Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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62 — Sichen zu wollen. In rühmenswert her Weise hat derselbe ie Hebung des Religionsunterrichts als erste Aufgabe seiner Thätigkeit in'» Auge gefaßt und ist es nar zu wünschen, daß er dabei von den Gemeinden genügend unterstützt wird. Dann haben wir die Hoffnung, daß der Religionsunterricht künftig, wenn auch nicht bald ganz perfekt, doch aber gewissenhafter und intellignlter ertheilt werden' wird. Freilich wird dieses Ziel nur langsam, allmählich erreicht werden können, denn es sind gar zu abnorme verhältniffe mft denen man hier zu rechnen l)at. Rormallchrpläne werden hier wenig ihre Schuldigkeit thun, ja kaum zur Verwendung kommen können. So rin Lehrer in vielen kleinen Gemeinden hat es mit keiner geregelten Schulordnung zu thun, ihm ist die Anzahl der Jahre nicht garantirt, welche der Schüler seine Schule besuche» wird, um hiernach da« Pensum einzutheilen, welche» zu absvlviren ist. Er ist auch nicht in der Loge, seine Schüler in so sehr verschiedene Abthrilungen zu dringen, weil die Zahl derselben eine zu geringe ist. Und endlich ist er nicht einmal de« regelmäßigen Besuche» dieser wenigen Schüler versichert, denn der geringfügigste Umstand führt ein Ausbleiben au» der Religionsstundc herbei; abgesehen von den Turn- und Klavierstunden, welche gewöhnlich auf Kosten de« Religionsunterrichts rx'stiren. — Ein solcher Lehrer unterrichtet eben wenn er Schüler zu unterrichten hat, bemißt darnach auch die Zeit und wühlt dafür auch die Gegenstände. Der verständige Lehrer wird dabei schon das Richtige treffen, diejenigen aber, denen überhaupt da« richtige Drrständniß und da» pädagogische Geschick fehlt, werden von einem solchen Lehrplan erst recht in'» Gedränge gebracht, und wissen nicht« mit ihm anzufangen. In den großen Gemeinden mit großen Schulen mag die Sache ja ander« liegen. Die Schulordnung ist dort eine fest gegliederte, die Unterrichtszeit eine fest normirte, und auch die Lehrkräfte sind von ganz anderer Beschaffenheit. In den kleinern Gemeinden wird e« lange dauern, bevor der PcligionSuntericht den Forderungen genügen wird, welche man an ihn zu stellen berechtigt ist. Räl>er darauf einzugehen, würde ich mir gestatten, wenn c» von der geehrten Redaction diese« Blattes gewünscht wird. Moritz Scherbel, Prediger in Gumbinnen. S1»t1g«r1. (Or.-Eorr.) Al« Prcdigttrxt für sein Allerhöchste« Grburtüftst hat Seine Majestät König Karl gewählt Ps. 30,17 »Der Herr unser Gott, sei un« fteundlich und fördere da« Werk unterer Hände, ja da» Werk unserer Hände wolle er fördern." Die Königl. israel. Oberkirchenbehörde hat den Text an alle Rabbinate de» Lande« herausgegeben. — Im »Schwäbischen Merkur" veröffentlicht Oberlehrer L i e b m a n n, Vorstand de« israel. Lehrer-UnterstützungSverein«, den Dank an Seine Majestät den König Karl, der in gewohnter Munifizenz bei Ueberrrichung de« heurigen Rechenschaftsberichts dem Be, ein 80 Mk. zuwendete. — Da« Pamphlet »Ueber die Lage der Juden nach den in Württemberg in Geltung bestehenden Gesetzen. Separatabdruck au» Jeschurun", ist weiter nicht« al« eine plumpe Rcclame für da« orthodoxe Blättchen, al« solche« ist es erkannt und keiner Besprechung in wüntembergischen Blättern gewürdigt worden. Unsere jüdischen Eultverhälrnisse sind so geordnet, daß sie in Deutsch, land al« rurrorun dastehen; was vom Gemeindebund angestrrbt wird. Einführnng eine« Rormallehrplanr» für den jüdischen Religion«, und hebräischen Unterricht, besitzen wir schon längst durch die K. Oberschul- und israel. Oberkirchendehörde gesetzlich eingeführt und da« Lehrziel ist ein höheres, al» in den sich gesetztreu nennenden Secessionsgemeinden. — In Württemberg kann ein nicht gesetzlich befähigter Rabbiner auch keine Amtshandlung vornehmen und dadurch wird viel ITTI vermieden. Die Königl. Regierung hat vor 18 Jahren schon eine Delrgirten»Versammlung berufen, um die Eonsi- *) Wir sprechen im Interesse der Lösung der wichUgen Religion», unterrichtlsrag« dem geehrten Herrn Lorrrspondenten gern den Wuusch au«, sein« Berichte von Zeit zu Zeit in diesen Bltlttern sortzusetzen. (Red.) storialverfaffung der israel. Oberkirchenbehörde in eine synodalumzuwandeln; aber an dem Gebühren einiger zelotischr» De-I legirten ist da« Projekt gescheitert. Der damalige, selig,! Minister v. Galt her, eine anerkannte Tapacität im Kirchen-! rechte, hat darum den Entwurf zurückgezogen; durch bitl Pasquinaden zelotischer Eiferer wird unsere K. Regierung! sich nicht beeinfluffen laffen. 1 JO eflerreicb. R. Zkie», 18. Februar. (Or.-dorr.) Wir hatten Ö 'dt| Woche recht viel antisemitischen Staub, und zwar wurd solcher im Parlament aufgewirbelt. Bekanntlich wurde Herr vr. B l o ch. durch seine Stren-j schriften gegen Profrffor Rohling rühmlichst bekannt, vos letzterem wegen Ehrenbeleidigung gerichtlich belangt.*! Tg aber Dr. B'.. al» RrichSrathSabgrordnetrr unter dem Schuh der Immunität steht, so hat da« hies. Landgericht beim Ab geordnetenhau» die Aufhebung derselben beantragt. W»! üblich, wurde die Sache einem Ausschuffe zugewiesen, uitJ dieser beschloß mit » gegen 4 Stimmen dir Auslieserungl Der Ausschußantrag gelangte am 12. Februar vor da»! Plenum, vr. Bl. nahm da» Wort »nd wie» mit Recht nnä daß die Fassung de» Ausschußbericht« keine unparteiische tnj Gegen seine Auslieferung selbst hatte er nicht» ein zuwenden."' diese wurde auch mir großer Majorität beschlossen. Leid läßt sich nicht sage», daß hier vr. Bl. in feinem erste» paif lamentarischen Debüt sehr glücklich war. Seine Worte fiele wie Funken in den Zündstoff des antisemitischen Lagers Es erfolgte eine Explosion. Da» Schlachtroß der Antisemit!, wurde scheu, und sich stracks auf die Hinterbeine ftrilritti schnaubte e« Herrn vr. Bl. eine plumpe aber doch belridigeiib Antwort zu. Dieselbe gipfelte in der Ausführung, .daß. fs lange die Juden die Leiche der Ester Solhmoffy nicht brrbcij schaffen, werden sie sich von dem ihnen imputinen Ritualmvri nicht reinwaschrn können. Schallende« Gelächter begleite, diese Red« Schönerer«. Selbstverständlich provocirte diei Herrn vr. Bl. zu einer geharnischten Replik, in welcher aber nicht glücklicher war. Die Antwort an Herr» Schöner lag doch aus der Hand. Er hättr kurz und bündig antwvrm können und sollen, daß die Leiche der Solymossy doch t| TiSza-Dada aufgefunden und von Bielen al« solche ans anerkannt wurde. Sogar der Apeühos in Budapest hat fis in seiner Motivirung dieser Ansicht entschieden angeschlosse. Allein D*e3n rm Herr vr Bi. griff nicht nd dem naheliegenden Guten, sondern schweifte in die Ferne etwa«, seiner Meinung nach, Besserem. in der That ab Schlechterem. Ich will die Verdienste de« Herrn vr. durchaus nicht schmälern. Seine Federgrtvandtheit vrrdie volle Anerkennung. Allein schon der erfahrene Talnm bemerft richtig ‘B’P K1? KTBD K »der Schrifteller führt nid immer mit demselben Geschick da« .schneidige Schwer de» parlamentarischen Redner«. Rußland. H. K. Marsch««. (Forts.) Wir unsererseits können in bin Klage nicht einstimmen. Vielmehr haben un» die obigen Dat, mit Stolz und Genugthuung erfüllt. Weit berechfigter erschei^ un« hier derJudelruf deSPropheten: .Du wirst sprechen inDeina Herzen: Wer hat mir diese Alle geboren .... da ich bannt und ausgestoben war. wer hat mir diese erzogen?" Wir denken an die Zeit zurück, die noch keine drei Dezennn hinter uns liegt. Auf un« Kindern lastete damals der schrei liche Alp — das Eheder, und die Erinnerung daran li^ uns noch heute bleischwer in den Gliedern. Roch schlim« *) Herr Dr. BI veröffentlichte nömlich in der .Morgenpost" n« die Tisza-ikblarrr Affaire behandelnden Artikel, worin dem am««e>d<i starten Professor da« Anerbieten zur Ablegung eine« falschen liitf vorgeworfen wurde. —) Wir geben au« der langen, öfter« adschwrifenden Rede di« «in. meffrnrn Schlußworte: .Wohlan denn, m. H. thun Sie nach dem Willen de« Klögn schaffen Sie freie Bahn der Anklage und Eie werden eine Schmach Oesterreich« Universitäten wegwischen".