Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5369809-5935099-5938146--4982-5377244- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
wird. Die Versammlung ehrte da« Andenken der Stifter durch Erheben von den Sitzen. Die Einnahmen de« Vereines au« seinem Fond« blieben auf der Höh« de« Vorjahre«, hingegen gingen die Spenden namhaft zurück und ist die Summe der Jahresbeiträge noch immer eine vcrhältnißmäßig kleine. Die Zahl der in der Obsorge de« Vereine« stehenden Pfleglinge beträgt jetzt 52 Waisen, und zwar 21» hiesige. 23 auswärtige, die alle in häuslicher Pflege stehen (bei den Müttern oder Verwandten), hier jährlich 80 fl., auswärt» 80 fl. al« Erziehung«-Beitrag erhalten. Bon den hiesigen besuchen je 2 Waisen Gymnasium und Realschnlc. 1 die Webereischule. 5, die Bürger-, dir übrigen die Volk«schulr. Ein Bewerbeschüler ver.ieß die Anstalt und arbeitet in einer Maschinenfabrik. Nach Genehmigung de« von Herrn D. Mandl vorgetragenen Eassoberichte« und de« Präliminar» pro 1881 werden die au«scheidenden .Herren Fröhlich und Srralosch aus 3 Jahre in den Vorstand wiedergewählt. Der Vorsitzrikde versichert, auf eine bez Anregung au« de. Verin.mmluug, daß jene Waisenknaben, die sich einem Handwerke widmen, oder in die StuatSgewerbeschule eintreten, für die Dauer der Lehre resp. Unterrichtszeit über da« 14. Jahr hinaus vom 41ereine unterstützt werden. Nach einem Dankesvotum für den Vorstand und die Eassalcitung wird die ^Versammlung geschlossen. -tu-land. Marsch«». (Schluß.) Jüngst veröffentlicht der Minister der Aufklärung (!) eine» Bericht über die steigende Frequenz der jüdischen Schüler an de» Gymnasien in den letzten zehn Jahren. Nach diesen» Ausweis betrug die Zahl der Schüler in de» zehn Wehrbezirken: Eonfesfion: 1870 1881 Griechisch-katholisch . . . 11.350 35.597 Römisch-katholisch.... 9.747 11.679 Protrsiantisch. 2,808 5,028 Jüdisch. 2,045 7.423 Wir fügen hier noch hinzu eine» Ausweis der Nowoje WremiM au« dem gleichen Zeitraum, aber nur von sechs Lehrbezirken; danqch betrug die Z»»hl de» jüdischen Schüler an den Gymnasien: Lchrbezirke: 1870 1881 Moskau. , 14 306 Eharkow. 32 248 Petersburg. 35 331 » Kiew. 198 854 Wilna. 908 1363 Odessa. 647 2468 8». 1834 8».“557Ö Zahlen sprechen, und die vorstehenden Daten zeigen, daß dir Juden in Rußland und Polen i» den letzten Jahrzehnten nicht geruht und nicht gerastet haben. Der Fortschritt war geradezu rin immenser und sollte doppelt an un« bewundert werden, weil im Gegensatz zum heutigen Materialismus unser Drang »ach Bildung und Wisse» ein rein idealer ist. Gicbt man un« doch kein Amt. keine Stelle, wenn wir au«- sludirt Iwben, ist uns doch jede Staatskarriere verschlossen, und da« Wenige, wa« man un« schon früher ringeräumt hat. den Zutritt zur Laufbahn der Militärärzte u. dergl. sucht man un« heute getvaltsam wieder zu ent reißen. Wir treten demnach in den Dienst der mächtigen Herrin Wissenschaft au« freiem Antriebe, ohne auf eine Belohnung zu rechnen, aber auch da« will man un« nicht einmal mehr gönnen. Bon dem Quell de« Wisse»«, der »i reicher Fülle zur Genüge für Alle strömt, will inan un« lieblos wcgstoßen. Aber wir werden un« daran klammern, wie der Verschmachtende in der Wüste, »nd hoffentlich wird unscrr Zähigkeit über dir schlimme Absicht de» Sieg davon tragen. UebrigrnS sind Systeme und Slaatsmäniirr heutzutage und besonder« hier zu Lande nicht von langer Dauer und hoffen!- lich wird auch bei un« bald eine Wendung zum Guten treten. Veteraß»r§. In den hiesigen jüdischen »reisen erregt das Auftreten »des Schwiegersöhne« von Rothschild" de« Herrn Moritz Ephrussi viel böse« Blut. Für die Gesellschaft vom rothen Kreuze hat der Herr 25,000 Rubel gegeben, fft daher auch zu Hose geladen worden u. s. f. Für da« jüdische Hau« gab derselbe Herr einen 25 Rubelschein und ließ sich 5 Rubel davon rausgeben — für andere jüdische Institutionen, Wünsche u. s. >v. hat der Herr nicht«, sage: Nicht«! Dir Mischnajoth Ehewra hat am 5. Februar ein Sijum ficfctcrt, da sie die 6 Bände durchstudirt. Zwei Rabbinen prachrn bei dem schlichten Feste. Aber erhebend »v.ir die Versammlung, arm und reich, gelehrte und einfache Männer au« dem Volke, vornehme und gediente Soldaten vereint um Mischnajoth zu lernen in der Stadt Petersburg, in welcher vor 20 Jahre» nur Anserwählte», Kaufleuten erster Gilde und Studirten zu wohnen gestattet war! Ist dieser Verein nicht ein Zeichen, wir dir Beschuldigung de« rohen Materialismus gegen die Jude» unbegründet sei? — Der Senat hat am 8. Februar dir .'lpothrkerfragr endgültig zu Gunsten der Juden mtschirde» Kermischle ttnfe neueste fUdjridjteit. Maad«ß»»ß .Arch isr ' m»»quirrn sich über unsere Bemerkung. daß di« Wahl des Herrn vr Lernrr rin Zeichen der langsam sich vollziehenden Regermanisiruna de« Elsasses sei. Ihr Einwand lautet: .Fkein französischer Rabbiner will in einem deutschen Lande fungirrn, dir Gemeinde braucht einen Seelsorger, sie nimmt ihn. woher sie ihn bekommen kann. Gegen die Gewalt giebt'« keinen Widerstand, aber wo dir Gewalt ist. ist selten da» Herz!' Dir fügen dieser seltsamen Schulmeistere! nur hinzu: Zugegeben, die Gemeinde hätte vr. Lernrr kaut« ä» mi»u» genommen Sir wird rtiva später — nehmen wir an — in dem Herrn Dr. L einen tüchtigen Rabbiner finden. Der Herr wird sich auch Sympathien erwerben und da« wird andere Gemeinden bewegen, dir Sprödigkeit gegen deutsche Rabbiner, dir man von Pari« au« langmöglichst zu erhalten bemüht >var, abzulegr». Die | Herren aber sind Deutsche und ihre Schüler iverden von ' deutschen RrligionSlrhrrrn da» .Fürchte Gott, mein Sohn, | und den König' ringeprägt »halten So macht« sich von selbst! Magdeöurg. Die .Gegenivanschreibt auf Grund de« vom Kaiserlichen statistifihen Amte ausgegebrnen 2. Theils de« 57. Bandes der deutsche» Reichsstatistik, daß dir con- ■ fessionellrn Verhältnisse sich im Laufe der letzten 10 Jahre | so gut wir gar nicht geanderi hatten. Nach der Volkszählung von >880 uhui'ii im denifchrn Reiche 1,24 Procent Israeliten, im Jahre 1871 1,25 Prvcent. Was »nag Herr von Trritfchkr hierzu sagen?! Man erinncrc sich seiner lügnerische» Bel)aupt»ng vom 15. November 1879: .über unsrrr Ostgrenze aber dringt Jahr für Jahr aus der unerschöpflichen polnischen Wiege eine Schaar strebsamer, hosrnverkaufrnder Jü»gli»ge — — dir Einwanderung wächst zusehends'. Lüge, nicht« als Lüge, wie obige Zahlen bei »eisen. Aerllu. Die Altersversorgung«.Anstalt der jüdische» Gemeinde versendet ihre» 54. Jahresbericht. Im Jahre 1883 »vurdr» in der alte» Anstalt durchschnittlich 91 Hospitalitrn verpflegt, deren Erh»»ltu»g rund 59.H28 Mark kostete, mithin rin Hospitalit 655 Mark. Die Beköstigung erforderte pro Kopf und lag 88 Pfennige. Dir neue Anstalt Schönhauser Allee wurde an» 11. November v. I. mit 12 .Hospitalitrn eröffnet, für deren Erhaltung 3000 Mark verausgabt wurden. Während die alte Anstalt vollständig besetzt ist, bietet die neue Anstalt noch Platz für 30 Hospitalitrn, doch ist der Vorstand nicht inderLagr. fernere Aufnahmen stattfinden zu lassen, wenn ihm nicht neue Mittel zur Verfügung gestellt werden. Durch die Schenkung deSMorivMannheimer'fchen Ehepaare«, bestehend in dem Grundstück