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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 66 — die Sobificatorm mit ihren Bearbeitungen sicherlich nicht eine bloß wissenschaftliche Leistung, sondern auch eine praktische Anweisung .zum Berhallen im Leben bezweckt.*) Um die strenge Beweiskraft des obigen Schlußsatzes zu sicher», bleibt in der ihat nur dir rinr, i» diesem Blatte bereits geäußerte, aber nicht streng rewirsenr Annahme übrig, e» seien in praktischer § insicht nur s o l ch e liegenden gemeint, in benetz noch wirkliche ötzcndtcner lebe». Hieran knüpfte, wenn ich nicht irre, die Redaction diese» Blattes die Aufforderung, mit solcher Aus» sassung Ernst zu mache» und aui ihrer Grundlage eine Revision des Zchulcha» Aruch vorzunrhmen. Die Berechtigung riiie» solchen Vorschlages i» seiner allgemeinen Bedeutung hängt kür Jeden, der de» Schulchan- Aruch kennt und nur rinige Unbefangenheit besitzt, zwar nicht lediglich von dem rrivähnte» Anknüpfungspunkte ab. Dennoch glaube ich, dürfte der Gedanke solelvr Revision an Brstimmtl>eit gewinne» durch dir Kiarljeit, welche eine wcitergrhende Kritik über da» für diese Frage immerhin höchst wichtige Verhältnis des Schulchan Aruch zum Ackum-Begrtff breitet. Erft völlig den Baugrund bloßgelrgt, el>e der Neubau begonnen wird. Nach dieser Vorausschickung fragen wir: Könne» wir uns wirklich bei einer Annahinc lvruhigcn. die richtig, aber auch, angesichts der nicht ausgrschlvssenc» Möglichkeit, die Eodificatore» haben den alten Terminus DV3S oder *123 mit verändertem Begriff be>l>rhaltrn. unrichtig sei» kan»? Sollen >v>r uns etwa auf etn Wohlwollen stützen, das über jene Möglichkeit großmüthig hinivrggehen werde, da wir doch andercrfeit» ehrlicher Weife zugrben müsse», daß der Schulchan- Aruch bei rein rituellen Vorschriften**) unter jenem Teriiiinus zuivrilen wenigstens überhaupt N icht j uden versteht. tstonsehung folgt.» Der jüdische Religionslehrer. Wir erfahren, daß der D.J. G.-Bund zu neuen Geldsammluiigcn für die Herxheimer-Stiftung anregt, um diejenigen, welche sich dxm isr. Religionslehr > Amte widmen. für ihre Ausbildung zu unterstützen, denn daillr ist die Stiftung gegründet ivorden, und et» Bedürfniß liegt t» unserer Zeit viel eher vor, als ehedem, da in unserer Zeit de« Real- und MaterialiSinus mehr als ein gewöhnlich,r Idealismus dazu gehört, sich dcnt isr. Religionslehr-Amte zu widmen, und mehr als je sich bewahrl)ritct. »daß von den Arme». nicht den Reiche», die Pflege der Wissenschaft und Religio» ausgcht". Lehrer ftel-en allgemein noch nicht in der gebührenden Achtung uuter de» Juden, abiveichend von der früheren Zeit, wo die Lernenden und Lehrende,t in höchster Achtung standen, leider noch viel weniger. Dazu kommt, daß das Interesse für Religionswissenschaft und »Übung vielfach gesunken und abhanden gekommen >)t, auch d>r jüdischen Lehrer inanchmal Männer sind, welche weder durch Innern Gehalt, noch durch äußere» Auftreten Achtung gewinne» könnte». Wer will auch noch Lehrer sein bei Juden r Wer dieses Amt bekleiden, welche« kärglich besoldet wird und eine untergeordnete pecuniärc Stelle bietet? Gar oft finden wir dal>er in den jüdischen Gemeinden Lehrer, welche nicht» tvenigrr als Lehrer sind, die von dent allgeinrinrn und religiösen Wissen nicht einmal dir klemrntarslen Kenntnisse haben, gcschäftslo» umyerstreifen und ohne augenblickliche« Unterloinmen, ein jüdisches Lehramt zu erhaschen suchen, auch, weil sie<ivohlfeil zu habe» sind, keine Ansprüche erheben, sich unterwürfig zeige» und zu allen möglichen Dienstleistungen sich gebrauchen lassen, gesucht und acerptirt werden. Die Losung der Gemeinde ist: Je wohlfeiler da» Judrnthum ist, d. h. je wcniger Eultussteucrn e» fordert. desto besser ist e».***> *) Deutlich geht klf« z. B. bei Alsasi« Hakachoih hervor, welche nur nachexilische Verhiiiinisse berücksichtigen. **) «. Mischna ilhullin IN» »nd Jore Lea ll, 1, Lilie itohen ‘J. ***) Herr Ur. Voibschild berllhn hier eine sehr wunde Stelle am jüdischen tSemeindeleden, indem allerdings die verwersiiche Vtaxime, .nur billig" gerade beim Steligionsschulwefen viellach in Anwendung gebrach! wird. Sir kennen z. V. eine gröbere orihodoze Gemeind« in der Provinz Posen, in der mehrere Lausend Mart sür einen „guten idantor" ausge- Religion ist eben kein Bedürfniß. oder doch nur ein formal ei kein reale», für ideale Zwecke hat inan kein Geld. Da Lehrer genügt, wenn er die (Gebete mechanisch abliest. Au Ausübung der Schächtfunetion wird schon mehr Gewnl, gelegt; versteht der Lehrer diese nicht, so giebt er vor. sie verstehen oder erlernt sie bald nothdürftig; er darf und fot sogar auch predigen, trauen und Grabreden halten, der Lehre thut es, und die Gemeinde glaubt, er versteht es oder ver steht c» doch gut genug. Im Großh. Hessen ist für den ist Religionslehrer ein Staatsexame» vorgeschrieben; man hu schon lange von der Aufforderung zu einein solche» abgesehe,, im Bewußtsein. daß keine Lehrer vorhanden sind, welche de» Anforderungen genügen. Neuerdings, nachdem die Regierung ein Seminar auch zur Ausbildung von jüdische» Lehret, Stündet hat. ist Termin zu einem solchen Examen ausge. rieben worden. Zwei Lehrer haben sich gemeldet, al>et keiner hat auch »ur nothdürftig bestanden, auch »ur tun niedrigsten Anforderungen genügt Solche Leute sind al*cr dennoch unsere Lehrer. Zur Aufnahme in da» Seminat meldet sich trotzdem Nicmand. Im Hinblick darauf, daß fit auch ohne Studien, Kenntnisse und Exauten von den Gemeinde!, aeceptirt werden. Die angeregte» Sammlungen für dit .Herxheimer-Stiftung sind angemessr«; wir bedürfen zur Aus bildung jüdischer Lehrer Geld und viel Geld, denn reiche, Leute Kinder werden eben bei »ns keine Lehrer. Aber c« fehlt auch an Lehramt«ca»didate». Denn sämmtlichr Sem, narirn sind verhältnißmüßig schlecht besucht und decken da» Bedürfniß nicht, oder unsere Lehrer verlassen alsbald da« ihnen verleidete Amt, welcheihnen iveder ei» hinreichrndr» Auskommen für dir Gegenwart, »och eine sichere Au-sichi für die Zukunft bietet. Wir fordern dies für unsere jüdischen Lehrer von den Gemeinden und dafür auch tu erster Reihe eine feste Anstellung nach vorausgegangenem anfänglichen Provisorium und dann ein Avancement nach Alter, Fähigkeit und Würdigkeit. Wir fordern dann aber auch eine Rückfici>l daraus, daß unserc ReligivnSlehrrr nicht blos Kinderirhrer sonder» auch Gcmeindclchrer sein müssen, nicht blos in Schulen, sonder» auch i» Synagogen sungire» solle», eine entsprechende Ausbildung auf den Seinluaricu. welche übe, die Kenntnisse eines Elementarlrhrrrs htnausgrht, ivelek vielmehr schon an eine theologische und wifscnfchaftliche Aus bildung reicht damit unsere Lehrer sich nicht blos „Prediger" nennen, sondern auch seien. Al» Ea»toren n>uß ihnen auA eine fachgemäße, musikalisch-künstlerische Ausbildung zu!l>e,l tvrrden, damit sie nicht blos singen, sondern auch zu singe,, verstehe». Die Lache geht also nicht blos die Geldspende,, sondern auch die Gemeinde» und die Seminarie» an. De, D.-J. G.-Bund, der da» Eine thut, der Geld sammelt, uni1 wir sind ihm dankbar dafür, möge auch das Andere th»„ und die entsprechendcii Fragen mit auf die Tagesordnung des nächsten Gemcinde'tages sehen. Wir ivärcn ihm auä dafür sehr dankbar. vr. Rothschild. Die Landrabbinerwahl in lLafiel. Wäre es nicht für Irden, der die Lage der jüdische» Verhältnisse im chcinaligen Kurfürstenthum Hesse» kennt ohnehin klar, von wie großer und principirller Bedeutung eine gute Besetzung des durch die Pensionirung de» ve> diciistvvllrn greise» Herrn Landrabbinero I)r. Adler sw grtvordencn Easseler Rabblnats ist, so würde man doch mut dein vereinten Lturmlauf, de» die grsammtr rückschritt liche jüdische Presse macht, um diese Position, an welcher i« bereit« mehrfach durch Dunkelmänner ärgster Sorte hat bohre» und Vorarbeiten fassen, sür sich zu getotniten, jetzt genni geben iverden, die aber seil Jahre» keine Religionsschule unicri>»i, das religiöse Lberhaupt dieser Genieind« ist ein geiegenilich en Hannoverschen Landrabbinenvabl vielgenannter hochonhodozer Schiiie, Hildesheimer«. Vielleicht nimmt sich der von den orthodoxen «liiit.» neuerding« wieder so scharf angegriffene Gemeindebund, der die stördernn, de« Rellgionsunle reicht« mit grobem Elser sich angelegen sein »b>. Sache an. Wir sind bereit, ihm den Warnen der Gemeinde zu nennen. (Red

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