Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 5.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 87 — Sache eintrat, angesehen worden sei al« ein Träger und Wahrer ihrer Ehre gegen jedwede Verkennung. Sein öffentliche« Leben habe Zeugnis für sie abgelegt. vs folgten der Rebe Gebete in deutscher uud hebräischer Sprache, dann wurde der Sarg nach dem Grabe getragen und versenkt. Der Hug bewegte sich am Grabe vorüber und e« wurden zahlreiche Kränze daran niedergelegt, darunter auch ein prächtiger Kranz des nationalliberalen Verein« in Magdeburg, und emer der Magdeburger Shnagogengemeinde „ihrem hochverehrte» Glaubensgenossen". So war die Todtenfeier um Lasker. wie sein ganzes Leben, ein Kiddusch haschem, eine Heiligung de» Juden» thums.*) Krrichle und Corresp»»den?en. Deutschland. Waßdeßurg. Kehren wir nun zu dem „Berliner Fallzurück. L»will ein seinem christlichen Glaubentrrugebliedener Gatte dereinst neben seiner, ihrem jüdischen Glauben trcu- Sebliebenen, im Tode ihm vorangrgangenrn, auf dem jüdischen sriedhof begrabenen Gattin ruhe». Darf ihm da« gestattet werden? — Wir möchten umgekehrt fragen: Nach welchem göttlichen oder wahrhaft menschlichen Rechte, nach welchem echt rrligiüsm oder humanen bürgerlichen Gesetze darf ihm da« versagt werden? Unser jüdische« Gesetz weiß sich frei von solcher Inhumanität; aber da kommt unsere heuchlerische Orthodorie, die um den Berlinern den Austritt au« der Gemeinde zu erleichtern, sich einen besonderen Begräbnißplatz angelegt bat. auf dem sie sich selbst begraben will, und eifert unter Beschimpfung aller Andersdenkenden und unter Verhöhnung und Verdrehung der Begriffe Toleranz und Humanität natürlich dagegen. Da» Hildesheimerfche Blatt, „die jüdische Presse" läßt sich darüber wie folgt au«: „Toleranz und Achtung jede« religiösen Standpunkteist ein schöne« edle« Princip, aber mit der vorliegenden Frage hat da« nicht da« Geringste zu schaffen-. Wenn wir Ausdrücke wie „Toleranz, human, liberal" in jenem Blatte lesen, so möchte man ihm zurufen: jncw trs Tina xuni pin tboS 'p na. Wenn Ihr intolerant, inhuman sein wollt, dann >eid'S, — aber hüllt Euch nicht obendrein in den Mantel der Toleranz. Wie lautet Euer Verbiet: „Wer bei der Eheschließung und im Eheleben auf die Einrichtungen einer positiven Religion verzichtet hat. der muß e« auch nach dem Tode t h u n I" (Eine schöne Logik! Rach dem Tode etwa» noch thun zu müflen! Diese „Schlblüthe" müßte der „Ulk" zur Verarbeitung bekommen.) „Die Eonfessionellen — fährt da« orthodoxe Blatt fon — sind so zu sagen auch Menschen igut. daß die« betont wird, man könnte fast daran zweifeln, wenn man ihre unmenschlichen Verbiete vernimmt), sie haben den gleichen Anspruch aus liberalen und toleranten Schutz ihrer Rechte", (worunter sie da« unantastbare Recht de« Schutze«eine«confsessionellenFriedhof«versteht) so»vürd« jeder wahrhaft liberale, jeder folgerichtig und gerecht denkende Mann vvtiren. Ander« die Herren Lazaru« und Genossen". E« ist die Toleranz der Intoleranz, die hier geforden wird, und dazu sollte sich ein Berliner Vorstand hergeben, und dadurch d« fkoto bekunden, daß er da« put yvn paip P* pure auf Christen beziehe? Wa« soll denn der überlebende Gatte eigentlich jetzt thun. damit sein oerechttgter Herzenswunsch, dereinst neben ferner Gattin zu ruhen, erfüllt werde? Soll-er seine Gattin exhumiren und auf einen christlichen Friedhof bringen lassen? Dort wird sie ja zurückgrwiefen. Soll er vielleicht jetzt dieseryalb zum *) Den Bericht über die Abendseier in der Singakademie, deren Diirtelpunkr dt« geistvolle Gedenkrede de« Rcich»iag» Abgeordneten Bamberg er bildete, müssen wir ebensall» sür die nächste Rümmer »urücklegen. vir entnehmen darau» nur die Erinnerung an dt« Thaisache, dag Lal ker von Ü deutschen Universitäten, Leipzig und ^reiburg, zum Ehrrndocror ernannt worden war. Judenthuw übertreten? Liegt solche Seelen- oder hier richtiger Körverfängrrei im Geiste de« Judenthum«? Und warum beerdigt Ihr denn dir christlichen F r a u e n der jüdischen Männer aus den jüdischen Begräbnißplatz? Ja, sagt Ihr, weil deren Männer rinrIieihe von Jahrenzur Gemeinde gesteuert haben. Aber dann ist Euch ja da» Ganze eine Geld - und keine Religion»» frage! Dann verlanget doch von dem betreffenden christlichen Manne die Nachzahlung einer durchschnittlichen Jabrr»steuerquotr, aber schändet unsere Religion nicht, indem Ihr sage», daß die Religion e« verbiete, ihm seinen Herzenswunsch zu gewähren. (Wir haben von vielen Seiten Zustimmungen zu unserem Standpunkte in dieser wichtigen Frage erhalten, wir lvcrden darauf uoch zurückkommen.) Jtarfl«, 24. Januar. (Or.-Cor.) Der jüngste Dienstag bot un« Gelegenheit, einer ebenso lehrreichen, wie resultatvollen Hlersammlung beizuwohnen. DerDeutsch-Israel i t i s ch r Gemeindebund, dessen Borort seit zwei Jahren Berlin ist, hatte seine außerordentlichen Mitglieder und mehrere Gönner zu einer Versammlung eingeladen, welche im Saale de« Brüdervercin« stattfand und in ihrrn Versammlungen ein erfreuliche« Bild von der Thätigkeit dieser Institution erkennen ließ. — Wir bemerkten unter den etwa 80 Erschienenen hervorragende Glaubensgenossen au« den verschiedensten Berufskreisen, wie Gelehrte, Schriftsteller, Lehrer, Kufleutc, Handwerker. Nachdem der geschäft-führende Vorsitzende, Herr Gehcimrath vr. Kr i stell er die Erschienenen mit kurzen Worten begrüßt hatte, übernahm Herr Professor Lazaru« die Leitung der Versammlung nnd erlheilte Herrn Kristrller das Wort zum Geschäftsbericht. Der Redner erstattete denselben iu kurzen, klaren Worten unter gespannter Aufmerksamkeit de« Publikum«, welche« mit sichtlichem Interesse von der Fülle dessen, wa« gethan worden ist, Kenntniß nahm. Wir wollen hier nur den einen Punkt al« Beweis für den GeschäftSumfang mittheilen, daß im letzten Jahre in dem Bureau in der SigiSmundstraße gegen 2000 Briefe eingrgangen und ebensoviel auSgrschickt worden sind. Bei dem Bericht über die Thätigkeit de« Bunde« für Religionsunterricht stellte Redner die Ausbildung von Lehrern und die Gewinnung eine« Normalplan« al« Hauptziel hin, da namentlich ohne den letzten einer obligatorischen Einführung de« jüdischen Religionsunterrichtes große Schwierigkeiten entgegenstanden. Mehrere Vorlagen uud viele Votschläge seien bereit« vorhanden,, deren kritische und kombinatorische Behandlung in Angriff genommen werden solle. Specicll über den Religionsunterricht und über den sog. Berliner Normalplan referirtr sodann untrr lebhaftem Beifall der Versammlung err Pros. Steinthal. Nachdem noch einige, au« den eihen de« Publikum» angestcllte Fragen (so über dir Stellung de« Bunde« zur Alliance) vom BorstandStische aus beantwortet worden, nahm Herr Professor LazaruSdaSWort zu einer Schluß, rede, aus der wir wenigsten« Einiges aphoristisch hier anführen wolle«. Im Altcrthum sei die Judenheit erst politisch und dann durch die Hierarchie zusammen gehalten worden; nach deren ilufhören blieb die Erhaltung der Religion einzig auf dir Idee beschränkt. Doch auch ohne äußere Machtm ttttel hätten sich die jüdischen Institutionen erhalten, zugleich Frucht und Kern zu neuer Frucht. Von aller Organisation innerhalb de« Judenthum« sei nur dieGcmeinde übrig geblieben, deren Pflege un« daher iu erster Linie obliege. Da« Gcmeindeleben solle der Ärmeindebund stärken, aber er sollte noch mehr thun, er solle etwa« hinzufügen zur Kraft de» Gemeinwesen« überhaupt. Zwar sei da« Organisationstalent der Juden stet« gering gewesen, schon ihr erster biblischer Organisator sei «in Nichtjude gewesen, Jithro. — Auch un« ständen solche Jithro'« zu Gebote, mir sollten aber, wie einst Mose», ihnen folgen. — Historisch sei ferner die Mißachtunng der Juden gegenüber kleinen und langsamen Erfolgen; die« aber seien die wahrsten und nachhaltigjten Erfolge. Ein zündender Aufruf zum Anschluß an den Gemeindrbund schloß die vielfach vom Beifall de» Publikums unterbrochene