Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankreich jüdische Minister, Generäl«, Admirale, Präfeclen, Richter. Universitäksrichter u. s. w. Die Ursache liege darin, Nift dem Wolfe dort die Emancipation nicht brockenweise zuae- > worfen, sondern sofort voll und gunz gegeben worden sei, und vor allem in dem Umstande, daß in Frankreich der Gedanke von der Gleichheit aller Staatsbürger so sehr in Fleisch und Blut überaegangen sei, dag der Franzose wohl die Freilieit entbehren könne, niemals aber die Gleichheit verleugnen iverde. Die Nutzanwendung davon, so schlag Herr Professor De, Brrsslau seinen mit lebhaftestem Beifall aufgenommene» Bortrag, darf ich wohl Ihnen überlassen. K««t«rß, 13. Januar. lOr.-Eorr.) Wahrlich, es ist sehr hohe Zeit, dass sich alle freisinnigen Elemente innerhalb der Judenheit zusammenthu» und eine .große liberale" Partei bilden, um dem Ucberhandnehinen der orthodoxen Blätter zu steuern, die sich in Niesenrerlamen als die eigentliche» Organe des Judenthums geriren;*) denn dieses Judenthums. wie es in diese» Blätter» in die Erscheinung tritt. 'Fanatismus lehrend und Inhumane« mit Liebäugeln preisend, jede frei« sinnige Ansicht, die nicht mit den Paragraphen desLchulchanAruch übereinstimmt. verketzernd, muß man sich i» anständiger Gesellschaft schämen Da wird mir z. B. die Nr. 2 de« .Israelit" zugeschickt. Darin bemüht sich ein hiesiger Sternianer. unser» beliebten Prediger Or. Leimdörfer mit Schmutz zu bewerfe». Natürlich, man kann es nicht übers Herz bringen, daß eine große Masse der sog. Orthodoxen sich jede-nial zu de» Predigte» de« Genannte» herandrängt, daß dieser Tempclprcdiger, wie man hört, auch noch .fromm" ist, daß Vorstand und Nepräsentanten der deutsch-israelitischen Gemeinde denselben sogar zum Dirertor der jüdischen Töchterschule envähllen. Auch kann man nicht« gegen seine» El«arakter, seine Leistungen und sein -schafft» etwa» einwenden. Was thun? Nu», auch darin find die .jüdische» Stöcker" erfinderisch. Man sucht und sucht und endlich findet man'« — was? Ein im Jahre 1880 erschienenes schulbüchlcin. das von jüdischen Pädagogen und Lehrrrvcrsammlungen wärmsten» begrüßt und empföhle» wurde, dessen 2. Auflage (Nachbibl. Geschichte) bald vergriffen, da» ins Englische übertragen worden ist. das durchsucht man mit orthodox-gefärbter Brille und findet, r« strotze von Ignoranz. Wieso:' was wird lvmängelt? Daß Hille!« Won an de» Heiden: .Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", nicht vv» Hillel stamme «braucht man da« erwachsenen Schülern erst zu sagen'?), daß Schammai mit seinem Ausspruche (Abot I. 15) nicht gemeint hal>e: .mache die Religion zur Hauptsache", da»», daß Nachmu isch gamsu eins Zeitgenosse Akiba's grrvesen. dann einige Druckfehler, die im .Druckfehler Verzeichnis)" (Beiblatt) l>erichtigk sind, dann, Jbn ESra lsättc .seine" (Halevi'S) Tochter geheirathet und dergleichen mehr. Der unwissende Onhvdoxc will auch keinen Rabbi Gamlel de Jabnc kennen. Bon Hyrkans II. Tochter' .Marianne" l>at er nie gehört. Schon der Beginn de« Berichts mit dein .schade für das gute Papier" ist eine Lüge, denn meines Wissens ist da« Papier bei der ersten Auflage ziemlich schlecht geivesrn. Doch geht der Finsterling mit seiner Frechheit so rveit, dem Manne, dessen Reden und wissenschaftliche Vorträge in fast allen TageSblätter» hier rühmlichst besprochen wurden und ja allgrnicin bekannt sind, eine« .schülerhaften* Styl« zu zeihen, weil der Pädagoge L. •i Daß die liberalen Elemente (»ich« dlo» Hanibur»»! alledem | unthälig gegenübenkeden, ijl leide» wahr und sehr — bedauern«wcrib. > Dir Meine,, von innen merke» e» »ichi, wie sie von den orthodoxe» , Blilitern immer mehr ringcjchloflen und an die Äand gedrücki werden. Da« freisinnige Berlin duldet e« z. B. basi die ,Jüb. Pr." sich al» , ihr einzige« Organ au«giebl, die wabrlich »ichi aus dem Standpunkte , dieser Orthodoxie stehenden Rabbiner Berlin'» sowohl wie anderer groben Siiidie hüllen sich in ein .weise»* Sedwrigen: sie iverde» einst au» dem Schlafe der Sorglosigkeit erwachen, der Antiscmiii»mu« und die Reaction | von Rusien werden geschwunden sein, aber die sich breit machende viel > schlimmere innere Raction wird inzwischen alle geiunden Elemente > umgarn« oder — in'4 extreme Lager gejagt haben, vir baden e» an l unserer rechtzeiligeii Mahnung nicht sedlen lassen, viä«»nt aonarrl«»! > ,Rrd.)! zu Kinder» von l l—14 Jahren .leichtfaßlich reden* möchte. Dabei krudenvelscht derselbe Referent des Israelit .auf's (Veradcwohl" und will »die Kritik vor Einführung der Bücher warne»", das ist doch Eleganz de» Ausdruck«, nicht war'? Da« orthodoxe Talmud-Thora-Lehrerchen gedenkt wahrscheinlich durch seine „Ldu-p»« — nach einem bekannten Ausspruch des Talmud —» die Zeit de« Meschiach zu beschleunigen. Ob er wohl im Aufträge Stern'» geschrieben haben mag? Es soll dasselbe gekennzeichnete Lchrerlein sein, das bei der Beerdigung der sel. De. Frankfurter mit dem Fuße auf dessen Grab gestampft und eine unjüdijche fanatische Verwünschung dabei gemurmelt hat, die ich hier nicht >viedergcl>eii mag. DaS find die Lehrer deiner Jugend, orthodoxes Hamburg! Vertun. JU* Htzerschleste». (Or.-Eor.i Seit Wochen kommt die Gemeinde Kattowitz ans der Aufregung nicht heran«. Provocirt ist dieselbe auch diese» Mal, wie schon so oft, durch die leidigen Flegchvcrhältnisse dieser Gemeinde. Ein jüdischer Fleischer ist aus bestimmte» Gründ.n gemaßregelt worden. Den Schächtern der Gemeinde ward die rituelle Function beim gemaßregellen Metzger untersagt. Letzterer wußte sich zu helfen. Er engagirte einen Dorfj'chächter au« der Nachbarschaft, welcher vom Bcuthcner Rabbiner die Autorisation vvrwirs. Vor ein Rabbinats Eollcgium in Kattoivitz geladen, vermochte er sich nicht zu rechtfertigen, tote er dazu komme, in einer fremde» Gemeinde ohne Erlanbniß und gegen den Willen de« OrtsrabbincrS zu schlachten. Ec soll sich vielmehr so u»geberdig selbi« dem B mhener Rabbiner gegenüber benvmmtn haben, daß ihm die Befähigung für das Schlachten aberkannt wurde. Gleichwohl ließ der gemaßregeltc Metzger von dem bereits früher engagirte» Dorfschächter weiter schlachte», was aber viele Familie» in Kattoivitz, die nach rituell Han» führen, nicht hinderte, »ach >vie vor ihren Fleischbedarf vom gemaßregeltc» Fleischer zu entnehmen.*) Um die Situation noch kritischer zu gestalten, wurden vor einige» Wochen die beiden Schächter der Gemeinde, nicht natnralisirtc Russen, von denen der eine, frül-er gegen 8 Jahre in Beuthen thätig, erst seit Kurzem in St. fungirt, plötzlich verhaftet. Gesellen des mehrfach genannten Metzgers sollen eidlich aus» gcsagt habe», daß die beiden Gemeindeschächtcr wiederholt ihreni Meister Herzfctt rituell geschlachteter Thicrc eiltlvcndet. Eine vom Boritande angebvtenc Eautio», die Jnculpirten vorläufig auf freien Fuß zu setzen, har der Staatsanivalt zurückgkwicscn und so befinden sich die Verhafteten auch jetzt noch im Gefängnisse. Man ist in jüdischen Kreisen auf den weiteren Verlauf dieser peinlichen Angelegenheit, dir mehr al« genug Ehillul haschem verursacht, mit Recht gespannt. ASntgsßütte (Or.-Cor.) Ungewöhnliche Theilnahmc erreg« allenthalben i» Ol>erschlcsicn der plötzliche Tod eine« Herrn Wachs mann von hier. Vor einigen Tagen cnvies derselbe, anscheinend ganz gesund und munter, einem hinge, schicdcncn Glaubensgenossen den letzten Liel>c»dicilst. Auf dein Wege zum Friedhöfe wurde das plötzliche und vorzeitige Ableben des unvergeßlichen Eduard Lasker sehr eifrig besprochen, Herr W. äußerte bei dieser Gelegenheit etwa Folgende«: .Einen so schnellen, ruhigen, schmerzlosen Tod würde auch ich mir rittst am Ende meiner Tage wünschen". Wie groß war die Bestürzung der Umstehenden, al» der etwa 56jährige überaus rüstige Mann unmittelbar »ach diese» Worten anscheinend vom Herzschlage getroffen, aus dem Friedhöfe leblos znsammeusank. De» «chmeez der trostlosen Witttve und ihrer früh venvaislen Kinder kann man sich denke». Der Hingeschiedene erfreute sich bei Allen, die ihn kannten, wegen seine« ehrenhafte» Eharaklcrs und seiner streng reellen Gewissenhaftigkeit der größten Hochachtung. Sein Ehef, Eäsar Wvllheim in Berlin, Inhaber eine« großen Kohlengeschäftes. ehrte in ihm stet» einen seiner tüchtiglten, redlichsten und gewissenhaftesten Beamten und bekundete den Hinterbliebenen in hochherziger Weise seine innige Thcilnahme. »1 Me haeret a^ua! Daran(dKitcrtmeistbn4VerbotbeSRabbiner». R