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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 85 — t,»urige. »nabmenbbarr Xbatfatbe, bafj wir, in bereu 'Warnen ich hier ipieche, in ib« einen MIauben«qenosien oerlorrn baden, der eine Zierde Jorael« gewesen ist. das, wir >b« einen Iren dewilbrten, reich degadlen, alle;ttit tbätigen nnd rührigen Mesinnring«genosseir, das, da» deutsche Pott in ibm verloren bat einen der redlichsten Verfechter seiner Rechte und ftreibeit, das, da« deutsche Vaterland beklagt einen seiner besten tsübne, welcher sich in seinen Dienst gestellt: und e« erfüllt un» in dieser Stunde mit VebMntd und wir können wodl in die Klage »»«brechen: .Wst ist der Heid gefallen, verloren der slrestdare Man»-. Ja. nicht allein die Jamilie beklagt in dem Heimgegangenen einen schweren und »nerseglichen Verlust, sondrrn auch die treuen Arennde und da« deutsche Vaterland süblt schmerzlich die Lücke, welche eingelreten ist, durch seinen Heimgang. Den» wenn der Entschlafene in »euer «rast, gekrösligt an iliirper und Meist, zurückgelebn wäre in da» deutsche Vaterland und ans'» Reue in seiner parlamentarischen Ksttiiftkeil sich wieder ganz in den Dienst de» vaterlande« gestellt, seine Krisle ans'« Rene der Wollt fahrt de» deutschen Volke« gewidmet bitte, wie viel Mn:?« würde er noch gewirkt, geschaffen, ersonnen und erdacht baden, wie würde er die Erfahrung denupl bade» zum Heil de« deutschen Volke«, welche er ,rafei!» de» Ceran« gesammelt bat! tt* bat nicht sollen sein. Still (lebt da» Herz, welche« so warm schlug fiir da» geliebte deutsche Vater laich, in welchem so viel Liede und Treue, Uueigennützigkeit und Aufopferung. so viel Selbstlosigkeit und Mute gewobni bat. Verstummt ist der Mund, ivelcher einst so beredt die innerste Uederzeugunq nnd die liberalen Idee» de» Enlschlastne» au«gesprvchen in geistreicher Wendung nnd geeignetster Jorm. Erloschen ist da« Rüge, an« welche« da» Jener der Begeisterung gestralilt für die Sache de» Volk«, in ivelchem sich die lauterste edelste rriesinnung wiederspiegell. Kein Mensch ist unerseplich, aber ein Mann wie Eduard La«ler, so doch gelebn »nd mit so seltenen Maden de« Herzen« und de« ttteisle» au«gestalte>, ist schwer g, ersehen, und oft wird man noch i» parlamentarische» Kreist» siagen: Ist kein Lo»ker da? Aber wir müssen den Schmerz überwinden in der Urin »erring dessen, u<a« »n« der Heimgegangene gewesen, wo» er gewirkt und geschasien bat. Wir tvollen den Schmerz üdenvinden in der Erinnerung an den reinen und edlen Übaraerer de« Entschlafene» „ich wenn wir die« mit wenigen kristigen Striche» iresiend zeichne» wollen, so könne» wir da» nicht desstr, nie indem wir sagen: Eduard Laoker ist ein Mann der Wabrbcit gewesen. E» ist, al» ob Lessing'« Won von der Wahrheit, da» so ireiflich ans ihn pastl, eigen» sür ib» eldacht sti: Watirbeil ist de« Leben« Lebe», Rach ibr ringen, »ach ihr streben, An ihr alliine», in ibr wandeln, (Vir sie wirten, fiir sie bandeln, Jiir sie Müb' und Kamps erneue», Jür sie auch de» lab nicht schenen. Ist de» Erdendalein» Weibe.. Rur für Wahrheit sind wir Ir eie!" AI« ein solcher Jreund der Wahrheit sprach der Enlschlastne stine innerste llel>erzeugung »n»m>vnnd>» au«, kimpste er stlbstlo« und un eigennützig sür die Rechte und Wohlfahrt de« deutsch»'» Volke» und wir, irnie Mlaubenogenossen. wolle» ihn al* schöne« und edle» Vorbild de »achte» in Liede zu unstrem Volke und Vaterlande. ihn, der erfüllt bat, wo» einer unserer Propheten sagt: .Suchet da» Wohl de» Vaier- Iniide» zu fördeni, de ist» llnterthauen Ihr seid". Wen» auch sein Leib in Staub zetsillt und sein Meist eingehl in da» Reich de» ewigen Licht», stnie Kralen werden in »»wandelbarem Andenken bleiben bei un«. Ten», bockigeebrte veisainmlnng: .Wer den Veste» seiner Zeit genug gelhan, der b«! gelebt für alle Zeilen". Ohne Ansprüchen wurde» dann nvch niedrere Kränze itus den« Sarg nicdergklkg», u. A. von Herren RrichStagSubgeordnete» Ahlhorn, von Herr» Stadldirrctor Gebhardt im Romen der Stadl Bremerhaven und von Herrn R. Mohr im Romen der Presse Bremen» re. Nunmehr wllrde der Sarg von den Matrosen roieder onsgenomlnelr nnd während die Musik eine» Trauermarsch pielte, nach denl aus einen» Gleise vor der Loydhalle stehenden nn Inneren reich mit Kränzen und Flagge» deevrirtell Güterivagen getragen, in welchem »eden der reich geschmückten rargkiste auch die von Amerika mitgedrachten Kränze und Alu me» Platz sauten. Dann wurde der Wagen geschlossen und die Feierlichkeit in Bremertmven war beendet. In Pre«e« fand Tag« darauf eine Seelenseier für La»ker in der Synagoge statt, dieselbe lvar äußerst zahlreich besucht. Schon lange vor Beginn der Feier, rvelche auf 4 Uhr Rachinitiagö festgesetzt lvar, hatte sich die Synagoge in allen ihren Räumen gefüllt. Herr Prediger Lewinger eröffnete die Feier mit Verlesung de» «0. Psalm», worauf >err Landrabbiner vr. Feil che »selb au« Schwerin, ein öchwaaer de« verstorbenen, die Kanzel bestieg und in längerer, »esdurowachter Rede nachwie«, wie da« Volk Israel zu alleil Zeile« Männer au» seiner Mitte hervorgebracht hat. die ihm auf seinem schweren Gange durch die Zeiten Leiter lind Führer gewesen sind, e« ermutdigt und gehoben haben. Ohne auch nur den Namen La-kerzu erwähnen, hat Redner in den» Leben-gange Mose«, von welchem die Thoravorlesung de« gestrigen Sabbath« handelt, auf da- Wesen und Wirken La«ker« hingewiesen und denl aufmerksamen Zuhörer damit angedeutet, wie da», wa« ihn als Politiker und Menschen ganz besonder« ausgezeichnet hrtt, in feiner jüdisch.religiösen Erziehung wurzelt. Am Schlüsse seineschlichten und einfachen. al>er audem Herzen quillenden Vortrages ermahnte Redner die Gemeinde, nach dein Vorbiide der edlen Männer J-raeldurch Reinl-eit de« Wandel- und 'Lauterkeit der Gesinnung die Lehre» der mosaische» Religion vor aller Welt zu bethätigen und zu verherrlichen. Hierauf ergriff Herr Rabb. vr. L t e i n aus Berlin, eben» falls ein Verwandter La-ker-, das Wort und sprach in längerer Rede da- Lob desselben au«, ilidem er einzelne interessante Episoden hervorhob und seine, mitunter angezweiselte An» hänglichkeit an da» Judenthum, die nvch eine kurz vor seinem Tode in einem jüdischen Waisenhaus zu New p)ork gehaltene Rede beweist, dark hat. Mit dem vom Herrn Prediger Lewinger ertheilte» Legen schloss die Feier. III. 3« A«'N«. Die hiesige Trauerfeier zerfiel ihrem Programnl geniäs, in drei Theile: Die Trauerseierlichkeit in der Synagoge, da« Begräbniß aus dem alten Friedhof in der SchönhauserUlüce, und der mehr politischeTheil de« Abends in der Singakademie*-. Der Berichterstatter der „Magdeb. Ztg." schreibt: Da« Wetter, tvelche« für die Tl-eilnahme am Leichenzug und der Feierlichkeit am Grabe von Bedeutung, schien seit früh durchaus zu Ungunsten der ersteren sich anlassen zu wollen. Aber nach und »ach ivandelte sich der neblige Himmel, die kalte Lust und das Schneegestöber, in trocknes, lstlles Wetter, und schließlich bestrahlte sogar Sonnenschein bei lilauem, srühlingsrirtigeni Himmel die Beilegung auf dem Friedhof. Die Betl-eiligung war ober trotz des anfänglichen Unwettereine »och über Erwarten sehr große. Bon ’/, 11 Uhr an sammelten sich die Teilnehmer nach den Reichstagswahlkreisen, denen sie angeyürten, an drei Stellen der Stadt, um sich von dort au» in geordneten Zügen mit Mnsikcorp», Fahnen. Standarte» und Kränzen nach der Oranienburger» straße zu liegeben, deren inächtige Breite der leichte» Ent faltuitg der ungeheuren Menscheltiilaffe trefflich zli Statten kani. Die Synagoge selbst konnte natürlich nur einen ve» l-ätlnißniäßig ganz geringe» Theil der Leidtragenden fassen, denen durch Karlen Plätze reservirt waren. Die llebrigeit harrten, so lange die Feier in der Synagoge dauerte, aus der Straße, um alsdann sich programmmäßig den» Leichenzuge anzuschließen, resp. vor dem Sarge gel-end, denselben zu eröffnen. Durch berittene Polizisten und solcl>e zu Fuß wareil die Straßen, durch welche sich der endlose Zug bnvegte. schon eine Stunde vorher für den Wagenverkehr abgesperrt. Die Bür»,?rsteiae blieben den Fußgängern lind der dichten Schaar der Zuschauer frei. Sie tvaren aus der ganzen Strecke von der Synagoge die Oranienburgerstraße entlang bi« zur großen Friedrich-straße. diese bi» zum Oranienburger Thor hi», da»» die Elsaßer» und Lothringerstraße und schließlich auf dem Wege zum Schöni-auser Thor und dort läng« der Allee bi« zum Friedhof mit Menschenmassen buchstäblich dicht vollgepfropft, deren Haltung eine dnrchan« musterhafte lvar. Sämmtliklw Il-eilnehmer am Zuge «rügen schwarzweißrothe Schleifen. Bier Musikcvrp« gingen im Zuge mit. Die Feier in der Synagoge ivährte über eine Sttinde. Erst gegen 7,1 Uhr begann sich der Zug, al» die Leiche au« dem Portal hinausgetragen wurde, zu fonnire», »nd e« mochte wohl die Svisie desselben *) Wir folgen im Obige» der gedrängten verichterstatinng der .Magd. Ztg.- und werden m der »«chsten Rümmer die grostartlgen stlmmmrg» und elndruck«vollerr Reden der lsid. Prediger bringen.

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