Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 5.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 84 — Recht«, verkörpen im ttrfct.Da ist der weif» Sesehgeber, der stillen und bescheidenere, aber in Wahrheit der größere Wohlthäter der Menichbeil. Aus solchem Feld« Hai dieser lofctc feilte Lorbeeren gewonnen. ... Man nehme den ganzen Mann, wie er war und wie er jeßt in der Oieschichic seiner Zeit steht, mir all seine« Sinnen und »Simen, mit seinem reichen Wissen und seinem edlen Streben, mit seiner selbstlosen Hingebung und der Fülle dessen, wa« er gethan — wie groß denn Ist die Zahl derer, die ihn überragen? Wo ist die Nation, di« ihn nicht mit Stolz den Ihrigen nennen wurde? .... Er, der sein Vaterland so warm, wie Wenige, geliebt, muhte seine Augen schließen aus srrmder Erde. Und nun senden wir seine Leiche zurück zu Denen, für die er so. lange uud io treu gesorgt und gek,Impft. Wenn dieser Sarg die »listen de« alten Vaterlandes erreicht, so wird da« große Volk, denen Siege»- mal« aus so viel Schlachtfeldern der Waste» uud de« Oie danken» stehen, und dessen Macht Europa üderschallet, — diese« groß« Volk wird sich selber edren, indem e« entdlSIilen Haupte«, ihn empfängt, und dem tobten Patrioten die looblverdienle Bürgerkron, auf da« (ürab legt. Sei» Andenken aber wird Jedem theuer bleiben, der Recht und Freiheit liebt, in der neue» foivie in der alten Welt". Sticht minder rindruck-voll war dir Rede von Andrew D. White, welcher u. A. sagte: .vor vier Jahre» sab ich den Mann, welchem die Amerikaner heute den legten Tribut zollen, zum ersten Male. Er stand im Parlamente seine« Valerlande«. nominell a>« der Repräsentant von dessen Interessen. Leine Snmpatbien gebSrien der Freiheit in der a a nzen Welt. E, rrpräsentittk die Idee der nationalen und konstitutionellen Freiheit, der Freiheit, welche sich eine» regen, sriedlicheu Gedeihen« erfreut und welche nicht nur Rechte giebt, sonder» anch Pflichten auserlegt .... Wir in Amerika erleiden einen speeicllen Verlust. Denn mit seinem Besuche in unserm Lande bezweckte er eine Erneuerung aller Freund schasiobaude. Meine Freunde! Hier liegt ein Maun, der sern von uu« äeboren wurde, der von vielen unter un» durch Abstammung, Sprache, llaubc» qrlreuni ivar und der dennoch unser Bruder ist. Die Bruderschaft erkannte La»ker an . . . Wie Spinoza und Hugo lstrotiu« im 17. Jabrhundert, wie Mose» Mendel«sobn im I«. Jahrhundert, so gehSne La»ker im Ist. Jahrhundert zu de» guten, edlen, treuen Seelen, welchc daran gcarbeitel habe», die Welt besser und edler zu machen, und welche, gleichviel ob Jude oder Ehrist, die wahre Elite der Menschheit, da» wahre, „»«er.wählte Volt (Hotte* bilden". ickl» lstrzliche-, vom Rabbiner De. »übler gesprochene- Geber brachte die imposante Feier zum Abschluß. ll. In Ztre«ery«»e» und Are««». Nach einer stürmischen Fahrt «ras der Dampfer .Neckar" mit L a »k e r' - Leiche am 25. gegen Mittag hier ein. Die Schiffe im Hasen, sowie die benachbarten Gebäude hatten Trauer» flaggrn ausgezogen. Bon den näheren Verwandten de» Verewigten begleitete des in den Ver. Staaten lebende jüngere Bruder ltduard La-ker's die Leiche. Außerdem waren rin in Freiburg lebender älterer Bruder Lasker- und einige Vettern und Schwäger erschienen: die Herren La-ker aus Breslau. Landrabbinrr De. Feilchenselb au- Schwerin, Dr. Stein und Dr. Sach» au- Berlin. Als Deputirte des Berliner lLomite's fuiwirteu die Neichstagsabgeordneten Herren Dr. Baunlbach, Dr. Wölstel, Lipke und Dr. Barth, auch der Oldenburgischc Nrichstagsabgeordnete Herr Alhorn war erschienen, ivährrnd Herr H. H. Meier durch eine dringende Reise nach Braunfchweig an der Theilnahme verhindert ivurde. Vom Reich-vereinsausschuß: dir Herren H. (Haussen, Senator A. Gröning, Shndlcus Dr. Marcu«, Realschuldirector Drbbe u. A.. ferner Deputirte des Bürger» verein-. Die israelitische Gemeinde war durch ihren Prediger und ihren Vorstand, die Herren M. Lewinger, G. Bloch, I. Abraham und das Repräsentanten-llollegium in oorpor» vertreten und in Bremerhaven schlossen sich Vertreter der Stadt u. A. Stadtdirektor (Gebhardt, l!onsul lkd. Ulrich« und zahreichr Verehrer de« Verstorbenen den» Zuge an. Nachdem der in einer gelb polirten, vom Reichsverein mit Kräuzr» und Palme» geschmückten Kiste verpackte Metallsarg, tvelcher die irdischen Ueberrrste Lasker'» barg, von den Matrosen des .Neckar" au» dem Schiff und in feierlichem Zuge unter Vorantritt einer Musikkapelle und gefolgt von den verschiedenen Deputationen in die Loydhalle, w.-lche eine» geichen Flaggen- und Pflanzenschmuck aufzulveisen hatte, retragen war. eiüffnrte der Präsident de« Reichsverein«. Herr Hrinr. (Haussen, die Feierlichkeit mit einer kurzen Ansprache. Uteehtt« Versammlung! Die irdifckir» Reste Ed. La»ter'« find aus ihren, Wege zur legten Ruhestatt in einem bremische» Hasen auf deutschen Boden gelangt. Daher ist c» für un» Bremer sowohl Pflich: al« H«rzen»b«dünniß, an der feiertichen Empsangnahme der Leiche diese» deutschen Manne« durch die au» Berlin herübergekommene Deputation von Freunden desselben un« zu betheiligeu. Wir siud überzeugt, durch die Veranstaltung dieser Feiertichkeit dr« allgemeinen Gefühl der Breme, BevSlkeruna «u»druck zu geben, denn in Bremen, wir in ganz Deutschl asn d hat die Nachricht, daß dieser allbelannte und allverehrie «ann in der Vollkraft seiner Jahre, mitten au» eine« Leben, da« nur Mühe und Arbeit gewesen ist, pläßlich abberusen worden sei, Schmerz und Trauer erregt. Und wie könnt« e» ander» sein? Ist e« doch einzig und au» schließlich im Dienste de« deutschen Volke«, daß er gearbeitet und sich 'gemüht hat bi« zur ErschSpsung seiner Leben«krast. Sein Volk kann i sich rühmen, einen Mann der politischen Arbeit besessen zu baden, der ' treuer in der Erfüllung selbstgewShlter schwrrer Pflichten, freier von 1 jedem selbstsüchtigen Streben gewesen wäre, al« Ed. La»ker, desse» i Unelgennüßigkrit bi« zur völligen Aufopferung de« eigenen «ohle» für höhere Ztvecke ging. Die Arbeit seine» Leben» galt der einheitliche» und srriheitlichen Entwickelung Drntschland». Für diese« Ziel strebte er in langjähriger parlamentarischer Wirksamkeit mit einem staunen»wenhe» Aufgebote von geistiger Krasl. Wa« ihn aber dem Herzen de« deutsche» Volke« vor Allem «heuer gemacht hat. da» ist »er hochftlegende Ideals»«»« seine« Wesen», die makellose Reinheit seine« Üharakter», seine glühende Vaierland«likb«. Da« deutsche Volk wird de« edlen und dedkutenden Ranne«, der ihm bei dem großen Werke der Errichtung de« neuen deutschen Reiche« mit solcher Hingebung gedient hat. nicht vergessen. Ehre sei seinem Andenken! Hierauf nahm der Reichstagsabgeordnrtrr Bau mb ach da« Wort: Aus deutscher Erde ist angelangt, wa» an idm sl«> blich war. aus deutscher Erde, in drnischer Erde soll er begraben werde», der Leib, i» dem ein (Seist lebte, groß und gewaltig, dessen ganze» Denken, Ringen un» Kämpfen dem Valerlande gegoilen hat: der für sein Volk so viel gethan hat, wie dieser Tobte, soll nicht in fremder Erde ruhen. Klagend und voll Wehmuth sieden wir, seine Freunde, die, an seine« Sarge. Doch nein, am Sarge diese» großen Todteu keine »klage und Wehmuth; wir wolle» erhobenen Haupte« am Sarge von Eduard La»k«r stehen. Wa» dieser Todte dem deutschen Volke gewesen, werde» einst künftige Geschlechter voll und ganz verstehen, erst künftige G.ichichl»schreider werden die einzenrn Züge seine« Edarakrer» zu schildern und zusammenzntassen wissen zu eine« schönen (üesammtbllde. Aber r» ist in dem Augenblicke, wo dieser Leichnam die deulsche Erde wieder berührt, al» ob in dieser seierlichen Stund« rin Wort un» Allen sich ausdrängt, da» Wort, toelche» am besten diesen Tobten bezeichnet. Im ganzen deutschen Volke schlug nie ein Herz treuer sür Deutschland al» da» Eduard La«ker'«, und verstumme» soll in diesem Augenblicke aller Streit uud Hader, mrsiummen der häßliche Zwist zwischen dieser und jener Eonsession Wer, wie der Verstorbene (triebt und gehandelt, durchdrungen von der reinen Menschlichkett. der dal die wahre Religion, denn die Menschlichkeit ist die Grundlage zur Religion. Verstummen soll an diesem Sarge auch der Streit un» Kamps der Parteien. Wie er auch gekämpsl und gestritten, über alle« Kämpsen der Parteien stand ihm eine«: da» war da« Vaterland. Die Lieb, zum Vaterland,, sie ist idm in seinem ganzen politische» Leben ein Leitstern gewest», die Wohlfahrt de» deutschen Volke« bat ihn geleitet bei allem seine« Tdu» und Handeln. In ,velche> Weise er auch handelnd austrelen uud seinen Ueberzeugungeu gemäß ivirken mochte, sei» höchste» Ideal da« war die nationale Größe de» deutsche» Reiche». Wir begleilen ihli in die Hauptstadt de« deulschen Reiche», in deren Mauern unstr La»ker in unermüdlichem Elser gewiitl uud gestrebt, wir begleiten ihn zur leßten Rulieftätie. Ein Volk, da« seine großen Todten ehrt, wird anch ihn edren immerdar und in der Sladl, >vo er nner müdlich lhästg gewesen, unermüdlich gewirkt hat, da soll er au»ruhe». Vir aber, die wir beruseu sind, al» B»lk»ven>eier zu loirten und zu streben sür da» Volk, wi, geloben un« am Sarge Eduard La»ker'», daß er unser Vorbild stm soll ln stiner Selbstlosigkeit, seiner Selbstver leugnung.'dak lein Beispiel un» beseelen soll zu allem Guten und Schönen: noch im Tod« soll Eduard La «ker unstr Führer stin, an welchem wir un» halten in Lieb, zu unserin Vaterland,, im Kamps und Streit sür die Wahrtieit und die Freiheit, sür da» Recht und die Wodlsahrt de« deutschen Volke». Nachdem der Rcichstagsabgrordnrte Dr. W ö l ffe l unter paffenden Worten, »den wohlverdienten Lordeer, als ein Zeichen ivahrer Freundschaft, inniger Verehrung und ewiger Dankbarkeit" auf den Sarg niedergelegt, sprach Herr Prediger Lewinger: Im Namen der i»raelilische» lüemeinde der freien Hansestadt Bremen lege ich diesen. Kranz nieder aus diesei, Sarg. Hochgeehrte Versammlung! .Wie sind di» Helden gefallen, verloren die slreilbareu Männer", so klagte einst David übe, den Tod Saul« uud de» lreu l>e>vührleu uud iurzlich gelieble» Freunde« Jonathan. .Wie ist »,? Held gefallen und verlöten der streilbare Mann", so glauben auch wir an dlesem Sarge de» Eulschlaseuen, der im etgeuslen und eminenteste» Sinne de« Wolle« gekämpft und gestritten bat sür Recht und Wahrheit, 'sür Licht und Freiheit, für tvahre« V»lk»wohl. sür echte» Meuschenihum und edle Gesittung, am Sarge Eduard La»ker» sagen zu könne», dessen Name einen guten Klang bat, nicht nur >n Deutschland« Gauen, sondern auch jeuseli» de» vre»»«. Eduard La»ker Ist nicht mehr, und e« ist ein»