Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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schaft«rücksichten wie im Falle .Halberstad«'- teiltet darin Erstaunliche«. (btt w3#raelitist tm «ftfllcidj zu btm wibtr wärtigen. großsprecherischen Gebühren diese« Blatte« ordentlich .anständig" zu nennen). ihr sind dit zth» .toleranten" Männer, wie sie sie höhnisch apostrophirt. .die Herrtn Prof. Lazarus und Genossen. die d»r« liberale Steckenpferd mllbt brtltn“ unwürdige syttlrttn der jüdischen Gemeinde in Berlin*). .Bei den nächsten Wahlen sorge sie (die jüdische Bürgerschaft Berlin«), das, weniger parlamentarische. forensische und andere Berühmtheiten in dir Vertretung komme»". Mit diesen Worten schließt da« bei Leibe nicht persönlich gewordene, und durchau« nicht hetzende Organ der Winkelgemeinde »«da« Ie«roel". (die au« vielen Austrittlrr» besteh», und für sich d««halb einen beonderen, orthodoxrnFriedhos angelegt hat) jenen famosen mit sironischen Bemerkungen über die zeitigen Berliner .Rabbinat«- assessoren" gewürzten Bericht. ... Wenn wir uns etwa« allzulang l*i den Präliininarikn aufhielten, so ivar dies zur näheren Orientierung nöthig. damit man wisse, wa« es mit der .überwältigenden" Mehrheit j der Berliner Gemeinde" auf sich lmt, für den» Organ sich da« genaniite Blatt i» diesem Falle auSgiebt. Was den Fall selbst anlangt. so handelt es sich bekanntlich um die Frage, ob man »ein christlichen Gatten einer jüdischen Frau, die nur standesamtlich getraut waren, der jetzt, nachdem ihm seine Gattin gestorben und auf dem jüdischen Friedhof beerdigt worden, beim Vorstände darum ansucht, daß man ihm eine Grabstätte neben seiner Frau rescrvire. willfahren dürfe. Vom humane» Standpunkte au» — da« nehmen mir zur Ehre säinmtlichcr Vertreter der i«ralitischen Gemeinde Berlin» an — würde man ohne Zweifel dem Garte» diesen Herzcnsivunsch gewähren, dereinst »eben seiner Gattin zn rul>en, aber vom religio »»gesetzlichen Standpunklc glaubte ein Thcil de» Vorstande» sowohl, wie der Repräsentante» die Geiielnnigung versagen zu sollen.""» Wo aber ist da« Religionsgesrp. da» dergleichen verbiete»? In der Urquelle unserer Religio», in der l)til. Schrift, finoct sich keine Gesetzesstelle. an» der ei» solche» inhumane» Verbot auch nur gefolgert werden köuntr, auch in der Mischna und im Talmud nicht, ja im (echteren finden wir sogar die gegentheiligrgesetzliche Beslimmung. Im babhivnischen Talmud Tract. Gittin ttl » ivird folgende Boraitha angeführt: Unsere Lehrer lehrten: .Man ernährt heidnische Arme mit de» israelitischen, man besucht lieidnische Kranke mit den israelitischen, man begräbt lieidnische Leiche» mit den irraelit.schc» um de« friedlichen Zusammenlebrn» willen". Der einsache ungekünstelte*"*) Sinn dieser Worte ist einleuchtend. Ihn gicbt der erleuchtete Evdificator de» Talmud», der den gesammlen Traditionsstofs beherrschte, verarbeitete und classisizirte. der Ü'lt jüdische Denker Mose br» Maimon i» seinem 6od«x h*ohft**ka (Hilch. Mnlachim Absch». X 12 s. s.) mit folgenden l>errlichen Worte» iviedcr. die wir nach dein Original und in deutscher Uebrrsetzung zum leuchtenden Denkmal jüdisch-humanen Geiste» während dkl Nacht de» Mittelalters hirrherstellcn: *) Wir ivlederliviea vir Mumcn Mf|rr Ruinier, mdl sie gerade iii I unserer amlsemlilsitnn .(dl durch ihr Volum da» liohe eidlsche Prlnri p de» Iudenilium», die Humanliill, rein erlialieu liaben, da« ist unser Ehrenschild, an dem die annsemiiikchen Pfeile abpralien mitssen. ik« sind die« die HH. Jul. Bleichrdder, Bernd, Frledbelm. Pros. Lazaru», Iusitz Raid t!e,vi». r'udwtg M6mt, Insitz Rald Matoioer. R. Raniilieimer, Lau :Uaih llr. Rarrnse, Ferd Retchenheiin, Ne. Liraßma»». **> Das, da» jildische cheligtonsgesed >>on> (veisie der tzumaniii» durchnxhi ist. mit demselben nich, ln Widerloruch sieden darf, Ist ein Poslula, de« aesunde» Renschenversiandee. >Ran vergleiche dierzu die schönen Schluftsilve in dem dlriitel de» Herrn Rabl,. l)r. ilroner- Brandeudura im heultgrn .viNemlnrblall" ilnd beionder» den S. 7 dort cilirlc» «uchvruch de« ijfaon R. Saniucl b. tldosni) —> «lr nebn.en 05 dler gleich ,o dar ti Ratmouide« auch »erslanden. ,Vergleiche dagegen Josef Karo Jo re Tea ft :«S7, In Voflesia und jerufniemtschem Talmud fedli da» 05 zum Ideil. lieber die etwaige «inoendung de« pT* SttH fCip TK aus »nsern Fall reden wir lm niichsten Welltet. TOI B135H &C* ■V53? 0D2N ■vop'n .orrSm *no D5 orrne onety ,Smr bbss QT*JS '3T7 ’JBO W new m ei1?» vormSs1? -"3« rwo bD bv "sm.Tsnnnowi n*ni3*n3 Sei qw :ornr .Ja sogar in Bezug auf die Götzendiener habe» unsere Weisen geboten, ihre »ranken zu besuchen und ihre Leichen zu begraben mit den israel Leichen, und ihre Armen zu ernähren mitfainrn» den Israel. Armen um de« friedlichen Zusammenleben« willen, denn also Hecht e« in der Schrift" (Ps. 14A B. st.). .Gütig ist der Herr gegen alle und sein Erbarmen erstreckt sich über alle sein« Geschöpfe*. Ferner Hecht e« (Spr. Sal. Gap. st. 17): .Ihre Wege sind Wege der Aumuth. und olle ihre Pfade Frieden!" Kann angesicht« dieser klaren gesetzliche» Bestimmung die Entscheidung über die vorliegende Frage auch nur einen Augenblick zweifelhaft sein? Doch wir wissen, das, der Eommentator Raschi (und auf ihn gestützt Rabbrnu Rissim und der Verfasser de« Schulchan Aruch. Rabbi Joseph Karo.) dir Worte der Boraitha ander» erkläre». Wir wollen die Stichhaltigkeit der Gegen gründe von Raschi an bi« zu den sogen, .ersten Autoritäten" der.Jüd. Presse" und ihre Anwendbarkeit auf den vorliegenden Fall in einem besonderen Artikel prüfen, der auch die Frage über die Rrcht«- verbindlichkeit de« Schulchan Aruch ül»erhaopt beleuchten muft; denn der so spöttisch von de» Pygmäen der ,Jüd. Presse" behaiideltk Prof. Lazarus hatte doch ganz Nicht, wen» er i» .tönender Beredsamkeit" auf den Judenspicgelproceß in Münster apostrvphirte, welcher gebieterisch fordere, dag die große Berliner Gemeinde zum Schulchan Aruch Stellung nehme." Er hätte getrost statt .bi.' große Berliner Gemeinde" sagen köinirn .die gesaminte Iudenlzeit". Hat doch dir »Jüd. Presse" selbst diese gebieterische Forderung gefühlt und in einem Leitartikel bereit» Stellung zum Schulchan Aruch genommrn. Wir »verden auch diesen beleuchten und die .ersten Autoritäten" des orthodoxen Blattes mn ihren eigenen Worten schlagen. Werkt«. Es war rin von Begeisterung für die angestamnite Religion bezeugender Impuls, der einige hiesige jüdische Studirendr zur Gründung eines .academischen Verei NS für jüdische Geschichte und Litleratur" zusaiiiinengeführt hat. Die Eonstituirung erfolgte am 22. Februar lHH.l. Der l. Semester - Bericht de« genannten Verein» spricht sich klar genug über seine Tendenz au«: Der Verein will keinerlei Richtung, keine Panei auf seinen Schild erhellen und frei von jedem politische-, und te,idenziäse» Hintergedanken, sich einzig der Pfiege »er jüdische» Wissenschaft hingcbe». Er sucht diese« löbliche Unternehmen durch Vorträge. die von seinen Mitgliedern gehalten werde», und daran sich knüpfende Diskussionen zu erreichen. Den ersten einleitenden Vortrag hielt Herr l)r. Eassel über .die Bedeutung des Studium» der jüdischen Geschichte »ür die Gegenwart". Es folgten tm»» Vorträge über .die Geschichte der Jude» in Spanien" von dem u*nd. med. Lewy, dem derzeitigen Vorsitzenden de« Vereine«, über »Alexander den Grone» und die Juden" von o»ud. phil. Donat u. s. w. — Am Ende de» Sommerseinester« betrug die Anzahl der Mitglieder 17. Auch Gäste ibi« zu 70) beluchte» die Verkinssitzungk». Wir wünschen dem jungen strebsame» Vereine eine immer größere Entwickelung; möchten von der grvsien Anzahl der jüdischen Studenten Berlin» immer mehr und mehr davon Zrugniß oblegen. das, das heilige Feuer der Begeisterung für unsere Religion hell in ihren Herzen flammt. A«» Hftprentze« Durch amtliche Ermitlelungcn ist feslgestrllt worden, das, beim Beginn de» lausende» Schuljahre« auf den höheren Lehranstalten unserer Provinz »Ich ülst jüdische Schüler befanden, von denen nur st-tü jüdischen Religionsunterrichl erhielte». Obwohl nun anzunchmc» ist, daß von den 287 Schüler», welche i» der jüdische» Religion nicht unterricht--» wurde», ein großer Theil bereit» Religio»«- unterricht genossen hatte, vser bei vorgerücktcin Aller noch genießen sollte, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß eine nicht geringe Zahl jüdischer Kinder ohne jeden Unterricht in