Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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«7 jchi mehr daran zweifeln können. Leider ist nicht zu leugne», ig bei bem leidenschaftlichen. rücksichtslosen Fanatismus, i, dem jene wühlerischen Hetzer arbenen, bei dem Li» ui), bcu ihre, von Frömmigkeit «riesenden Apostel, die Herren oschenvein- und Jeruscholajimerde rc. -Verkäufer. Koscherheiiel-und Zwickscheeren-Ersatz-Fabrikanten, in vielen Landeisen de« RadbinatSdezirk« besitze», in Verbindung mit den A»> rrngungen, ivelche von Frankfurt, Fulda. Marburg, kainz und Trier rc. gemacht werden, die Gefahr aller» n,g« vorhanden ist, diesen Sitz von Männern einnehme» zu heu. die. wie tief sie sich auch in den Tullis allein gepachteter ,S,Innigkeit hüllen mögen, eine Schande de» heutigen Judenmm» und eine Schmach und ei» Hohn der Gegenwart nb.*) Man verwechsele doch ja unsere »larktschreierischen, mit irer sog. Frömmigkeit paradirende», aber jede echte Frömmigl, parodirenden Zeloten, nicht mit jenen altehrwürdigen abbinen der leider in Deutschland fast au«gestorbenen alten chule, die iven» sie auch da« Leremonielle de« Judenthum« arker betonten, au» ihrer Frömmigkeit kein Zeitungsgeschäst, kein inrath vermittlungsbureau machten, die durch Grobheit und iirbcifeit, durch echte Einfalt de« Herzen« und prunklo« cicheideie« Wese» der Gesainintheit vvranleuchtete». die alle« Krassel und jede Markrschreierei ihrer verächtlichen Rach- [ cter und Nachbeter und iede« TrennungSgelüste weit von j di wiese». Unteren heutigen sanatischen Hyperorthodoxen aber mlaß geivähren in die bedeutenderen Rabbinate unserer lemeinden, ljeißt dem Unfriede» und dem religiöse» Gezänk hur und Thor öffnen, heim jede friedliche Fortentwicklung s Judenthum» bemme», heisst de» gebildeten Theil au» den kuieii.bcii hinausdränge». Mächtig ist die orthodoxe Partei nicht durch ihre umerische Ueberlegenheit — den» ihre Zahl ist, Gott sei )a»k, in Norddeutschland nicht allzu groß und ohne Nach, uch« — sondern durch ihre leidenschaftliche, fieberhafte nhrigkeit, durch die jesuitische Art, mit der sie bei solchen clegenheite» — vor der Wahl — über ihre Ziele und wecke zu täuschen wissen. u»v durch die unverzeihliche! achlässigkeit und Gleichgiltigkeit der »ichtvrthvdoxen Parteien, »len sie doch auch bei der Nabbinerwahl i» Hannover int (ten Jahre die Kühnheit, »ach diesem einflußreiche» Sitz, e»ii auch vergeblich, die Hand auszustreckeii. Soll ihnen die« in assel gelinge»!' Soll die intelligente jüdische Bevölkerung e>es Bezirk«, nach den> Wirken von Männern von Ruf und!>sje»schast in die Hände von Leute» fallen, die deren Thun >d Streben verdamme»? Will inan wirklich ruhig mit anj K'ii, wie jene ihrer stille» und offenen Maulwurfsarbeit daj irrt) zum Siege zu verhelfen juchte, das; sie de» Landi meinden schmeichelt und mit Lostrenuung drol)e» lägt? Wa« würde Gabriel R i e f f e r, der gerade für die Juden lirheffen« so grvßeAnslrengunge» gemocht, was würde» Benedikt tilling, Büdinger, Mosen l hat und andere Männer, dieau» »> Lchvoße dieser Gemeinden hervorgegange», dazu sage», wenn ne Generation nach ihnen, von ihren eigenen Kindern »nd »fein da« preisgegeben würde, was sie so mühsam er- »gen V Da» kann und darf nicht geschehe». Und darum hle» wir an alle die ein rege» Interesse am Judenn» und seiner Entwicklung haben, die eindringlichste ähiiung, für eine zeitgemäße Besetzung des Rabbinat« ilig zu sei», darunter verslel-en wir: Besetzung durch einen idbiiier von echter ungeheuchelter Religiosität, aus dessen i'pen edle Beredtsamkei«, in deffen Herzen Friedfertigkeit und iilbsamkeit, in dessen Kopfe »eben jüdischem Wissen auch die i>sa»e Wissenschaft Platz gesunden und der auch al» tüchtiger nval«ung«bcamter sich beivährt hat. (Unsere Gesinnungsgenossen ersuck)en wir, eben wie e« Z. von Hannover au» geschehe», un» mit Material und rid)ten zur Seite zu stehen, alle Ränke und Schliche der lhodoxie sofort auszudecken, dann soll r« an un« nicht fehlen Kampfe gegen die Feinde de« Lich t« und —befl Friede»«.) *) Der elngeführie Lrgelgo»e«dienst schlteßt sie »lüulo» au«. (!üed.) Kerichlr «nd Correspovden^e«. Deutfckland. ^«ökenz, v. Febr. (Schluß.) I» der ersten am 1t. August vorigen Jahre« hier abgehaltenen Sitzung ivnrde ferner beschlossen, Herr» Professor Lazaru« zu ersuche», sein Augenmerk auch dahin zu richte», ob sich unter de» Mit-, resp. Hilfsarbeitern eine geeignete Persönlichkeit fände, welche nach Feststellung de« Plane« für das Ha uptwerk da« gej'ammte Material auf Grund diese« Plane» gleichzeitig zu einem S ch u l b u ch e verarbeiten könne, wofür ein besondere« Honorar zu zahlen sein würde. Herr Professor Lazarus übernahm diesen Auftrag und wird seinerzeit weiter über da» Resultat seiner Beobachtungen berichten. Die Mitglieder ber Eonferenz werden ihre Anstrengungen darauf rirt>te», diese« Schulbuch nach seiner Fertigstellung al« anerkanntes Lehrbuch der jüdischen Schulen ihrer betreffende» Ländereien einzuführen. Die Sitzung wurde uni l Uhr geschlossen. Ai» Nachmittag fand die zweite Sitzung statt, lvginnend »m :> Uhr. Anwesend sämmtliche Mitglieder der Eonserenz. Behuf» Borbereitung und Ausführung der gemeinsame» Angelegenheit wurde Wien zum Borort geivähli und dem dortigen Eomite die Geschäftsführung übertrage», womit sich Herr v. Gutman» i»> Namen de« letzteren einverstanden erklärt. Da« Eomite ,» Wien wird ersucht, den sämmtlichen Theilnehmer» dieser Evnferenz regelmäßigen Bericht über de» Fortgang der Arbeit zu erstatte», ie nach Bedarf weitere Zuiammenkünfte »ach vorheriger Vereinbarung über Zeit und On anznberaumen, die Beiträge einzuziehen und die Auszahlung zn leiten, jvivie die Rechnung hierüber zu führen. Auch dies Alles sagt Herr v. Gutmann zu. Al« weitere Ausgabe für die Theilnehmer der Konferenz und deren Gemeiuden wurde die Fördernng de« Schulwesen«, insbesonders der Arbeit»- und Ackerbauschule» für Juden vornehmlich i» östliche» europäische» Ländern und Provinzen bezeichnet; da i» dieser Richtung Berl»a»dlu»ge,i schwebe», damit auch für diese Zivecke noch vorhandene Gelder de« russich jüdischen Evmite's in Anspruch genommen werden könnte», so wurde die A»gelegr»h<"t für eine spätere Berhandlung. vielleicht gegen Ende ve« Jahre», vertagt. Hauptsächlich soll sich die Thätigkeit aus die llebersührung der Juden de« europäische» Oste»« zu direct producirender Arbeit und auf die Bekämpfung der Wuchergeschäfte, sowie des Schankgewerbes (Schnapsverkaufe«) erstrecken. Mittel und Wege hiezu solle» in späteren Eonserenze» iveiler erörtert werden. Beschlossen wurde, von jeder formellen Organisation Abstand zu nehmen, vielmehr die Eonsereiize» als freie Zusammenkünfte von notorischen Repräsentanten der vier jüdischen Hauptgemeinden zur Betreibung allgeinein jüdischer Angelege»- heite» fortbestellen zulassen. Schluß der Sitzung 5» Uhr. Am solgende» Tag war die dritte Sitzung im Hotel „Zum Riesen", l» Uhr Bornnttag«, Anwesend: Sämmtliche Mit- S" eher der Eonferenz Beschlossen wirb:!. Einslnsireiche äiiner in de» l>e«r. östliche» Länder» selbst zur Mitarbeit heranzuzielien. 2. Antrag Dernbourgs: Die Materialien für das tzroße positive Werk solle» zugleich benützt werden, um in besonderen Darstellungen zu historischen Abwehrschriften später verarbeitet zu werden. Letztere solle» tractatweise Berbreitung unter der osteuropäische» Bevölkerung finden. Ueber die Litteratur soll besonder» verhandelt werde», fall« da« große Druckwerk fertig ist. H. Für die litterarische Bearbeitung von Lebensbildern bedeutender jüdischer Männer der Bergange»- heit soll eine bedeutende Kraft gesucht werden. 4. Antrag v. Guttma»»'«: Zur Aufklärung der Jude» in de» ungebildeten Schichten der osteuropäischen Länder sollen geeignete Wanderlehrer ausgesendet iverden. ö. Auch in den Ländern, welche in der Eonserenz vertreten sind, soll eine Propaganda aus Wiedererweckung einer ideale» Auffassung de« Judaismus und der Zugehörigkeit zum Judenthum unter den bessersituirten Klassen in'« Werk gesetzt werden. 6. Die allgeineine Presse soll rur Abwehr der Angriffe auf das Judenthum, sowie zur Aufklärung über die Eigenthümlichkeiten de« betreffen-