Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/5369809-5935099-5938137--4891-5377187
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

hrer Religion aufwächst. Daher l»at da« Provinzialschul- Mollkgium uiifrrrr Provinz dir Direktoren und Rektoren seine« Meffort» angeiviesen. sowr'it e« in ihren Kräften steh», dafür »Sorge zu «ragen, dah kein dir Schule besuchender »jüdischer Schüler ohne Unterricht in den Satzungen «einer Religion bleibt. Am leichteste» und erspriefllichste» «vird die« geschehen lvnnen. wo die Anstalt selbst Gelegenheit »azn biete». Wo diesr« nicht der Fall ist. soll »öthigenfall« »die Synagogengerneind,'. ivelche nach tz «12 de» Gesetze» vom 123. Juli 1847 für den religiöse» Unterricht der südischen ISchüler Sorge zu tragen hat. in Anspruch genommen iverden. iZum mindesten al>er sollen dir Eltern auf die Gefahren ans. Imerksam gemacht werben, welche der sittlichen Entwickelung lihrrr Kinder droben, ivrnn diesellv» ohne jede religiöse Unter» Iwe>sung aufwachsen. I Dieser Erlag de» Königsberger Provinzialschulcolleginin» litt für jeden, der mit bekümmertem Blick dir oft sehr traurige» I Zustände de» jüdische» Religionsunterricht» nicht blo» in den I oftpreutzischen Gemeinden kennt, hochersrrulich, und e» wäre Izu wünschen, das, der hier ausgesprochene Grundsatz, »kein «die Schule besuchender jüdischer Schüler darf ohne Unterricht Iin den Latziittge» seiner Religion bleiben-, allen Direktoren I zur strengsten Nachachtung rmpfvhlen würde. Da» rinzigeTraurigc I ui-d Beschämende hierbei ist nur. das, eine solche Bersiigung I«l>erhaupt erst nüthig gnvorde», das, jüdische Eltern nicht von selbst dir ihnr» obliegende Verpflichtung, ihre Kinder I in ihrer Religio» unterrichie» zu lasleu. »achkommr». dag die christliche Obertvhürdr sie an die Erfüllung derselben inahne,', und a»f die Grsahren ansmcrksam machen muf>, welche der sittlichen Entwickelung ihrer Kinder drohen, liiK'itn dies.lbe» ohne jede religiöse llnienveisung aufwachsen. Geradezu unl>egrriflich ist r» daher, ivenn da» .Berl. Tagebl.- zu diesem Erlag folgende Beinerkungr» macht: .Wir halien e» für rewi bedauerlich, das, da» Proviiiziaüchui- «allegium sich jetz« auch nach um den liidiichen Religtvnsnnlerrichi deiummer«. Imme« Weiler komme» wir von dem moderne» wrundsa»« ad, dab di« Religio» eine Pnvalaiigelegeniieii de» Einzeli«e» ist. «Aber dr>ch »ich! die de» einzelnen Lchiiler«! stiir die «trsüllung der Unierlichldpslichi Hai der Llaai durch seine Lrgane ,ulorge». Red.i flnstaii dasiir zu sorgen, das, die Schule ihre Zöglinge zu gieichgearleier freier Menschenbild»»» eizieln, will ma» auch durch die Schule die Berschtedenhei« der religiöse» Borstellungen eioig wr'iier svnpftanze», ,väi»e»d hierfür dach wahrlich die verschiedenen Reiigionegefellschaslen schon privatim genügend (wie wenig »vahr die» ist, davon iveist jeder Rabbiner Beispiele zu erzählen. Sorge tragen. Indessen die zeitliche Sorgsa» der Behörde» für den jüdischen Religionsninerrichi jtt detselbe»;fei>, da der flntisemitiamn» ittnftust »nd Macht verlrikl, wunder« »»« durchau« »ilin, Hai doch auch Herr Störker erkitri, das, ihm ein Jude, der mit siimmi iichen Borurlhriicu und Bnschauungen der Iahrtansendc belaste« ist, lieber sei. ai» der moderne denkend,' Jude, dessen Religion im freien Menschenibiime gipset«-. ,Bder .freie» Menjchettlhnm" heisti doch »ich« flreisein «>on jeder Religion V So «venig wir sonst auch mit der „ttreuzreiiung" snmpaihiflren, so müssen wir ihr doch in ihier «Inlgegnnna aus diese R»4 lniinngen de» „Berliner Tagedlatie»" Rech« geben.. Sie schreib«: .Da» Organ der .Jerusalemer Strafle" Mit r» für .recht lvdaucrlich. das, da» Provinzial-Schulcollegium sich jetzt auch »och um jüdischen RrligionSlinterricht bekümmert,- obwohl dies«'» damit tveiter nicht» timt, al» seine Pflicht und Schuldigkeit. Da» .Berl. Tagebl - will doch nicht etwa, daß die höhere Schule» liefuchenden jungen .Glauben»geiiossrnmöglicher Weise ohne Religions-Unterricht aufivachst»? Zunächst soll sich nun da» Provinzial- Schulevllegium um deiistll'r». so tveit er die jüdischen .Glauben«genoflenbetrisst, nicht bekümmern bürst», sondern e» hätte dnn jüdischen Familienvater al» .Einzelnen und privatim-, wen» e» ihm belieben sollte, seine schulpflichtigen Kinder ohne ReliglonS-Unterricht aufwachsen zu lassen, die» rriifach zu concediren. .Die öffentliche Schule allerdings soll ihre Zöglinge, nach dem .Berl. Dagebl.-, lediglich .zu gleichgearteter, freier Menschenbildungerziehen. Die Jude» können sich dir Phrase ja gönnen: je tief r diese .glrichgeartetr, freie Menschen» bildungin da» .religionslose- Ehao» hinabsührt, je eifriger werden sie selber ihre Talmudschnlr» pflegen. (Das Letztere steht nun gerade iiicht zu befürcht««! Red.) .Wie geschickt da« .Berl. lagebl. den .modern denkende» Jnd«tt-gegenda«Provinziol-Sch»lcollcgium ausspielt! E; waren wobl auch .«nodern denkende- Juden, welche innerhalb de» jüdische» Svnagogenvvrstande» in der Hanptstadt Berlin den Beschluß durchsetzten, das, ei» christlicher Mann, der eine Jüdin zur Frau gehabt habe, »ach seinem Ableb«« nicht a» der Seite seiner verstorbenen Gattin auf dem jüdische» Friedhöfe beerdigt «verde» dürfe, sonder» dah er auf den .consessionslosrn- Eominunal-Kirchhof gehöre?- (Bekanntlich ist ei» solch,'« Beschluß noch nicht gesagt. Red.) dl. Mtetefekö, 27. Deeembrr. In Nummer 104 der .Wochenschriftbringe» öle eine» Korrespondenzartikel au» Siebenbürgen, dessen Inhalt sich offenbar gegen die Siebenbürger Sachse» richtet, indem der Au-druck: .da» die Hülfe der drntsche» Brüder gegen Bergrivaltigung erbittet'! gar nicht ander» gedeutet werden ka>i». E» ist indessen kein Grund zu der Annahme vorhanden, das, die von den« .Jwrierzählte» Gräurlthaten »vn de» Sachsen herrlihren. Die Brandaffaire ist in einei» uiibenannten Orte vorgekommen. und fclKtucn die dort bezeichnet«, Bauern keine Sachsen zu sei», «veil die Letzter» im Ganze» und Grvs,cii ivohlhal>ende und anständige Leute sind. Klausenburg ist allerdings ei» deutscher Städtenamen, aber eine magyarische Stadt, wie au» dem Artikel hervorgeht, während dessen die Partei Jsloezh, also eine magyarische. dort rhätig ist. Die Zerstörung der Synagoge in Blasendorf ist offenbar von Rumäne» auSgegangrn, da der Erzbischof Roma» Miran ein Ruinäne ist, die andern i» Siebenbürgen wohnenden Rationen aber keine Erzbischöfe haben, höchsten» die Katholiken unter den Ungarn, deren Erzbischof aber nicht in Blasendvrf wohnt. Uebrrl-anpt bilde» die Sachsen nur eilte» verhältnigmägig kleinrn Theil der siebenbürger Bevölkerung, deren übenviegende Majorität au» Magyaren und Ruinänei« besteht. E» ist demnach ulirecht, gerade die Sachsen, welche selbst von den übrigen Nationalitäten bedrückt werden, für die Excesse gegen die Inden verantwortlich zn mache». So weit mir bekannt, ivohne» gerade in deinjenigcn Distrikte Siebenbürgen«, in denen die Sachsen übenviegen, sehr wenig Inden. Stuttgart, im Deccmt'rr 1883. ,Or.-Eor.) Da» neueste Product der orthodoxen Presse (in Hannover) brachte in Rr. 10 —25 eine Reihe von Artikel» .über die Lage der Juden nach de» in» Königreich Württemberg in Geltung stehende» Gesetzen-, i» welchen den württrinbergischcn Israeliten auscinandergesetzt wird, welch' schwere» Joch auf ihnen laste, das, durch die Befugnisse der K. Oberkirchenbehörde der israelitischen Gemeinde ihre ganze Autvnoinie geraubt sei. Dirsealie» Artikel wurden nun in dieser Woche in eine,,« Separatabdrnck von hier au» massenhaft in alle israelitische» Gcineindcn de» Lande» verschickt, um eine Agitation für Revisivn der Gesetzgebung i» Betreff der Juden in'» Leben zu rufen, durch welche a) den Gemeinden ihr altes Selbstbestinunnngsrecht in Betreff der Steuergebahrung und der Wahl von Rabbinern, Borständen und Lehrern znrückgegebrn werde; lb) die Religionsfreiheit dergestalt gewährleiste« werde, das, Niemand znr Angehörigkeit einer Gcineindc genöthigt iverden köiiiie. deren religiöse« Bekenntnis, rr nicht z» theile» vermöge; o) die bestehende israelitische Oberkirchenbehörde ausgehoben werde, unbeschadet des ObrraufsichtSrathS und der Oberaufsichtspflicht de» Staate», welchen er durch die vorlwhaltenr Bestätigung der von den Gemeinde» geivählten Borständr und Rabbiner, envaiger Genchinigung der GemeindestaUite und vielleicht noch der K-mntnisjuahinc der Gemeilidercchttung genügen könnte. Diese Agitation dürfte nur geringen oder gar keinen Erfolg haben, da frühere Agitationen in dieser Richtung ebenfalls ganz «virkungslos ivaren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.