Berichte hatjsich. wie wir hören, die Situation in Kattowitz etwa« geklärt. Seit einigen Wochen sind dir Sch ichter au« der Untersuchungshaft entlassen. Jedenfalls hat die Untersuchung nicht« Gravirendcs zu Tage zu fördern vermocht, so daß es voraussichtlich zu einer Schlußvcrhandlung vor dem Schöffenvder Geschworenen-Grricht überhaupt nicht komm, » dürfte. Dagegen läßt der gcmaßregclte Fleischer flott weiter schlachten und die meisten seiner früheren Hunde» sind ihin treu geblieben. Al« Schächter fungirt bei ihm. wie wir hören, der von der Nachi bargcmcinde Zabrze tvrgen AmtSvcrtrauciiSbruchS jüngst ' entlassene Eanror. I Aus Pleß meldet man einen Streik der christlichen [ Fleischer. Bei einer Eonventionalstrafc von 50 Mark haben sic sich verpflichtet, unter den früliercn Bedingungen nicht wieder rituell schlachte» zu lassen. Sic wünschen da« Koscher- Fleisch zu dcmscllxn Preise zu verkaufen, wie da« andere, venvelgcrn dem Schächter das übliche sogen. MAV2 und die ganze Gemeinde ist seit Wochen genöthigt, ihren Fleischbcdarf auswärts zu decken. Für de» Schächter und die Gemeindekaffe bedeutet das «orgelten der Fleischer einen immcrhi» recht empfindlichen Ausfall an Schlachtgebühren. Auch au» Königs- Hütte geht uns eine ähnliche Meldung zu. Der Synagoge in Beuthen O.-2. haben neulich wieder Diebe ihren unl)c»nlichcn Besuch abgcstattet, wobei eS ihnen gelang, silberne Ornamente zu entwenden. In Nicolai feierte der israelitische Fraucnvcrein am 26. Februar das Fest seine« 25 jährigen Bestehens. Zur tätlichen Erinnerung an diesen Freuocntag spendete er der Synagoge eine neue Thorarolle. Hamburg. 24 Februar. Vorgestern Abend hielt Herr! vr. Prager au» Hannover hier einen Vonrag über da« auch j vom Prof Gräctz im diesj. Programm behandelte Thema betr. »Proselytiamus". Nachdem der Redner gezeigt,daß derlalj mud die Proselytenmacher« nicht empfehle, wenn er auch ein Entgegeiikommen Andersgläubigen gegenüber nichr verwehre, und daß auch die Bilxl von derselben nichts wisse, gab er eine interessante Uebcnichr über die geschichtliche Entwickelung des Profelyten- »vefcn» bei den Juden. Die ersten Proselylen wurde» zur Zeit d*« Exil« gewonnen, nichr dadurch, daß die Propheten sich direct an die Heiden gewandt härten — die» ist nie geschehen, — sonder» in Folge des gewaltigen Eindrucks, den die Reden jener Männer an ihre Volksgenossen auch auf die mit zuhörendeir Fremden gemacht. Zur Zeit de« zweiten Tempels müssen die Prosclyten bereit« recht zahlreich gewesen sein, denn in demselben war bereits ein Raum für die «er sammlung derselben bestimmt. Von gewaltiger Wirkung war da« Zusammentreffen des jüdischen mit dem griechischen Geiste seit Alexander d. Gr. Es entstand ein erbitterter literarischer Streit, in dem beide Parteien rS selbst nicht verschmähten, zu Fälschungen und willkürlichen Deutungen zu greifen. Entschieden wurde der Sieg für den jüdischen Geht, nachdem die Bibel in« Griechische übersetzt war, ei» Werk, welche« fid) von so immensen Folgen erwies, daß die Sage die Entstehung der Septuaginta auf direct« Eiitgreifen Gotte« zurückführcn zu müssen glaubte. Seitdem mehren sich die Prosclyten ganz bedeutend; von den 8 Millionen Bewohnern Aegypten« bekenn«

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