Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 14 #«* 36ftrttmtcr|, 4. Januar. (Or. «tfon.) Der Verein zur Unterstützung von. Kittwen und Kaisen. anner i«r. Lehrer und Borsänger in Württemberg veröffentlichte in dieser Woche seinen Rechenschaftsbericht sfür di« letzte dreijährige Rechnung-Periode 1880/1883. Derselbe bietet einen erfreulichen Rückblick auf den günstigen Fongang und. die segen-reiche Wirksamkeit de- Verein» in der abgelaufenen Periode. Der Bnein hatte sich fortdaunnder Gunst zu erfreuen. wie ihm denn au» Stuttgart in neuester Zeit 39 außerordentliche Mitglieder beigetretc» sind. |3o ist edenn möglich geworden, innerhalb dieser Rechnung-Periode die bedeutende Summe von 280V Mark Unterstützungen zu geben. Da» Verrin-vermögen hat öl5V Mark zugenommen und beträgt jetzt 24581 Mark. Die Zahl der Mitglieder beträgt 50. Rn den Spenden für den Verein bethciliat sich in höchst Huldvoller weise auch jede« Jahr Ihre Majestät die «öiiigin Olga. Die Gemeinden Buchau. Cannstatt, Göttingen. Halle. Stuttgart und Ulm haben au» ihren Gemeindekaffen Beiträge bewilligt. Vorstand de« Verein« seit seiner Gründung ist Oberlehrer Lieb mann a. D. in Stuttgart. Oesterreich-Umgarn. Wie». «Schluß.) Man wende nicht ei», r« sei die« bla» eine vorübergehende Störung im gesellschaftliche» Orga» ni»mu«, eine »Zritkrankhrit'. welche, nachdem sie ihren naturgemäßen Verlauf durchgeinacht, von selbst verschwinden werde. Diese tröstende Anschauung lmtte allerdings berechtigte Geltung mit Bezug auf die Judenverfolgungen im Mittelalter. In einer Cpoche. wo die europäischen vüiterschaflen von Zritrichtungen und Zritströmungen mehr mitgerissen waren, al« sie solche beherrschten. Für un» aber, die wir inmitten de« hochbetagten und hochentwickelten Europa leben, vermag die gekennzeichnete Um« schauung wenig Tröstliche» zu bieten. Denn Krankheiten, welche an einem gealterten greisenhaften Körper zum Ausbruch kommen, pflegen »oft nicht minder der Heilkraft der Zeit, al« der Kunst de« Arzte» hartnäckig zii widerstehe» und treten häufig, nachdem sie »ür einige Zeit verschwunden, al» Rückfälle wieder »n die Erscheinung. ihenug davon! wir möchten den lfiedanten nicht in» Uebermaß fortspinnen, »och «n» gar allzu trübseligen Betrachtungen hi »geben. Wir überlassen e« gerne den» Eultuchistvriker, daß er au» drin Vergleiche der Judenverfolgungen im Mittelalter mir denen der Gegenwatt die Schlußfolgerungen sowie die Nutzanwendung ziehe. Wa« aber un« al» rin tztebot der Nothwendigkeit erscheint, ist. daß sich nunmelir die Gesrtzqebuiia mit dem Ryirrgyhazaer Procrß beschäftige, „ameitttich ein Gesetz schaffe, da» geeigntt wäre, künftighin dergleichen Processen den Boden zu entzittsen. Der moderne Staat, welcher in seinen riesigen mit den Schwierigkeiten wachsenden Rufgaben auf die Mit- Wirkung und Unterstützung aller Staat«bürger angewiesen ist. kann und darf nicht müßig zusehe», wir eine vvi« ihm anerkannte Religion, deren Bekenner in den Leistungen der Blut« und Gutsteuer in keiner Weise zurückstehen, besudelt werde. Nicht die Reinsprechung der jüdischen Rrligiot. von der ebenso läppischen wie niederträchtigen Blutbeschuldigung soll der Zweck de« tyesrtze« sein, denn einen solchen bedarf dir jüdische Religion sicherlich nicht, sondeni e» soll blo« friedliebenden Bürgern Schutz vorschamlosen Insulten gewähren, und die« um so mehr, wenn solche geeignet sind. Procrffe wie derjenige von Nyiregyha«a hervorzurufen. Wir ziveifeln nicht, daß dir rechtlich Denkenden aller Confessionrn und aller Parteischattirungen unserer Rnsicht die Billigung nicht versagen iverdcn, mit Ausnahme allerdings derjenigen, welch« sich den Anschein geben, an die Blutschuld zu glauben, um andere daran glauben zu machen. Die Krrmrl eine« solchen Gesetze« könnte leicht gefunden iverd.n. Dieselbe darf keineswegs das Gepräge ihrer Beziehung und ihre« Zwecke» an sich trage»; sie darf überhaupt nicht die bestimmte Religion zum Gegenstand haben, denn da« hieße da« mittelalterliche System de» Schutzjudenthum« legislatorisch! wieder zu Ehre» bringen, und ivürde erst beivirken, daß die : zu schützende Religion exponiert bleibe. Am zivrckmäßigstrn ’ würde e» sein, wenn man dem Gesetz etwa folgende Fassung gäbe: »Wer vorgiebt. daß die Ausübung von rrligivsni Ge- »brauchen durch eine vom Staate anerkannte Religions- Genossenschaft vermöge der in der betreffenden Religion »geltenden Satzungen oder Ucberlicferungrn mit verbrecherischen .Handlungen verbunden sei. macht sich.schuldig. »Wer überdies solche Ansichten durch Wo«, Schrift »>. s. w. »zu verbreiten sucht, inacht sich.schuldig'. Ob wir un« der Hoffnung hingeben dürfen, daß die hier zum Au-druck gekommene Rnsicht in Kreisen der l>ernsenen Factoren R »klang finden wird? Rg. ' Frankreich. y«ri». Wir werden sehr modern, Eine im Tempel der Notre dame de Xaureth anberaumte Trauung konnte nicht stattfinden, tveil am selbe» Morgen der Bräutigam durch ein Weib ermordet ivordcn ivar. da» sich darauf selbst den Tod gab. — Zu Auditeur« im 2taa««rathr sind ernannt die Hetten Meyer und Seligniann. Herr Rcishofrr (Schwager de» verewigten Munk) ist zn>» Tribunalsrichter in Chateaux Thierru ernannt worden. — Die »irdicinische Akademie hat eine Broncemedaillr Herrn Or. Bloch, einen Preis von 500 Franc« den, Militärärzte .Or. Weil zuerkannt. In Folge der Chanukaprrdiat de« Oberrabbiner« hat die llvllettr für die Schulen 1250 Fr. gebracht und fließen die Zuwendungen reichlich. Da» Wohlthätigkrit».Comit4 hat im letzten Monat außtt einigen llonsistorialobligationen 05.930 Franc« eingenommen! Hbaliistina. Aerufake« Dir Regierung l)ot da« Fällen von Bäumen verboten «endlich wird der Walddevastatio» Einhalt «tthan, ivo e« fast zu spät ist!), wodurch der Prri« de« irennholze» bedeutend gesteigert worden ist! Trotz dieser Fürsorge verhält sich die Regierung de» jüdischen Kolonisten gegenüber ablehnend. Selbst gegen den Verein Pessach Tikwah (der Häuser vor den Thoren der Stadt baut) hat dtt Paschah sich rrklätt und de» Ban der Häuser zu hindern gesucht. Die deutschen Nachbarn traten an die Stelle der einheimischen Bauleute, iveil sie »ach dem Paschah nicht zu fragen haben und bauen munter fvrt. Der Hilf«verein für die Verstoßenen l)at den Beinamen »zur Ehre Mose« und Jehudith' (Montefivre) angenvmmrn. In den Vorstand sind die Spitze de« Rabbinate» und dir Herren Frumtin und Ben Jrhnda gewählt. Die l l Schützlinge de» Hern, Brill, über deren Nichtansirdelung auf den Boden der Ackerbauschule er so viel Lärni geschlagen hat. haben sich zwischen Rischvn» le-Zi>on n»d Ramlch angekauft. Aetmfatn». Herr Scheid spricht sich in einem Schreiben a» ,.ll». i«r ' dahin au», daß ein plötzliche« Rbschaffe» der Chaluka unmöglich, eine Verminderung derselben aber, zumal für die jüngeren Leute, unbedingt nothwendig ist. Nicht allein, daß da» vergeudete Geld nutzbringender. B. der Cvlonisation, zugewrndet werden könnte — die ühen Heirathen würden dadurch vermindett werden. Denn jetzt werden die 12—l 4jährigen verheirathet, weil die Chaluka nach ^jahl der Familie» vettheilt wird. Man hat ja nur da« Eine im Rüge, zu bekommen und viel zu l«ekonimcn, ohne zu arbeiten! Mittel dagegen giebt'S nur zwei: Schule und C o l o n rs a t i o n. In der Rllianceschulr werden nicht allein Sprachen unterrichtet, sondern auch Handweiksunterricht ettheilt. Leider giebt's erst 17 Lrhttinge.!öelr Scheid ist überzeugt, daß von dem Tage an, an ivelchem den Ehemännern, die noch nicht 20 Jahre alt sind, die Chaluka versagt würde, die Rllianeeschnle Schüler aus allen Winkeln erhalten würde. Für Schulen in den übrigen Städten fehlt'» leider an Geld. «Run dann schafft'« von den Ctmlukagrldern!)