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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 3. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 3.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 19 — I sind, mein« Wissen« sich nicht eine einzige befindet. dir eine I Rechtfertigung derartiger Aussprüche unternommen hätte. — I Sir werden. geehrter Herr. dm tiefm Schmerz begmfen, mit I tan taartigr Aeußerungen, mir fir aus Ihrem Munde I gekommen sind, das Herz jede« Juden erfüllen müssen. Sie I haben aber für sich noch dazu da« Boirecht in Anspruch | genommen, daß Ihr Unheil ol» durch zehnjährige Studien begründete« gelten dürfe. Den» meine Darlegung Sie davon überzeugt hat, daß Ihr Unheil au« Mangel an genauerer Keuutniß de« jüdischen Lchrislthum« kein ganz zutreffende« gnvesen sei. so darf ich wohl envaNe». daß Sie «Gelegenheit nehmen werden, die von Ihnen abgegetaie Erklärung in einer Ihnen geeignet erscheinende» Weise zurückzunehmen resp. zu modificirni. In aller Hochachtung gez. Landrabbiner Or. Guttman». Gerichte «»d Eorrefpo»de»)e«. De«ts«bla»d. MiigdeSurg Wir habe» in voriger dkuinmer gezeigt, daf> ivcder Bibel, noch Misch»«, noch lalmud ei» Llerbot enthalten, wonach da« Begrata» irgend eine« Christen*» auf jiidischem Brgräbuißplap zu »nitenagen iväre, wir habe» im lN-gentheil au« dem lalmud und Maimvnide« Stelle» nachgtiviksrn. die e« an« guten humanen Gründen gestatten. Welche l^egengrüude führt nun »nfei-r heutige Orthodoxie in'« Feld. Ta« Hildesheimer'sckw Organ schreibt: .Da« Bc-- graben von Nichts »de» aus dcn> jüdische» Begräbnißplatz ficht im Widerspnich mit den NeligivnSe i n r i ch t u n g r n de« Judenthum«-. Sie schreibt wohlweislich nicht „Religionsg es ehr»". sonder» nur „Eiurichtuugrn", lwzeichnet diese al»er nicht nälwr. jrdoctf zur Behauptung de« Herrn Justizraths Mako wer, .das; er nach eingehender Erkundigung keine Stelle de« jüdischen Rrligivusgesrhe« habe' erfahre» können, we'lchc da« Brechigru eine« Nichtjudr» auf einem jüdischen Ariedhvse verbiete", macht sie dir Aumrlluug: .Herr Makowrr ist schlecht unterrichtet: e« existikt sogar rin uoel) viel weiter gehende« Berbot im lalmud". Eine Ouelle ist hierbei nicht angegeben, sie meint offenbar die Stelle in Shnhe'dri» 47 a: p-TX U|3fK TCn p”C'p P*t, die alter gar nicht von Bekennern einer ande-ren Neligion. sondern nur von .lasterhaften und tugendhaften Israeliten" handelt, die man nicht urbeurinander beerdigen solle. Da« ist allerdings ein .viel iveitergelwndes Verbot", aber wir möchten dir t^emeinde kenne», in der r« noch fehl lvobachtet. i» der über jeden -(erstorbenen ei» lodtengrricht gchalten wird, ob er — wie die Abstufungen im Schulchan Aruch 462 Z!» laute»*» — rin ganz oder lveniger frommer, ein Mittelmäßigen oder ein mehr oder »«eiliger Lasterhafter; gnvesen «soll ja selbst ein ^sadhik" nicht würdig sein, neben! einem .Chassid" zu ruhen!«. Richten sich die Herren von dci Beerdigungseommission rttva nach diesnn Paragraphen de« Schulchan Aruch? llub in Bezug aus Nichtjude» will man chn in Anwendung bringen '? Da haben die Gelehrten der „Jüdischen Presse" denn doct> folgende ivichtige Stelle im Josef Karo übersehen (Tur Jore Dm .4HT) *KTn D"WtS S“U SCH „das ist ganz gewiß, dag ei» „lasterhafter Israelit"sin Bezug auf da» Begraben iverdrn neben einem anderen Israeliten» weit tiefer steht, al« rin Nichtjude!" Macht man nun in Berlin beim Beerdigen keinen Unterschied zwischen mehr oder weniger frommen oder schlechten Juden, so darf zwischen Jude und Nichtjude hiernach ent rrctn kein Unterschied gemacht werden, vorausgeseht, dag bei der Beerdigung nichts Antii jüdische« geschicht, worül«er dir betreffende Commission streng zu! wachen hat. Darum ist auch dir Besorgnis; der „Jüdischen! Presse", r« könnte zur Ausstellung freinder Rrligiousembleme | auf jüdischen Begräbnißplätzeu führen" eine leicht zu l»el>ende. denn dag dir» nicht grschrhr, ist Sache der-(erwaltuug, deshalb aber darf da« humane Gruudpriueip des Judenthums nicht verleugnet iverdc'». Ein Hauptgeivicht ivurde in jener ") Wir sehen jetzt vom tlivilede-izall gänzlich ab. "non.-aicn n-oc .‘rpsen ,tö: th" Repräsentantensiyung darauf gelegt, dag rin Fall erzählt wurde, in welchem vor kurzer Heit keine der christlichen Kirchengemeinden Berlin'« eine jüdische Kindcrleichc auf chnstlichen Friedhof beerdigen lassen wollte.*) Die „Jüdische Presse" legt rbetisall» hierauf große« Geivicht. Aber wir'/ Seit wann sind den» inhumane Vorkommnisse bei andere» Religionen maßgebend für un»? Soll Israel nicht mit praktischer Menschenliebe, die über da« Grab hinan« im Menschen den Neben» bruder ehren soll — vorangehen? Oder ist da« blo« hohle Phrase auf de» Kanzeln, oratvrisclfe Ausschmückung, die in der Praxis nicht zur Amve'ndung gelangt'? Christliche Kirchhöfe. — da« sei zilr Entschuldigung ta betreffenden Berliner Kirche»behörde» angefnhrt — find t«esonder« christlich geweiht, das Judenthui» aber kennt solche l«esvndc'r» geweihte Erde nicht, ihm ist jede (Grabstätte, die dir irdische Hülle eine« braven Meusktp:» umschließt, gelveihl. und >vie r« von seinen .Gotteshäusern heißt: „Denn mein Hans soll ein Brthau« für alle Bölkergenanntsein", so gilt daSmutati» mut.ant.is auch von seinen Brqräbnißplähen: „Leine Friedhöfe seien Nicinaud venchlossen!" N'M'? H2C Wir rverden »un »och in einem besvndrrr» Artikel aus den Mische!»-Fall und aus den Unterschied, den man in Berlin zwifcksen den christlichen Frauen jüdischer Männrr und de»chriitlickum Männer» jüdischer Frauen macht.zurückkommen. Magdeturg. In seiner Begutachtung de« Gutachten«, das Herr Dr. Ecker vor dem Landgericht in Münster in dem .Judc»spiegel"-Prverg («ezüglich der ^Verbindlichkeit de« Schulchan Aruch für dir gefetzestreurn Juden, thnt Herr Or. H o f f in a n >« .Hanptlehrer am orihvdoxcnHildrSheimer'schen Rabbinerfrminar i» Berlin einen Ausspruch, der festgenagelt zu werden verdient. Er erklärt daselbst in Nr. öl 2. 6.48 »ub 4: .Der Schulchan Aruch ist rin Auszug aus der Mischna und dem babylonische» Talmud, und gebrauch« in seinen Gesehen dieselben Ausdrücke in demselben Sinne, wie sie in jene» Werken gebraucht iverdrn. Die Mischna alar wurde gegen Ende de« 2. Jahrhundert« unter der Herrschaft des heidnischen Rom, der babhlvnisckfr Talmud gegen Ende de« ö. Jahrhundert« unter der Herrschaft der Feuer a n b e l e n - den Neuperscr redigirt. Der Ehrislen geschieht in der Mischna nnr äußerst selten, und auch da nur als jüdischer Sectircr Envähnung. Der Talmud, der hauptsächlich nur Eommrn tar der Mischna ist, gedenkt deshalb auch nur selten der Christen. Unter Akum und bergt, (i. e. Nochri Goj — Red.) ist also i» diesem Werke zweifellos nur der Götzendiener verstanden. Der Verfasser de« Schulchan Aruch, al« Epitomator de« Talmud«, kann also auch unter diesemAusdruckc kr i n e n A » d c r c n gemeint haben". Wir unsererseits acceptiren diese Erklärung gewiß, und wünschen nur, daß da« Lehrercollrginm de« orthodoxen Rabbiner Seminar«, unter desien Zustimmung die Erklärung sicherlich abgegeben worben, nun auch in Cvusequc >, z derselben die sämmtlichcn Bestimmungen de«. Schulchan Aruch bezüglich HS; rj CCS nur für die unter Götzendienern wohnenden Juden für verbindlich erkläre, aber nicht auch für die inmitten christlicher Bevölkerung wohirenden europäischen Juden. Das ist es. lvas wir unter .Revision de« Schulchan Aruch" verstellen. Nerkk«. (Harmlose Plaudereien.» Gestatten Sie mir, verehrter Herr Rrdactcur, meine Plaudereien dadurch zu inauguriren, drrß ich die Wahrheit de« Sprichwortes: Wie e« sich christclt, so jüdelt es sich — durch Beispiele aus dem Leben, Weben und Streben der Hauptstadt der Intelligenz verauschauliclsc. Bekanntlich bringt fast jeder Tag eine Unzahl Rcclamen inbrtreff allbrglückender Erfindungen, al« da sind: Mittel *) Will man auf einzelne Vorkommnisse ezemptisiciren, so inochlc» wir daran eriniirrn, das, setz» vor einrm Jahre der orttiodore Oberrabbiner Tünucr in Amsterdam da» jüdische Uind »ine» nach den x'audcsaesepeu und später auch religiös getrauten jüdische» Paters —die Mutter war zm» Judenthui» iibergetreten, da» Uind kurz vorder gcdoren und einige Woche» » a ch der religiöse» Irauung gestorben — nicht aus dem jüdische» szriedhos berrdigen lieh; e» muhte aus christllchem Ikitchdosc bcgrabe» ivrrden und liegt trotz aller Reclamation de« Vater» noch aus demjeideu. Ia» sind die llomezuenze» orthodoxer Nleletze«au»leguug!

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