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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— IS — Vermischte mrd «e«eße K«chrichte«. z>«ßöeA»r«. 8. Januar. Mit Blitzesschnelle hat da» kabrltelegramm die erschreckende Trauerkunde vom plötzliche» Tode.LaSker'S durch alle Lande getragen und. soweit Mrnschenherzeii für Recht und Wahrheit schlagen, den u»getheiltesten Schmerz wachgerusen. (kr hat seine freie edle Seele auf dem freien Boden Amerika'» in den Arme» eine» edlen Freunde« und Bcrehr«r«, de« Ba»quirr»Seligmann inNew-Aork. bei dem er am 5. Januar biuirt hatte, ausgehaucht, «eine irdische Hülle soll, wie ino» hört, nach dem von ihm so geliebten deutschen Vaterland? übergrführt werden. Die Tagesblätter aller Farben') widmen ihm dir wärmsten Nachrufe; sie »eiern ihn mit den a»erken»endsten Worten al» Patrioten und eine» der hervorragendsten Parlamentarier und heben besonder« rühmend sein immense« Können, sein uneigennützige«, selbstlose« Schaffen, seine Barerlondaliede. seine gesetzgeberische Thätigkeit und die Laulerkeit seine« Charakter» hervor. E» ist schtvrr einen auch nur gedrängten Au»zug au« den vielen Nekrologen und .Erinnerungen au« LaSker'« Lebe»" hier wirdrrzugrben. wir gedenken später einen zusammenfassenden Bericht darüber zu bringen. I» de» Kreisen seiner Berliner Freunde und Parteigenossen ist man der Ansicht, daß man den Heimgang de« mir der politischen Geschichte de« deutschen Reiche« so eng verknüpften Manne» nicht ohne eine würdige Kundgebung vorübergrhen lassen Vars. Da» Nähere wird demnächst in einer Bertrauen«mä»ner-Bersaminlu»g besprochen iverde». In dem heute eröffnrten Testament sind, vorbehaltlich eine« späteren Codicill«. »velche« bisher jedoch nicht aufgefunden iverden konnte, dir fünf (Geschwister de» Lterstorbene» zu alleinigen Erben de« Nachlasse« eingesetzt. Bo» diese» ((Geschwistern leb» der ältere Bruder i» Freiburg!. Br., der jüngere i» Galvesto» >Texa»), dir drei Schwestern sind in Frriburg i. Br.. Schwerin (an de» Landrabbiner Vr. Feilchcnfeldi und Posen verheirathet. E» ist kaum auzunehmen, das» iirn»r»«wrrlhe« Vermögen vorhanden sei, dagegen ist wohl eine »verthvollk Büchersammlung und vielleicht da» Recht aus seine» litterarische» Nachlaß zn vererben. Die Entscheidung, ob bic Leiche nach Berlin überführt iverden wird, hängt zunächst von einer Berständigniig zwischen den beiden überlebenden Brüdern ab. M«ßtzeß»r§. In der Neustettiner Syttagogenbrand- Affaire, welche am 4. Januar in der Revision«.Instanz vor dem Reichsgericht zu Leipzig zur Berhandlung stand, hat da» Reichsgericht au« den in der Rrvisionorechtfertigung vom Brrtheidiger Rechtsanwalt S e l l o gelt, nd gemachten elf Punkten den siebenten al« zutreffend ancrkannt und die Aufhebung de« Urtheil« und die Berweisu ng de» Prozesse« zur nochmaligen Berhandlung an da« Schwurgericht in Könitz beschlossen. (Der in Rede strheudr Punkt stützt sich aus de» Umstand, daß der Zeuge Engel vor seiner Bernes muiig über da» Recht, sein Zeugniß zu verweigern, nicht belehrt worden sei, und (Verstoß gegen 8 r>7 der Strafprozeß-Ord.) (Or.-Cor."» Dem von Herrn vr. R ü l f so iutccessant erzählten SchwurgerichtSfallc möchte ich einen ähnlichen zur Seite fidlen. Bor einigen Jahren sah ans der Anklagebank de« hiesigen Schwurgerichte« ein Jude au» dem Flecken Liedenau. Er war der Brandstiftung angeklagt. Der Brand war in der Nacht von Freitag auf «onnabend ausgebrochen. Der Berthcidiger de« Angeklagten (Rechtsanwalt Schnell), der kein Jude ist, wie« daraus hin, wie der gesetzeStreue Jude am Sabbath nicht einmal einen Gegenstand, der zum Trogen de« Lichte» oder zum Brennen bestimmt sei, bewege, »eschweige. daß er selbst Feuer hervorbringe. Der Angeklagte wurde frcigrsprochen. *) Dl» einzig« Ausnahme mach! ha» Leiborgan de» Herrn «liieler, der ,Reich«boie-, welcher sich nicht »«rsirgen konnte, da» Andenken de» edlen lodirn zu besudeln. .Auch da« gereicht dem Heimgegangenen zur Ehre!" — bemerkt die .Magd. Zeit." *•) In der tforr. in vor. Rümmer muh da» Datum .31. (statt 1.) Dezember' heisien. Dieser Tage verstarb hier im Alter von 77 Jahren der in Brody geborene Herr Naftali Mendel Scho rr, der schon 1844 da« Blatt.Jeruscholaim" und 1883 den .Boten" herausgegeben, außerdem mehrere erzählende und kommrntirende Schriften in hebr. Sprache versagt hat. West, 1. Januar. An der Spitze einer Deputation der liberalen Partei überbrachte henke (Hraf Banffy dem Ministerpräsidenten Ti «za deren Neujahrsglückwünsche, versicherte denselben de« ungeschmälerten Bertrauen» der Partei und danftr für die Energie der Regierung bei Unterdrückung der antisemitischen Agitation. Der Ministerpräsident erwiderte u. A.: Was de» Antisemitismus anbelange, so werde er dabei weder von Sympathie noch von Antipathie, sondern lediglich von der Rücksicht auf den guten Ruf Ungarn« geleitet, der nicht geschmälert werden dürfe. <£»»«»». Der Bericht, daß rin Arzt Loui« David Cohen, der sich geweigert habe, eine Sektion vorzunehmen — zu 40 Schilling Strafe vrrurtheiit und dann auf Grund de« Gutachten« de« Herrn Oberrabbinerü vr. Adler — daß rin Cohen da« nicht dürfe — sreigesprochrn worden sei, leidet an Dunkelheit. E» ist kein Arzt; sondern ein Mitglied der Jury, der al« Coroner hatte fungire» sollen. Denn wie sollte der Arzt studir haben, ohne Anatomie praktisch zu übe»? 9«ri«. Bei A. Lävy, ru« Lafayetle 13, ist der II. Band der Grätz'schen Geschichte, übersetzt von L. Wogue. erschienen. Er umfaßt die Zeit voin Babylonischen Exil bi« zur Zerstörung de« zweiten Tempel« (Preis si Fr). Der III. Band ist in Bvrberritung. — In der Gesellschaft der jüdischen Studien werden im Winter der Oberrabbiner Astrur „über die historischen Borläuser de« A»tisemiti«mu«" und Herr Wilhelm Guizot .über den Kaufmann von iltenrdig" Borträge halten. Un. i»r. Vet«r»»«r§ Der gefälschte Allianz-Aufruf ivird vom .Ruß" trotz der derbe» Drmrntirnng durch die Alliance al« authentisch aufrecht erhalten, weil er — von Juden so hätte ' geschrieben iverden kvn »en! Doch da«isl ei» Schmerz erregender Scherz. Den» da« Falsiftcat macht viel böse» Blut — e» bleibt immer Etwa» hänge» — und so hat e» seinen Zweck vollauf erfüllt — daß die Furcht, die Hetzen möchte» sich ernrurr», nicht allein von den Juden getl»eilt-wird, wird unter Anderem auch dadurch bekundet, daß rin Trupp südrussischer Bah»arbeiter durch Kowno von Militair e»cvrtirt worden ist. Unter solchen Verhältnissen ist die Berleihung von Orden a» Juden kaum ander», denn eine Ironie! Herr enrik Reichman» in Warschau, der Leiter de« jüdischen ufluchtshause« hat den Stanislausorde» II. Classe erhalten. Atsakow höhnt, wenn der Pseudo-Ausruf Cremieux« wirklich gefälscht wäre, dann hätte die Alliance den l'Anrisemitique den Gerichten übergeben. Und will man un« hier vor Schaden brivahren, dann dürfte nicht« Anderes übrig bleiben. Nur ei» Spruch der französischen Gerichte kann die Lästerzungen zum Schweigen bringen. — Dem Photographen Spiro ist für 2 Album, die er dem Kaiser überreicht hat. eine goldene mit Edelsteinen besetzte Schale zu Theil geworden. — Der »Wochod" berichtet au« K i s ch i n r w da» Unglaubliche, das dort sich ei» Berein gebildet habe, an dessen Spitze einige Juden stehen, welcher den Juden beweisen will, daß Jesu» der Messias gewesen sei. Ht»««iuie». Au« D o roh o i (Moldau) ist der Rabbiner Taubes ichem. corresp. Mitglied unscrrS Blatte«) in brutaler Weise al» .Vagabund" oder als .Fremder" der Baga» bunden aufnimmt, über dir Grenze gebracht worden! (19. Jahrhundert! Königreich Rumänien! Rechtsstaats Italien Herr Äucdallah. ivelcher alle Sir Mose« Montrfiorr zun> 99. itzeburtatagc dargebrachten Huldigungen, alle zu seinen Ehren abgrhaltrnrn Gottesdienste, M. s. w. in einer Festschrift vereinigen will, wird unseren Gemeinden und besonder« Livoreo, der GeburtSsraht Sir MoscS, einen breiten Raum gewähren müssen. Er ist unser — da« erhöhte unsere Festesfreude. -—.....

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