Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 7.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 62 — Gerechtigkeit und Bitligkeit; er wolle, daß die Entschädigung nickt biss beschränk »erde »uf biejenißm. «eich« eine» ge!«blichen Anspruch darauf haben, sondern auch ans diejenigen, weiche durch zufällige Umstände bi» jetzt davon ausgeschlossen waren. ■- Minister von Gabler erklärt, da» StaatSministennm würde darüber erst beschlieben, wenn ein Beschluß de»Hause« vorliege. — Abgeordneter T töcker ffimmt dem Anträge »von ganzem Herzen zu*, e» sei jetzt dir Zeit gekommen, wo man daran gehen müsse, die Kirche fest zu dotirrn. WindtHorst begrüßt ebensall» die Forderung einer Dotation der Kirche mit Freuden. Der Antrag wurde an die Kommission verwiesen, welche zur Berathung de« Ministerialreseript» betreffend di« Brr. anlagüng zu den Kirchenabgaben eingesetzt ist. Magoetznrß. E« ist mir unerklärlich, wie der Herr Rabbiner vr. Rothschild-Alzev in Nr. 6 der Wochenschrift in so wegwerfender Weise gegen den jüdischen Lehrerstand zu Felde ziehen konnte. Hat doch der Herr vr. R. jahrelang an dem vom Lehrer Klingenstein rrdigirten ,I«r. Lehrer* eifrig mitgearbeitet, unterrichtet doch Herr vr. R. jetzt noch, wenn ich nicht sehr irre, an einer Lehrerbildung«-Anstal»; aber die Leiden de» jüdischen Lehrer» scheinen ihn» wohl an« Ohr. jedoch nicht an» Herz gedrungen zu sein. Doch will ich vr. Rothschild« Philippika") nicht so tragisch auffaffen, er meint e» gewiß nicht so schlimm, al« e» seiner Feder entfahren ist, er hat früher wahrscheinlich vom jüdischen Lehrerstand andrr« geschrieben und gesprochen, ebenso wie seine Stellung zum Schulchan-Arnch früher eine ganz andere gewesen ff». Während Herr vr. R. in einem Artikel de« »I«r Lehrer»* Jahrg. 1871 über di« rituelle Tvdiung und Untersuchung de» Schlachtvieh« — bekanntlich ein Specialgebiet de» Herrn vr. R. — au«» drücklich erklärt, »daß eine rrformatorische Revision der bez. codificirien Bestimmungen selbst von den conservativen Orthodoxen angestrrdt werden müsste,* heißt e» in seinem Artikel der Wo>henschrift Nr. S: »Der Schulchan.Aruch ff» kein Gesetzsondern rin Lehrbuch zum Ztvecke theol. Studien, e» enthält nur Ueberführungen der Vorzeit, welche u. s. w. nicht revidirt d. h. abgeändrrt und modificirt werden kviine».' Moritz Spanier. Lehrer. Si.Ja». >Or.-E.)Am Sabbath Schema»wurde auch in der hiesigen Hauptsynagoge eine Gedächtnißfeier für den leider allzufrüh verstorbenen La«ker gehalten; indem der Prediger, anknüpftnd an die eben verlesene Parascha. dir Jugend» und Leben«gefchichtr unsere» grüßte» Propheten Mose», wie dessen Erbarmen mit seinen armen Brüdern in der Sklaverei, dessen Standhaftigkeit und Bescheidenheit u. dgl. m. al» Potochp de» Leben« und Wirken» Lasker'» dar» stellte. Diese Gedächtnißrrd« war oratorffch wohl gelungen, wenn auch der Vergleich mit Mose» hie und da sich etwa« überschwenglich gestattete. Wir erinnern nur daran, daß L. sich durch de» hiesigen hyperorthodoxen Rabbiner S. R. H i r sch und dessen Adlatu» in Mainz hatte überreden lassen, für da» Au»triltsgeletz einzutreten und dadurch die Lostrennung einzelner Israeliten vom EultuSverbandr und der damit ver» bundeneu Sleuerpfsichtigkest ermöglichte. (Damit soll jedoch der hochedlt Eharacter Und Patrioktsmu« LaSke?» nicht im mindesten angegriffen werden. Er hatte in der R«nheit seiner Seele nicht geahnt, daß so manche »schmutzigeSeeleunter dem Vorwände »confesstonrller Bedenken* nur einige Mark Eulw-steuerersparnrß im Auge habm würde.) Zum Dank dafür crfUtt da« Mainzer orthodoxe Blatt, daß e» über die Drauerftter um La»str in der Berliner Synagoge nur so vom Hüreasagen berichten könne, denn m eine Opgelsynagoge dürft «in o«hod»xer Jude »grundsätzlich* nicht gehen. Der Hirschlch« »Jeschanm* tgnorirt die neben der beiden Rabbiner vollständig. Wenn es nach den religiösen •) Lles» etwa» scharf« Bch«ichnu»» vawlenm dir I M H. vr. R. wahrlich nicht; wer manche Autwüä rügt, hör« dach dadurch nlch« auf «in wahrer^ (»iüefsrr «in« affen« Zurrcheweffungu. s. r». ^l. Auslüheuogen I« am Lehrerstand« desselben zu fein, kitan.) fm> Anschauungen de« orthotzchM,Kfteblatt«: Hirsch»Leh» «»« n-^ik.d^»t»«i»er. ginge, s»hef.der Drauerse« in der Berliner Synagoge ,ur ührffieu. Türken und Herden anwesend sein dürft». Zu« Glück kümmert sich dir jüdische Welt um solch« orthodoxe Schrullen nicht. Kn» Hkeßp reiche» zieht rin« unheiltschwauger« Gewitterwolft heraus. Ja dem Dorfe SkurzbelEz«r«n»k ist am 21. vorigen Monat» der Iljährige Sohn eine» hiesigm Schneider« Namen» Zibulla aus di« schrecklichste W«se ermordet, der Kleidung beraubt und verstümmelt unter einer Brücke ausgefunden worden. Allsoglcich oerdreilete sich da» Gerücht, daß die Juden de« «naben ermordet hätten, um ihm da» Blut adzuzapftn. Eine Untersuchung wurde ««geleitet, welche jedoch nicht den geringsten Anhaltspunkt ergab. Auch der Schächter wurde gerichtlich vernoinmen und mußte seine Schlachtmessrr vorzeigeo. Aber e» zeigte sich, daß die verschiedenen Wunden und Stiche nicht mit derartigen Messern auagcsührt sein können Die Aufregung ist groß, denn der Püdet ist nur zu geneigt, jener abscheulichen Berläumduag Glauben zu schenken. Außerdem wird noch da« Gerücht vrrbrritct. daß rin polnischer Bettler in Peplm zur katholischen Kirche übcrgetreten sei und ausgrsagt habe, daß die Juden Ehnstenblut brauchen. — Der klerikalen .«»ln. volk»ztg* wird über den Fall an» Danzig geschrieben: Heute hat der hiesige Polizeikonimissar Richard den jüdischen Handelsmann und Pftrdejchiächter I o j«p h «> o h » in Skurz dem Gericht in Pr.-Stargardt al« der Thal verdächtig überliefert Die Untersuchung ist in volle« Gange. Sämmtliche liberale Blätter der Prvviiu haben die Mordtat dem Aberglauben der Masuren zugrschnebru.* Die neueste »Da nz. Ztg* schreibt: Urdrr den durch verschiedene Brrdaclst«. Momente belasteten und deshalb verhaftete» Handet»,mr«n Josephsohn kursiren in emzelaru Blättern bereit» allerhand abenteuerliche Mittheiiungeii. für die es aber bl» >etzt noch an thatsächlichem Anhalt fehlt W«c wir ai» zuverlässtg vernehme», spricht gegen den Verhafteten namentlich. daß er, «nm gefüllten schweren Sack tragend, am Abend de» Verbrechen« in der Nähe de» Orte«, wo mau später die verslüm» melke Leiche auffand, gesehen sein soll und daß er bisher nicht im Stande tvar, seinen Ausmthalt an dem betreffenden Abend nachzuwnsen, ferner rinr ktrine Wunde am Damnen der «nm Hand, welche sich al» ivahrscheinltch von einem Viß hrrrührmd kennzeichn«, soll. Ucber die etwaige Ermittelung weiterer Berdachismomcnte ist dl» jetzt etwa« Zuverlässige« nicht bekannt. Ist Iosephsoh wirklich der Mörder, dann könnte nach alle» bisherige» A»z«chc» nur gemeine Rachsucht, vielleicht gepaart mit krassem Aberglauben, da» Motw der unheimlichen Thal sein, da zwischen dem ermord««» Burschen und dem I. «ne lebhafte Konkurrenz bei kleinen Kaufgeschäften bestanden haben soll. Dir künigt. Regierung hat« folgend« Bekanntmachung veröffentlicht: »Am 21. Januar ist der lbjährige Sohn de» Schneider» Zibulla zu «kurz verschwunden. >Am folgenden Lage wurde seine entsetzlich verstümmelte Leiche in der zu Sturz gehörigen Feldmark de« Gute» Rüseyos unter «ntr Brü« aufgesunden. Di« Leiche hat mehrere Wunde» am Köpft, der Hat» ist durchschnitten» der Vauch ausgeschnitten und sämmtsiche inneren Theile herausgenommen. Die Oberschmkrt -beider Beine sind anschnneud mit einem sehr scharfen Jnsttummt abgeschnittm und bei der Leich« nicht vorgefunde». Die Motive de» Morde» sind durchau« unbekannt Der Ermordet« war ein harmloser Knabe und nicht im Besitz« von Geldmitteln; seine Eltern sind ruhige, friedliebende Leut«. Wer dm Mörder in der Weffe zur Anzeige bringt daß seine FestnahmeundBestvafungerfolgmkann,erhätt«neveiohnnngvon 100 M. * Gleichzeitig hatte ein Komite in Skurz200 M. au»gesetzt* Meuttze» H.-H., 0. Februar. (Ot-Eorr.) Im letzten Gommer hatte Herr Rechttanwalt Staub au» Berti», ivohl auf Anregung der dortigen Großloge, vor einer ertrsenm Baffammluna hiesiger Gemeindemttalieder die Zwecke und Ziel« de» »Unabhängigen Orden» B'uai B'rich* borgelegt