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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 3. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 3.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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'FV1 — 22 — Wrmm und ^fbuugbH sittlichen Zustande» derselben, immer mehr mit Erfolg gerecht zu werden. 4tz«»H»rß. im Januar. Ein wie glücklicher ttzedank, de« Rabbiner« Dr. Leimddrfer. der sich hier die im Sturme erobert ha»,*) e« gewesen, regelmäßige vorttäge .au» der Wissenschaft de«Iudenchum«" zu veranstalten, da« zeigte sich auch am 27. v. Mt»., an welchem Herr Professor vr. Brefslau au» Berlin hier einen Bortrag hielt, zu dein sich ein so Shlrricbe« Publicum eingeflinden hatte, daß der große Vogen« al dasselbe nicht zu fassen vermochte. Der Bottrag. weuher in geistreicher Weise seinen (tzegenstand bi« in die kleinste Einzelheit zu erschüpfen verstand, verdiente auch da» große Interesse, welche« er fand, schilderte er doch eine Umwälzung in der lyeschichte der Juden heit, der nur die Zerstörung de» Tempel« al» gleich epochemachend zur Lene tritt: Die Emancipation der Inden in Frankreich durch die große Revolution von 1789. In vier große Epochen, so fiihtte der Herr Vortragende au», gliedctt sich die Geschichte der Iudenheit. Auf die erste Epoche de» nationalen Staate», der unter der Herrschaft der Römer »och einmal zu kurzer Blüte gelangte, folgte al» zweite die Epoche der Zerstreuung über die ganze civilisittc Welt, llebcrall zogen die Juden den vor« dringenden römischen Legionen nach und an Rhein und Donau gab e» jüdische Ansiedler, che dort ein gennanische« Wort vernommen wurde. Die Rünier ivtrachttten diese Ansiedler al» Fremde, denen sie freilich keine politischen Rechte zugestanden, die aber sonst volle Bewegungsfreiheit besaßen und aus materiellem und socialem Ofrbirtc den Staatsbürgern völlig und unbedingt gleich standen. Erst da» Mittelalter mit seinem klerikalen Fanatismus »nd der exclusive Abschluß der Innungen und Zünfte drängten den Juden au» allen sogenannten ehrliche» GetverbSangelegcnheiirn hinan» und machten ihn endlich zu den« Paria der Gesellschaft, al« welchen tutr ihn während t.nr dritte» Epoche seiner l^eschichte. in der Zeit der Schmach, der Unterdrückung »nd Entsittlichung kennen lernen. Auch den französischen Juden ist diese Entwürdigung nicht erspart geblieben; durch königliche» Dckrtt vom Jahre 1394 wurden sie aus allen damals dem Könige von Frankreich gehorchenden tVebictSthcilcn vettrieben und je inrhr sich in der folgenden ^jeit die königliche Gewalt durch Zurückdrängc» der Engländer im Süd»» »nd Westen ausdrhnte, desto au»- «rdehnter wurde auch der Einfluß jene» Dekret«, so daß l SOL' i» Jude mehr al« solcher auf französischem Bode» lebte. Aber nur kurze Zeit und aus« hielte zählten Juden zu den Uutetthanen Frankreich«; mit der Einverleibung der BiSthümer Metz, Toni und Berdnn und der Einverleibung der Reich»- stadt Metz im sechSzehntcn Iahtt,u»dert. mit der Eroberung de» Elsaß im 17., der Annexion Lothringens im 1W. Iahrkamen bisher deutsch gewesene Inden in den ftanzösischc» Untcrthanenvcrband. (La>>»s, soi„i.i Oesterreich-Ungarn. Hemberg Ai» .'lv. v. M. veranstaltete die jüdische Gymiiasialjugcnd unter Leitung ihre» Religiouslehrrrs. Herrn vr. Kodak, ein Ehanukahfrst im Saale de« Vereine» .Schomer Israel". Die Feier war eine sehr würdige. Herr vr. Kodak hielt dir Festrede »nd der de» Lesern »nscre« Blatte« durch seine .Silhouetten" wohl bekannte l>elnäische Dichter, Herr R. Sainurlh. dekiamittc ein eigens zu diesem Zlvectc verfaßte» hebräische« Gedicht, welche« aus» Reue die große Meisterschaft de» Dichter« aus diesein Gebiete bekundete. Eilt Ghmnasialschüler deklamittr rin polnische« ein anderer ein Gedicht in deutscher Sprache. Ansprache und Schlußwvtt hielten ebenfall» Gnmnasialschüler. In den Zwischenpausen wurden (besang und Musikstücke ausgefiihtt. Der Verlaus der ganzen Feier war rin sehr würdiger, und es kan» uns nur freuen, lvenn die sludirendr Jugend, anstatt, wie c« bisher Mode war, sich dem Judenthnm zu entfremtuni, da» entgkgen. ", Ein schwarzgallige«, säst erblindete« Lehrerlei» sucht ihn bereit» in einem onhodozrn Blatte mit Lchmuy zu bewerfen, da» wird 9.« Popularität bet de» tUebildelen aller Dichtungen nur brsärdern. « Bestreben kundzugeben beginnt, „nd von einem lvarme» I für ihre angestammte Religion sich durchdrunaen zeigt Am 2«. Dezember hielt Herr Rabbiner Löwenstein etile Bottesung im Vereine »Schomer J»rael" über »Sage und Exegese im Sohar". A»» schreibt un» ein streng religiöser Rabbine, über die Halberstädter Fleisch-Wirren und da» Vorgehe» de« dortigen Rabbinat» folgende» ivahrlmft zermalmende Uttheil: .Der Standpuntt. dr» da» Rabbinat in Halberstad«, «»«besondere seitdem der von hier (d. h. au« Ungarn» dahin gekommene Rabb. Nobel in dasselbe einaetreten. ist selbst nach streng halachischer Praxi« nicht zu rechtfertigen. Rabbi Mose« Sofer. eine tatmudischr Autorität, de» >ene Herren doch sichettich anerkennen iverden, der prinzieil zu den grüßten Erschlverern bezüglich N12N0 am Pansen gehötte. hielt sich deunoch nicht berechtigt. in der (Gemeinde Mattersdorf, wvselbsi er. ehe er den Preßburaer Rabbinatssib einnahm. Rabbiner war. die etteichtenide Praxi« seiner Vorgänger aufzuheben «siehe Rrsp. .1.1 in TT DTt) »nd i» Prrßburg. wo die strengere Praxi« geübt worden, ist er geneigt, zur Zeit eine» Fleisch mangels i la .Halberstadt ohne zu erlauben (ibid. Resp. 48). Aber selbst an den Crtni, wo man in dieser Beziehung penibel lvar, drang die erschlvcrcndc Ansicht R. Mose Sofer'« nicht ganz durch, man vergleiche dir 88. Response de« Iehuda Asiod. «veil. Rabbiner i» Szerdoheli, Ot"'Vtö). Wa« würde dieser rnhmlichst bekannte, streng otthodoxr, aber nicht fanatische Rabbi dazu sagen, lvenn er hören mochte, wie ein junger Romantiker aus dein Rabbinat«- throne seinen ivahrhaft bedeutenden talmndgrlchttrn Klater deSavouitt. er würde ganz ebenso in Harnisch gerathc». wie dazumal, al« einige Mitarl>eitcr eines otthvdoxrn Blatte« in Deutschland Himmel und Erde in Bcivegung setzten, um den bi« dahin unbedenklich al« .koscher" geltenden Eichorien» Kaffec au» der jüdischen Küche zu verbannen, angeblich wegen Beimischung von Schweinefett. Dir bttr. Response Rr. 187 ist schr interessant und wäre jüdisch-orthodoxen Zeitung«. schreil>er» sehr zu empfehlen." ffaflanb. yritt«l«C|. (Au» dem Buche de« Fürsten von San Dvnato; Eap. III.) E« genügt nicht, die beschränkenden Gesetze und die Privilegien der Juden zu nennen, denn selbst in den Gesetzen, die für Alle gelten, werden die Juden zurückgesetzt. Sei r«. daß der Hag der Beamten oder di« Unklarheit und die Widersprüche in den Gesetzen e« verschulden, oder da» r« in der Ausfaflung begründet ist: wa« nicht ausdrücklich gesetzlich erlaubt ist. ist de» Juden verboten — die emancipirrnden Gesetze sind tobte Buchstaben geblieben, darum muß man die Aussührung der Gesetze in'« Auge fassen. Die Beschränkung de« Wohnrecht« der Juden ist der Grund und Eckstein aller Ausnahmestellung. So lange man sie hindert, ihre Arbeit und ihr Können dorthin zu bringen, wo e« gebraucht tvird und verwerthet iverden kann, so lauge man sie einpfercht in Plätze, wo sie ihr Brod nicht finden können, so lange wird man nicht .Kreuzige" ruft» dürfen über diejenigen. welche per faa et nefae Gewinne erhaschen. 1889, 81 und 88 ist den Kaufleuten I. Gilde, denen, die rin Studium beendet haben und den Haudwrrkern gestattet worden, in Inuenrußiand sich aufzuhalten. Rur einige Kaufleute L Gilde haben davon Nutzen Ki. obschon dir wirklichen Kaufleute auch der geringeren da» Bedürfniß a»«zuwandern kaum verspüren. Wenigrr schon kam e« den Studirten zu Nutz, da sie keine Armter bekommen, obschon e« 1881 ausdrücklich befohlen worden ist. daß sie l>errchtigt seien, Anstellung in allen Theilrn de« Staat«- dienste« zu gleichem Rechte mit den andern Staatsbürgern zu erhalten. Den Handwerker» kann aus dieser Besttmmung nur wenig Bottheil erblühen, weil ihnen nicht Wohnrecht» sondern nur Aufenthalt«recht in Innrnrußland zugrstanden worden ist. Alljährlich müssen sie au« der alten f

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