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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 46 — .Ja «4 Ist schlt»«, wem, selbst am Sara« dar polltlsch« Lader nicht schweigt, wen« Minner, di« t« Leben aus eine« und demselben hoben Platz gewirkt haben, wenn auch »st al« Gegner, doch für denselben groben Zweck, wen« solche Minner dem, der in ihren tziethen gefallen, die letzte -her nicht reden: wenn st» rin« Gleichgiltigkeit zetaen, di« sie bet Lebzeiten de» Geschiedenen nicht haben konnten, oder ein« Abneigung, deren Ueberwtndung sonst der versöhnen den »rast des lobe« Überall geling«. von diele« allgemeinen Stawtzpunkte au» kinnen wir un» dem Vedaurrn anschliehen das, dri dem Letchenaingnth »ine amtliche Vertretung der Staa»»regierung sehllk. Denn die S«nal«regterung hatte mit de« Dodten in wichtigen Dingen gearbeitet und de« iiinfluh seiner Dhitigkei« »st svrdernd, »st auch, wie sie berechtig« war zu urlheilen, hemmend erfahren. Aber »inen yetnd Hane ste an ihm nicht gehabt, geschweige denn einen d da willigen ffetnd; der Staat hatte »inen Patrioten verloren, und der Dod deckt, nach men'chlicher und chkts«licher Sitte, »rntgsien» einen Augenblick, di« Mängel der Redlichen zu, wenigsten» in dem Augenblick, wo di« Abberusenrn zur letzte» irdischen Stiltre geleite» iverben". Aerkl», 23. Januar. (Ot.-tton.) Mit innerem Wider» streben und nur um unserer Eorrespondentenpflicht genau nachzukommen, sind wir gezwungen, ein früher besprochene« Thema hier wieder zu berühren. Dir Vorgänge auf dem jüd. Begräbnißplatz in Weißenser geben ein unendlich trübe« Bild; e» geschehen und grschahim dort Dinge, wie sie seit dem Mittelalter nicht mehr dagrwesrn. Man spricht ganz offen in fämmtlichen politischen Blättern von Lrichenschmuggrl und Leichcnraub. (£« ist entsetzlich, daß beiin Staatsanwalt die Denunciation eingegangm, e» werde auf dem Friedhofe Leichen Pandel zu anatomischen Zwecken getrieben und häufig Särge ohne Leichen beerdigt; noch gräßlicher und geradezu haarsträubend aber ist r«, daß bei der von dem Staatsanwalt angrordnrten Orffnung eine« Grabe», in dem die Leiche eine« Kindes gelegen, ein — leerer Sarg gefunden wurde. Wie und warum dieses Verbrechen geschehen — lver außer dem Thäter kann die dunkle Thal aufklärrn? Die ganze Gemeinde, besonder« aber die zahlreichen Angehörigen der dort ruhenden Todten. ist in Aufregung und e« ist schr zu wünschen, daß die Leichenräuber — da« ist seit einem Jahre %bet dritte Fa ll. — entdeckt und zur Bestrafung gezogen werden, denn sonst könnte die Gemeind« bald einen neuen Friedhof ankaufrn. bei der jetzt herrschenden Unsicherheit würden sich Biele scheuen, dort ihre verstorbenen An» gehörigen zur ewigen Ruhe bestatten zu laffcn, damit die Ueberreste der geliebten Todten nicht al» Object für Haß, Rache oder andere Leidenschaften in Gefahr kommen, auSgcgraben zu werden. Wir wollen an dieser Stelle den großen Le» leidigungsprorcß, den der Inspektor diese« Kirchhof« gegen mehrere Personen geführt und der in der vorigen Woche verhandelt wurde, nicht näher besprechen, obwohl gerade wir alle Ursache dazu hätten. Wir kämpfen nicht gegen einzelne Personen. sondern gegen Uebelstände in den Verwaltungen; wir wünschen der Verwaltung von Herzen, daß e« ihr mit Hilfe der öffentlichen Organe gelingen möge, Licht in die dunkle That zu bringen, aber wir wünschen mit allen Gemeindeang hörigen, daß man für die Sicherheit der Gräber sorge und bald Ruhe und Frieden dort unter den Lebenden und Todten bringe. Llckttt», 1. Februar. (Or.-Eorr.) Zn dem Nachrufe den Sie in No. v der J«rael. Wochenschrift Eduard Latker widmen, gedenken Sie auch der Rede de« Herrn Earl Schurz in Amerika, die derselbe am 10. Januar er. im Tempel Emanu-El in Skew-Kork gehalten hat. Die „New>Yorker StaatS-Zritung" vom ll. Januar bringt darüber einen ausführlichen Bencht und wir ersehen darau«, daß der berühmte Redner darin auch die bei un« „leider" immer noch herrschenden antisemitischen Strömung berührte. Er sagte darüber: ,.E» klingt wie eine Lästerung der menschlichen Natur, wenn man von drüben berichtet, wie die Fanatiker der neuen Judenverfolgung, diese« schnöden Hohne« auf die gerühmte Aufllärung und Humanität de« neunzchnten Jahrhundert«, auch jetzt noch, nachdem sie ihm die letzten Jahre seine« Leben« verdüstert, den Namen de« Todten zu beschimpfen suchen, weil er Jude war. Haben wir Mitleid mit denen, die chrc eigene Scham und Schande nicht sehen, denn offenbar, sie wissen nicht, wa« sie chun. Aber um so williger und stolz« stehen wir hier, Amerikaner und Deutsche. Bürger eine» freien Lande«, wir. die wir nicht eine« Glauben« sind; und mir un« steht jcher Ehrenmann, der Manne«werth achtet, um, eingedenk seine« edlen Herzen», seine« großen Geiste« und seine« hohen Streben«, dem Todten in dankbarer Verehrung die Bruderhand zu reichen über da» Grab hinau»." Wie mögen wohl die Herren Stöcker und Eonsorten darüber denken? Z»» Kckffck». Die Fälle mehre» sich, in denen sonst ganz friedliebende Gemeinoemitglirder durch die Hyperorthoooxie der Borstandsmajorität sich zum Austritt grnüthi gr sehen. I» der Gemeinde Friedeberg liegt jetzt eia solcher Fall vor. 16 Mitglieder, darunter ein bisherige» Vorstand«. Mitglied, drohen ivege« eine« sehr kostspieligen Neubaues eines Frauenbade« mit ihrem Au«tritt. Hoffentlich läßt sich der Vorstand durch die Eloge» der orthodoxen jüdischen Preflc nicht bestimme», es zum Aeußersten kommen zu lassen, sonder» zeigt sich nachgiebig. (Die .Jüd. Pr." leitet ihren Bericht darüber mit de» Worten rin: .Daß Reformer au« einer Ge. mcinde au»treten wollen, weil es in der Gemeinde zu fromm hergrht, ist immerhin eine mrrktvürdige Thatfache'" — Nun. da« ist die leicht vorauszusehrnde Kehrseite von der Medaille -AuStritt-gesrtz", und man braucht wahrlich nicht gleich ein Reformer zu sein, wenn man mit dem Gebahren so inancher Orthodoxen uicht «»verstanden ist. Man braucht hierbei blo« an Halberstadt zu denken. Red.) Oesterreich» Ungar«. Wie«, 24 Januar. (Or.-Eorr.) Man kann nicht sagen, daß man im hiesigen EultuSministerium den jüdischen Verhältnissen Gleichgiltigkeit rntgegenbringe. oder gar gegen dieselbe ein mala fides hege, aber man ist von der Gedanken Bläffe angekränkelt und kann sich zu keiner That aufraffrn. Wie bekannt, fand hier vor etwa zwei Jahren eine Enqadte statt, welche darüber berieth, iit welcher Weise dir äußern Rechtsverhältnisse der Juden gesetzlich zu regeln wären, wie dir« bereit« seit mehrere» Jahren bei den Katholiken der Fall ist. Die Angelegenheit kam zum Abschluß, und da man auf die jüdischen Verhältnisse in Ungarn hingewiesrn hatte, so setzte sich das hiesige EultuSministerium mit dem in Budapest in Verbindung. E« wurde hierauf die Ermächtigung de« Kaiser« zur Einbringung der Gesetze im ReichSrathe eingeholt, welche auch erfolgte und diese selbst sollte in der jetzigen Session erfolgen. Im letzten Augenblick besann man sich und fragte durch da« Ministerium des Aeußern beim preußischen Eultu«mmisterium über die derartigen Verhältnisse an. Wie e« scheint, werden wir noch lange Geduld haben müffen, bevor diese Angelegenheit geregelt sein wird. - F. Wie», 3. Februar. (Or-Eorr.) Der Vorstand unserer Gemeinde hat einen LoncurS zur Besetzung einer Predigerstelle ausgeschrieben und da unter den zahlreichen Lesern Ihre« geschätzten Blatte« sich Rabbiner befinden, welche um diese Stelle sich bewerben dürsten, so glaube ich denselben einen Dimst zu erweise», wenn ich diese« neu creirte Amt näher charakterisire. Der anzusteüende Prediger soll ein Reserve-Prediger sein und nur dann bei Easualien fungiren, wenn die beiden Prediger vr. Jellinek und vr. Güdrmann selbst verhindert sind. Auch wird er wahrscheinlich am Neujahrsfeste und LersöhnungStage im hiesigen Musikvnein«- saale, wo ein provisorischer Gottesdienst arrangirt wird, predigen. Wir haben hier fünf Eantoren, darunter einen in Reserve; e« sollen nun die aktiven Prediger auch, einen al« Resrrvemann zur Seite haben. Die steucrzahlenden Mitglieder unserer Gemeinde sind mit diesem Luxu« an Reservisten nicht einverstanden. Man hält e« für praktischer, daß ein jüngerer Rabbinat»-Affeffor angestrüt werde, der auch im Predigeramt auszuhelfcn im Stande ist, im Falle e« nvthig sein sollte. Hwuvit*. W. Z»» Merdamerit«, im December. (Or.»Corr.) Seit Wochen war ich daran, mein Versprechen zu erfüllen

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