Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 7.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 68 — }tr, 1842 in Rew-Uork erricht«». «4 sich zur Aufgabe gestellt Int, .Israeliten zu vereinigen in dem werte der höchsten dntereffe» der Menschheit, den geistigen und moralischen Lharafter unsere« «ramme« zu entwickeln und zu heben, die keimten Prinzipien der Menschenliebe, der Ehre und de« LarriotiSmu« ihnen einznprägea, Wissenschaft und Kunst zu kntrrstützen. die Roth der Armen und Dürftigen zu lindern, wie Kranken »u besuchen und zu pflege«, Wittwen und Utaiftn zu beschützen und denselben nach den umfassendsten «Grundsätzen der Menschenliebe beizustehen-, wie 1882 in viertln und Halle. 1883 in Kattnwitz, hatte sich auch wirr. ve» idealem Geiste beseelt, eine kleine Schaar vereinigt, um die zur Errichtung einer Loge norhwendigen Bord«, rntungen zu treffen. Am 27. Januar er. fand die feierliche Installation durch 4 Delegaten der Großlogc, dir Herren Fenchel. Bcrgrl, Hagen und Dr. Staub, sämmttich au» Berlin, vor einer dichtgedrängte», gewählten Zuhörer, schaar statt, unter welcher sich auch unser verehrter Rabbiner, Dr Rosenthal, befand. Herr Berget legte in einer '/.ständigen, nach Inhalt und Form gediegenen Rede dir Ziele und Zwecke de« Orden« nn Allgemeinen dar. worauf Herr Dr. Rahmer. al» Vertreter der neuen Loge, lwelchc voni Exerutiv-Eomitü in Rew-Uork den Namen .Mamreh- Logr" erhalten) ihre besondere Ausgabe für Oberschlesien dahin präcisine: .hier gilt e«, ein Bollwerk zu errichten, da» Stand halten soll den von Osten her anstürmenden rohen Elementen, einen Damm gegen die Sturmfluth rein materialistischer Brandung; aber e« gilt auch, einen Leuchtthurm anzuzünden, auf den die Auge« der halt- und steuerlo« Um. hersegelnden gerichtet sein sollen, eine Rettungsstation zu schaffen für die dem inoralischcn Ertrinkungstode au«gesrtzten Schiffbrüchigen und sic hinzugrlriten in den sichern Hafen wahrer, unverfälschter Religiosität, die da gipfelt in der reinen GorreSider und in der Humanttät. d. i. der reinen Nächstenliebe." Stach einigen Ansprachen seiten» der übrigen Drlrgirtrn endete der officielle Festakt und ihm folgte rin Fesieffen. an ivelchem über HO Herren theiliiahinen und welche« zu einer große» Reihe theil» ernster, theil» heiterer Ivastt Anlaß gab. (wir wünschen der Loge Wachsthum und gedeihliche«, segensreiche« Wirten; wir werden übrigen« nächsten« Gelegenheit nehmen, unsere von gewisser Seite talsch beurtheilte Stellung zu der ganzen jüdischen Logen» frage, der wir durchaus nicht anlipathisch »och indifferent gegen«berstehen, darzulegen. Red.) Meftrtnge», den 24. Iauuar. lOr.Eorr.) „wir lieben«, würdig dir Christen, wenn sie alle Ihre Eigenschaften besäßen", heißt« i» Lcssing« .Juden". E« ist bekannt, wie S. Hoheit der Herzog von S.-Meiningen gelegentlich der Königen Sh»agoge»ki»weibu»g in der Shnagoge sowohl wir im schlosse bei dem daraus folgenden Diner den Landrabbiner De. Dessaner und durch ihn die Gemeinde »»«gezeichnet hat. Diese ,licben»würdige" Gesinnung zeigt der humane Fürs« bei jeder sich darbietenden ('örlegenheit und überträgt sie auch auf seine Regierung und die Verwaltung de« Lande«. Alljährlich wird der Herzogliche Landrabbiner zu« Hofball und Souper eingeladen und bei dem jüngsten llafinoball, zu welchem auch der Herzog und der Hof erschienen, unterhielt sich S. Hoheit mit dem Landrabbiner, der al« Mitglied de« Casino'« mit seiner Gattin am Balle theilnahm. längere Zeit über die — Akustik der Shnagoge. .wer die Geschichte de» Iudentbum« kennt", sagte Hochderselbe ein andermal, der muß dir Fehler dieser Skation auf die Gründe zurückführe» und den AntffemitiSmu« verurthellrn". E« ist natürlich, daß diese Gunst von -oben auch auf die Gemeinde wohtthuend eörwirft und da« Band der Liede Mischen Seelsorger »nd Gemeinde auf« innigste verknüpft. Zwei schöne Zeichen der srlteneu antanta oordiale zwischen Gemeinde und Rabbiner sei« hiermit al« nach» ahmenstverihe Beispiele empfohlen. — Unmittelbar nach der Einweihung de« neuen Gotteshause« erschien bet Herrn Dr. Deffauer eine Depntatto« der- Gemeinde au« sieben Herren bestehend und übergab ihm unter herzlicher Ansprache eine kostbare Schatulle mit Inhalt im wrrche von S0Ü Dt. liebst einer von Verehrung, Liebe undAnhängllchkeit zeugenden Dankadresse. Al« dieser Tag« der Abgeordnete einer größeren nach einem Rabbiner ausschauenden Gemeinde hier war. um De. Deffauer predigen zu hören, und sich da« Gerücht verbreitete, Herr Dr. Deffauer würde jene Stelle annehmen, trug der hiesige Borstand demselben sofort eine Gehaltserhöhung von 800 Mark an. zu denen auch dir Regierung ihr Scherflcin bereitwillig beiträgt, in der Hoffnung, er werde bei gleichen Gehalt«- vrrhältnissrn seinen jetzigen Wirkungskreis nicht verlassen. Am verflossenen Sabbathe widmete der Laildrabbiner dem seligen Meininger Abgeordneten Eduard LaSker Worte der Erinnerung. .Er >oar ein höchst selbslloscr Charakter, dessen edle« Herz stet« für Wahrheit, iflcchl und Frieden erglühte. der für diese heiligen Güter strebte, so lange er lebte, aber leider nicht erlebte, wa« er erstrebte. Die Blume, welche di« Gattung ziert, ziert auch den Garten. Eduard LaSker war eine Zierde dcü Iudenchum», eine Zierde der Menschheit". Auch eine» andern großen Juden gedachte der Redner, de« trefflichen Philanthropen Mose« Montesiorc, dem Gott die Gnade erwiesen, in da« 100. Lebensjahr einzutrctm; .ein Her»« der Bruderliebe wird sein Name ewiglich leuchten. Möge der Herr seine Jahre mehren". — JtN« tpftprenhen (Or.-Eorr.) Das Wohlmeinende, das in dem neuerding« vom Künigsdcrger Provinzialschulkollegium erschicnenm. den Religionsunterricht der jüdischen Schüler auf de» höher» Schulen in Ostpreußen betreffenden Erlaß liegt.*) ist sicherlich nicht zu verkennen und verdient auf das Ernsteste gewürdigt zu werden. Zu bedauern ist dabei jedoch, daß nicht auch die andern Provinzen de» Staate« auf diesen hochernsten Gegenstand untersucht wurden. und nur an eine Einzelne derselbe» dir Sonde der palistische» Prüfung gelegt worden ist. E« ist kaum anzunchine», daß Ostpreußen hierin eine Au«»ahmrstellung einnehmen wird, »nd wie viel auch von dem beregien Mißnerhältniß zugestandcn werde» muß. so glauben wir andererseits nicht, daß Ostpreußen hierin vereinzelt dasteht. Darum »üre e« wohl zu wünschen gewesen, daß auch anderweitig die diesbezüglichen Verhältnisse geprüft worden märe», um bei rtiva überall gleichiraurigrm Resultate sich eine» gemeinschafttiche» Weg zur Abhülse aufsuchen zu können. Wa« nun Ostpreußen betrifft, so scheint die Regierung schvu seit längerer Zeit da« religiöse Bedürfniß der jüdischen Schüler aller Schulanstaiir» ins Auge gefaßt zu haben. Wenigste»« hier in Gumbinnen**) wird in jedem Jahre seiten« der Bchörde ein Bericht von der jüdischen Geineindc eingefordert, der folgende Rubriken in sich trägt: a) Welche« ist die Zahl der jüdische» Einwohner? b) Wie viel Kinder schulpflichtigen Alter« sind in der Gemeinde? o) Wie viel Kinder besuchen die chrisllichen Schulen? d) Wie viel die jüdische» Schulen? a) Wer rrcheilt de» Schillern den Religionsunterricht? —. Bor ungefähr einem Jahre wurde ich in einer Zuschrift von dem Rettor de« hiesigen Rral-Ghmnasium« darum angegangen, ihn wffscn zu lassen: Wann der jüdische Schüler tu den Religionsunterricht tritt, ivann er ihn verlaßt, und ob die jüdischen Schüler einen regelmäßigen Religion»unterricht erhalten. In meiner dahingehenden Erwidermig an jenen Herrn, mußte ich. um wahrhaft zu sein, eingestehen: daß überhaupt kein Lebensalter bestimmt anznnrhmcn sei. in welchem der jüdische Schüler in den Religionsunterricht eintritt, oder denselben verläßt, sondern, daß Beide« von dem freien Ermessen der Eltern der Schüler abhänge, und wir kein Mittel besitzen auf dieselben einzuwirkm um genannte Zetten fixiren zu können. Diese« warmeine Anttoort an den Fragesteller, der sicherlich bei Entgegennahme dieser Mitcheilung «in gerechte« Erstaunen rmpfunä« habe» wird, wie sie den» auch mich selbst in gar ernste« Betrachtungen zurückgelassen hat. *)' »dgednuki lu Rr. 2 b. «l. **) Dasselbe Ist wohl tn alten Ormrinbcn der Fall und Hai nur goNMchen Werth. (lWd.)