Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 5.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 38 — Rede. — Nachdem zum Schluß noch die Versammlung dem Herrn Dr. -risteller für seine unermüdliche Lhätigkrit gedankt hatte, bederkten sich die autliegenden Beitritt«listen bald mit einer ansehnlichen Zahl von Romen und Beitrügen. Wir können nicht schließen, ohne den Wunsch au»zu- Archen, daß der Ausschuß solche Versammlungen nicht nur in den verschiedenen Stadttheilen von Berlin, sondern auch in anderen groben Gemeinden veranstalten möge. Wenn der Bund wenig außerordentliche Mitglieder hat, so liegt da« nicht an dem bösen Willen, sondern an der Unkenntniß de« Publikum». Möge sich der Bund bekannt machen, dann werden sich genug Leute finden, welche un« vor dem beschümenden Borwurse bewahren werden, daß wir für deutsche Zwecke kein Geld und keine Opftrwilligkeit Hütten. 8. Hörest«», 28. Januar. (Jüdisch-theologische« Seminar). Gesten, Bormittag l 1 Uhr fand in Anwesenheit de« Euratorium«, de« Vorstände« der hiesigen Gemeinde, sowie zahlreicher Freunde der Anstalt die neunundztvanzigste an da« Andenken de« Stifter«, de« sel. Kommerzicnrathc« Jon a« Fraenckrl anknüpfende Gedüchtnißfeier statt. Ein von dem Thor der Studirrnden der Anstalt vorgetragener Psalm ervffnete die Feier. Hierauf wie« der zeitweilige Vorsitzende de« Lehrerkollegium« Herr Or. Zuckermann in seiner Gedächtnißrede auf die hohe Bedeutung der Anstalt hin. Ein in der Seminarbibliothek befindliche« werthvolle» Manuskript brachte den Redner darauf, einen Vergleich anzustellen zwischen jenen finsteren Zeiten, in denen religiöse Di»putationen. wie sie da« Manuskript un« vorsührt, an der Tagesordnung waren und der heutigen Richtung, welche al« schönste Bliithen die Humanität und Glauben«freiheit gezeitigt. Glauben und Wistrn. Theologie und Philosophie, die damals schroff sich grgenüberstanden, bilden heute keine Gegensätze mehr, und gerade da« iüd.-thcol. Seminar ist die Pflcgestätte beider geworden. die sie zu harmonischer Einheit verbindet. Zum Schluß verkündete der Redner da« Urtheil de« Lehrercolliuni» über eine kingrlaufene Bearbeitung der im vergangenen Jahre SS ' ~ n PrriSaufgabe: »Stellung und Bedeutung de« Jehuda in der Geschichte der hebräischen Grammatik". Al« er der einstimmig preisgekrönten Arbeit ergab sich nach Eröffnung de« Eouver« der stad. Bernhard Drachmann (au« Jersry-Eity Nordamerika.) — Hierauf folgte dir Entlastung der beiden Radbinat«randidatcn Dr. R. Ä r o rt ■ berg und Dr. W. Münz. Da der Seminarrabbincr Herr Dr. I. Levy in Folge der Erkrankung seine« Vater« gezwungen »var, der Feier fern zu bleibe», überreichte in» Aufträge de« Lehrerkollegium« »ach einer kurzen warmen Ansprache Herr Dr. Zuckennann den beiden Eandidaten da« Rabbina»«-Diplom. Herr Dr. W. Münz richtete a» die Versammlung einige tiefrmpfunde Worte, die seine hohe Ausfastung von dem in der Jetztzeit so schiver gewordenen Rabbinerberuft bekundeten, einem Berufe, der einen doppelten Kampf bedeute, einen Kamps nach außen gegen Feinde de« Judenthum« und einen Kampf im Innern gegm Glaubenakälte und JndifferenttSmu«. Mit warmen Dankesworten verabschiedete sich der Redner, zugleich im Namen seine» mitentlassenen Eollegen. von Lehrern und Schülern der Anstalt. Ein vom Ehor vorgetragene« Gebet für da« Kaiserhaus schloß dieerhebende Frier. Dem am Gedächtnißtage de« Stifter« auSgegebenen Jahresbericht der Anstalt gcht eine treffliche (im Litteraturblatte näher zu beleuchtende) Abhandlung von Professor Dr. G ra r tz voran: »Die jüdischen P r o s e l y t r n im Römrrreickse unter den Kaisern Domitian. Nerva, Traja» und Hadrian". — Der Jahresbericht selbst weist einen Zmvach» von S Hören» auf, sodaß die Anstalt jetzt — ausschließlich der abgegangenen Eandidaten — 28 Hörer zählt. Ihrer Nationalität nach gehören 18 Deutschland an (13 Preußen, 1 Bairr, 1 Württemberger). 8 Oesterreich (4 Galizier, 2 Ungarn, 1 Mähre, 1 Deutsch-Oesterreicher) 3 Rußland u. 2 Amerika. M. 'AmttaM, 26. Januar. (Or.-Eorr.) Zur Ergänzung '«einer Berichte über die hiesige Friedhof« Angelegenheit theile ich Ihnen noch folgende Thatsachen au« jüngster Zeit mit. Der Landrath in WandSbeck, dem die Protokolle de» Vorstande« der jüdische« Gemeinde daselbst regelmäßig zur Einsicht vorzulegrn und von besten Genehmigung die Beschlüsse abhängig sind, hat unter Bezugnahme auf einen früheren Erlaß der Königlichen Regierung in Schleswig au« dem Jahre 1882 sämmtlichen, in neuerer Zeit dort al« Mitglieder aufgenommenrn Hamburger Juden, durch 'Vermittelung der hiesigen Polizei die Mittheilung machen lasten, daß die Aufnahme hinfällig und da« ettva gezahlte Eintrittsgeld ihnen zurückzuerstatteil sei. Gegen diese Entscheidung soll von Seiten eine« der Aufgenommkiien. eine« Herrn W—t, beim Gericht Klage geführt, dieselbe aber al« unzulässig abgrtviese» sei». Auch in Altona (vielleicht in Folge besten» hat der Vorstand beschlossen, außer den bereit« ausgenommencn (etwa Sech«) keine Hamburger Juden al« Mitglieder mehr zuzulasten, wenn sie nicht daselbst dauernd ihren Wohnsitz nehmen. Dagegen habe» die in Bergedorf, also auf Hamburgischem Gebiete ivohnenden Juden, die Brüder N—n. (vermuthlich für Rechnung und auf Veranlassung ihrer hiesigen Hintermänner) Klage gegen den Landherrn rrhvl>en, ivcgen de« von ihm erlassenen seiner Zeit von »n« mitgetl»eilten Verbot«^ daselbst hiesigen Juden Grabstätten z» überlasten. Eine» ivesentlichen Erfolg kann diese Klage kei»enfall« erzielen; den» abgesehen davon, daß die den Brüdern Nathan vor langen Jahren rrtheiltc Erlaubniß. ihre Angehörigen auf einen ihnen zur Ruhestätte angewieseneii Platz zu begraben, nicht zurückgrnonnnrn morden und daselbst überhaupt nur elf Leichen zur Ruhe bestattet sind: die ivenigrn Juden (zivei oder drei Familien) in Bergrdors seit viele» Jahren ihre Angehörigen bei Todesfällen überhaupt »ach Windsbeck überzuführrn pflegten — würde, selbst ivcn» cs ihnen gelingen sollte, ein günstige« Uithcil z» erstreite», e« in der.Hand der Behörde liegen, die Ausführung hier verstorbener nach Bergedorf bnrch Vcnveigernng von Lcichenpässcn zu inhibirrn. Zur Berichtigung theile ich Ihnen noch mit. daß .Herr Dr. Lcimdörfer nicht, wie einer Ihrer Eorrespondenten von hier erzählt, zum Direktor der jüdischen Töchterschule envählt worden ist. sondern zum Mitglicde de« au« neun Personen bestehenden Schulvorftande«; auch geschieht die Wahl nicht durch den Vorstand und da« Rrpräsrntauten-CoUeaium. vielmehr vollzieht da« Repräsentanten Eollegium die Wahl allein, indem r« aus eincnl von dem Schulvorstande formulirten »Wahlaussatz von drei Personen einen dvrch absolute Majorität envählt. Den Statuten gemäß würde e» indesten dem Eollegium freistrhen. de» Wahlaussatz zurückzuweisen, fall» ihm die in Vorschlag «Erbrachten sämmtlich nicht zusogten. Ceftmtid) Ungarn. Lemterg. (Wieder ein Morta ras all.) Vor Kurzem erhielt der in Prag ansässige Kausmann Philipp Nachricht, daß seine bei Venvandten in Lemberg weilende minderjährige Tochter au« erster El)r plötzlich verschwunden sei. Daraufhin eilte der besorgte Barer hierher, wo ihm die Mittheilung tvard, daß sich seine Tochter im Brasitianer-Ordens-Nonnrnklostrr befinde. Der »Vater verfügte sich sosort in« Kloster. Der Eintritt ivurde ihm gestattet, das Mädchen wurde von zwei Ordensschwestern vorgeführt, wollte aber vom »Vater nicht« wissen und erklärte auf alle« gütliche Zureden desselben, daß e« ihm nicht folgen, sonder» im Kloster bleibe» und dort zum Ehristenthum übertreten wolle. Herr Philipp wandte sich um Intervention in dieser Sache an den Kirchensürste», den Verweser de« griechisch-katholischen Erzbisthum«, Sembratowicz, sowie an den Eommissair de« Kloster«. Domherrn Bilecki. ivelche ihin erklärten, daß sie in dieser Sache nicht« thun können; nur wenn es selbst den Wunsch aussprechen sollte, au» dem Kloster scheiden zu wollen, könne e« fteigegeben werden. Auch auf die Erklärung de« Herrn Philipp, daß er dem Mädchen keine Hinderniste i» den Weg legen werde, wenn r« zum Ehristenthum übertreten wolle, er wünsche nur, daß ihm seine minderjährige Tochter ausgefolgt werde, wurde seinem Verlangen nicht entsprochen.