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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 88 — tat Land«» und Falle» benützt werden. 7. Antrag von Guttmann'S: Die Tonfirmationen. auch der Mädchen, sowohl als Ceremonie. wie auch dir religiöse Vorbereitung zu derselben, sollen allgemein und gleichmäßig eingeführt werden. 8. Behuf« tvrderung de« Eintritte« der jüdischen Lehrlinge in da« andwerk und in den Ackerbau sollen Legate errichtet und Stipendien gestiftet werden, besonder« auch um den Besuch betreffender Fachschulen zu fördern. Ferner wird beschlossen, die nächste Zusammenkunft der Eonfcrenz in der Zweiten Hälfte de« Oktober diese« Jahre« in Wien abzuhalten. Endlich ertheilt die Conferenz tat Herren Professor Lazarus und Ludwig Lötv« die Ermächtigung, in ihrem Namen da« Protokoll der Sitzung frstzustcllen und zu vollziehen. Die Herrn Mocatta, Grand Rabbi» Zadoc Sahn, Professor Lazaru« und Ludwig Löivc sprechen ihre Befrirdiguug über den Verlauf der Co»- ferenz, rcsp. den Dank dem Präsidenten und den Mitgliedern au«, schlug der Sitzung halb 1 Uhr. B. S»chuei«e«ützk In Nr. 7 diese« geschätzten Blatte« finden wir eine Mittheilung au« Cob lenz. wonach auch die dortige Gemeinde-Vertretung die Repartirung der Cultu«- Struern »ach dem Verhältnis zu den Staat«-steuern eingeführt und die Königl. Regierung die Einsicht in den Steuer-Rollen dem Vorstände gestattet. E« sei nun hier nur bemerkt. daf>, wenn die Vertreter einer Geineinde die Aufbringung direkter Beiträge nach obigem Möou« in ihrem Statute oder in einen besonderen Beschlug bestimmt haben, diese« der Genehmigung der Königl. Regierung doch unterbreitet werden muß. Selbstverständlich wird nach dieser Genehmigung auch bei etwaiger Renitenz de« Magistrats dir Königl. Regierung dafür sorge tragen, dag den Gemeinde-Vorstand die Einsicht in die Steuer- Listen gestattet iverdrn in u ß. In unserer Gemeinde erhalten wir seit langen Jahren durch einen Magistrat« - Beamten gegen Schreib < Vergütung einen Auszug von Klassen- und Einkommen-Steuern der jüdischen Steuerzahler.*) Es kann im Interesse de« lieben Frieden« allen Gemeinden nur dringend angrrathen werden, besondere Einschätzungen von Steuern zu Gemcindr-Zweckcn nicht mehr vorzunehmen, sondern den Prozentsatz ganz nach Verhältnis der zahlenden Staats-Steuer zu berechnen.?ose» Ter „Dziennik Poznanski* hatte in Erfahrung gebracht, dag der katholische Schulvorstand zu Jutroschin die Kinder der dortigen j ü d i s ch e n G c m e i n d c in seine Schule ausgenoinmcn habe. Es scheint diese Thatsache das genannte Blatt stark belinruhigt zu haben, denn es machte darauf aufmerksam. dag ein derarfiges Verhältnig für die katholischen Schulen leicht unangenehme Folgen haben könne, insofern daraus der simultane Charakter einer Schule hergeleitct werden könne. Er richtete daher an den katholischen Schulvorstand m Jutroschin die Anfrage, ob er in dem Kontrakt mit der jüdischen Gemeinde l. der Schule den unverändert katholischen Charakter derselben gewahrt habe; 2. ob er sich auSbedungen habe, svfon den Vertrag aufzulösen, falls die jüdische Gemeinde verlangen sollte &) ein Anrecht auf da» Vermögen der katholischen Schule, b) das Recht, gleichfalls im Schulvorstande vertreten zu fein, c) die Anstellung eines jüdischen Lehrers an der Schule. Diesen Besorgnissen gegenüber diene dem genannten Blatte zur Beruhigung, dag ein Kontrakt zwischen der katholischen und jüdischen Gemeinde überhaupt nicht abgeschlossen worden ist, sondern die paar jüdischen Kinder, ca. 18 an der Zahl, nur vorübergehend als Gäste die katholische Schule besuchen, was aber durchaus nicht» Neues ist, do bereits schon früher theils sämmtliche, theil« einzelne jüdische Kinder genannte Schule besucht haben, ohne dag der katholische Charakter derselben wäre gestört worden, oder irgend welche unangenehme Folgen daraus entstanden wären, da die jüdischen Kinder je nach ihrem Alter so unter die drei Lehrer an dieser Schule vertheilt sind, daß auf einen H bi« 5 kommen. *) Da« ist auch in vielen anderen Gemeinden der Fall. Lertveigerung der ikinsichtnahme ift unsere« Wissen« noch nirgend« vorgekonunen. (R.) £«s«#*et, den 23. Febr. (Or.-Torr.) Der Tod hat in unserer Gemeinde eine tiefe Lücke gerissen; Hirsch Oppen heimer, der unermüdliche Vorsteher der Ehewra kadischa hat in der vergangenen Donnerstag Nacht nach kurzem Leitai seinen Geist ausgegeben. Bi« zum letzten Athemzuge bei voller Geisteskraft, im Kreise seiner Familie, deren Stolz und Schmuck er war, verschied der edle Greis. Von der Liebe die der Entschlafene grnoffen, zeugte auch der große Leichenzug denn au« Nah und Fern waren die Glaubensgenoffen herbei geeilt, erfreute sich doch Oppenheimer einer seltenen Popularität in unserer Provinz. Hatte doch auch sein Berus als Mohel den er trotz vorgerückten Alter« mit heiligem Eifer und mu der seltensten Selbstlosigkeit verfolgte, ihn zu den entferntesten Orten getrieben. Trotz de« strömenden Regen« hielt Herr Rabbiner vr. Gronemann (da die Leichenhalle dir Menge der Anwesenden nicht fassen konnte) unter freiein Himmel seine tief empfundene und tiefen Eindruck machende Grabrede — Besonder« in dem Herzen der Armen und Gedrückten, deren Vater er war. wird Oppenbeimcr>71 fortleben.! möö S'itn npix Mtuche», 17. Februar. In der Sitzung de« Petitionsausschusses am 6. d«. Ml«, kam u. A. eine Petition des Herrn Jakob Rosenhaupt, israelitischen Prediger« a. D. in Aschaffenburg, zur Verhandlung, welcher bittet, daß die von den NeuiSrarliten getrennten Altjuden, welche nur dem mosaischen und nicht dem neuen (?) talmudischen Gesetzhuldigen . selbstständige Grineinden bilden dürften. Referent S e i tz trägt dir Eingabe vor und hält sie nicht für geeigne für das Plenum, da die persönlichen Wünsche eines Einzelnen oder Weniger nicht genügen, um eine gesetzliche Aenderung zu treffen, «orrrfcrenl vr. Frank: Thatsache sei, daß die ReuiSraeliten, welche unter sich Opfer zur Befriedigung ibrer Bedürfniffe bringe», doch zu den Kultusbedürfnissen der alten Gemeinden beitragen müssen. Wenn sic noch keine Vor stellung bei der Regierung grinacht haben, beantrage er Zurückvcrweisung. Rcgierungsrath Vervirr: So lange die Neuisraclitrn nicht au»ge)chicdc» feien, müßten sie zu der alten KultuSgemeinde fortzahlen. Nach den zur Zeit gelten den Bcstimmunge'i könne in einer politischen Gemeinde nur eine jüdische KultuSgeineinde bestehen. Der in der Korone amvcsendc Abg. Äunzenhäuscr wird vom Vorsitzenden um seine Meinung befragt. Er erklärt, durch gegenseitige Nach giebigkrit seien in Fürth die Abiveichcnden wieder vereinigt worden. E« handle sich um keine Verschicdenhclt im Dogma, sonder» lediglich im Ritus. Der Talmud werde von allen Israeliten anerkannt, doch von den Aelteren (?) dem Pentateuch untergeordnet. Die Frage des Bcgräbnißplatzes sei meistens im Stande, die aufgeregten Gemüther wieder zu versöhne». Der vom Abg. Herz bevorwortcte Antrag des Korreferenten „nicht geeignet, da der Jnstanzcnzug nicht erschöpft ist* wird angenommen. <F»dwig»I»rß (Württemberg), 13. Februar. Die hiesige israeliliche Gemeinde, etwas über 200 Seelen stark, scheint in neuerer Zeit mit der Erbauung einer Synagoge Ernn machen zu wollen. Vor einigen Wochen schon hat sie den früheren Weiß'schen Garten au der Solitudc- und Alleen sttaßc in der Nähe des Feuerfee« zu diesem Zwecke käuflich erworben. Werkmeister Gemeinderath Baumgartner hat den Bauplan bereits fertig gestellt. Da« Gebäude soll 22,5 m. lang und 14 va. breit werden; die Größe und der Stil soll der Synagoge in Göppingen ziemlich gleich kommen Der Ueberschlag de« Gebäudes ohne innere Ausstattunz beläuft sich auf 40,000 Mk. Gegen Norden wird die Synagoge ein Sitzungsziinmer und rin Unterrichtslokal füi RcligionSstunden erhalten. Vor dem Hause wird eine kleine etwa 4 m. breite Anlage erstellt und dem entsprechend das selbe von der Baulinic zurück versetzt. Vom Staate ist der Gemeinde ein Beittag in Aussicht gestellt, den größten Theil der Baukosten haben aber die jetzigen Gemeindemitgliedri und ihre Nachkommen selbst aufzubringen. Die Gemeinde zählt, wie gesagt, über 200 Seelen. An Anfang diese« Jahrhundert« lieg sich der Hofagent de« König-

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