Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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lunb rinnt Bericht über jüdiscb-amerikanische Verhältnisse an Itzie zu erstatten, -klein e» fehlte theil» an beachwnSwertbem iMatrrial, thetl« an der nöthtgen Lust und Zeit zum GHrriven. >Die hierländischen Zeitungen bringen Ihnen ja oynedie«, Iwa« irgendwie von Interesse ist. Im Grvßm und glanzen stockt e» im Leben und Treiben Ider jüdischen Gemeinden diese» Lande«, e» fehlen die auf- Iregmden Momente, welche hier nochwendig vorhanden sein I müssen, um Bewegung in die Massen zu bringen. Im Vater- I lande de« Humbug« bedarf H eben schon einer sehr starken Dosi«. um, sei e« gesunde, sei e« krankhafte Reaktionen zu erzeugen. E» macht hier z. B. gar kein Aufsehen und verursacht nur sehr geringe Aufregung, wenn ein über da« ganze Land al« Redner und Journalist bekannter Rabbiner von der Kanzel seiner Gemeinde, einer der größten im Westen Amerika'«, den Vorschlag macht, die amerikanischen Juden sollen da« -hanukahfest auf Weihnachten verlegen; e« ist die»!kein etwa hier gemachter Rabbiner, sondern einer, der vor mehreren Jahren in Europa eine „homiletische Zeitschrift" rrdigirte und auf einer Prager Kanzel seine „Sonne scheinen" ließ. (Schwiegersohn de« jüngst verstorbenen Oberrabbiner« vr. Fasse!. Red.) Trotzdem ist e« keine apathische, auf Tod oder Auflösung hindeutenoe Stockung, welche im Augenblicke in den jüdischamerikanischen Gemeinden, wenigsten» soweit e« 7NV> und ima? betrifft, vorherrschend ist, e« ist vielmehr ein Au«ruhen von dem BorwärtSstürmen, dem man beinahe blindling« allenthalben gefolgt war. Man hatte sich von den Reformen in Gemeind« und Tempel gar zu viel versprochen! — Alle« Alte und Hergebrachte mußte den Neuerungen weichen! Da gab r« ja nicht», al» Trümmer und Ruinen wegzuräumen; Da» radbinische Judenthum, so hieß e», müsse verschwinden und au» den Ruinen sollte ein neue» goldene» Zeitalter entstehen! — Vergeben« aber sieht man sich nach demselben um. Da stehen die großen, herrlichen Tempel — aber die Herren Bilderstürmer predigen vor leeren Bänken! Die Jugend wächst heran in Unwissenheit der väterlichen Religion und Satzungen, und selbst die Alten wissen nicht mehr recht, ob sie noch Juden seien oder nicht. — Da will man denn mit Sonntags-Gottesdiensten, oder vielmchr mit Sonntag«- Predigtrn au-helfen! Ein Anderer schlägt vor, da» Hebräische ganz und gar au» dem Gottesdienste zu entfernen — und so stürzt man denn von einem Extrem in'» andere! Da ist es wohl natürlich, daß innerhalb der Gemeinden Bedenken erwachen, und so kann der aufmerksame Beobachter auf der Oberfläche eine« scheinbaren Stillstände» einzelne Spuren einer gesunden Reaktion leicht entdecke». Ohne Prophet zu sein, kann man es Vorhersagen, daß da« jüdische Gemeindeleben in Amerika sich bald einer gesunden Entwickelung erfreuen werde. (Schlus, folgt.) Ker«isch1r und rrenrftr Nachrichten. Merk». Frau Lina Morgenstern wurde von der Kaiserin in Audienz empfangen; auch erhielt dieselbe in diesem Jahre wieder, wie in allen früheren, eine Einladung zum OrdcnSfeste. Merk», den 3. Februar. „England condolirt Deutschland zum Tode Lasker«". Die Anglo-Jewisb Association hat an den deutsch-JSr.-Gentkindebund anläßlich de» Ableben» von Eduard La«ker ein sehr warm gehaltene« Eondolenzschreiden gerichtet und zugleich den D.-J.-G.-B. gebeten, der Vermittler der Sympathte-Beeeugungen der La Sker'schen Familie gegenüber zu sein. Auch sonst haben vielfach au«> wärtiae Vereine, Gemeinden und Gemeindegruppen durch den D.-J.-Ä.-B. ihre BeileidSänßerungen vermitteln lassen. Merk». Unter den Brieftn, welche dem Komitee für die Veranstaltung der Trauerfeier für Ed. La»krr jugegangen, sind einige von allgemeinem Interesse. Der Jusnzminister vr. Friedberg bedauerte in einem überaus verbindlichen Schreiben, dienstlich verhindert zu sein, der Einladung Folge zu leisten. Ebenso entschuldigt der Staatssekretär von Bötticher sein Fernbleiben. Bon dem Rector Magnificu» der Universität, Professor Kirchhofs, wurde andererseits in einem Briefe, in welchem ohne irgend welchen Zusatz gesagt wurde, daß er für die Karte keine Ber- Wendung habe, die Einladung zurückaeschickt, während der Dekan der philosophischen Fakultät, Professor Or. Schwendener sein Aurbleiben mit dem Hinweis auf feine amtliche Stellung motivirt. Arultz. Der Proceß wegen de» Ncustettiner Synagogen- Brande«, wird vor dem hiesigen Schwurgericht, wie man un» meldet, am 25. Februar und dm folgenden Tagen zur Verhandlung gelangen. Zum Vorsitzenden ist au» Danzig der al» schneidiger Jurist bekannte Landgrrichtsrath Arndt drlegirt worden, der behufs Studium« der Akten bereit« hier weilt. Unter den Vertheidigern wird der Jui'tizrath Or. Makower von Berlin genannt. W. Mordtzause«, 27. Januar. Auch unser Rabbiner Herr vr. Gelb hau« hat gestern in der hiesigen Synagoge im Anschluß an die Sabbathprevigt: „Die Sendung Moses" in höchst würdiger Weise des sei. Lasker gedacht. (Herr vr. G. hat im Jahre 1875 in dem in Jerusalem erscheinenden „Habazclcth" Lasker'» Biographie in hcbr. Sprache geschrieben.) Kamöurg. Auf eine Anfrage von hier erklärte auch der Redakteur des „Ecntral-Organs für das orthodoxe Judcn» thuni", daß die Gesetze de« Schnlchan-Aruch (wo von Akum tc. die Rede ist) auf die Völker, in deren Mitte wir leben, nicht anwendbar seien, da diese nicht als Götzendiener angesehen werden"); aber Wein dürfe man bei Ntchtjuden doch noch jetzt nicht trinken, um die Schließung einer Mischehe zu verhüten. — E« ist da« jedenfalls schon eine große Eoncession von Herrn Rabbiner Lchinann in Mainz, daß er den Genuß de« sogen, nichtkoschercn Weines, da wo die Befürchtung einer Mischehe fortfällt, also z. B. in jüdischer Gesellschaft und in der Wohnung eines Juden, in der Synagoge zu (Kiddusch und Hawdala) gestattet. Als er vor einigen Jahren die „Breslauer" wegen des Genusses von 02" DTIO in Bann that — mit seinen zwei HelferShelfem Hirsch und Hildesheimer — kannte er diese Ausnahme noch nicht. So hat jeder seinen Schulchan Aruch für sich! Maris vr. Marc S6e ist zum Vorsitzenden der chirurgischen Gesellschaft hier gei'vählt worden. AuS Marschau wird gemeldet: Der Regierungssenat kassirtc mittelst Entscheidung vom 2. Januar den >m Jahre 1882 gefaßten Beschluß, wonach den Juden in Rußland untersagt wurde, außerhalb der Städte und Städtchen, in denen sie ihren ständigen Wohnsitz haben, sich aufzuhalten, sowie liegende Güter zu erwerben. Diese Entscheidung des Senat» erfolgte in Berücksichtigung zahlreicher von russischen HcrrschaftSbesitzern überreichten Petitionen, in denen nachgewiesen wurde, daß der Werth de» Grundbesitze« und der Hypothrkarkredit in Folge jener Maßregeln bedeutend gestinken sei. <£««»««. Der Berwaltungsrath der internationalen Schiedsgericht»- und Friedensliga, unter Vorsitz de» Herrn Hodgson Pratt, hat in einer Resolution ihr tiefste» Bedauern über den frühzeitigen Tod Lasker'», in welchem die Gesellschaft eine» ihrer edelsten und selbstlosesten Mitglieder verliert, ausgesprochen. Wie sehr ihm die Bestrebungen der Liga am Herzen lagen, bewies seine zur Zeit der Wahlen untemommene Reise nach Brüssel, um an der dort tagenden Konferenz der Gesellschaft theilzunehmen. <£*»»»», 30. Januar. Sir Mose« Montefiore ist an einer Luftröhrencntzündung erkrankt. 17MV1' '.1 Der au» $»»U stammende Schwiegersohn de« Turin« Baron Todro», Herr Giasomctto-Lumbroso ist Professor der Geschichte an der Universität von Palermo geworden. »> In derselben Nummer de» „Israelit" wlrdgelegenilichder Laakerseier der Besuch einer Orgelsynagvge al» grundsätzlich verboten erklärt, doch nur, da am Wochentag der «rund von N12V tvegsälli, «egen 1271 npin und doch soll ja unter 12 nur der „Heide" verstanden sein. Mo h*erot aqua!