Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 61 Gauben» Jdbfi. Herr Professor Dr. Derrnbourg und Herr Grand Rabdin ^adoc Lahn schlossen sich diesen Ausführungen durchweg an. indem sie noch besonder» darlegteu, daß die vorhandenen Sittenlehrbücher der Juden, wenn auch vielfach veraltet, doch zum größten Theile ihre» Inhalte» Vorschriften enthielten, welche ein glänzende» Zeugniß für den sittlichen Standpunkt de» Judenthums abgebe». Auch alle übrigen Mitglieder der Eonfcrenz billigte» und ergänzten die AuSsührungen der vorgriianntkn Herren. Beschlossen wurde: ein »cur», großes, grundlegende» Werk über die Ethik de» Judenihum» zu sktmssen. Aus Vorschlag de» Präsidenten wurde vc>chlossen. diese Arbeit rincm besliniinic» belehrte» zu übertragen, welcher sich dann mit den geeignete» Mitarbeitern und Hilfsarbeitern zu umgeben habe. und auf Vorschlag de» Herr» v. Gutmann wurde demnächst beschlossen, Herrn Professor Lazarus zu ersuche», sich der Ausführung dieser Ausgal>e zu unterziehen. Herr Lazarus »ahm das Mandat a» und führte aus, daf> er sich drei Mitarbeiter zugcscllrn werde, und zivar: die Professoren vr. Lteinthal i» Berlin, vr. Freu - de»lhal*)»iBrc«la»u»d.Herr»vr. Jrllinek in Wir»; außerdem aber »och an 50 Hilfsarbeiter ui England, Frankreich, der schiveiz, Oesterreich und Deutschland zu grwinncn hoffe, mit deren Aller Hilfe er glaube, in zwei bi» drei Jahren da» Werk ausführrn zu könne». An Honorar wurde bewilligt für Herrn Professor Lazarus selbst 20,000 Mk. per Jahr, für seine Mit- und Hilfsarbeiter zusammen circa l0,000 Mk. per Jahr und für die Druckkostcn circa 20,000 Mk. Die Anivrfrnden werden sich der Ausgabe unicrziehc», die hierdurch entstehende» Losten zu je einem Viertel au» den vier bctl>ei< ligten jüdischen Hauptgrmcindcn, rrsprctivc (Gemeinden dcrjellien Ration auszudringen. i-chlus, folgt ) Aus de« Hannoversche» (Or.Eorr.) Der Verein zur llntcrstützungder Schüler de» Hannover scheu Lehrerseminars hat oeben seinen vienciz Jahresbericht hcrauSgrgebc». Wir liliiehmcu demselben, das; der Verein zur Zeit 504 beiragcnde Mitglieder zählt, die demsclbcn in dem abgrschlvsseucn Rechnungsjahre eine Einnahme von M. 5321.20 zuführtc». Ter eiserne Fonds hat sich von 4362 M. de» Vorjahres liuj 6662 M. gehoben. 'Die Beiträge sind zum weitaus zrvßlcn Theil aus der Gemeinde Hannover selbst, der Best ms de» Llciugcmcinde» der Landrabbi»at»l>ejiikr der Provinz Hannover und ein vrrhältnißmüßig kleiner Theil von Gönnern iutzerl-alv der Provinz Hannover dem Verein zugeflofsen. lind doch sind die Gcmeindcn der Provinz Hannover fast licht stärker bei der sacht intercssirt, als die übrigen üdischen Gemeinden Deutschland» auch. Denn die Lehrer >er mit Recht gut rcuommirten Anstalt bleibe» meistens nur urze Zeit in den durchiveg schwach dotieren Stellungen der Provinz Hannover und sehe» sich dann im übrige» Deutschand nach besseren Stellungen um. so sind in allen Gaue» Deutschlands Lehrer des Hannover schen Seminars in scgcnScicher Weisethätig, so in Fürth, Frankfurt a. M.. Olden- >u rg,H a m bürg, B rau n schweig, Wolf eil büttcl. Mägde- >urg rc. Grund genug also, um auch aus weitere» Lreise» einer lnstalt Gelder zuslicßen zu lassen, die au» den fast durchweg rmeren Llasicn junge Leute zu tüchtigen Lehrer» heranbildet »>d zur Verfügung der Gemeinden stellt. Die Unterstützung leser nach zwei Seiten hin so segensreich wirkenden Anstalt an» daher weiteren Lreisen nicht warm genug cmpsohlen «erden und so hoffen wir. daß sich nicht nur immer mehr Gemeinden finden, die derselbe» permanente Beiträge zu- »endrn, sondern wir hoffen auch, daß z. B. Herr vr. «alvendi i Dürkheim, der mit M. 45 unter den Spenden figurirt, owie der deutsch-israelitische Gemeindebund, der gleichfalls u den Gönnern und Gebern de» Verein» zählt, sich auch rrner desselben warm annehmrn und ihm neue Gelder zu» ähren werden.. In dem Vorstand desselben ist insoweit eine vernderuug eingrtrrten, als für den ausgetretenen Herrn Selig- >ann der frühere Affociä de» Herrn Redacteur» Hirsch, *) Ha« adgelthni. (Red.) Herr LouiS Federlei n. ringetreten ist. Ob e» wohlgethan ist, die Fraktion jene» bekanntlich enragirt orthodoxen Herrn im Vorstande noch um eine Stimme zu vermehren, mag für heute dahingestellt bleiben. Daß die Orthodoxie in solchen Dingen rührig und werkthätig ist. kann ja nicht geleugnet werden, indeß timeo Danaos et dona ferentes, deshalb wird es gut sein, auf die. innere Leitung de« Internat» rc. ein wachiamk- Auge zu haben. Habe» wir es doch noch jüngsthin erlebt, daß Herr Hirsch, nachdem er erst alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Hannover mit einem orthodoxen Rabbiner strengster Observanz zu beglücke», nach dem Miß» liiigcn und in demselben Athemzuge, in dem unter Assistenz de» Berliner Führers der deutsch-russische» Orthodoxie geplant war. die „Eandidatur Gronemannzu Falle zu bringe», zu eben diesem Herrn fuhr, um — aus diese Weise die Hand im spiel zu behalte», so daß man »ach der Wahl G.'S in einem dieser orthodoxen Blätter allen Ernstes die gesperrt gedruckte Mitthcilung fand, wir (Orthodoxen) haben in Hannover gesiegt. Kluge Leute! Lommt der sieg nicht zu ihnen, so dräugen sie sich dem Sieger aus! Daher „Vorsicht und die Auge» offen-. Ln» Hüpreuhe« (Or.-Eorr) (Schluß.) Komme» wir nun auf den Erlaß de» RönigSberger ProvinzialschulkollegiumS zurück, so weiß dieser nur von dem Religionsunterricht der jüdischen Schüler auf den höher» Lehranstalten zu sprechen. Wir siud indeß überzeugt, daß in sämmtlichrn Städten der Provinz, in welclirn sich höh-re Schule» befinden, für den Religionsunterricht der jüdischen Schüler daselbst gewissenhaft gesorgt ist. und wenn solcher nicht wahrgenommen wird, die Schuld davon lediglich auf die Elter» derselben zurücksällt. Wie aber sah cs bis jetzt aus mit den jüdischen Schülern der anderen Schulen hinsichtlich de» Religionsunterrichts!' Wir stand cs in dieser Beziehung mit den Hunderten von Kindern der kleinen Gemeinden? — Dort walteten in Betreff diese» Gegcnstandes bis jetzt Verhältnisse vor, von denen sich der Außenstehende kaum einen Begriff zu machen im Stande ist. Dort ist der Lehrer ein Uniocrsalinstrumcnt für alle dem jüdische» Kult»» sich ergebenden Funktionen. Dort kommt c» auch vor. daß einzelne Äcmcindcmitglicder aus Mangel an Vertrauen zu dem angestelltcn Lehrer, sich einen solchen aus dem benachbarten Rußland hcrübcrhvlcn. ein sogenanntes „Rebbcchen-, seiner Befähigung nach wirklich eine pädagogische Mißgeburt, und ausgerüstet mit einer Sprache, die mit allem in der Welt nur nicht mit unserem deutschen Laut Aehnlichkeil har. Dort sah man und sicht man vielleicht noch, den Religionsunterricht in den Händen von Zwittergestaltcn — halb Lehrer, halb Handelsmann — gewiß eine merkwürdige Erscheinung auf dem Gebiete der Pädagogik, aber kaum vielversprechend für das Wissen der Schüler, wenn sie einst diese Obhut verlassen werden. „Das Gehalt ist zu kärglich um damit auskomincu zu können, deshalb muß man sich zu helfen wisse»- — so wird die sonderbare Erscheinung erklärt und gerechtfertigt. Wir wollen dieses Argument nicht anfcchtcn, aber wir könne» ebensowenig die Art und Weise rechtfertigen, womit man die Rothwendigkeit dcS Religionsunterrichts abthul. WaS unter solchen Umständen gelehrt werden konnte. ist begreiflich, wenn auch unter diesen Lehrern ganz bevorzugte Geister gewesen zu sein scheinen. Ein solcher war c» sicher auch, der e» fertig brachte, einige Schüler, die während der Ferien in seinen Bereich gerathcn waren, mit Blitzesschnelle zur Einsegnung vorzubrreitc», obgleich diese Schüler bi» dahin weder hebräisch lese» gelernt, noch von dem andern nöthigen Wissen etwa» erlangt hatten. Er bereitete sie vor und confirmirtc sie — alles in der kurzen Ferienzeit. Der gute Mann erzählte mir später, daß bei der von ihm gehaltenen Confirmation kein Auge thränenleer geblieben sei —. Ich mußte ihm zugestehrn, daß in der That über eine solche Art von Einsegnung zu weinen sei. Seit indeß der „ostpreußische Gemeindebundsich constituirt hat, scheint sich eine Wandlung zum Bessern voll-