Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Opserwilliakrit an txn lag gelegt? Haben ti nicht unsere Glaubensvrüder bei jeder Gelegenheit bewiesen, daß sie sich überall, wo es sich um einen Act allgemeiner Wohlthätigkeit handelte, mit ihren reichen Sp «den in die ersten Reihen drängten? Und hier, wo esich »m Rettung der Ehre de- JudenthumS handelt, um die Abstellung einewahren Rothslande», da sollte sich Israel engherzig zeigen? *b StTT» Roch schlägt daalte ivarmc Herz in Israel, dax Gut und Blut freudig opfert, um die Fahne seines Bekenntnifftfl hochzuhalten. Bereits sind uns Zusicherungen Seitens tonangebender Persönlichkeiten unserer Glaubensgenossenschaft jenseits des Orrans zugegangrn, die uns bei Errichtung eines solchen Institut-, dir thatkräftigste Unterstützung gewährleisten. Also Hand an'- Wert! Es bilde sich in jeder deutschen (Gemeinde rin Verein zum Ztveeke der Errichtung eines Stift»- hauses für alleinstehende unversorgte jüdische Frauen und Mädchen' Leget die Resultate Eurer Berathungen dem Vorstände des .Deutsch-Israelitischen GemeindedundeS" vor. der sodann die richtigen Wege zu finden wissen wird, uni die einzelnen Kräfte zu einem großen Ganzen zusammenzufüge» und durch seine Organisatoren den Aufbau diesegroben Denkmal» echt-jüdischer Fröinmigkrit und Hochherzigkeit zu vollbringen! Also, Brüder in Israel, trete« mit vereinigten Kräften heran an den Ausbau eines das Judenthum zierenden Instituts. Gering sind die zu überwindenden Schwierigkeiten gegenüber dem hohen Verdienste, das Ihr Euch erwerbet, an einen, Werke mitgearbeiter zu haben, das laut und beredt Zeugniß ablegen soll, von dein dem Judenthum innewohnenden hohen sittlichen Ideal der werkthätigen Barmherzigkeit. Gottes Segen wird Euer edle- Streben lohnen und Eure Namen werden noch in späten Tage» ruhm> und ehrenvoll genännt werde». Da» walte Gott! Paul Jolowicz, Pose». Zmr Krage der Kolonisation Palästina'». (Lchlnst.) Es hatten sich namentlich in Ruinänie» eine Anzahl jüdischer Familien zusammenartha» und sind trotz der Ab- Mahnungen sachkundiger gewissenhafter Männer und trotz des ausdrücklichen Verbot» der türkische» Regierung, »ach Palästina auSgetvandert. lsaben sich dort unter Uingehung der Regierungsverordnungen gleichsam eingeschlichen, Land envorben und Versuche mit Ansiedelungen gemacht. Diese Versuch« wurden mit vielem Eifer und sicherlich mit guten Vorsätzen und ernstem Willen uuternommen, aber bald genug zeigten sich die Warnungen der Mahner, die n»an mit der anrüchigen Bezeichnung .Meraglim" geschwächt hatte, nur zu schr begründet und sind jetzt die Kolonisten auf die öffentliche Wohlthütigkeit ihrer europäischen Glaubensgenossen angkwiesen. Da» ist sicherlich nicht die richtige Art und Wei>r, die Kolonisation praktisch durchzuführen und darf es am allenveniasten im Sinne derjenigen sein, dir an diese Kolonisation Hoffnungen für die Erlösung knüpften. Heißt es doch in den täglichen «ebrtm: lan*? nrtSOip ■Ü3'*rm .Führe uns aufrechten Hauptein unser Land", also nicht auf Schleichwege», wie die rumänilchrn Kolonisten. Wie es scheint, wird sich dir Allianz jetzt dieser armen bethörtcn Menschen annehme» und es so vielleicht ermöglichen, ihre Existenz etwas mehr zu sichern. Die Allianz hat bisher bc» einzig richtigen Weg eingeschlagen. indem sie es versucht hat. unsere orientalischen Brüder auihrer materiellen Niedrigkeit und geistigen Versumpfung emporzuziehen. Wie sie überall im OrieiUe Schulen für dir Heranwachsende Jugend gegründet hat, die vortrefflich gcheihen, so hat sie auch in Palästina zuerst die Ackrrdaufchulc in Jaffa und jetzt eine Elementarschule in Jerusalem errichtet. Gerade da» langsame Wachsen der erstgedachten Anstalt zeigt am Besten, wie schwierig gerade in Palästina die Berhältniffe liegen und mit welcher Vorsicht dort ausgetreten werden mutz. Wir haben uns aber auch bishervergeblich nach einem thatkräftigen Enthusiasmus für die Kolonisation Palästina'- in jüdischen Kreisen umgeschaut. E» ist gewiß recht schön, aber auch recht bequem, in Zeitungsartikel» und Brochürcn für diese Idee zu sch>värnien*>. viel verdienstlicher ist es sicherlich. Geld für diese Zwecke zu sammeln und die arinen Kolonisten, die sonst geradezu verhungern müßten, zu unterstützen, allein die» reicht auch nicht für die allerersten Anfänge au». Ist in weiten Kreisen der europäischen Juden, namentlich in Rußland und Rumänien, eine wirkliche Begeisterung für die Kolonisation Palästina'» vortiandcn, ivarum finden sich nicht unter ihnen ‘yn "CJK- «Männer von Vermögen iliid geistiger Kraft", Kausleute. Fabrikanten. Grundbesitzer und Rabbiner, die selbst da» Werk in die Hand nehme», nicht etwa die Armen und Ungeschickte» absrnden und sie allenfalls mit Geldmitteln versehen, sonder» selbst Hinreisen, Land ankausen und sich auf demselben niedcrlassen. So halb.» es die deutschen Ansiedler bei Jaffa, bei Jerusalem und am Fuße de» Karmel gemacht Sie haben sich durch eigene Thatkraft durchgekämpft und es dahin gebracht, daß ihre Kolonien sich jetzt in einem guten Znstande befinden. Als Nebukadnezar das Land Juda erobert hatte, führte er die Wohlhabenden in daS Exil nach Babel und ließ dir Armen, die nichts bcsaßen, im Lande zurück. Die rumänischen Eomitö's inachen es umgekehrt oder vielmehr hinsichtlich Palästina'» ebenso, sie schicke» die Armen nach dem heiligen Lande, während die Wohlhabenden zu Hause bleiben. Soll aber die Idee der Kolonisation zur Ausführung gelangen, so kann dies nur dann geschehen, wenn wirklich sich in weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung eine reichhaltige und thatsreudige Begeisterung**», nicht wie bisher rin Strohfeuer, kundgiebt, wenn wirklich Männer von Einfluß, von Stellung, von geistigen und materiellen Mitteln die Stiche in die Hand nehmen und mit ganze«» Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen sich derselben widme». So lange sich solche Männer nicht finden, wird der Plan nicht zur Durchführung grlangcn und werden wir ferner thnn müssen wie biSlKr. dir Dinge ruhig abwanrn und im klebrigen dem weise» und inaßvollen Auftreteit der Allianz vertraue» und dieselbe mit alle» Mitteln zu unterstützen. )l. Berichte »nd Correlpondenxe». Deutfcblaud. M«§drö«rg. Wir versprachen in voriger Nummer auf den principiell wichtigen Fall, der die Berliner Gemeindebehörden in der Sitzung vom 23. Deeember beschäftigte und der bei der erfolgten Abstimmung durch Stimmengleichheit (Iv für und 10 gegen) in «rraponso geblieben war, eingehender zurückzukommen, und erfüllen hierniit unser Versprechen. Wir gestehen von vornherein, daß wir dir Verhandlungen über den ganzen Fall nur aus dem ziemlich gleich lautenden Berichte in den orthodoxen Blättern kennen, welche in redaktionellen Nachbemerkungen recht weidlich gegen die 10 .liberalen" Repräsentanten loSziehrn und gegen ihre Wiederwahl Hetzen, besonders dir .Jüdische Presse", die — wie sie versichert — niemals .Personen" angreift oder die „Parteien" verhetzt (höchstens in majorem dei gloriam oder aus Verwandt- *1 Dieser Boiwnrs trifft »»» ganz und gar »ich«, wir habe» nie für diese Idee geschwärmt, die wir vor ‘«0 Jahre» in »nferem ersten liabbinaliisitzc Ihorn von dem dafür begeisterten feeligen R. Hirsch Kallscher ausiauche» sahen, sie ist durch die Judenversoigunaen in öiustland mid Rumänien für die jüdische Bevölkerung dieser Länder allcrdingS eine LedenSsrage gewordcnj, sür un« deutsche, sranzösische. englische, holländische Juden ist sie nur ein« Sache der Unterstützung. So säst sie wohl auch die Alliaitc aus. Jede nationale Schivärmerei muß davon fern gehalten werden. (Red.» *) Bon einer grasten Begeisterung sür diese Idee ist selbst in den orthodoxen Bläilern nicht« zu verspüren. ,Rcd.s