Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Friedrich I Götsch in der zweiten Residenz de« Lande« nieder; mit ihm siedelten sich seine Schwager, die Gebrüder Jordan, dort an. Götsch war bei König Friedrich gut angeschrieben und ivegen seiner witzigen Einfälle beliebt. Al« dessen Sohn sich verehelichte, befahl König Friedrich, dag der Act der Trauung vor dem Königl. Schlöffe vorgenommen werde und der Rabbiner von Friedenthal. Rabbi Alexander Elsäfler. mutzte am Schlotzportale die Trauung vornehmen, der König sah vom Balkon au« dem Trauung«» alte zu. Ludwigsburg wurde Filiale von Aldingen, im Mutterorte wohnen jetzt keine Juden mehr und Ludwig«burg wurde zur eigenen Kirchengrmeind« erhoben. Ein frommer J»raetite, Wolf Jordan, hatte in seinem Hause eine eigene Synagoge einrichte» lassen und diese wurde bi» vor kurzem als BethauS benutzt. Oesterreich. Wie«. Aus dem Secretariat der i«r. CultuSgemeinde erhielten wir vorige Woche die nachfolgenden Mittheilungen, für welche in der jüngste» Nummer kein Raum war, die aber auch jetzt noch nicht zu spät kommen: »In Nr. S der Israel. .Wochenschrift" findet sich unter .Wien" eine Original» rorrespondenz, in welcher die in der hiesigen Eultusgemeinde ausgeschrirlenr Prrdigerstelle angeblich näher charakterisirt werden soll. Nachdem jedoch diese Eharakterisirung weit entfernt ist, mit den thatsächlichen Bcrhältniffe im Einklänge zu sein, so werden Sir um die Aufnahme nachstehender Bemerkungen zur Richtigstellung der genannten Correspondenz frrundlichst ersucht. Seit der im Jahre 1867 erfolgten Anstellung eines zweiten Predigers i» Wien, hat die i«r. Bevölkerung hier um mehr als das Doppelte zugenommen und zählen derzeit an 80.000 Jude» — es ist daher die Anstellung eines dritten Prediger» dringend geboten. Da der Vorstand jedoch nur aus eme Kraft erste» Range» reflectirt, so wurde die Anstellung eines den beiden jetzt fungirenden Predigern gleichgestellte» Fnnctionärbeschlossen. Da» ist Tlxttsache und nicht, wie e« in der erwähnten Eorrrspondruz heitzt, datz ein »Rrserve-Prediger" angestrllt werden soll. Die Verpflichtungen, die dieser ncuanzustrllende Prediger zu erfüllen haben wirb, sind in dem beiliegenden Programme verzeichnet, woran» ersichtlich ist. datz nicht die Anstellung eine» Reserve-Predigers in Sicht genommen wird. Mit vorzüglicher Hochachtung u. s. w." Programm für die in Aussicht genommene» Funktionen de» anzustellendrn Prediger». 1 a. Abhaltung von Predigten nach einem zu bestimmenden Turnus, wobei an dem Grundsätze frstzuhaltrn ist, datz an jedem Samstag abwechselnd in einem der beiden Bethäuser eine Predigt stattfindet. b. Predigt an den hohen Feiertagen (Rösch Haschono und Jom Kipur) vorläufig in einer vom Vorstände acquirirten temporären Andachtsstätte. <s. Religiöse Vorträge für Frauen nach einem zu bestimmenden Turnus. Bezüglich der anderweitigen religiösen Funktionen behält sich der Vorstand vor. besondere Instruktionen seiner Zeit zu erlassen. 2 a. Religionsunterricht für Schüler der VII. und VIII. Gymnasialklaffe. b. Vornahme von Confirmationen. Schlietzlich behält sich der Vorstand vor, den anzu» stellrnden Prediger in'» RabbinatS Collegium zu berufen. Ai»§ar». Der Judenhatz zeitigt doch gar seltsame Früchte. Während selbst vor 48 Jahren jüdische Stadt- und Bezirk«, ärzte zahlreich waren, werden jedt bei Wahlen diese, wie die KreiSnchter verdrängt und Christen an ihre Stelle gesetzt. So meldet man'« au» Grotzwardein, au« Botzorheli u. s. f. — Natürlich genügt da« alle« noch nicht, dem hatzerfüllten Gegeneinanderivüthen der Orthodoxe» und Congretzler Halt zu gebieten. Vielmchr streiten beide Parteien heftig um den Schulfond«, welchen die Orthodoxen in zwei gleiche Thelle & 800.000 Gulden getheilt haben wollen. In der Debatte wegen Zurückziehung de« Mischehegesctze« haben die Antisemiten wieder furchtbar gegen die Juden geschimpft. Am 4. Februar war der Glanzpunkt der Debatte. Neben dem Juden Mezry traten Jokay und Helphy für uns in die Schranken. Jokay wies besonder« darauf hin. wie die Lehre de» Judenthum von^der Bibel bi« zum Schulchan Aruch rein sei von Schuld und Fehl. Er führte ein Wort Montefiore'S an. der auf die Frage: welcher Unterschied zwischen jüdischer und christlicher Lehre wäre, geantwortet habe: Der Unterschied ist: Wir gehorchen und thun! Datz die Juden an Jerusalem denken, ist doch nicht schlimmer und mindert ihren Patriotismus ebenso wenig, als datz die Katholiken Rom für heilig Hallen. Helphy zeigte darauf hin. datz die Juden angefeindet würde», sie mögen thun, was sie wollen. Kaufen sie Felder und Güter, so schade» sie dem Ackerbau — kaufen sie Häuser, so wird darüber geschimpft; sammeln sie nun mobiles Vermögen. so heitzt » ja sie sind Fremde, stet» auf dem Sprunge, das Land, an welches sie nichts kettet, zu verlassen. Schicken sie ihre Kinder in die Schulen, so wollen sic die Christen verdrängen; halten sic sie fern, so wollen sie sich nicht amalgamiren! Am 5. sprach Evtvös, seine Worte fielen wie Donnerkeile auf die Häupter der modernen HamanS. Araka», 18. Fcbr. (Or.-Corr.) Von hier kan» ich Ihnen nicht» Neues mittheilen, sowie man von Galizien überhaupt sage» kann: Nicht» Neues unter der Sonne. Der Kampf der Finsternitz mit dem Lichte hat noch nicht aufgehört und beunruhigt die ganze Welt, bis jene Zeit kommcn wird, von welcher der Prophet sag«, .da» Licht der Sonne wird siebenfach scheinen-. Seit dem Antritte de» neuen Vorstandes ist die Zerklüftung und Zerwühlung, die Opposition der Krakauer Machasike Hadat eine verzweifelte. Beim Ministerium haben einigc gegen die Schechitagebühren sich beklagt, und ivird diese Cultu-jteuer, wie es den Anschein hat. aufgehoben, dann ist der pecuniäre Lebensnerv des Vornande» unterbunden. Die Machasike Hadat habe» sich den Schwiegersohn des verstor» brnen Rabbiners Schreiber zum Rabbiner gewählt, schaffen sich eigenes Petzachmehl an, vielleicht' werden sie noch ihre cigsticn Schochtim l>abe». Wohin da« führen soll, weitz Gott, grwitz zur nominellen Theilung der Gemeinde, ich sage „nominell", denn eine wirkliche Theilung ist in Oesterreich noch nicht gestattet, obgleich dies in Galizien das geeignetste Mittel wäre, um Ordnung und Ruhe zu schaffen. — Im April d. I. wird hier die Verhandlung gegen Mose» Ritter und Frau stattfinden, wo es wieder talmudische Erörterungen geben wird. Welsen der Talmud vom Rzczvwrr Staatsanwalt anklagt wurde, ist bekannt. Viele Vorarbeiten erscheinen in dieser Beziehung, so datz es nicht schwer sein wird, bei der neuen Verhandlung den Talmud zu rcchtfetigcn und vielleicht die Rittcr'sche Famitic zu retten. — Datz die Wiener Allianz den Schwerpunkt ihres wohlthütigen Wirken« nunmehr auf Galizien gelegt har, ist von großer Tragweite. Doch dürste diese« auch nicht viel wirken, >o lange die Redben» da« »Scepter" dort führen. Nicht aus Geldmangel bleib» die Cultur in Galizien zurück, sondern au« Mißachtung und Argwohn gegen die Männer de« Fortschritts. Arit«« Die diesjährige (Generalversammlung des Mähr-jüd. Waisen-Hilfsvereins fand den 10. d. Rtts. Bormittags unter Vorsitz de» Herrn kais. RatheS Fröhlich statt. Dem Jahresberichte entnehmen wir, daß der Fond« durch eine zur Prämiirung fleißiger Waisen gewidmete Spende der Wittwe des fei. Herrn Leop. Eisenmann zu Ehren seine« Andenkens per 300 fl. Rente vermehrt wurde nnd daß da« Crträgnitz de» vom sel. Herrn Salomo» König für Waisen 'egirrcn Hause» dem Vereine überantwortet werden