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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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einer Anzahl von EultuSbeamten gegründet. Der provisorische Borstand mußte Jahre lang mit den König!. Behörden verhandeln, bi» endlich die Statuten die Bestätigung der Regierung erhielten. E» ist diese» der erste Verein, »velcher sich der nothleidenden oder st el len losen jüd. EultuSbeamten annimmt und auch den Hinterbliebenen Wittwen und Walsen vorläufig eine einmalige größere Unterstützung nach dem Ableben de» Ernährer» gewährt. Der Verein beginnt seine Wirksamkeit mit einem eisernen Fond» von 8,300 Mark. Mit der Vermehrung de» Grundkapital» und der Mitglieder, iverden auch die Unterstützungsquoten— die z. Z. für einen unverschuldet stellenlos gewordenen B e a in t e n monatlich bi» zu 30 Mk., für den Todesfall bi» rirca 30V Mk. (bei vierjähriger Mitgliedschaft) betragen — vermehrt iverden. Al» Eintrittsgeld sind 5 Mk. normirt. Alle Eultn»- beamten, Eantoren re., die z. B. bei der .Achawai' wegen vorgerücktem Alter» «.hier bi» »5 Jahre) oder weil sie kein Elementarlehrrrexamen gemacht haben, nicht Aufnahme finden könne», finden durch diese Hilfskasse Gelegenheit, für die Zeit einer unfreiwilligen Jnaetwität und »ach ihrem Ableben für ihre Familie wenigsten» momentan die Roth zu lindern. Wir können diesen Beamten in ihrem eigenen Interesse nur dringend rathen, dem Vereine beizutreten und sich dieserhalb mit den nöthigen Papieren, wie sie >» der Annonce angegeben. an dem Vorsitzenden, Herrn L. LewandowSki, Königl. Musikdirektor in Berlin. Marienstr. 17 oder an den Schriftführer. Herrn Prediger Wolfs, Berlin. Borsigstr. 24. zu wenden. Unsere wohlthätigen Glaubensgenossen, denen da» Wohl ihrer Lehrer und Beamten am Herzen liegt, finden hier Gelegenheit. wahrhafte Zedoko zu üben und diesen Verein durch einmalige oder jährliche Beiträge zu heben und zu unterstützen. Beiträge sind zu richten an die Firma: Herren Mann Jiaak, Berlin, Ehausseestr. 113. A«»». (Or.-Eorr.) Die hiesigen Stadtverordneten haben — wenn auch mit gcringerMehrhcit—in derSitzung vom 4.Jan.er. dem hiesige» Rabbiner Dr. Cohn Befreiung von dcrEommunalsteuer zugebilligt. Wie die .Deutsche Reichszeitung" hör», hat jedoch oic königliche Regierung zu Köln diesen Beschluß, als den Gcseycn widersprechend, »affin! — Worin ist die Gesetzwidrigkeit zu suchen, etwa darin, daß man den jüdischen Religionsbeamten nicht den im bctr. Paragraphen der Sladtvrrordnung stehenden Titel .Geistliche" zugestchcn will'? Dürfen die Stadtverordnete» nicht über die gesetzlichen Exemtionen hinausgchen? Wie sicht es nun in den — nicht wenigen — Städten, die seit langen Jahren den Rabbinern diese» Privilegium zugebilligt haben? Heißt e« hier nur, wo kein Kläger ist, ist kein Richter? Die Herren Juristen und Staatsrechtlrr. welch« Freunde diese« Blatte» sind, werden ergebenst ersucht, sich über die einschlägigen Punkte gefälligst äußern zu wollen! (Ohne Jurist zu sein, wissen wir au» derPraxi», daß e» einzig und allein in den Händen der Sladtbchörden liegt, die jüdischen Rabbiner. Cantoren und Lehrer von den Communalsteuern zu befreien. Aber zu den Stadtbehörden gehören Magistrat und Stadverordnctc. Der einseitige Beschluß der Stadtverordneten genügt nicht, wenn der Magistrat ihm nicht beitritt. Au» der obigen Mittheilung au» Bonn ist Letztere» nicht ersichtlich. Wenn der Magistrat nicht zustimmen will, dann pflegt er, um da« Odium von sich abzuwälzen, sich auf Entscheidung der Regierung zu berufen. Möglich ist'» ja auch, daß vielleicht die große Minorität der Stadtverordneten selbst im Stillen die Richtrealisirung de» Beschlüsse» betrieb. Au« eigenem Antrieb pflegt die Regierung sich nicht in städtische Angelegenheitenzu mischen. Rur bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Magistrat und Stadtverordneten, die selbst in einer gemischten Eommission nicht beigelegt werden können, entscheidet die Regierung (nach 8 35 der Städteordnung). Wir brmerken noch, daß jede Stadt darin autonom ist. so waren wir z. B. während unserer fünfjährige» Amtirung in Thorn (1882—1867) steuerfrei (durch Br schluß der beiden städtischen Behörden, der übrigen» alljährlich bei der Steucreinschätzung aufgehoben werde» kann, gewöhnlich aber stillschweigend prolongin wird). während hier in Migdeburg der Magistrat die beir. Reclamationen unter Hinweis auf eine ältere Entscheidung der Regierung, daß unter .Geistlichen" nur die ReligionSdiencr der christliche» Eonfessionen verstanden seien, zurückwies. In Eonsequcnz dieser Auffaflung konnte» wir auch vor 8 Jahre» zum Stadtverordnete» geivählt und wicdergeivählt werde». Den Protest, der sich darauf stützte, daß .Gcistliche" diese» städtische Amt nicht bekleiden dürfen, wir» die Königliche Regierung folgerichtig zurück. Red.) K<tke«z»*) 9. Febr. Au» dem .Wiener Vaterland" und der .Augsburger Postzeitung" erfahre» ivir, daß :m August vorigen Iahte» hier zu Eoblenz .im Riese»" eine internationale Eonferenz der Israeliten staitgefunde» trat, welche die kulturelle Heb»ng der ostprcußische» Judcnschaft al» nächste» Thätigkeitszicl ausgestellt hat. Da» .Wien. Vaterl" veröffentlicht die Protocollc dieser Confcrrnz. Da» erste datirt .Eoblenz. 14. August 1883" und nahmen an der um lv Uhr Morgen» im Hotel .zum Riesen" stattfindcnden Sitzung Iheil die Herren: F. D. Moca tta und Philipp Magnu» au» London. Or Derenbourg, Grand Rabbin Zadoc Kahn und Js. Löb au» Pari», Ritter Wilhelm v. Gutmann au» Wie», Professor vr. Lazarus und Ludwig Löwe au» Berlin. Auf Veranlassung de» Wiener Komitee'» für allgemeine jüdische Angelegenheiten waren die vorgenannten. Herren al» Repräsentanten der jüdischen Glaubensgenossen ihre» Wohnsitze» zu einer Eonferenz zusammcngctrrte». Herr Professor Or. Lazaru» übernahm aus allgemeinen Wunsch da» Präsidium: Herr Ludwig Löwe die Schriftführuni. Herr v. Gutman» Rainen» de» cinberufenen Komitee'» und Herr Profeffor Lazaru» proponinen al» Aufgabe der Eonferenz eine Bcrathung über die Mittel zur Abhilfe der Rothstände, unter welchen die gesammte Judenheit gegenwärtig leidet. Herr Lazaru» sühne au», daß, abgeschcn von den unberechtigten Feindscligkeitc» der Antisemiten. unter manniqfachc» Ursachen, für welche die Juden selbst die Verantwortlichkeit treffe, namentlich die eine hcrvorzuhcbcn sei, daß sic in den letzte» Jahrhunderten vergessen hätten, ihre eihische Fortentwickelung al» Grsammtheit auch äußerlich zu bekunden, insbesondere durch Schaffung eine» umsaffenden und erschöpfende» Werke» über die Sittcnlehre der Juden. Die vorhandenen ehrwürdigen Schriften au» alten Jahrhunderten seien theil» Anachronismen geivorden, enthielten Satzungen, die wohl dem Bildungsstandc ihrer, aber nicht auch unserer Zeit entsprechen, und seien andererseits vielfach so bunt zusammengesetzt, daß sie kein eiiiheiiliche» Grundbuch der jüdischen Morallrhrc abgcben könnten. Vieser Mangel habe den Gegnern die Möglichkeit gegeben, die Juden wegen de» Inhalte» ihrer moralischen Satzungen fälschlich anzugreife n, und die Berthcidiger ljaben sich mühsam ihr Material zusammensuchen müssen, ohne sich ans ei» autoritative» Werk beziehen zu könne». E» sei also ein hauptsächliche» Bedürfniß. ein Grundwert über die Ethik de» Judenthum» zu schreiben, welche« mit der Klarheit de» Philosophen die Wärme de« Propheten zu vereinigen habe, streng wissenschaftlich und doch gemeinverständlich zu halten sei. keinesfalls polemisch bei der historischen Darstellung, wohl aber parallel zeitvergleichend sein müsse und außerdem mit einem Anhänge zu ver>ehen sei, welcher Anmerkungen über die Quellen zu enthalten habe. Von einer solchen Arbeit verspreche er sich nicht nur eine beffere Aufklärung der Nichtjuden, sondern vor Allem einen starken versittlichenden Einfluß auf die Bekenner de» jüdischen *) «u« der ,<lobl. BolkSzeitung". — Sir geben diese seltsame Klitterung, in welcher Sabre« und Falsche« bunt durcheinander gewlrbe U sind, zum Lrgdtzen unserer Leser. Zugleich aber auch, um den jüd. Herren, welch» Rabbiner, und jüd. Zeitungen al» nicht »arhandrn ansehen, zu zeigen, welch' Früchte ihre Geheim thuerei ha«.

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