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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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>v-v , --; — 44 — denn Jedermann weife, daß unser christlicher Ehrbegriff ein lediglich au» dem Reuen Testamente geschöpfter ist. Mag Herr von Treischkr wohl zusehen, daß ihm diese emancipirte Wissenschaft, die den Menschen nur noch al« eine Thiergattuna ansieht, nicht einen starken Poffen spielt. Unser Ehebegriff ist nicht ein Product der Wissenschaft, sondern der christlichen Entwickelung. Sehr betrübt hat un» die An und Weise, wie Herr von Treischke al» Professor der Geschichte über einen Mann wie Abraham', insbesondere über seine Flucht nach Egypten und sein dortige« Verhalten urtheilt. Schon der Respecr vor tat edlen. christlichen und pietätvollen Gefühlen seiner jugendlichen Schüler hätte Herrn v. Treischke abhalten sollen, sich in solcher geradezu rohen weile über eine Person zu äußern, die auch un« Ehristen ehrwürdig ist. weil sie eine Stelle in der Entwickelung de» Reiche« Gotte« einnimmt. Wenn Herrn v. Trritschke in dieser Weise Geschichte lehrt und geschichtliche Personen beurtheilt — wie muß er dann zum Beispiel über dir großen Männer de« klassischen Alterthum» in Rom und Griechenland urtheilen'? Ist ihm Abraham ein ^schmutziger Jude" — wa» ist ihm dann z. B. Socrate» oder Cicero oder Lato, der seine Sclaven wie da« Vieh behandelte — ganz zu schweigen von so vielen, von Herrn v. Trritschke al« seine besonderen Lieblinge verherrlichten Heroen der neueren Geschichte'? Wenn er diese, vom modernen Standpunkte auf »sexuelle Schmutzereien" ansehe» sollte, so dürfte ihnen gegenüber Abraham geradezu al« Engel erscheinen. Wenn Herr v. Trritschke in dieser Weise Geschichte lehrt, dann muß man in der Thal bedenklich gegen dir Zuverlässigkeit seiner Darstellung werden; denn da« erste Ersorderniß für einen Lehrer der Geschichte ist doch da», daß er die historischen Persönlichkeiten nach i hrerZrit beurtheilt und nickt nach seinen modernen Anschauungen. Gegen diesen Mangel an Objecrivität und diese An subjectivstcr Willkür müssen wir im Jntnrfle ta geschichtlichen Wahrheit — von allen religiösen Gründen abgesehen — pro lest irr n“.") t. Bon jüdischer Seite. Trritschke geht also noch weiter al« sein würdiger .Bruder im Judenhasse" Henrici. Während dieser au« der eben so schlichten, erhabenen Fürbitte, die Abraham für die Sünder Sodom'« und Gomorrha'« cinlegte, folgert, daß der Patriarch ein Schacherjude gewesen sei. nennt ihn sogar die Professorenwei«heit jene« den .schmutzigsten alten Juden", der jemal« gelebt hat! Und zwar um deswillen, .daß er. al« er nach Aegypten zog. die Sarah seine Schwester nannte, nur um recht viel Besitz zu bekommen und lange zu leben in dem Lande, da« der Herr ihm geben werde." Bisher waren die mehrere Hundert Millionen zählenden Bekenner aller drei monothessttschen Relligionen immer noch gewöhnt daran, in Abraham den Urheber der wahren Gotte«- erkenntniß zu erblicken und in ihm einen Mann zu verehren, der ausgezeichnet war durch unbedingte Hingabe an den Willen Gotte«, durch allgemeine Menschenliebe und die verkürverte Uneigennützigkeit. Nunmehr ist dieser Nimbu», der bislang da» Haupt de« Pattiarchen umschimmcrte, auf einmal zerrissen, zerrmen von ver Hand eine« deutschen Geichicht«- profeffor». Allein wie unhiftorisch geht doch dieser. seltsame Historiker zu Werke! Weiß er denn nicht — wa« doch Jeder wissen muß — daß weiland die Zeitgenossen de« Patriarchen, die denselben doch besser kennen mußten, chn al« »einen Fürsten von Gctte« Gnaden" verehrten. (S. Gen. 23.6.) Und sie kannten gewiß auch jene Begebenheit in Aegypten, ohne den Patriarchen deshalb einen der ..schmutzigsten Juden" zu schimpfen. Aber gemach, Herr Trritschke, die Sache verhält sich noch ein wenig ander«, al« Sie glauben oder zu glauben belieben. Erstlich geht die Bibel davon au«, daß kein Mensch und wäre er auch der vorzüglichste unter allen, ein vollkommene» Ideal sittlicher Hoheit und geistiger Vollendung ist. Deshalb nimmt sie auch keinen Anstand, un» Begebenheiten *} Die fteieonservative »Post" versucht eine vollstSirdig veruiraliutle Benheidigung Treitschke'», die aber nicht abdruäenSwerth ist. (Red. d. I. B.) von ihren Heroen zu berichten, die diesen nicht« weniger al« zum Ruhme gereichen, ihnen aber auch darum noch nicht die Palme der Verdienstlichkeit streitig machen. Al«dann müssen wir un« die Situatton de« Patriarchen ein wenig vergegen» wärttgen, um seine Handlungsweise im Hinblick aus diese richtiger zu b< urteilen. Da» geringe Weideland de« Süden« bietet durch d e eingetretene schwere Hungersnot der wandernden Abrahamjamtlie den Bedarf nicht mehr. Um mit seinen Angehörigen und seinen Bedientesten, die eben sehr zahlreich waren, den Folgen der härtesten Not zu entgehen, wanden der Patnarch notgedrungen nach dem Delta, dem fruchtbarsten Lande der Erde, au«. Mit der Sittlichkeit ist e« hier schlecht bestellt. Eigenthümlicher Weise sind die durch Hymen'« Bande gefesselten Schönen der Brutalität der Bewohner mehr au«gesetzt, al« dir noch unberührten 1kno«pen. Die Ehemänner — insbesondere wenn sie fremd sind — werden einfach getödtet und die Frauen annestin. Nicht so die Unverheirateten. Zu einer von einem Bruder begleiteten ledigen Schwester hofft man den Weg durch die Gunst de« Bruder« sich zu bahnen. Abraham beschließt daher unter der Zustimmung Sarah« den Bruder der letzteren zu spielen, nicht so sehr um seiner, al« eben um seiner Frau willen, da sie einem Leben der Vereinsamung und Entehrung unbedingt den Tod vorgrzogrn hätte. Die« ist der richtige Sinn der Worte Gen. 12. 12. Al« verheiratete Frau wäre Sarah sicher verloren gewesen, für die unverheiratete war noch Rettung möglich. Die Zeit, die über dir Brautwerbung verginge, konnte da noch ihre heilsame Wirkung chun. Wa» konnte unter den zwei Uebeln der Pattiarch aber andere«, al« dakleinerr wählen? Wenn wir dir Sache so mit unparteischen Augen ansrheti und nicht durch die die Wahcheit auf de» Kopf stellende Brille de« eingefleischten Judenhasses, so kommen wir zu tan Ergebnisse, daß den Pattiarchen bei dieser ganzen Affaire keine Schuld trifft und daß sie am allerwenigsten dazu ungethan ist. blo« um die späten Nachkommen zu treffen, den Pattiarchen noch nach tausenden von Jahren herunterzureißen und den bisher (auch von den Propheten, Red.) hochgehaltrnc» und mustergiltigen Charakter in so unqualificirbarcr Weise zu verunglimpfen, wie die« eben Herr Treitschke wahrlich nicht zur Stärkung seine« Ansehen» gethan hat. Or. H. Tietz. Kerichle und Torresporrdenzen. Deutschland. Magbetnrg. In der Sitzung tat Abgeordnetenhauses vom 31. Januar cr. hat der EulluSminister v. Goßler. da Dr. Windhorst sich beklagte, daß rin alttatholischer Pfarrer einen GehaltSzuschuß au« einem katholischen Fond« erhalten habe, folgende« erwidert: So weit mir bekannt, sind die Zuwendungen nur au» einem Fond« de« Eapitcl« 121 de« Etat« gemacht worden, ivelcher nicht für katholische oder evangelische Geistliche allein bestimmt ist, sondern für Geistliche aller Eonfessionen,auchfürdiejüdischenEultu»diener."—! Unter welchen Umständen erhalten jüd. Eultusdiener au« preußischen Staatsmitteln Zuwendungen oder gar Gehalt«- zuschüsse?? Kakßerstadt, 27. Januar. (Or.-Eorr.) Der jüngst angestrllte Beamte de« Verein« »Tolerantia". tan al» Lehrer und Schächter die besten Zeugnisse zur Seite stchea (in letzter Hinsicht auch eine orthodoxe Autorisation). hat seine Funktionen seit einigen Wochen auch thatsächlich begonnen. Man solltt nun glauben, daß alle« seinen geordneten Gang ginge und daß die Gemeinde Ruhe hätte. Weit gefehlt! Gewisse Leute vermögen sich in diese«, durch sie selbst verschuldete, thatsächliche Berhältniß gar nicht hinrinzufinden. E« werden alle Hebel angesetzt und alle passenden und unpassenden Mittel angewendet, um die Bereinigung »Tolerantia" wieder au»einantazusprenaen. Mit den Einzrlheittn wollen wtt die Leser nicht ermvwen. Aber ein Punkt fordert gebieterisch eine öffentliche Besprechung. — Ein in der Gemeinde ver-

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