Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 4. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 4.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5935099-5938140--4915-5377200
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 26 — kann. Die augenfällige, der Assimilirung hinderliche Raren- Verschiedenheit könnte allerding» nur durch wiederholte Blut» trruzung modificirt, vielleicht schließlich ganz behoben und so. wenn nicht der alleinige, so doch der wichtigste Factor für eine Verschmelzung gewonnen werden. Wer wollte da» leugnen? Aber ist der Kampfprei» auch de» dargebrachten Opfer» werth, ist der Einsatz nicht höher al» der zu erringende eventuelle Geivinn? Da wir un» vorgesetzt, nicht vom religiösen Gesichtspunkte die bedeutsame Frage zu beleuchten,*) so wollen wir hier von den religionsgesetzlichen Besrimmungen ganz abstrahiren, die va» jüdische Ehegcsetz i» so enge Beziehung zu andere» Gesetzen bringen, daß man an da» eine nicht rütteln kann, ohne den ganzen Bau in bedenkliche» Lchivanken gcralhen zu lassen. Der jüdische Ehebund involvirt nicht nur einen engbegrenztcn Pakt zwischen zwei Individuen, es entstehen durch ihn gesetzliche Beziehungen und Wirkungen, die sich auch auf die nächste» Vcnvandten der Gatten erstrecken; die jüdische Ehe ist somit das wichtigste Ferment der Familien» bildung. und unmöglich kann sie tangirt werden, ohne daß die Familie mitbetrosfen, ihre Reinbeil getrübt und in ihr der grundtragende Pfeiler der sittlichen Ordnung unterwühlt wird. Doch fragen w>r uns, ob die durch die Misch-Ehe zu erzeugende sociale Neugestaltung wen» auch nicht von jüdischem, so doch von allgemein menschlichemStandpunkte auSwünschenSwrrth sei, so muß, nach unserer Ucberzeugung, die Antwort dahin lauten, daß au» derselbe» auch sür die außerhalb de» jüdischen Berbandes Ziehenden keinerlei Vortheil erwachsen würde. Vermöge eines weisen Schöpfungsplane« sollte durch die Difserciizirung der Artest jede einzelne ins Leben treten, die Menschheit sich in Ruten, diese in Völkern und wieder in Individuen sondern, und von diesen Jedes nach scharf ausgeprägter Brthätigung nach feiner Sonderheit ringen. Das Strebe» »ach Jndividualisirung ist im Großen wie im Einzelnen die erste Bedingung alle» Werden», jeder Fortschritt durch den Vergleich und die Gegenüberstellung verschiedener Anschauungen allererst ermvglicht. Au» dem Kainpfe geht da» Leben lservor, — Gleichartigkeit, Ruhe ist Lethargie, geistige» Absterben. In der zähe» Eigenart de» durch Jahrhunderte langen Kampf gchärtrten Semitismu» liegt somit nicht nur die Gewähr seines Fortbestehens, sondern auch ein starke« geistige» Ferment für die anderen Völker des Erdballes. Und nicht allein geistiger, auch moralischer Rückgang müßte nothwendig durch die Verschntelzung der Racrn erfolgen. Da» Neben» und Miteinander', doch nicht Jneinanderfließen zweier getrennter Strömungen, die Parallellinien sind, al» Abzeichen der Duldung, die iverthvollste Errungenschaft unserer modernen Eivilisation. Die Duldung ist die höchste Entwickelung de» Menschcngeistcs, da« herrlichste Vorrecht de» souveränen Volke», wie der Änadenact da» schönste Prärogativ der Krone ist. Wir und >vo könnte aber da« Volk diese« Vorrecht» sich bewußt, durch dessen llebung erhoben und veredelt werden, wenn kein prägnante« Object für die Duldung mchr vorhanden wäre? Die Reinheit der Race ist nach Lord Beacon«field da« eigentlich« Merkmal der geistigen und sittlichen Leben«kraft. *) Darüber Ist Iahrg. 1*80 Jlr. 88—:U zu ve> gleichen. (Ärt.) Da» Verschwinden der Racenverschiedenheit dürfte nicht nur dem reinsten Prototyp der Race, der semitischen, unheilvoll »verden, e» müßte auch den Niedergang der indogermanischen über kurz oder lang zur unausbleiblichen Folge haben. Erinnern wir un» de» bekannten Tatze» von Gutzkow: „3,» Anderssein liegt dir Gewähr de« eivigrn Bestehen»" und suchen wir den Antagonismus zwischen den Völkern, der durch „da» Andersseinerzeugt wird, durch Liebe und Rechtssinn zu Überdrücken, nicht aber durch feige» Aufgeben des Ich'« und furchtsame« Verkriechen in die (Yefammtheit. Geben wir dem Kaiser wo» de» Kaiser» ist, dem Staat unser Gut und Blur. den Mitbürgern unser beste» Können und Vermögen, erhalten wir un» aber als Volk wie al» Einzelne unfern schönsten Besitz, unsere Individualität, die un» erst zum Dienste de» Staat-ganzen fähig und würdig macht. Der „Judeuspiegelprocetz" in Münster «nd der „Schulchan Aruch". n.#) Die in voriger Nummer mitgetheiltc. an den Herr» vr. Ecker gerichtete Zuschrift ist dl» heute, obschon bereit» drei Wochen seit ihrer Absendung verstrichen sind, sciten» dc» Empfänger« ohne jede Antwort geblieben. Dagegen habe ich in der gestern (Miltivoch, 9. Januar 1884) ausgegebenen Nummer der .Germaniaeine Eorrespondenz au» Münster gelesen, in ivelcher unter Hinweis auf das siegreiche Auftreten des Herrn vr. Ecker init großer Gcnngthuung constatirt wird, daß nun,»ehr auch Herr Professor Lazarus in Berlin, durch dir Erfahrungen in Münster belchrt, bei den Verhandlungen der Repräsentanten-Versaininlung über die bekannte Begräbiiißangelrgcnheit es für nothwendig erachtet habe, sich in feierlicher Weise voin Schulchan Aruch loszusagen. Was diese Behauptung lvlrifft, so glaube ich deren Richtigkeit mit aller Entschiedenheit beziveifeln zu dürfen. Welche» immer der persönliche Standpunkt de» Herrn Professor« L. zum Schulchan-Aruch sei» mag; ich halte es für undenkbar, daß ein so besonnener und weitblickender Mann eine solche Erklärung sollte abgegeben haben, die in der Uneingeschränkthcit, wie sie von jenem Eorrespondcnten hingrstellt wird, geeignet wäre, den iminerhin noch sehr großen Il>eil der Judenheit, der sich in ritueller Beziehung an die Verordnungen des Schulchan-Aruch gebunden glaubt, auf das Schlimmste zu compromittiren. Dürfe» wir dem Wahne Vorschub leisten, al« ob die Anhänger de» Schulchan-Aruch mit einem sittlichen Makel behaftet wären, »velcher die böswilligen Anschuldigungen rechtfertigt, die von gewisser Seite gegen da» Judenthum geschleudert werde»? Aus einen solchen Standpunkt kann Herr Professor L. sich nicht gestellt hakm. dafür bürgen einerseits feine charaktervolle Persönlichkeit und seine so vielfach bewährte warme Liebe zum Judenthum. a»dererfeit» aber auch seine Vertrautheit mit der jüdischen Litteratur.**) Herr Professor L. hat es wahrlich nicht nötbig. sich erst von einem Manne wie vr. Ecker über, den ElMakter de» Schulchan Aruch aufklärcn zu lassen. — Leider aber *) In vor. Am»vier lese man 2. 18 2p. ». 11 v. u.: .Da der Sch. «."st. .das,': .betr. da» ft. .de» P."; Sp. b. •{. S8 ». u.: .erst den Sch. A. nachzuschlagen": ferner .Psychologie' ft. .Philo jophle": .sllllen" st. .fühlen": „unbesehen" ft. „ungesehen". **> Ich bin übrigen« well davon enlsernl, da» Polum de« Proleftor» Ihr. Lazaru» und Genosse» ln der BegrSdniftsrage verurlHellen an wollen, schli eile mich vielmehr ln dieser Beziehung den «uosührunge» der Redaktion ln diesem Stalle vollkommen an. ft. («in aulhenilscher Brrlchl über die betr. «eufterung de« Herrn Pros, vr. L. llegl »ich! vor, vlellelchl enlschllesll sich der verehrle Herr den tUedankenganq seiner Rede, mll der er sein Polum «ollvirte, nachlrägllch zu sklzzlren und den Lesern unsere« Blatte» darzubielen Red)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.