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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Imöglich sah e» mit jenen Kindern au«, dir auf die Tal- »-Dorah-Schule angewiesen waren. War man mit dem vollendeten Knabenalter über die nentarschule de« Lheder« hinau«. so öffneten sich dann Jüngling die Pforten de« „Bet-Hamidrasch" al» akadehe Hochschule. Eine Schilderung de« Schmutze« und der üheit zu geben, die an diesen Stätten cultivirt wurden, liegt nicht in unserer Absicht. Wir können ohne Uebertreibung n, das» nicht zehn Prozent der Knaben und Jünglinge dieser Erziehung ausgenommen waren. Dir Zahl derer, damals eine Schulbildung genoffen, beschränkte sich aus Minimum, und ei» jüdischer Gymnasiast erschien unsrren int wie ein Wesen höherer Art. Wollte man damals ein riststück in deutscher- oder gar polnischer Sprache abfassen n. so konnte man nach einem solchen Gelehrten weit en. Unsere heutigen lsletrranen. die in einer modernen mche literarisch tyätig sind, waren in ihrer Jugend ent» er Autodidakten, oder sie verdanke» ihre Bildung der mligen Rabbinrrsckulc. einer Anstalt, die rin heiliges Gewand angrlegt hatte, um unter demselben profane» Wissen pflege» und ihren Jüngern einflößrn z» dürfen. Da« hak sich nun. wie gesagt, in der sehr kurzen Zeit von 26 bi» 30 Jahren, wo die Generation noch nicht einmal Zen zu weryseln hatte, völlig geändert. Das Ehcdcr umfaßt hruic keine 40 Prozent der lerncnden Jugend mehr. An dessen Stelle treten in erster Reil»' die Ocstrona's, Kinderbeivahranstaltrn, die ein Muster in ihrer Art sind. Dieselben solle» nur Spielschulc» für ganz junge Kinder unbemittelter Eltern sein, aber die Kindcr werden hier im Polnische», Russischen und Hebräischen, im Rechnen und anderen Fächern ganz eifrig unterrichtet und und empfangen hier eine Grundtage für» Lebe». In den meiste» dieser Anstalten, die von WohlthärigkeitsgrsrUschaften unierhalten sind. werden die X in der itodi gespeist und zum Thest mit Bekleidung versorgt. Iicjt Anstalten werden nicht nur von Kindcr» srcigesinnter, sondern auch von solche» chassidlschcr Eltern zahlreich besucht. Selbst unsere Talmud-Thora Schulen haben tseutc ein moderne« Gewand angelegt und einen großen Theil ihrer Zeit müssen sie an Elementarschulfächer abgcbe». In aufwärts steigender Linie folge» dann dic Privatschulc», cmc vorzügliche Gemeinde-Elementarschule, da»» die Gymnasien, die Universität und andere höhere Bildu»gsa»staltei', zu denen die jüdische Jugend mit einer Hast hcrandrängt, wie eins» unsere Pater in der Wüste nach langem Durst zu dein wasserspcndendcn Felsen heranstürztcn. So reich aber auch dieser Strom des Wisiens und der Bildung von allen Seiten quillt, so erscheint er l>eutc fast zu klein, um den Durst so vieler Lechzenden zu löschen, und jchon stürzen überdies die milden Amalckitcr, die Väter der Humane heran, entschlossen, uns von diesen einzigen Labclrunk, der uns in der Wüste de» Lebens kaum erschlossen wurde, wieder hinwegzudrängen. Wie der „Kiewlanin“ meldet, soll bereit« im Schmiße der Regierung die Frage erörtert werden, ob nicht die Zahl der silbische» Schüler an den Gymnasien auf einen gewissen Proceinsatz zu beschränken sei. _ t-chiuk folfll.) Vermischte und neue Ke Nachrichten. Leipzig. Da« hiesige „Tagebl." erhält von dem Vorstande der Gemeinde folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung:. In Rücksicht auf eine Anzahl in der Leipziger Kreishauptmaunschaft vorhandener Mischehen hat die Vertretung der hiesigen-israelitische» Religionsgemeindc in ihrer jüngsten Sitzung sich mit der Frage beschäftigt: ob e« zulässig sei. nichtjüdische Leichen auf jüdischem Fried» Hofe zu bestatten, fall« ein dahingehender motivirter Wunsch an den Gemeindeoorstand gelangt*. <£» wurde die Frage, im Gegensatz zum Berliner Vorstandsbeschluß, bejahend beantwortet und zwar auf Grund rabbinischer Gutachten. Am 12. Februar wurde der hiesige Lehrer Herr Baruch Schlesinger nach einer 55jährigen segensreichen Wirksamkeit zu Grabe bestattet. Bei seinem Begräbnisse zeigte e« sich, wir e« der Verewigte verstanden, sich dir Liebe und Verehrung aller zu erwerben, die ihn kannten und in näherer Beziehung zu ihm gestanden. An seinem Grabe sprach Herr Landrabbiner Dr. Guttmann au« Hildesheim und schilderte in beredten, tief empfundenen und tiefen Eindruck bewirkenden Worten da» Lebe» und Wirken de« Entschlafenen. In dem Heimgegangenen hät eine Familie ihren Mittelpunkt, ihren «tab und ihre Stütze, die Synagogcngemeinde Güttingen ihren treue» Führer, ihren gewiffrnhaften, pflichttreuen Lehrer, dir Stadl Göttingen eine» ihrer besten Bürger, der Lrhrerstand ein wackere« und würdige« Mitglied, da« JndenihUin einen treuen und wahren Bekenner verloren. Strahturg t. Ktsah. Dr. Siegfried Gvldschmidt. ordentlicher Professor des Sanskrit an der hiesigen Universität, ist heute einem niehrjährigcn schweren Leiden erlegen. Er gehörte der hiesigen Universität seit ihrer Gründung an und hat sich durch eine meisterhafte Ausgabe de« „Ravanavaha* nebst Urbersetzung als der erste lebende Kenner des Prakrit erwiesen. ArauRfurt «. M. Da« britische Museum hat für 2100 M. von dem Buchhändler Ehain Horwitz 5 hebräische Manuscriptr rnvorbcn und zwar 4 Machsorim (von 1390) und eine Pessachhagada. 'Pest. Eötvüs hat in seiner Antwort auf die Angriffe eine« antisemitischen Abgeordneten angckündigl, daß er ei» Buch nächsten« herausgeben werde, welches gar viele Enthüllungen über liSza-Eßlar enthalten solle. Unter den Todesfällen, welche Rückblicke auf das Judenthum und seine Geschichte Hervorrufen, ist auch der de« älteren Abb« RatiSbonne zu verzeichnen, der 81 Jahre alt geworden ist. Sohn des Präsidenten de« Straßburger Eonsistorium, war er mit seinem Bruder zum KatholiciSmu« übergetreten, wurde Geistlicher, hatte Erscheinungen der Jungfrau Maria, wurde General de« Verein« „Notre Dame de Sion* (Judenmission) und — apostolischer Notar. London. Die hiesige Äcineinde hat an Schulen das Jew. College and die Free Schol, welche von 2800 Kindern besucht ist und im Parlamente al« eine der vorzüglichsten Schulen im Lande anrrkannt worden ist — außerdem giebt cs eine Anzahl Elementarschulen. Die Handwcrker haben ein Vereinshaus mit Bibliothek und schönen Sälen. Ein großes Hospital, ein ZufluchtshanS für 230 Kindcr. eine große Taubstummenanstalt. die als »instergiltig angcsehcn wird, das sind die hauptsächlichsten Institute, über welche der Board of delegats, die Anglo Jow. Association und rin WohlthätigkeitSvcrei» ihre schützenden und leitenden Hände halle». London. Sir Mose« Mvntcfiorc hat sämmtliche für sein Eeutenarium ihm offerirlc» Stiftungen refüsirt. Hremsbay. Das Parlamentsmitglied HenedS hat der jüngst gebildeten jüdischen Gemeinde eine Baustelle für eine Synagoge und die Stadt einen Platz für den Friedhof geschentt. Marschau. Im Berichte de« allgemeinen Wohlthätigkeits- Somit«'« sind von Juden errichtete Stiftungen im Betrage von 11,750 Rubel aufgrführt. Dazu kommt eine Schulstiftung mit 85000 und eine Darlehenskasse für Jude» mit 29,682 Rubel. In der Umgegend sind 8 RabbinatSsitze vakant, die nicht schnell besetzt werden dürften, da nack einer neulich erlassenen Vcrodnung nur solche, welche Russisch kennen, bestätigt werden. — Da« Antisemitcnblatt „Echo* ist zur Ruhe eingeaangen. Au« der Kapstadt berichtet ein jüd. russischer Emigrant, daß dort einige Hundert russischer Juden sich fast durchweg anständig ernähren; der Schreiber schickte (nach 2 jährigem Arbeiten al« Handwerker) 200 Dollar, damit Weib und Kind zu ihm kämen.

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